Die Kolonialpolitik von Carl Peters und ihre Folgen auf den Maji-Maji-Krieg


Hausarbeit, 2015
21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Kurzbiografie Dr. Carl Peters

3.) Die Gründung der Kolonie Deutsch-Ostafrika

4.) Kolonialpolitik und Führung Peters’ bis zu seiner Amtsenthebung
4.1 Vorwort zur Quellenlage
4.2 Tatsächliche Kolonialpolitik und Führung Peters

5.) Entwicklung und Führung der Kolonie von 1897-1905 im Vergleich zu der Kolonialpolitik Peters'
5.1 Zwischenfazit

6.) Der Prophet und die Botschaft

7.) Der Ausbruch des Krieges und die Ursachen

8.) Schlussbetrachtung unter Bezug der vorangegangen Kolonialpolitik Dr. Peters’

9.) Literaturverzeichnis
9.1 Primärquellen
9.2 Sekundärquellen
9.3 Internetquellen

1.) Einleitung

Im Jahr 1905 kam es in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, zu einem der größten Eingeborenenaufstände der deutschen Kolonialgeschichte. In seinen Konsequenzen und vor allem in der Brutalität der deutschen Gegenmaßnahmen war dieser sogenannte Maji-Maji-Krieg weit bemerkenswerter als zum Beispiel der viel diskutierte Hottentotten- und Hereroaufstand in Deutsch-Südwestafrika. Dennoch ist dieser Maji-Maji-Krieg im historischen Bewusstsein der Deutschen so gut wie nicht existent.

Die Gründung Deutsch-Ostafrikas, das erst 1891 Kronkolonie wurde und damit der Hoheit des Deutschen Reiches unterstand, war ursprünglich eine private Unternehmung: Statt eine akademische Laufbahn einzuschlagen, entschloss sich der promovierte Historiker Carl Peters seinen Traum eines deutschen Kolonialreiches in Afrika in die Tat umzusetzen. Im Zeitraum von 1891 bis 1897 wurde Peters als Reichskommissar für das Kilimandscharo-Gebiet eingesetzt. Hier kümmerte er sich um die Festlegung der Grenze gegenüber dem britischen Ostafrika. Durch sein brutales Vorgehen gegen die afrikanische Bevölkerung kam es dann zu einem Aufstand, der Peters letztenendes sein Amt kostete. Auch wenn Peters nicht mehr amtierender Reichskommissar in Deutsch-Ostafrika gewesen ist, so hat seine Kolonialpolitik dem Anschein nach Spuren hinterlassen.

In dieser Hausarbeit im Modul G4 soll unter anderem die Frage beantwortet werden, inwieweit die ursprünglich durch Dr. Carl Peters initiierte Kolonialpolitik richtungsweisend für die Politik nachfolgender Kolonialherren gewesen ist.

Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, inwiefern der Maji-Maji-Krieg auf diese Kolonialpolitik Dr. Carl Peters’ zurückzuführen war. Es soll eine „saubere“ Trennlinie zwischen der Amtszeit von Peters und dem Beginn des Krieges gezogen werden, da er bereits acht Jahre vor dessen Beginn seines Amtes enthoben worden war.

Im ersten Teil möchte ich eine kurze Biografie von Dr. Carl Peters vorstellen sowie die Gründung Deutsch-Ostafrikas skizzieren.

Im weiteren Verlauf soll die Kolonialpolitik und der Führungsstil von Peters von Amtseinführung bis zu seiner -enthebung beleuchtet werden. Da die Kolonie bis zum Beginn des Krieges durch andere Reichskommissare bzw. Gouverneure acht Jahre lang geführt worden war, soll der Zeitraum 1897 bis 1905 ebenso erläutert werden. In diesem Kapitel soll im Schwerpunkt geprüft werden, ob und inwieweit Peters' Kolonialpolitik ursächlich bzw. ein Auslöser für den Aufstand gewesen ist.

Im zweiten Teil dieser Hausarbeit soll der Krieg der Maji-Maji näher betrachtet werden. Hierzu sollen die ideologischen Grundlagen erläutert und auf die Ursachen des Maji-Maji-Krieges näher eingegangen werden.

Es folgt eine zusammenfassende Schlussbetrachtung, in der die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengetragen werden, und es wird ein grober Ausblick mithilfe des aktuellen Forschungsstandes gegeben.

Doch zunächst soll die Biografie von Peters ebenso wie ein kurzer historischer Abriss zur Gründung Deutsch-Ostafrikas vorgestellt werden.

2.) Kurzbiografie Dr. Carl Peters

Geboren wurde Carl Peters am 27. September 1856 als achtes von elf Kindern des evangelischen Pastors Johann Peters und dessen Ehefrau Elisabeth (geb. Engel) in Neuhaus im Herzogtum Lauenburg.

Während seiner Schulzeit besuchte er das Gymnasium in Lüneburg sowie später die Klosterschule Ilfeld im Harz. Bei seinen Lehrern galt er als intelligent und sportlich.

Nach Ablegen seiner Abiturprüfung im Jahr 1876, studierte er zunächst in Göttingen Geschichte und Geographie. Später folgten die Universitäten in Tübingen und Berlin.

Mit einer Arbeit zu den Untersuchungen zum Frieden von Venedig promovierte er im Sommer 1879 zum Doktor der Philosophie. Er schloss sein Studium mit dem 1. Staatsexamen für Lehrämter im Jahr 1880 ab. Eine anschließende Referendariatsstelle als Gymnasiallehrer für Geschichte und Geographie kam für ihn trotz seines bestandenen Examens nicht in Frage.

1881 zog Peters zu seinem Onkel Karl Engel nach London, wo er erstmals mit der britischen Weltmachtpolitik und dem Kolonialismus in Berührung kam. Diese Art von Politik, die ihm eine große Faszination entgegenbrachte, sollte von nun an sein Weltbild beeinflussen.

Peters kritisierte, dass die Engländer, anders als die Deutschen, über ein weitaus größeres Selbstbewusstsein verfügten und einen ausgeprägteren Nationalstolz besäßen.

Nachdem Peters nach Deutschland zurückgekehrt war, ließ er sich in Berlin nieder, wo er im März 1884 die „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“ (GfDK) mitbegründete. Zwischenzeitlich siedelte er nach Hannover über und habilitierte sich an der Universität Leipzig.

Von der GfDK wurde Peters beauftragt, Gebiete in Ostafrika zu erwerben. In der Folge wurde Peters im Jahr 1891 zum Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet ernannt. Hier kümmerte er sich unter anderem um die Festlegung einer Grenze gegenüber dem britischen Ostafrika, dem heutigen Kenia.

Sein brutales Vorgehen gegen die afrikanische Bevölkerung kostete Peters später sein Amt, woraufhin das Deutsche Reich unmittelbar die Kontrolle über die Kolonie übernahm.

1892 wurde Peters nach Deutschland zurückbeordert, wo man ihn von 1893 bis 1895 im Kolonialministerium beschäftigte, während gegen ihn disziplinar-rechtliche Ermittlungen durchgeführt wurden. Die Ermittlungen des kaiserlichen Disziplinargerichts endeten 1897 mit der unehrenhaften Entlassung aus dem Reichsdienst unter Verlust seines Titels und seiner Pensionsansprüche.

Nach einem erneuten Umzug nach London lebte er dort von 1896 bis 1914 und gründete die "Dr. Carl Peters Estates and Exploration Co.", die spätere "South East Africa Ltd." in London, die den Goldbergbau in Südafrika betrieb.

In mehreren Reisen erkundete er weitere Goldlagerstätten in Südrhodesien und Angola.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges kehrte Peters nach Deutschland zurück, wo er 1918 starb (vgl. Roegels, 1933).

3.) Die Gründung der Kolonie Deutsch-Ostafrika

Der Name „Deutsch-Ostafrika“ war die frühere Bezeichnung der von 1885 bis 1918 bestehenden deutschen Kolonie, die sich über die heutigen Staatsgebiete von Tansania (Tanganyika), Ruanda und Burundi erstreckte (vgl. hschumacher.de, 2002). Die Annektierung der Kolonie vollzog sich in mehreren Phasen, welche nachfolgend kurz skizziert werden.

In den 1880er Jahren forderten diverse Stimmen im Deutschen Reich eine verstärkte Kolonialpolitik. Bismarck stellte sich 1881 noch gegen eine expansive Kolonialpolitik, da er nicht gewillt war, das "empfindliche Gleichgewicht" der europäischen Mächte – insbesondere auch das Verhältnis zu Großbritannien – zu stören. Ferner schätzte er auch die Kosten höher ein als den Nutzen einer deutschen Kolonie, denn er hatte große Bedenken, dass für das Betreiben einer Kolonie immense Schutz- und Verwaltungsaufgaben auf das Deutsche Reich zukommen würden.

Schlussendlich zwangen ihn die zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme im Deutschen Reich zum Handeln, da der Wirtschaft neue Absatzmärkte fehlten, welche bereits anderen Kolonialmächten große Reichtümer einbrachten. Des Weiteren wünschte man sich für das Deutsche Reich, das sich von 1882 bis 1886 in einem Konjunkturtief befunden hatte, weitergehende Erschließungen von Rohstoffquellen in ungeahnten Dimensionen.

Die herrschenden Wirtschaftskreise träumten zudem von der Schwächung einer immer stärker werdenden Arbeiterbewegung und starteten eine Auswanderungskampagne mit der Zielsetzung, ein „deutsches Indien“ in Übersee zu erschaffen und zu besiedeln, das glänzende Entwicklungsmöglichkeiten in offenbaren sollte. Sowohl in nationalistisch geprägten Kreisen des Bürgertums als auch in adeligen Kreisen fiel die Idee der Erschließung einer deutschen Kolonie auf fruchtbaren Boden.

Wirtschaftlich betrachtet sollte die Erschließung einer Kolonie die Zollschutzzonen anderer Kolonialmächte beschränken und die eigene Außenwirtschaft stärken.

„Nachdem in der Berliner Kongokonferenz Afrika am grünen Tisch unter den Großmächten verteilt worden war, versuchten diese, ihre afrikanischen Interessensphären so weit und so schnell wie möglich auszudehnen und somit ihre Besitzansprüche zu manifestieren. Dies geschah im Rahmen von ‚Schutzverträgen’, die unter Anwendung dubioser Mittel, aber auch durch militärischen Druck mit lokalen politischen Führern in Afrika geschlossen wurden.

Durch diese Verträge wurde nach europäischem Verständnis, jedoch nicht nach afrikanischer Auffassung, die Souveränität über das Land an die ‚Schutzmacht’ abgetreten. Auf diese Weise wurden auch die deutschen ‚Schutzgebiete’ in Ostafrika annektiert." (hschumacher.de, 2002)

Durch diese Verträge wurden also die Interessen der Kolonialmächte geschützt sowie deren Herrschaft über die Landesgrenzen hinaus weiter ausgedehnt. Durch die Vertragsform sollte der Inhalt weiter „beschönigt“ werden.

Im Herbst 1884 hatte Peters, wie bereits unter 2.) erwähnt, die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation” mitbegründet. Er reiste zusammen mit drei weiteren Gesellschaftern nach Sansibar und schloss auf dem benachbarten Festland zwölf so genannte „Schutzverträge“ ab. Die wirtschaftliche Erschließung sollte die am 12. Februar 1885 unter der Führung von Peters gegründete Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) übernehmen.

„Nachdem Bismarck mehrmals den von Peters erbetenen Schutz für die Erkundung Ostafrikas zuerst abgelehnt hatte, wurden die von diesem erworbenen Territorien am 27. Februar 1885, einen Tag nach der Beendigung der Kongokonferenz, als dritte überseeische Besitzung unter deutschen Schutz gestellt; der kaiserliche Schutzbrief berechtigte die DOAG zu weiteren Annektierungen in Ostafrika.“ (vgl. ebd.).

4.) Kolonialpolitik und Führung Peters’ bis zu seiner Amtsenthebung

4.1 Vorwort zur Quellenlage

Die Kolonialpolitik sowie auch die interne Führung (Verwaltung) der Kolonie Deutsch-Ostafrika durch Carl Peters bis zu seiner Amtsenthebung im Jahr 1897 muss im Folgenden aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden, da die vorliegende Fachliteratur stets aus zwei verschiedenen politischen Lagern entstammt und sich somit verschiedene divergierende Betrachtungsweisen auf die Führung und Verwaltung der Kolonie herausbilden.

Grundlegend kann gesagt werden, dass die Erschließung einer Kolonie auf dem Begriff des Imperialismus beruht, dieser jedoch weiter ausdifferenziert werden müsste. Da sich eine Ausdifferenzierung zu weit von der Kernfrage dieser Hausarbeit entfernen würde, soll im Folgenden darauf verzichtet werden.

Wie unter Punkt 3 dieser Hausarbeit bereits angesprochen, waren sowohl die nationalistisch gesinnten Kreise der damaligen Bevölkerung als auch der Adel nicht von der Kolonisationsidee abgeneigt. Einen Beleg hierfür findet man in der Sichtung der entsprechenden Literatur. Autoren aus den 1930er-Jahren sehen Carl Peters u. a. als „Kolonialhelden“ und sprechen davon, dass Carl Peters dem Deutschen Reich die größte Kolonie schenkte (vgl. Roegels, 1933). Andere sehen Carl Peters als Patrioten oder auch als genialen Eroberer (vgl. Wichterich, 1934). Diese literarischen Quellen stammen zweifelsfrei aus den nationalistisch gesinnten Reihen, welche Befürworter der Kolonialisierung waren.

Einen anderen Blickwinkel ermöglichte dem Leser das sozialdemokratische Zentralorgan „Vorwärts“.

In diesem wird Peters so umschrieben: Peters ist ein „grimmige[r] Arier, der alle Juden vertilgen will und in Ermangelung von Juden drüben in Afrika Neger totschießt wie Spatzen und zum Vergnügen Negermädchen aufhängt, nachdem sie seinen Lüsten gedient [hatten].“. Ferner heißt es hier: „Peters ist der Typus eines renommistischen Scheusals. Seine Schändlichkeiten sind freilich schlimm genug, aber noch nicht so schlimm, wie er sie selbst reklamehaft übertreibt. Er will vor allem der interessante Ueberkerl [sic!] sein, der frei von jeglichem moralischem Skrupel nur seine große Persönlichkeit auslebt.“ (vgl. „Vorwärts“, 1899).

Im Jahr 1978 charakterisiert ihn der Historiker Gordon A. Craig als „eine eigentümliche Mischung aus Marktschreier, Patriot und Judenfresser, der von dem Wunsch beseelt war, es den englischen Erfolgen in der überseeischen Welt gleichzutun.“ (Craig, 1985).

Ein weiterer Historiker, nämlich Prof. Sebastian Conrad (FU Berlin), bescheinigt ihm einen „gleichsam spätfeudalen Habitus“ und ein „Herrenmenschentum“, das er „ohne Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung brutal auslebte.“ (vgl. Conrad, 2008).

Ein weiterer Autor zitiert Peters direkt: „Leider führt mein Weg über Leichen, […] Gnade Gott meinen Feinden, ich will sie erbarmungslos zertreten.“ (Wehler, 1969).

[...]

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Details

Titel
Die Kolonialpolitik von Carl Peters und ihre Folgen auf den Maji-Maji-Krieg
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Modul G4
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V301590
ISBN (eBook)
9783956872761
ISBN (Buch)
9783668003798
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrika, Kolonie, Carl Peters, Maji-Maji, Eroberung, Kolonialgeschichte, Deutsche Kolonien, FernUniversität Hagen, Kulturwissenschaften, Modul G4, Fernuni Hagen G4
Arbeit zitieren
Philipp-Alexander Eilhard (Autor), 2015, Die Kolonialpolitik von Carl Peters und ihre Folgen auf den Maji-Maji-Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301590

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