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Die ACCADEMIA DEI LINCEI Wissenschaft im Spannungsfeld kirchlicher und politischer Macht

Title: Die ACCADEMIA DEI LINCEI    Wissenschaft  im Spannungsfeld kirchlicher und politischer Macht

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 31 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dominique Gelf (Author)

Romance Studies - Interdisciplinary
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Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der wissenschaftlichen Akademien bei der Verbreitung und Entwicklung von Wissen. Ich werde versuchen im Folgenden darzustellen, dass es gerade die Institutionsform der Akademie war, die innovatives, wissenschaftliches Arbeiten zu Beginn des 17. Jahrhunderts ermöglichte. Die ersten wissenschaftlichen Akademien entstanden um 1600 in Italien, entsprechende Institutionen wurden bald auch in ganz Europa gegründet. Diese Akademien beschäftigten sich, im Gegensatz zu den literarisch-sprachlichen Akademien der Renaissance, mit Naturphilosophie.

Eine der ersten und wohl auch bedeutendsten Akademien in diesem Bereich war die Accademia dei Lincei. Sie nahm eine gewisse Vorreiterrolle bei der Erforschung der Natur ein, weswegen ich an ihr exemplarisch die innovative Form der Wissensentwicklung und –verbreitung der Akademien darstelle. Die Überlegungen, warum gerade von dieser Institutionsform wissenschaftliche Innovationen ausgegangen sind, benötigen zunächst eine theoretische Grundlage. Pierre Bourdieus Theorie der kulturellen Reproduktion bildet die Basis des Erklärungsansatzes. Etablierte Bildungseinrichtungen tendieren demnach dazu, Bestehendes zu reproduzieren, da hier ein massives Interesse besteht, die gesicherte Stellung zu behalten. Neue Entwicklungen und wissenschaftliche Innovationen bilden sich dagegen eher in randständigen Institutionen, da hier der Reproduktionskreislauf noch nicht greift. Die Darstellung dieser theoretischen Grundlagen ist Inhalt des folgenden Kapitels. Da diese Theorie jedoch aus dem 20. Jahrhundert stammt und Bourdieus Homo academicus1 sich zudem noch auf einen bestimmten Ort und Zeitpunkt bezieht, werde ich als nächstes versuchen die Theorie auf die Situation um 1600 zu übertragen. Dazu werde ich die Bildungseinrichtungen der Zeit, ihre Arbeit und Organisation, beschreiben und mit den theoretischen Überlegungen verknüpfen. Demnach haben die Akademien, hinsichtlich ihres Innovationspotentials, gerade davon profitiert, dass sie nicht etabliert waren und keine gefestigte Position im Bildungswesen innehatten. Ihrer Außenseiterrolle im Vergleich zu den Universitäten kommt also besondere Bedeutung zu. Den theoretischen Grundlagen folgt eine konkrete Analyse der Accademia dei Lincei. Zunächst stelle ich kurz die Geschichte der Akademie und das gesellschaftliche und wissenschaftliche Klima ihrer Zeit dar.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Pierre Bourdieus Homo academicus und die Theorie der kulturellen Reproduktion

2.2. Die Theorie der kulturellen Reproduktion und die Bildungsinstitutionen des 16. Jahrhunderts

2.2.1. Die Universität

2.2.2. Die Akademie

2.2.3. Zusammenfassung und Ausblick

3. Die Accademia dei Lincei

3.1. Die Accademia dei Lincei und ihr Umfeld

3.2. Die Organisation der Accademia dei Lincei

3.3. Die Impulse der Accademia dei Lincei nach außen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, warum wissenschaftliche Akademien des 17. Jahrhunderts – allen voran die Accademia dei Lincei – eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung und Entwicklung neuen, innovativen Wissens spielten, während etablierte universitäre Strukturen eher zur Reproduktion des Status quo tendierten.

  • Anwendung der Theorie der kulturellen Reproduktion von Pierre Bourdieu auf frühneuzeitliche Bildungseinrichtungen.
  • Gegenüberstellung von erstarrten universitären Traditionen und den dynamischen Ansätzen der Akademien.
  • Analyse des gesellschaftlichen Spannungsfeldes zwischen kirchlicher/politischer Macht und wissenschaftlicher Unabhängigkeit.
  • Untersuchung der Accademia dei Lincei als Vorreiter einer neuen, empirisch orientierten Naturphilosophie.
  • Reflektion über institutionelle Rahmenbedingungen, die wissenschaftlichen Fortschritt begünstigen oder behindern.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Organisation der Accademia dei Lincei

Der vermutlich größte Vorteil, den eine Akademie einem an der Naturphilosophie interessierten Gelehrten bot, war Schutz und Unabhängigkeit. Die aristokratische Patronage schaffte eine gewisse Unantastbarkeit und die Form des losen, privaten Zirkels bot die notwendige Unabhängigkeit.

Die Accadmia dei Lincei lehnte die Bildungstraditionen der Universität ab. Die dort geltende klare Trennung der Fächer beinhaltete auch eine klare Aufgabenverteilung. Der Philosoph sagte etwas über Qualitäten, über Zusammenhänge aus, die der Mathematiker mit seinen Quantitäten, seinen Beschreibungen bestätigte. Dies deduktive Methode war an der Universität vorherrschend. Besonders für Mathematiker, wie Galilei, war diese Tradition natürlich unbefriedigend, insbesondere, da sie durchaus relevantes zur Arbeit der Philosophen beizutragen hatten.

Diese strikte Trennung galt in der Akademie nicht. Die strengen Lehrgebietsgrenzen hatten hier keine Bedeutung und die Gelehrten konnten frei von diesen Beschränkungen arbeiten. Generell verstand sich die Akademie als ein Ort des gemeinschaftlichen Lehrens und Lernens. Dies waren weder zwei unterschiedliche Bereiche wie an der Universität, noch galt das Ideal des stillen, zurückgezogenen Studiums.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und Hypothese, dass Akademien im 17. Jahrhundert notwendige Innovationsräume außerhalb etablierter Universitäten darstellten.

2. Theoretische Grundlagen: Herleitung des Analyserahmens basierend auf Pierre Bourdieus Theorie der kulturellen Reproduktion und Übertragung auf die Bildungsinstitutionen des 16. Jahrhunderts.

3. Die Accademia dei Lincei: Konkrete Fallstudie der Lincei, ihrer Einbettung in das Umfeld, ihrer Organisationsform und ihres Einflusses auf die moderne Wissenschaft.

4. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage, die den Beitrag der Akademien durch die Überwindung traditioneller Zwänge bestätigt.

Schlüsselwörter

Accademia dei Lincei, Wissenschaftsgeschichte, Pierre Bourdieu, kulturelle Reproduktion, Naturphilosophie, 17. Jahrhundert, Bildungseinrichtungen, Universität, institutioneller Wandel, Patronage, wissenschaftliche Methode, Galilei, Forschungsfreiheit, Innovation, Gelehrtenrepublik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle der wissenschaftlichen Akademien des 17. Jahrhunderts, insbesondere der Accademia dei Lincei, bei der Etablierung neuer Wissensformen gegenüber den traditionellen Universitäten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Soziologie der Bildungseinrichtungen, der Wandel wissenschaftlicher Paradigmen im 16. und 17. Jahrhundert sowie das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Autonomie und gesellschaftlicher Macht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es darzulegen, warum gerade Akademien als randständige Organisationen wissenschaftliche Innovationen ermöglichen konnten, während Universitäten durch Reproduktionsmechanismen an traditionellen Lehrmeinungen festhielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein theoretischer Analyserahmen (Bourdieu) auf die historische Untersuchung der Accademia dei Lincei angewandt, um die Organisationsstrukturen und deren Einfluss auf den wissenschaftlichen Fortschritt zu erklären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Bourdieus Theorie, vergleicht Universitäten mit Akademien und untersucht spezifisch die Entstehungsgeschichte, Organisation und Wirkung der Accademia dei Lincei.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wissensproduktion, Reproduktionskreislauf, Patronage, Naturphilosophie, empirische Beobachtung und wissenschaftliche Innovation.

Welche Rolle spielte Federico Cesi für die Accademia dei Lincei?

Cesi war der Gründer, Patron und zentrale "Principe" der Akademie, dessen finanzieller und gesellschaftlicher Status maßgeblich dazu beitrug, dass die Akademie überhaupt existieren und wissenschaftliche Werke veröffentlichen konnte.

Inwiefern beeinflussten die Barberinis die Arbeit der Lincei?

Als einflussreiche Familie in Kirchenkreisen boten die Barberinis den Lincei durch Patronage Schutz und eine gewisse Offenheit, was den Wissenschaftlern half, den Spannungen zwischen ihren neuen Erkenntnissen und den kirchlichen Autoritäten zu begegnen.

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Details

Title
Die ACCADEMIA DEI LINCEI Wissenschaft im Spannungsfeld kirchlicher und politischer Macht
College
Dresden Technical University
Course
Hauptseminar Akademien
Grade
1,3
Author
Dominique Gelf (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V30109
ISBN (eBook)
9783638314459
Language
German
Tags
ACCADEMIA LINCEI Wissenschaft Spannungsfeld Macht Hauptseminar Akademien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominique Gelf (Author), 2003, Die ACCADEMIA DEI LINCEI Wissenschaft im Spannungsfeld kirchlicher und politischer Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30109
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