Kleopatra und ihre Rolle im Römischen Bürgerkrieg


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Einleitung

Selbst in der heutigen Zeit wirft die Figur der Kleopatra VII. noch viele Fragen auf. Keine andere Figur der Antike vereint in sich so viele Widersprüche. Auf der einen Seite ist sie eine Nachkommin von Alexander dem Großen und verhalf dem Ägyptischen Reich zur alten Große, auf der anderen Seite wird sie als „schamlose Ptolemäerin“1, als „königliche Dirne“2 und als „der schlimmste Hassausbruch der Geschichte“3 betitelt. Heute noch ruft sie gegensätzliche Gefühle hervor, entweder man liebt oder hasst sie.

Ziel dieser Arbeit ist es, ihre Rolle im Römischen Bürgerkrieg zu erläutern und inwiefern sie das Geschehen um Octavian und Marcus Antonius beeinflusste. Zunächst wird der Ursprung des ptolemäischen Herrscherhauses erklärt sowie ihr Weg zur Herrschaft. Auch die Beziehung zwischen Gaius Iulius Caesar und ihr wird näher erläutert. Danach kam es zum Römische Bürgerkrieg und zeitnahe begann die Beziehung zwischen Kleopatra VII. und Marcus Antonius. Wie später erläutert, entstand zu dem Zeitpunkt auch die Propagandapolitik von Octavian gegen Marcus Antonius und vor allem Kleopatra VII. hatte unter dieser zu leiden. Auch der (gemeinsame) Tod der beiden wird in dieser wissenschaftlichen Arbeit behandelt.

Quellenlage

Es gibt viele Quellen, die das Leben der Kleopatra VII. und des Marcus Antonius beschreiben, jedoch keine Primärquellen. Besonders der Römische Bürgerkrieg wurde in vielen Werken als Thema behandelt.

Die wohl wichtigsten sind die Werke Plutarchs, der zum einen das Leben des Marcus Antonius behandelte und zum anderen viele andere Biographien verfasste und somit auch den Römischen Bürgerkrieg behandelte. Er hatte auch persönliche Quellen, wie seinen Urgroßvater und seinen Großvater sowie den Leibarzt der Kleopatra VII. Dadurch können seine Anekdoten zum Zusammenleben der Kleopatra VII. und des Marcus Antonius als historisch wahr angesehen werden. Plutarch stellt die ägyptische Pharaonin als große Verführerin dar.

Auch die „ R ö mische Geschichte “ von Appian beschreibt den Römischen Bürgerkrieg.

Ebenso Sueton, Lucanus und Livius verfassten verschiedene Werke, in denen sie diese Zeit beschrieben. Und auch Horaz beschrieb es im ersten Band seiner „ Oden “. Doch all diese Werke sind mit Vorsicht zu lesen, da die meisten auf der Seite des Octavian waren und somit durch seine Propagandapolitik geprägt wurden. Viele stellen Kleopatra VII. als Schuldige dar, denn sie habe den Römischen Bürgerkrieg ausgelöst und Marcus Antonius zum Verräter Roms gemacht. Münzen aus der Zeit geben zumindest Hinweise auf das Aussehen der Kleopatra VII. und zeigen zum Teil ihre politischen Ziele.

Es gibt kaum Ägyptische Quellen zu der Zeit, da nur wenige Papyri erhalten blieben. Nur Inschriften und Darstellungen in ägyptischen Tempelanlagen liefern Informationen über das Leben der Kleopatra VII.

Die Ptolemäer - Herrschaft über Ägypten

Das Alte Ägypten wird als eines der ersten Großreiche der Erde angesehen. Um 525 v. Chr. wurde das damalige ägyptische Reich durch das Perserreich erobert und wurde somit Provinz eines fremden Weltreiches. 333 v. Chr. wurde Dareios III., der persische König, von Alexander dem Großen in der Schlacht von Issos besiegt. So kam Ägypten unter die Herrschaft des makedonischen Herrschers.

Alexander der Große übertrug wie die Perser die Verwaltung über Ägypten einem Satrap4 und der erste war Kleomenes. 323 v. Chr. wurde der makedonischer Feldherr und Freund Alexanders des Großen Ptolemaios Stadthalter Ägyptens und ab 305 trug er auch den Königstitel eines Pharaos sowie den Beinamen Soter (Retter).

Nun war er Ptolemaios I. Soter und begründete somit das Herrscherhaus der Ptolemäer. 284 ernannte er seinen Sohn zum Mitregenten und nach seinem Tod 283/2 folgte Ptolemaios II. ihm auf den Thron.

Ptolemaios II. war es auch, der den Herrscherkult der Ptolemäer begründete. Dies tat er, indem er seine Eltern, also seinen Ptolemaios I. Soter und seine Mutter Berenike I., als rettende Götter darstellen ließ und sie somit vergöttlichte.

Beziehung Rom und Ägypten

Im Sechsten Syrischen Krieg griff Rom nach einer Bitte Ägyptens 168 v. Chr. ein. Der römische Abgesandte Popillius Laenas schaffte es, den seleukidischen Herrscher Antiochias IV. zum Rückzug zu bewegen. So befreite und rettete er den ptolemäischen Thron und sicherte zugleich eine gewisse Abhängigkeit Ägyptens gegenüber Rom. Diese Interdependenz machte sich in den folgenden Jahren immer mehr bemerkbar. Bereits 155 v. Chr. verfasste der zu der Zeit herrschende Pharao Ptolemaios VIII. sein Testament, in dem steht, das Ägypten, falls es keinen Erben gäbe, an die römische Herrschaft übergehen würde.

„Wenn mir aber etwas Menschliches zustößt, ehe ich Thronerben hinterlasse, so vermache ich mir die gebührende Königsherrschaft den Römern, denen ich von Anfang an die Freundschaft und das Bündnis treu gewahrt habe.“5

So wurden die ägyptischen Pharaonen Herrscher von Roms Gnaden und von da an wurden keine innenpolitischen Schwierigkeiten oder dynastische Streitigkeiten ohne die Hilfe des römischen Senats geregelt. Er wurde um Hilfe, um Zustimmung oder um Entscheidungen gebeten.

Kleopatra VII. - Ihr Weg zur Macht

Kleopatra wurde um 69/68 v. Chr. als erstes Kind des Ptolemaios XII. geboren. Sie hatte eine weitere Schwester (Arsinoë IV.) und zwei Brüder, Ptolemaios XIII. und Ptolemaios XIV.

Ihr Vater Ptolemaios XII. hatte mit schwierigen innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Er versuchte die Anerkennung Roms zu erlangen und erhöhte aus diesem Grund die Steuern, um so Gelder für Rom zu bekommen.

Als Gaius Iulius Caesar den Titel eines Konsuls erlangte, endete 59 v. Chr. dieser Schwebezustand. Caesar bestätigte ihm die Anerkennung als rechtmäßiger Herrscher über Ägypten. Zusätzlich wurde Ptolemaios XII. offiziell „ amicus et socius populi romani “, also „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“, angesehen. Doch dadurch, dass Ptolemaios XII. zuvor eine sehr hohe Menge an Schulden angesammelt hatte, musste er bald wieder zum beim Volk unbeliebten Mittel der Steuererhöhung greifen. Zusätzlich blieb er bei den Verhandlungen über eine Annexion Zyperns untätig und schließlich brachte sein Bruder sich als Folge um. Zu alldem schwieg Ptolemaios XII. und zog sich so den Unmut des Volkes auf sich. Schließlich musste er im Spätsommer 58 v. Chr. aus Alexandria fliehen und musste sich gezwungenermaßen an Rom wenden und um Hilfe bitten.6 7 Er kam ein Jahr später in Rom an und konnte durch die Hilfe 56 v. Chr. wieder auf den Thron Ägyptens steigen.

52 v. Chr. ernannte er seine älteste Tochter Kleopatra VII. zur Mitregentin und verstarb ein Jahr darauf. Er verfügte in seinem Testament, dass seine ältesten Kinder die Herrschaft über Ägypten gemeinsam übernehmen sollten, also Kleopatra VII. und Ptolemaios XIII.8

Zwischen den beiden Geschwistern kam es immer wieder zu Streitigkeiten, beziehungsweise zwischen Kleopatra und den Beratern des noch unmündigen Ptolemaios XIII. Nur kurze Zeit später kam es zur vollständigen Entmachtung Kleopatras (49 v. Chr.) und sie musste erst in die Thebais, dann nach Syrien (48 v. Chr.) fliehen. In Alexandria wurde Ptolemaios XIII. inzwischen zum offiziellen König von Ägypten ernannt. Bruder und Schwester begannen schließlich mit der Aushebung von Truppen, Kleopatra VII. in Syrien und Ptolemaios XIII. in Alexandria.

Nun setzte sich Caesar für eine Schlichtung im Streit zwischen den Geschwistern ein. Er forderte beide auf, ihre Armeen zu entlassen und vor ihm zu treten, wohlgemerkt persönlich und in Alexandria. Ptolemaios XIII. war zwar bereit, vor Caesar zu treten, entließ jedoch nicht seine Armee. Kleopatra VII. erkannte, dass nur ein Treffen mit dem römischen Herrn allein ihre Situation verbessern könnte. Nur durch eine List, so Plutarch, gelang es ihr diesen Treffen zu erreichen.

Die Prinzessin wählte aus ihrem Gefolge einen einzigen Begleiter, Apollodorus von Sizilien, und bestieg mit ihm einen kleinen Nachen, der bei einbrechender Dunkelheit in der Nähe des königlichen Palastes anlegte. Da sie sonst keine Möglichkeit sah, unentdeckt hineinzugelangen, legte sie sich die Länge nach in einen Bettsack, Appollodorus schnürte ihn mit Riemen zusammen und trug das Bündel durchs Schlosstor zu Caesar hinein. Schon dieser listige Einfall, der Kleopatras mutwilliges Wesen verriet, gewann Caesars Herz, und vollends erlag er ihrer Anmut und dem Reiz ihres Umgangs.“9

Dies war zugleich die erste Begegnung zwischen Kleopatra und Caesar. Man weiß jedoch nicht, ob bereits damals die Beziehung zwischen dem Römer und der Ägypterin begann, nur das politische Ergebnis des Treffens ist bekannt.

Caesar berief eine Volksversammlung und verlas dort das Testament des Ptolemaios XII. Dies besagte, dass Schwester und Bruder nach ägyptischer Tradition zusammen leben und regieren sollten und dass das römische Volk die Vormundschaft innehalten sollte.10 Da Caesar sich als Diktator als Gewalt des römischen Volkes ansah, verstand er es so, dass er sich um Ägypten und deren Herrscher kümmern dürfe. Zusätzlich verlieh er den jüngeren Geschwistern der Kleopatra und des Ptolemaios XIII., also Arsinoë IV. und Ptolemaios XIV. Zypern als gemeinsames Königtum. Kurz darauf begann 48 v. Chr. der Alexandrinische Krieg, da Ptolemaios XIII. und seine Berater nicht an einer gemeinsamen Herrschaft mit seiner älteren Schwester interessiert waren.11 Der Krieg dauerte nur vier Monate als schließlich Caesar ein entscheidender Sieg über Ptolemaios XIII. gelang, bei dem der ägyptischer Herrscher auf seiner Flucht im Nil ertrank. Schließlich machte Caesar mit der Annexion Zyperns an Ägypten der Kleopatra VII. ein Geschenk und veranlasste zusätzlich eine ägyptische Geschwisterehe zwischen der Pharaonin und ihrem jüngsten Bruder, Ptolemaios XVI. Dies sollte auf der einen Seite den Schutz der Kleopatra VII. dienen, da sie beim alexandrinischen Volk unbeliebt war und auf der anderen Seite ein Mittel zum Schein sein, da in Wirklichkeit Kleopatra VII. die alleinige Herrscherin über Ägypten war.12

[...]


1 Lucanus: Bellum Civile: X, 69: in einer Übersetzung von Wilhlem Ehlers; München 1973; Seite 477.

2 Properz: III, 11.

3 Grant, Michel: Kleopatra, Seite 10, Bergisch-Gladbach, 1998.

4 Ein Satrap war der Titel eines Statthalters einer größeren Provinz.

5 SEG IX, 7; deutsche Übersetzung nach Volkmann 1953, 30 f.

6 Vgl. Cass. Dio 39, 12.

7 Vgl. Plut. Pomp. 49, 7.

8 Vgl. Lucan 10, 92 - 99.

9 Plut. Caes. 49.

10 Vgl. Cass. Dio42, 37, 1 - 5.

11 Vgl. Heinen, Heinz: Rom und Ägypten von 51 bis 47 v. Chr., Tübingen 1966.

12 Vgl. Cass. Dio 42, 441 1 - 4.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kleopatra und ihre Rolle im Römischen Bürgerkrieg
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Historisches Seminar)
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V301442
ISBN (eBook)
9783956872075
ISBN (Buch)
9783668003460
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kleopatra, rolle, römischen, bürgerkrieg
Arbeit zitieren
Lily Cat (Autor), 2011, Kleopatra und ihre Rolle im Römischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301442

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