Bedarfsplanung Alter 2030

Bedürfnisse und Erwartungen der älteren Bevölkerung, der Gesellschaft und Behörden im Jahr 2030 inklusive Finanzierung und Trägerschaft, am Beispiel der Schweizer Gemeinde Stans


Doktorarbeit / Dissertation, 2014
205 Seiten, Note: sehr gut (94%)

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

MANAGEMENT SUMMARY

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

1.EINLEITUNG
1.1 Untersuchungsgegenstand
1.2 Forschungsfragen
1.3 Wissenschaftlicher Nutzen
1.4 Hypothesen
1.5 Bedeutsamkeit der Fragestellung
1.6 Ergebnisse
1.7 Theoretischer Kern der Arbeit
1.8 Neuigkeitswert
1.9 Verwendete Methoden

2.KURZVORSTELLUNG des Autors und der Gemeinde Stans
2.1 Vita und Publikationen des Autors
2.2 Politische Gemeinde Stans

3.Alter und altern– eine Theoretische Betrachtung
3.1 WHO für eine altersfreundliche Welt
3.2 Dublin Declaration für altersfreundliche Städte - Beispiel Bern
3.3 Alter und Überalterung
3.4 Demografische Entwicklung
3.5 Alter und Gesundheit - gesund altern
3.6 Alter und Wohnen
3.7 Alter und öffentlicher Raum
3.8 Alter und Gesellschaft
3.9 Fazit und Maßnahmen

4.Situationsanalyse zum Thema Alter in Stans
4.1 Demografische Entwicklung in Stans
4.2 IST-Situation über die vorhandenen Angebote zum Thema Alter
4.2.1 Pflegebettensituation in Stans
4.2.2 Key-Players zum Thema Alter in Stans
4.3 Fazit

5.BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNG IN STANS
5.1 Vorbemerkung
5.2 Befragung für ein altersfreundliches Stans
5.2.1 Kennzahlen der Befragung
5.2.2 Antworten/Aussagen, Erkenntnisse und Konsequenzen
5.2.3 Kommentar zur Auswertung nach Alterssegmenten
5.2.4 Top-Ten der Aussagen aus den offenen Fragen
5.3 Fazit

6.Vision und STANSER ALTERSLEITBILD
6.1 Leitbild der Gemeinde Stans
6.2 Stanser Altersleitbild

7.BEDARFSPLANUNG ALTER 2030 DER GEMEINDE STANS
7.1 Maßnahmenplanung für ein altersfreundliches Stans
7.1.1 Versorgungssicherheit
7.1.2 Information, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung
7.1.3 Existenzsicherung
7.1.4 Wohnen
7.1.5 Öffentlicher Raum und Quartiere
7.1.6 Ressourcen, Potentiale, Fähigkeiten und Freiwilligen-Engagement im Alter
7.1.7 Generationenbeziehungen
7.1.8 Gerontologische Zukunftsthemen
7.1.9 Gesundheitsförderung im Alter
7.2 Umsetzung des Maßnahmenplans
7.3 Herausforderung der Zukunft im Bereich Wohnen
7.4 Finanzierung und Trägerschaft
7.4.1 Wohninfrastruktur
7.4.2 Aufenthalt im Pflegeheim
7.4.3 Maßnahmen und Angebote fürs Alter

8.SCHLUSSBEMERKUNG UND AUSBLICK
8.1 Überprüfung der Fragestellung und der Hypothesen
8.2 Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Anhang 1: Glossar

Anhang 2: Fragebogen mit Begleitbrief

VORWORT

Unzählige neue Studien zeigen, dass mit 50 Jahren nicht der Höhepunkt des Lebens erreicht wird, sondern dass die Menschen ab 50 glücklicher und zufriedener werden. 340‘000 Amerikaner[1] zwischen 18 und 85 Jahren wurden über ihre Gefühle befragt. Der Psychologe und Studienautor Arthur Stone stellte verblüfft fest, dass das allgemeine Wohlbefinden der Befragten ab 30 bis Mitte 40 kontinuierlich abnahm, um dann wieder anzusteigen. Die Glückskurve stellte sich als U-Form-Kurve heraus, mit einem statistischen Tiefpunkt im Alter von 46. Stone zog daraus die Konsequenz, einen ‚U-Turn of Life‘ zu formulieren, die Kehrtwende zum besseren Leben. Denn die Lebenszufriedenheit ist im Alter noch weit höher als in der Phase der frühen Erwachsenenzeit. Diese Kehrtwende der Lebenszufriedenheit erweist sich in vielen Studien als globales Phänomen, indem wir immer sicherer durchs Leben gehen, weiser werden und uns besser fühlen.[2]

Mit diesen positiven Aussichten und dem vermuteten brachliegenden Potential bei der Alterspolitik wurde ich angespornt und motiviert meine Dissertation zum Thema Alter 2030 zu schreiben. Es geht darum einen relevanten Beitrag zu leisten, damit die wandelnde soziale Welt gerade zum Thema Alter und Altern verstehbar, sinnhaft und handhabbar wird. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ist das Ergebnis nicht nur die vorliegende Arbeit – sondern ich kann auch viele fachliche und persönliche Erkenntnisse auf meinen weiteren Weg mitnehmen.

Ich danke den Verantwortlichen des Branch Campus Innsbruck der Universidad Azteca und Universidad Central de Nicaragua für die sehr lehrreiche Zeit. Im Besonderen danke ich meinem Betreuer Herr Prof. DDr. Gerhard Berchtold für seine Unterstützung, sowie für seine Zeit, die er mir zur Verfügung stellte.

Herzlich bedanke ich mich bei meiner Arbeitgeberin Politische Gemeinde Stans für die Möglichkeit ein aktuelles Projektthema im Rahmen dieser Arbeit zu bearbeiten und beim Sozialvorsteher Gemeindevizepräsident Gregor Schwander und der Gemeindeschreiberin Esther Bachmann für die große Unterstützung.

Zum Schluss bedanke ich mich ganz besonders bei meiner Familie, mit meiner Ehefrau Viktorija und unseren Kindern Darius, Jessica und Joel, welche mich mit großem Verständnis und Entgegenkommen unterstützte.

Hergiswil, 3. Juni 2014 / Lukas Liem

MANAGEMENT SUMMARY

Der demographische Wandel wird viele Lebensbereiche unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten grundsätzlich verändern. Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme sind ebenso absehbar, wie auf politische Entscheidungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Betroffen davon sind alle Bevölkerungsgruppen, ob alt oder jung. Die Entwicklungstrends des demographischen Wandels, ihre Folgen und mögliche Handlungskonzepte sind deshalb wichtige Themen. In der Altersbetreuung besteht in der Gemeinde Stans ein zunehmender Bedarf nach Leistungen im präventiven, ambulanten und stationären Bereich. Damit dieser Bedarf abgedeckt werden kann, sind finanzielle, personelle und infrastrukturelle Ressourcen rechtzeitig einzuplanen. Diese Planung soll die Grundlage schaffen, damit die erforderlichen Maßnahmen optimal aufeinander abgestimmt werden können. Durch eine langfristige und abgestimmte Planung können der Ressourceneinsatz optimiert und Planungsfehler vermieden werden.

Mit dieser Arbeit wurden Planungsgrundlagen für die Bedarfsplanung Alter 2030 der Gemeinde Stans erarbeitet und ein neues Altersleitbild geschaffen.

Im Rahmen dieser Arbeit wurden folgende Fragestellungen bearbeitet?

- Was sind die Bedürfnisse und Erwartungen der modernen älteren Bevölkerung, der Gesellschaft und Behörden im Jahr 2030 und wie ist das zu erwartende Mengengerüst?
- Wie werden die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen finanziert und welche Trägerschaften eignen sich dafür?
- Es wird vermutet, dass die ältere Bevölkerung den Heimeintritt mit unterschiedlichen Maßnahmen so lange wie möglich herausschieben möchte.
- Mit welchen Maßnahmen wird dies erreicht?
- Welchen möglichen Einfluss hat dies auf die Finanzierung?
- In welcher Höhe kann dies den öffentlichen Haushalt entlasten?
- Welches sind darin die relevanten Faktoren und wie resp. mit welchen Maßnahmen lassen sich diese beeinflussen?
- Welchen Einfluss hat die Migration aus Nachbargemeinden oder aus dem Ausland auf die Bedarfsplanung der Zentrumsgemeinde Stans?
Hiervon ließen sich folgende Hypothesen ableiten und wurden im Rahmen dieser Studie überprüft:
- Die ältere Bevölkerung hat im Jahr 2030 im Bereich Wohnen, Mobilität und Sicherheit deutlich andere Bedürfnisse als die heutige ältere Bevölkerung.
- Um die zukünftigen Bedürfnisse im Bereich Alter erfüllen zu können, sind erhebliche Anpassungen in den Strukturen und der Infrastruktur notwendig.
- Die ältere Bevölkerung möchte einen Heimeintritt so lange wie möglich hinausschieben.
- Die Bereitschaft zu Freiwilligenarbeit sinkt bei der älteren Bevölkerung.

Die WHO setzt sich seit Jahren für altersfreundliche Städte und Gemeinden ein. Ein lebenslanger und ganzheitlicher Ansatz für aktives und gesundes Altern steht auf vier Pfeilern:

1. Die Förderung einer guten Gesundheit und gesunder Verhaltensweisen in allen Altersgruppen, um chronischen Krankheiten oder ihrer Entstehung vorzubeugen oder sie zu verzögern.
2. Durch die Früherkennung und hochwertige Versorgung die Folgen chronischer Krankheiten minimieren.
3. Die Schaffung einer räumlichen und sozialen Umwelt, die Gesundheit und Teilhabe älterer Mitmenschen fördert.
4. Das Altern neu erfinden – gesellschaftliche Einstellungen verändern, um die Teilhabe älterer Mitmenschen anzuregen.

Gemäss WHO ist eine altersfreundliche Stadt eine integrative und zugängliche städtische Umgebung, welche das aktive Altern fördert.[3]

Im Durchschnitt 20 bis 25 gesunde Jahre erwarten Frauen und Männer nach der Pensionierung, bevor viele Mitte 80 fragiler werden und sich die gesundheitlichen Bedingungen zum Teil stark verändern. Die bisherige Einteilung des Erwachsenenlebens in bloß zwei Phasen – Erwerbs- und Pensionierungsphase – ist damit überholt. Das Gebrauchtwerden in der Zeit auch nach der Pensionierung ist ein Paradigmenwechsel, dessen Bedeutung man kaum überschätzen kann.[4] Zusätzlich zeigt sich, dass die Bevölkerungsgruppe der pensionierten und hochaltrigen Frauen und Männer ausgesprochen heterogen ist: Ihre Ressourcen und gesundheitlichen Bedingungen werden, je älter sie sind, desto unterschiedlicher. Hinsichtlich der Bedürfnisse, Eigenschaften und der Leistungsfähigkeit eines Menschen verliert das chronologische Alter zunehmend an Informationswert. Zurzeit findet ein bedeutender Generationenwandel statt: Wer vor dem 2. Weltkrieg aufgewachsen ist, hat im Alter andere Bedürfnisse als die Angehörigen der „Babyboom“-Generation, die in der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs jung gewesen sind. Jetzt gehen diese Babyboomer in Pension – finanziell stärker und anspruchsvoller als ihre Eltern bei deren Pensionierung. So verfügen die Babyboomer beispielsweise über bessere Ausbildungen als ihre Eltern, und die Frauen sind im Gegensatz zu ihren Müttern fast seit ihrer Mündigkeit stimm- und wahlberechtigt.

Die Alterspolitik muss die Heterogenität dieser Bevölkerungsgruppe berücksichtigen. Um flexibel auf Entwicklungen und neue Voraussetzungen reagieren zu können, ist zudem der stete Generationenwandel vorausschauend in die Überlegungen einzubeziehen.

„Die große Herausforderung der Zukunft wird es sein, einerseits aktive ältere Menschen entsprechend ihren Kompetenzen anzuerkennen. … Andererseits geht es darum, pflegebedürftige bzw. demenzerkrankte Menschen würdevoll zu pflegen und zu behandeln. Die Gesellschaft der Zukunft benötigt zwei Alterskulturen: eine Alterskultur für aktive ältere Menschen und eine Alterskultur für pflegebedürftige Menschen gegen das Lebensende hin.“[5]

In den nächsten Jahrzehnten wird der demographische Wandel viele Lebensbereiche unserer Gesellschaft grundsätzlich verändern. Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme sind ebenso absehbar wie auf politische Entscheidungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Davon sind alle Bevölkerungsgruppen betroffen, ob alt oder jung. Die Demografische Entwicklung wird durch folgende drei Faktoren beeinflusst: Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Internationale Wanderungen.

Für den Kanton Nidwalden, bei dem Stans der Hauptort ist, geht eine Studie der Volkswirtschaftsdirektion davon aus, dass die Bevölkerung bis 2030 dank Zuwanderung noch leicht wachsen wird, sie wird aber gleichzeitig markant älter.[6] Ohne weitere Zuwanderung ist nach 2030 zu erwarten, dass die Bevölkerung in Nidwalden leicht schrumpfen wird. Weil gleichzeitig auch die Erwerbs-Bevölkerung schrumpft, hat dies auch einen relevanten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons.

Die soziale Errungenschaft der Renten in der Schweiz bringt es mit sich, dass die früheren und heutigen Generationen die Übergänge zwischen Ausbildungsphase, Erwerbsleben und Ruhestand als prägende Einschnitte empfinden. In Zukunft dürften sich Bildung, verschiedene Formen der Erwerbstätigkeit, das familiäre Leben und ihre Pflichten und Freizeitaktivitäten ein Leben lang in loser Folge abwechseln und verbinden.[7] Aktives Altern heißt daher auch Gesundheit als Lebensressource nutzen, seine Unabhängigkeit wahren und am sozialen Leben teilnehmen.[8]

Beim Wohnen ist gerade das unfreiwillige Wohnen in einem Alterssetting, in dem nicht gewählt werden kann und insofern nicht passungsfähig ist, Elemente eines verfehlten Daseins in der letzten Lebensphase.[9] „Wohnsituation und Wohlbefinden sind im Alter eng verbunden.“[10] Es geht letztlich um die gesellschaftspolitische Frage nach dem Separieren von andersartigen Menschen versus die größtmögliche Integration dieser Bevölkerungsgruppen, wie das der älteren, teilweise gebrechlichen Menschen in unserer Gesellschaft.

Bei der Gestaltungsanforderung an die Gemeinden betreffend das Wohnen im Alter lassen sich fünf Handlungsansätze benennen:[11]

1. Stärkung des normalen selbständigen Wohnens in der eigenen Häuslichkeit durch eine altersgerechte Gestaltung des räumlichen Umfeldes und der Wohnungen sowie durch den Ausbau einer sozialen Infrastruktur und niederschwelligen Alltagshilfen.
2. Verbreitung und Weiterentwicklung neuer alternativer selbständiger Wohnformen wie das betreute Wohnen und gemeinschaftlicher Wohnformen.
3. Entwicklung und Verbreitung selbstbestimmter Wohnformen für Pflegebedürftige und demenziell erkrankte Menschen mit Erleichterung der Umsetzungsverfahren für ambulant betreute Wohngemeinschaften.
4. Kleinräumige Organisation und Vernetzung der Wohn- und Betreuungsangebote in den Wohnquartieren.
5. Stärkung von Eigeninitiative und Eigenverantwortung sowie Förderung gegenseitiger Hilfe.

Um die verschiedenen Bedürfnisse zu erfüllen können zusammenfassend von den folgenden sechs Wohnformen im Alter ausgegangen werden:

1. bisherige Wohnung oder Haus
2. kleinere barrierefreie Wohnung (Alterswohnung)
3. Wohngemeinschaft mit gleichaltrigen Personen (Alters-WG, Betreuungs-WG oder Pflege-WG)
4. Wohngemeinschaft mit unterschiedlichen Generationen
5. Mehrgenerationenhaus
6. Zimmer im Pflegeheim

Welche Wohnform im Alter gewählt und die richtige sein wird, ist jedoch sehr individuell und hängt sehr stark von Fakten wie den finanziellen Möglichkeiten, von der Selbständigkeit respektive der Pflegebedürftigkeit, dem Wunsch nach Nähe und Distanz und den benötigten und verfügbaren Wohninfrastrukturen ab. Im Verlauf des Alterns ist ein Wechsel der Wohnform in vielen Fällen die Regel. Bei der Bereitstellung der Wohninfrastruktur muss nicht immer ein neues Gebäude gebaut werden. Mit einer Umnutzung und Umbau von bestehenden Gebäuden besteht die Möglichkeit relativ kostengünstig und zentrumsnah, ohne Verlust von Bauland den Bedarf decken zu können.

In vielen Bereichen der Gesellschaft wird es beim Thema Alter zu einem Umdenken kommen müssen, denn dieser Wandel sollte als Chance begriffen werden. Zentrale Herausforderungen sind die Etablierung einer Kultur des Alterns, ein neues humanes Verständnis des Lebens und der Möglichkeiten im Alter sowie eine familien- und altenfreundliche Gesellschaft und Wirtschaft. Dies erfordert Toleranz und die Bereitschaft zu einem Umdenken und der Veränderung von gesellschaftlichen und sozialen Strukturen, die angesichts der zukünftigen Zusammensetzung der Bevölkerung als nicht mehr tragbar einzuordnen sind.

Wenn eine Gemeinde Bedingungen zu schaffen vermag, welche die Bewohner möglichst lang gesund und fit halten, werden die Kosten für die Gemeinden und die Kantone nicht explodieren, sondern können unter Umständen stabil gehalten oder gesenkt werden. Wenn damit jetzt angefangen wird, können diese Veränderungen nach den Prioritäten der Gemeinde gestaltet werden. Beim Abwarten und Verdrängen, steigen die nicht nur materiellen Kosten des demografischen Wandels deutlich.[12]

Im Bereich öffentlicher Raum gilt es im Alter zu beachten, dass alle wichtigen Infrastruktureinrichtungen, inklusive Tagespflege, maximal 500 Meter entfernt liegen dürfen. Dies bedeutet maximal 1000 Schritte. Damit werden eine hohe Sicherheit und Selbständigkeit im Altersprozess erreicht. Konkret geht es um Anforderungen an die Qualität des öffentlichen Raums und die soziale, kulturelle und gemeinwesenbezogene Infrastruktur, wie zum Beispiel eine gute Nahversorgung, Gaststätten und Cafés, Post, Bank, Ärzte und Apotheken in der Nähe, dazu passende Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr und genügend Sitzbänke an den Wegen und auf Plätzen.[13] Dabei sind folgende Voraussetzungen für die Nutzung der Angebote zu erfüllen:[14]

- Durchgängige Gebrauchstauglichkeit
- Zugänglichkeit
- Gute Orientierung in der Gemeinde
- Praktisches Informationssystem auf unterschiedlichen Wegen und für alle Sinne

Dabei decken sich die Anforderungen sehr weitgehend mit denen anderer Gruppen, wie Familien mit Kindern, Behinderten und Touristen. Lebendige Plätze und Einrichtungen mit Ausstrahlung sorgen für Identifikation mit der Gemeinde und sind attraktiv für die dort Lebenden und auch nach außen. Aber wenn sich ältere Menschen nicht mehr aus ihrer Wohnung trauen, kann dies ein erster Schritt in die Einsamkeit bedeuten.

Seit den 1970er-Jahren haben sich in westlichen Gesellschaften zentrale demografische, sozialstrukturelle und sozialpolitische Veränderungen ergeben, die als Dimensionen der Modernisierung immer stärker auf das Verhältnis von Alter(n) und Gesellschaft eingewirkt haben:

1. Deutliche Veränderungen der demografischen Strukturen
2. Qualitativer Strukturwandel wie Verjüngung und Entberuflichung, Feminisierung, Singularisierung und Hochaltrigkeit

„Wenn es der Gesellschaft nicht gelingt, kreativ und proaktiv auf die Verlängerung der Lebensspanne einzugehen, verdammen wir die Älteren der Zukunft dazu, ein Leben wie das der Älteren heute zu führen – und das, obwohl sie gesünder, mental agiler und zu weit mehr fähig sind als die jetzigen Alten.“[15]

Ältere Arbeitnehmer brauchen noch mehr als die jüngeren Zeitsouveränität. Nicht das Unternehmen, sondern sie müssen bestimmen können, wann und wie sie arbeiten. Wo Ältere im Unternehmen geschätzt werden, profitieren die Firmen voll vom Erfahrungsschatz ihrer grauhaariger Mitarbeiter.[16]

Einrichtungen für Kinder und Senioren in enger räumlicher Nähe oder sogar zusammen zu bauen sind überzeugende Ansätze, weil kleine Kinder und Senioren sehr gut zusammen harmonieren und sich gegenseitig bereichern.[17] Die steigende Zahl aktiver und gesunder pensionierter Frauen und Männer ist eine bedeutsame gesellschaftliche Ressource. Aber die meisten älteren Menschen lassen sich nicht fremd bestimmen. Sie möchten die ‚späte Freiheit der Pensionierung‘ auch in der Freiwilligenarbeit genießen. Selbstbestimmtes Engagement älterer Menschen in seiner ganzen Vielfalt ist die Zukunft.[18]

In naher Zukunft muss die Solidarität als Wert neu verankert werden, und zwar mit jenen Menschen, die der Hilfe der Gemeinschaft bedürfen, sodass er das gesellschaftliche und politische Wirken tatsächlich zu bestimmen vermag. Das erfordert eine deutlich stärkere Betonung folgender Prinzipien:[19]

1. Hilfe so rechtzeitig zu geben, dass größere Schäden vermieden werden, weil die Prävention besser ist als Reparatur.
2. Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, weil es menschlicher ist, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit zu fördern.
3. Hilfe zur Gesundung der gesamten Lebenssituation zu geben, weil Menschen nicht nur an körperlichen Krankheiten, sondern auch an psychischen Problemen oder an Unzulänglichkeiten des Zusammenlebens leiden.
4. Hilfe zu einem menschenwürdigen Leben für jene zu leisten, die sich nicht selbst helfen können.

Die aktive Partizipation der Seniorinnen und Senioren im Projekt ‚Alter mit Wirkung‘ ermutigt Menschen in Alterseinrichtungen ihre Aktivitäten und ihre Lebenswelt aktiv mitzugestalten. Das Projekt animiert Menschen im hohen Alter, sich in die Gesellschaft einzubringen. Seine partizipative Arbeitsweise wirkt sich positiv auf die Selbstwirksamkeit aller Beteiligten aus und steigert das Wohlbefinden. Zusätzlich fördert das Programm den generationenübergreifenden Dialog und Begegnungen. Alter mit Wirkung zeigt auf, dass Seniorinnen und Senioren Ideen haben und voller Leben sind.[20]

Es besteht die Gefahr, dass die älteren Personen auf Grund ihrer gesunkenen Mobilität und Selbständigkeit von der Gesellschaft vergessen werden und dadurch vereinsamen. Die persönliche Selbstbestimmung, Stärkung der Selbständigkeit und Maßnahmen gegen die Vereinsamung sind gesellschaftliche Herausforderungen.

Bei der Situationsanalyse der Gemeinde Stans ist folgendes festzustellen: Gemäß Agglomerationsprogramm des Kantons Nidwalden aus dem Jahr 2011 ergibt sich auf Grund der Zentralitätsstruktur der Gemeinde Stans eine überdurchschnittliche Bevölkerungszunahme bis 2030 um Total 20 % auf einen Wert von 9400 Bewohnerinnen und Bewohner.[21] Dies würde bedeuten, dass im Jahr 2030 bereits 2287 Menschen respektive hohe 24 % der Stanser Bevölkerung 65 Jahre und älter wäre. Dieser Wert bedeutet eine leicht tiefere Zahl als der Schweizer Durchschnitt. Davon wären, je nach Berechnungsmethode, 251 bis 255 Personen pflegebedürftig.[22] Auf Grund der geschätzten Bevölkerungsentwicklung kann es sein, dass die Zahl an pflegebedürftigen Personen bis ins Jahr 2035 noch leicht ansteigt, danach zurück gehen könnte und damit nicht mehr alle Pflegebetten benötigt würden. Eine Umnutzung wäre hier anzustreben. Dieser Umstand der späteren Umnutzung sollte bereits in der Planung eines neuen Pflegeheims oder eines Umbaus einfließen.

In der Gemeinde Stans stehen 145 Pflegebetten und 20 Alterswohnungen zur Verfügung.[23] Hier zeigt sich eine leichte Unterversorgung bei den Pflegebetten und eine starke Unterversorgung bei den Alterswohnungen. Bei den Alterswohnungen besteht entsprechend hoher Handlungsbedarf.

Zu den wichtigsten Key-Players im Bereich Alter in der Gemeinde Stans gehören folgende: Pro Senectute, Spitex, Hausbetreuungsdienst für Stadt und Land, Verein Wohnwandel Nidwalden, Atlantis Wohnbaugenossenschaft Stans, Haushaltring der Bäuerinnen Obwalden und Nidwalden, compagnia - Wir begleiten Senioren in Stans, Schweizerische Alzheimervereinigung Obwalden – Nidwalden und der Verein Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen in Nidwalden. Mit diesem breiten Angebot lässt sich der momentane Bedarf an Pflege, Betreuung und Unterstützung abdecken. Der steigende Bedarf kann mit zusätzlichem Personal und weiteren Angeboten gedeckt werden, ohne zusätzliche Institutionen gründen zu müssen.

Mit der großen Hilfe aller Art durch Freiwillige, Freunde und Verwandte werden jedes Jahr tausende von Stunden, in der Regel kostenlos, geleistet. Dies zeigt eine große Solidarität und verhindert eine Versorgungslücke.

Die Bevölkerungsbefragung, und somit die Partizipation der Bevölkerung an der Gestaltung der Zukunft, ist ein Hauptelement dieser Arbeit. Die Antworten dienen als Grundlage für die Erarbeitung der Bedarfsplanung für ein altersfreundliches Stans und für die Erarbeitung des Altersleitbildes 2030. Befragt wurden 1‘000 Personen, verteilt auf Schweizer und niedergelassene Ausländer (Verhältnis gemäß dem Ausländeranteil), pro Haushalt maximal 1 Fragebogen, Gender: 500 Frauen, 500 Männer, Alterssegment: 40 bis 99 Altersjahre. Die Befragung erfolgte von Januar bis Februar 2014. Von den 1‘000 versandten Frageboten wurden 618 retourniert. Davon waren 3 leer. 615 ausgefüllte Fragebogen konnten ausgewertet werden. Der älteste Teilnehmer ist 95 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin ist 93 Jahre alt.

Mit dem sehr hohen Rücklauf von 61.8 % können die nachfolgenden Ergebnisse als repräsentativ betrachtet werden. Von den 40 bis 64-jährigen Personen haben 55.4 % den Fragebogen ausgefüllt und retourniert, bei den 65-jährigen Personen und älter waren es sehr hohe 63.9 %, obwohl bei den hochaltrigen Personen eine eher tiefe Antwortquote erreicht wurde. Dieser überraschend sehr hohe Rücklauf in der Bevölkerungsbefragung zum Thema Alter zeigt das hohe Interesse und die Aktualität dieser Thematik. Die Betroffenheit ist hoch. Gemäß der Erhebung sind die Top-Ten Aussagen für ein altersfreundliches Stans sind die folgenden:

1. Alterswohnungen / günstige Kleinwohnungen / betreut, zentrumnah
2. Rollstuhl / Rollator freundlich werden / Kopfsteinpflaster entfernen oder Asphaltstreifen / Trottoirabsenkungen bei den Fußgängerstreifen
3. Mehr Sitzbänke / Bäume / Parkanlagen
4. Fußgängerstreifen in der Tempo 30 Zone
5. Besserer Winterdienst
6. Besseres ÖV-Angebot / bessere Anbindung in den Quartieren / Ortsbus
7. Fördern von neuen Wohnformen
8. Erhalt Dorfläden
9. Bessere Straßenbeleuchtung
10. Mehr öffentliche, zugängliche WC’s

Die Stanserinnen und Stanser sind sehr mündig und wissen genau was sie wollen und benötigen. Ihre Anliegen und Ideen konnten sie mit der Teilnahme an der Befragung platzieren. Die total 49‘714 Antworten und davon die 2‘102 Antworten aus offenen Fragen, Bemerkungen und Kommentaren können als legitimer politischer Auftrag und Ausdruck der direkten Demokratie für die weitere Bearbeitung und Umsetzung betrachtet werden. In vielen Punkten gibt es eine hohe Übereinstimmung und es ist ein gemeinsames Verständnis erkennbar.

Hingegen sind sich die Stanserinnen und Stanser der demografischen Entwicklung und deren Folgen scheinbar noch nicht bewusst. Hier sollte man mit Vorteil kommunikative Maßnahmen zur Sensibilisierung getroffen und spezifische Maßnahmen umgesetzt werden. Ein positiver ungeplanter Nebeneffekt dieser Befragung ist, dass aus den Antworten viele wertvolle und kreative Impulse für andere Projekte und Vorhaben der Gemeinde Stans entnommen werden konnte.

Für den Bereich Alter besteht auf Gemeindeebene bislang noch kein Leitbild. In einer Synthese aus den theoretischen Aussagen und Erkenntnisse und den Aussagen und Erkenntnissen aus der Auswertung der Bevölkerungsbefragung wurde ein Altersleitbild für die Gemeinde Stans entwickelt. Das Stanser Altersleitbild 2030 besteht aus einer Vision und Leitsätzen. Die Vision beschreibt den übergeordneten Zweck der Alterspolitik 2030 der Gemeinde Stans und das angestrebte Zukunftsbild des Lebensraums der älteren Bevölkerung der Gemeinde. Sie dient als Leitplanke für die Formulierung und Umsetzung des Stanser Altersleitbildes 2030. Die Leitsätze enthalten die Grundwerte, an denen sich die Alterspolitik orientiert. Die Vision lautet wie folgt:

Stans ist eine generationenfreundliche Gemeinde. Das alters- und familienfreundliche Umfeld unterstützt eine große Selbständigkeit und aktive Teilnahme am sozialen Leben bis ins hohe Alter. Ältere Menschen können in Stans verschiedene Wohnformen wählen und sich dabei auf ein breites Angebot an Dienstleistungen und Betreuungsformen stützen. Stans fördert ein selbstbestimmtes Altern in Würde.

Abgeleitet vom Stand der Wissenschaft (Theorie), den konsolidierten Umfrageergebnissen und dem Altersleitbild 2030 konnte ein Entwurf für die Bedarfsplanung Alter 2030 der Gemeinde Stans erstellt und dargestellt werden. Diese Bedarfs- und Maßnahmenplanung enthält 50 Punkte und wird nach den vorgängig definierten 9 Handlungsfeldern strukturiert. Diese Handlungsfelder lauten wie folgt:

Versorgungssicherheit, Information/Öffentlichkeitsarbeit/Vernetzung, Existenzsicherung, Wohnen, Öffentlicher Raum und Quartiere, Ressourcen/Potentiale/Fähigkeiten und Freiwilligen-Engagement im Alter, Generationenbeziehungen, Gerontologische Zukunftsthemen, Gesundheitsförderung im Alter.

Dabei ziehen sich die fünf Querschnittthemen durch sämtliche Aufgabenbereiche hindurch und sind in jedem Handlungsfeld berücksichtigt: Heterogenität des Alters, Integration und Partizipation, Gender, Migration, Besonders verletzliche Personen.

Mit der Umsetzung dieses 50 Punkte Planes wird die Gemeinde Stans in einer Sublimierung einen großen Schritt in Richtung altersfreundliche und generationenfreundliche Gemeinde machen. Die Vision und die Ziele des Altersleitbildes 2030 werden damit in den wichtigsten Punkten erreicht.

Die Priorisierung und Einführung des neuen Maßnahmenplans für ein altersfreundliches Stans soll mit Vorteil im Rahmen eines Projekts umgesetzt werden. Die Projektgruppe soll von bestehenden und allenfalls neuen zu gründende Fach-Arbeitsgruppen unterstützt und entlastet werden. Im Rahmen des Umsetzungsprojekts sollen die Bearbeitung der Themen mit Vorteil in Teilprojekten und Arbeitspaketen erfolgen. Jede Dimension (Teilprojekt) muss dabei von einer zweckmäßigen internen und externen Kommunikation mit Unterstützung der Dimension Information, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung begleitet werden. Im Weiteren besteht die Gefahr, dass bei der Umsetzung eines umfassenden Maßnahmenplans für eine altersfreundliche Gemeinde eine Reihe von Akzeptanz-, Führungs-, Politik- und Organisationsbarrieren entgegen stehen, die wahrgenommen und mit geeigneten Gegenmaßnahmen überwunden werden müssen.

Die heute fehlende Wohninfrastruktur im Bereich Alterswohnungen und Wohngemeinschaften kann in Stans durch Neubauten oder einer Umnutzung respektive Umbau von bestehenden Gebäuden, welche nicht mehr in der bisherigen Form genutzt werden, in Stans mehr oder weniger zentrumsnah realisiert werden. Es gibt mehrere Gebäude in Stans welche in diesem Thema Potenzial haben.

Die Schaffung von Alterswohnungen kann am ehesten mit einer Stiftung oder Baugenossenschaft realisiert werden. Die Gemeinde und die Age Stiftung kann ein Bauvorhaben für Alterswohnungen insbesondere darum unterstützen, damit diese Wohnungen für die Mieter zu günstigen Konditionen angeboten werden können und damit der Bau dieser Alterswohnungen überhaupt realisiert wird. Günstige Konditionen sind wichtig, damit die Seniorinnen und Senioren überhaupt ihre bisherige, oft zu große Wohnung verlassen. Somit werden die Wohnungen für Familien frei. Deshalb ist der Bau von Alterswohnungen auch eine familienpolitische Maßnahme.

Zu den wichtigsten Anbietern zum Thema Alter im Kanton Nidwalden gehört die Pro Senectute Nidwalden und die Spitalexterne Krankenpflege (Spitex). Es gibt eine Vielzahl von weiteren Anbietern die in Vereinen, Stiftungen, juristischen Personen im Öffentlichen- oder Privatbesitz organisiert sind. Einige Anbieter verfügen über eine Leistungsvereinbarung zwischen Gemeinde und Anbieter um die Erbringung von gewissen gewünschten Leistungen sicher zu stellen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Altenpflege und Altersbetreuung für viele Arbeitsnehmer und Unternehmer sichere Arbeitsplätze garantiert und ein Wachstumsmarkt darstellt.

Der demographische Wandel wird viele Lebensbereiche unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten grundsätzlich verändern. Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme sind ebenso absehbar wie auf politische Entscheidungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Betroffen davon sind alle Bevölkerungsgruppen, ob alt oder jung. Die Entwicklungstrends des demographischen Wandels, ihre Folgen und mögliche Handlungskonzepte sind deshalb wichtige Themen in der Politik, welche viel Leidenschaft, Verantwortungsgefühlt und Augenmaß benötigt.

Das Thema Alter ist für Gemeinden wie auch für den Kanton Nidwalden eine große zukünftige Herausforderung. Viele Gemeinden haben erkannt, dass es sich lohnt, den älter werdenden Menschen das Wohnen zu Hause oder in Alterswohnungen möglichst lange zu erleichtern. Beide Wohnformen entlasten die stationären Einrichtungen. Ein vielfältiges, ausreichendes Angebot an altersgerechten Wohnungen wird zunehmend als Standortvorteil gesehen.

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Lebenserwartung bei Geburt nach Geschlecht 10

Abbildung 2: Lebenserwartung mit 65 Jahren nach Geschlecht 11

Abbildung 3: Good health adds life to years: Global brief for World Health Day 2012. Seite 9 15

Abbildung 4: Prognose der Anzahl Hundertjähriger von 2010 bis 2100 16

Abbildung 5: Entwicklung der Anzahl der 65–79-Jährigen und der 80+-Jährigen gemäss den drei Grundszenarien 18

Abbildung 6: Jugend- und Altersquotient der Schweiz 18

Abbildung 7: Erwerbsbevölkerung 2010-2060. Mittleres Szenario 19

Abbildung 8: Wanderungssaldo der EWR-Staatsangehörigen 22

Abbildung 9: Wanderungssaldo der Nicht-EWR-Staatsangehörigen 23

Abbildung 10: Wanderungssaldo der Schweizer 23

Abbildung 11: Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz. Vergleich BFS, UNO und Eurostat 25

Abbildung 12: Bevölkerungsstruktur in Österreich 26

Abbildung 13: Demenzdorf De Hogeweyk. Luftbild 36

Abbildung 14: Demenzdorf De Hogeweyk. Situationsbild 37

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stand und Prognose Bevölkerung 65-79, 80+ und 65+in der Gemeinde Stans 50

Tabelle 2: Prognose pflegebedürftiger Menschen 65+/80+ in der Gemeinde Stans 51

1. EINLEITUNG

1.1 Untersuchungsgegenstand

In der Altersbetreuung besteht in der Gemeinde Stans ein zunehmender Bedarf nach Leistungen im präventiven, ambulanten und stationären Bereich. Damit dieser Bedarf abgedeckt werden kann, sind finanzielle, personelle und infrastrukturelle Ressourcen rechtzeitig einzuplanen. Diese Planung soll die Grundlage schaffen, damit die erforderlichen Maßnahmen optimal aufeinander abgestimmt werden können. Durch eine langfristige und abgestimmte Planung können der Ressourceneinsatz optimiert und Planungsfehler vermieden werden.

Damit der zu ermittelnde Bedarf gedeckt werden kann, müssen Leistungen (Heimplätze, Morgen-/Mittags-/Abendtische, Pflege intern/extern etc.) angeboten werden. Die Leistungen werden vom Angebotsmix beeinflusst. Existiert eine gut ausgebaute häusliche Pflege (Spitex) wird ein Heimeintritt nicht nötig oder zumindest erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Herausforderung besteht nun darin, das Angebot so zu planen, dass der richtige Leistungsmix entsteht, welcher wiederum einen haushälterischen Einsatz der Ressourcen garantiert.

Mit dieser Arbeit sollen Planungsgrundlagen für die Bedarfsplanung Alter 2030 der Gemeinde Stans erarbeitet und ein neues Altersleitbild für die Gemeinde Stans geschaffen werden.

1.2 Forschungsfragen

1. Was sind die Bedürfnisse und Erwartungen der modernen älteren Bevölkerung, der Gesellschaft und Behörden im Jahr 2030 und wie ist das zu erwartende Mengengerüst?
2. Wie werden die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen finanziert und welche Trägerschaften eignen sich dafür?
3. Es wird vermutet, dass die ältere Bevölkerung den Heimeintritt mit unterschiedlichen Maßnahmen so lange wie möglich herausschieben möchte.
a. Mit welchen Maßnahmen wird dies erreicht?
b. Welchen möglichen Einfluss hat dies auf die Finanzierung?
c. In welcher Höhe kann dies den öffentlichen Haushalt entlasten?
4. Welches sind darin die relevanten Faktoren und wie resp. mit welchen Maßnahmen lassen sich diese beeinflussen?
5. Welchen Einfluss hat die Migration aus Nachbargemeinden oder aus dem Ausland auf die Bedarfsplanung der Zentrumsgemeinde Stans?

1.3 Wissenschaftlicher Nutzen

Die Bedürfnisse und Möglichkeiten der älteren Bevölkerung stehen in einem stetigen Wandel. Dazu werden regionale Unterschiede erwartet. Der vorausschauende Blick ins Jahr 2030 als Grundlage für die weitere Planung im Kantonshauptort Stans im ländlichen Kanton Nidwalden ist einmalig und wissenschaftlich bislang noch nicht untersucht. Die geplante Bevölkerungsbefragung liefert verlässliche empirische Informationen für die Wissenschaft und zur Erarbeitung eines Maßnahmenplans.

1.4 Hypothesen

1. Die ältere Bevölkerung hat im Jahr 2030 im Bereich Wohnen, Mobilität und Sicherheit deutlich andere Bedürfnisse als die heutige ältere Bevölkerung.
2. Um die zukünftigen Bedürfnisse im Bereich Alter erfüllen zu können, sind erhebliche Anpassungen in den Strukturen und der Infrastruktur notwendig.
3. Die ältere Bevölkerung möchte einen Heimeintritt so lange wie möglich hinausschieben.
4. Die Bereitschaft zu Freiwilligenarbeit sinkt bei der älteren Bevölkerung.

1.5 Bedeutsamkeit der Fragestellung

Gegenüber anderen Gemeinden besteht bei der Gemeinde Stans unter anderem ein Aufholbedarf im Bereich hindernisfreier und altersgerechter Wohnraum mit Serviceleistungen. Damit diese Lücke geschlossen, auf die bedrohliche demografische Entwicklung rechtzeitig reagiert und allfällige bauliche Möglichkeiten koordiniert und bedarfsgerecht zur Umsetzung kommen, ist es notwendig, die Situation im Bereich Alter zu analysieren, verlässliche Fakten zu eruieren und einen entsprechenden Maßnahmenplan zu erarbeiten.

1.6 Ergebnisse

1. Bedarfsplanung Alter 2030 der Gemeinde Stans
a. Verlässliche Zahlen und Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung insbesondere zur Alterung der Gesellschaft
b. Ermittelte Problemfelder respektive Handlungsfelder als Folge der Alterung der Gesellschaft
c. Maßnahmenplan mit Blick auf das Jahr 2030 (Grobkonzept)
2. Stanser Altersleitbild 2030

1.7 Theoretischer Kern der Arbeit

Übersicht und Konzentrat zum Stand der Wissenschaft in Bezug zur Alterung der Gesellschaft und Altersplanung.

1.8 Neuigkeitswert

- Bedarfsplanung Alter 2030 der Gemeinde Stans
- Stanser Altersleitbild 2030

1.9 Verwendete Methoden

- Internet- und Literatur-Recherche
- Empirische Feldforschung: Bevölkerungsbefragung als Grundlage für die Bedarfsplanung und das Altersleitbild
- Konzeptionelles Vorgehen in der Entwicklung der Bedarfsplanung und das Altersleitbild

Diese Methoden wurden gewählt, weil auf Grund der Ist-Situation ein konzeptionelles Vorgehen angezeigt ist. Dazu bietet die verfügbare Literatur einen genügend großen Fundus für die wissenschaftliche Arbeit. Mit der Bevölkerungsbefragung werden die Ergebnisse aus der Internet- und Literatur-Recherche bestätigt respektive auf die lokalen Verhältnisse konkret angepasst.

2. KURZVORSTELLUNG des Autors und der Gemeinde Stans

2.1 Vita und Publikationen des Autors

Lukas Liem, Seestraße 113a, CH-6052 Hergiswil, lukas.liem@bluemail.ch, 42-jährig, arbeitet als Gemeindeschreiberin-Stellvertreter bei der Politischen Gemeinde Stans. In dieser Funktion ist er gleichzeitig Leiter der beiden Abteilungen Soziales/Gesundheit und Zentrale Dienste. Er verfügt über ein MBA in General Management und einen Master of Public Management, ist Sozialversicherungsfachmann mit eidgenössischem Fachausweis und bildete sich auf Fachhochschulniveau in Führung, Prozessmanagement und Projektmanagement weiter.

Vita

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Publikationen

Liem, Lukas (2005). Kommunikation von schwerwiegenden Entscheidungen. Methoden, Vorgehen und relevante Eckpunkte für die erfolgreiche Kommunikation in der Organisation und die Auswirkung auf das Individuum. München: GRIN Verlag. ISBN (Buch): 978-3-640-95834-4 / ISBN (eBook) 978-3-640-95797-2

Liem, Lukas (2010). Entwicklung und Einführung eines systematischen Reklamationsmanagements. München: GRIN Verlag. ISBN (Buch): 978-3-640-79511-6 / ISBN (eBook): 978-3-640-79505-5

Liem, Lukas (2014). Reklamationsmanagement. Entwicklung und Einführung am Beispiel einer Krankenversicherung. Hamburg: Diplomica Verlag. ISBN 978-3-95485-067-9

2.2 Politische Gemeinde Stans

Das ist Stans!

Mitten in Europa, mitten in der Schweiz: Dorfplatz von nationaler Bedeutung, Marktflecken, reiches Kulturangebot, gelebtes Brauchtum, kulturhistorische Gebäude, Cabrio-Luftseilbahn (Weltneuheit) aufs Stanserhorn, renommierte Gaststätten, Museen über Brauchtum und Geschichte, Freizeit- und Sportanlagen, umrahmt von Bergen, offen zum Vierwaldstättersee, Kantonshauptort mit Sitz der Nidwaldner Regierung und der kantonalen Verwaltung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [24]

3. Alter und altern – eine Theoretische Betrachtung

"Soziale Sicherheit und sozialer Zusammenhalt sind die Grundlagen für das Gelingen des Aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen. Einerseits müssen Pensionen, Gesundheitsversorgung und Pflege gesichert bleiben, andererseits müssen die Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden, die es ermöglichen, länger beschäftigungsfähig zu bleiben. Je früher und je energischer wir die Herausforderungen des Altersstrukturwandels angehen, desto erfolgreicher können wir damit umgehen. Am Ende des Prozesses kann die ganze Gesellschaft durch ein Mehr an Aktivität, Gesundheit und Sicherheit profitieren."[25]

Dieses Kapitel ist der eigentliche theoretische Kern dieser Arbeit als wissenschaftliche Grundlage zur Beantwortung der Fragestellung und Überprüfung der Hypothesen. Es bietet eine Übersicht und Konzentrat zum Stand der Wissenschaft zum Thema Alter.

3.1 WHO für eine altersfreundliche Welt

Die WHO[26] setzt sich seit Jahren für eine altersfreundliche Welt ein. An der 66. Weltgesundheitsversammlung in Genf vom 20. – 28. Mai 2013 wurde festgestellt, dass viele Menschen in der Lage sind im Alter bei guter Gesundheit und im Laufe ihres Lebens aktive Teilnehmer in der Gesellschaft zu bleiben. Aber andere erleben körperliche und kognitive Einschränkungen und verlieren möglicherweise die Fähigkeit, selbstständig zu leben. Ein hochrangiges Treffen untersuchte, was getan werden kann, um die Unabhängigkeit im Alter beizubehalten, und wie man Systeme, die Qualität und bezahlbare Betreuung für diejenigen, die sie benötigen aufbauen kann.[27]

Gemäß WHO steht ein lebenslanger, ganzheitlicher Ansatz für aktives und gesundes Altern auf vier folgenden Pfeilern:

1. Die Förderung einer guten Gesundheit und gesunder Verhaltensweisen in allen Altersgruppen, um chronischen Krankheiten oder ihrer Entstehung vorzubeugen oder sie zu verzögern.
2. Durch die Früherkennung und hochwertige Versorgung die Folgen chronischer Krankheiten minimieren.
3. Die Schaffung einer räumlichen und sozialen Umwelt, die Gesundheit und Teilhabe älterer Mitmenschen fördert.
4. Das Altern neu erfinden – gesellschaftliche Einstellungen verändern, um die Teilhabe älterer Mitmenschen anzuregen.[28]

Im Weiteren hat die WHO im Jahr 2006 ein globales Netzwerk von altersfreundlichen Städten und Gemeinden gegründet. Eine altersfreundliche Stadt wird darin wie folgt definiert: ‚An Age-friendly city is an inclusive and accessible urban environment that promotes active ageing.‘[29]

Das Netzwerk wurde gegründet, um den Austausch von Erfahrungen und das gegenseitige Lernen zwischen den Städten und Gemeinden weltweit zu fördern. Jede teilnehmende Stadt oder Gemeinde verpflichtet sich und ist herzlich eingeladen, die Schaffung integrativer und zugänglicher städtischen Umgebungen zu fördern, um ihre alternde Bevölkerung profitieren zu lassen.[30] In der Schweiz sind die Städte Genf und Bern Mitglied in diesem Netzwerk.

Das globale Netzwerk von altersfreundlichen Städten und Gemeinde orientiert sich an den folgenden acht Handlungsfeldern städtischen Lebens für eine altersfreundliche Welt:[31]

1. Öffentliche Räume und Gebäude
2. Verkehr
3. Wohnen
4. Gesellschaftliche Teilhabe
5. Respekt und Integration
6. Ehrenamtliches Engagement und Beschäftigung
7. Kommunikation und Information
8. Öffentliche Dienstleistungen und Pflege

3.2 Dublin Declaration für altersfreundliche Städte - Beispiel Bern

„Die älteren Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Bern können ihr Leben nach ihren individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen gestalten und ihre Selbständigkeit bewahren. Die Lebensqualität der älteren Bevölkerung der Stadt Bern ist hoch.“[32]

Mit dieser Vision aus dem Alterskonzept 2020 orientiert sich die Stadt Bern in der Alterspolitik neu, welche auf der Dublin Declaration für altersfreundliche Städte basiert.

Darin sind die folgenden neun Leitsätze mit Grundwerten enthalten:

„Die Stadt Bern setzt sich dafür ein, dass

- Frauen und Männer auch nach der Pensionierung integriert sind und gerne am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

- Frauen und Männer in der nachberuflichen und nachfamilialen Lebensphase ihre Ressourcen erhalten, weiterentwickeln und nutzen.
- Das richtige Dienstleistungs- und Wohnangebot vorhanden ist.
- Der finanzielle Existenzbedarf gesichert ist.
- Begegnungen zwischen Alt und Jung sowie ein solidarisches Zusammenleben selbstverständlich sind.
- Ältere Personen in der Stadt Bern sich sicher bewegen können.
Die Stadt Bern
- Handelt in enger Zusammenarbeit mit ihren Anspruchsgruppen: den Seniorinnen und Senioren, den Altersorganisationen und –unternehmungen sowie den Kantons- und Bundesbehörden.
- Berücksichtigt die Heterogenität der älteren Bevölkerung, insbesondere die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die unterschiedlichen Bedingungen von Migrantinnen und Migranten sowie die Bedürfnisse besonders verletzlicher Personen.
- Nimmt zukunftsgerichtete gerontologische Fragestellungen aktiv auf und bezieht aktuelle Forschungsergebnisse in ihr Handeln ein.“[33]

Daraus sind fünf Querschnittthemen und acht Handlungsfelder abgeleitet worden. Darin macht die Stadt Bern deutlich wo sie in den nächsten 10 Jahren aktiv sein möchte und welche Ziele sie verfolgen will.

Die acht Handlungsfelder lauten:

1. Versorgungssicherheit
2. Information, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung
3. Existenzsicherung
4. Wohnen
5. Öffentlicher Raum
6. Ressourcen, Potentiale und Fähigkeiten im Alter
7. Generationenbeziehungen
8. Gerontologische Zukunftsthemen

Die fünf Querschnittthemen ziehen sich durch sämtliche Aufgabenbereiche hindurch und sind deshalb in jedem Handlungsfeld berücksichtigt. Diese lauten wie folgt:

1. Heterogenität des Alters
2. Integration und Partizipation
3. Gender
4. Migration
5. Besonders verletzliche Personen[34]

Bei der Definition der Maßnahmen sieht die Stadt Bern eine rollende Planung vor, welche alle drei Jahre aktualisiert wird.[35]

3.3 Alter und Überalterung

Die neueste Altersforschung (Age Report 2009[36] ) nennt mehrere gesellschaftliche Veränderungen, die für eine städtische Alterspolitik relevant sind:

- die erhöhte Lebenserwartung,
- die unterschiedlichen Altersphasen und
- der Generationenwandel.

Erhöhte Lebenserwartung – Folgen der Langlebigkeit

Die demografische Alterung in der Schweiz ist einerseits auf eine niedrige Geburtenrate und andererseits auf eine erhöhte Lebenserwartung zurückzuführen. Diese Langlebigkeit hat gesellschaftliche Konsequenzen:

- Längere gemeinsame Lebensspanne familialer Generationen: Enkelkinder können länger als früher von ihren Großeltern profitieren und umgekehrt.
- Längere Dauer des Rentenalters: Es besteht ein erhöhter Bedarf nach finanzieller Absicherung.
- Verzögerte Vererbung von Vermögen und Immobilien: Vermögenswerte konzentrieren sich in den höheren Altersgruppen.
- Unterschiedliche Lebensentwürfe und -bedingungen: Die Bedürfnisse unabhängiger oft jüngerer Älterer unterscheiden sich von den Bedürfnissen von – oft hochaltrigen – Personen, die auf Begleitung, Betreuung oder Pflege angewiesen sind. Entsprechend differenziert müssen die Angebote sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lebenserwartung bei Geburt nach Geschlecht[37]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lebenserwartung mit 65 Jahren nach Geschlecht[38]

Unterschiedliche Altersphasen

Die Ausdehnung der Lebensspanne führt dazu, dass die Einteilung des Erwachsenenalters in bloß zwei Phasen – eine Erwerbs- und eine Pensionierungsphase – überholt ist. Der Altersforscher François Höpflinger schlägt vor, ab dem 50. Lebensjahr von vier Phasen auszugehen, die er so charakterisiert:[39]

- Höheres Erwachsenenalter (etwa 50 - 65 Jahre) Lange Zeit vernachlässigt, erfahren ältere Mitarbeitende heute vermehrt Aufmerksamkeit; ihre Erfahrungen und Kompetenzen werden als bedeutsame Arbeitsfaktoren erkannt. Aus sozialpolitischen Gründen wird zudem eine Erhöhung des Rentenalters diskutiert. Die Lebenslage der 50 bis 65-Jährigen ist im Einzelnen sehr unterschiedlich; für diese Personengruppe charakteristisch sind kleine Haushalte (ein bis zwei Personen) in oft großen Wohnungen, ein relativ hohes frei verfügbares Einkommen und steigende Vermögenswerte, da Kinderkosten wegfallen und nicht selten Erbschaften anfallen.

- Gesundes Rentenalter (etwa 63/65 bis 80/84 Jahre) Die Altersforschung der letzten Jahre zeigt, dass die große Mehrheit der Pensionierten ihre Pensionierung nach einer Anpassungszeit und Neuorientierung positiv bewältigt. Mehr als 70 % der über 64-jährigen Frauen und Männer erachten ihre subjektive Gesundheit als gut bis sehr gut; eine deutliche Reduktion tritt häufig erst nach dem 80. Lebensjahr ein. In dieser Lebensphase sind zunehmend mehr Frauen und Männer aktiv und engagieren sich; sei es bei der Enkelkinderbetreuung oder durch Freiwilligenarbeit. Eine angepasste Wohnform beinhaltet den Anschluss an den öffentlichen Verkehr, das Wohnumfeld (Nachbarschaft, Einkaufen, ruhige Lage) sowie eine geräumige Wohnung, die es erlaubt, Hobbys zu pflegen und Gäste einzuladen.

- Fragilität im hohen Lebensalter (häufig ab 80/84 Jahren) Im hohen Lebensalter treten altersbezogene Einschränkungen und Defizite stärker hervor, zum Beispiel Höreinbussen, Seheinschränkungen, Gelenk-, Glieder- oder Rückenschmerzen sowie Gehbehinderungen. Selbstständiges Haushalten und Wohnen ist in dieser Lebensphase meist mit Einschränkungen möglich; es bedingt eine angepasste Wohnform (behindertengerecht, hindernisfrei) und regelmäßige ambulante Unterstützung.

- Pflegebedürftiges Alter und Lebensende Pflegebedürftigkeit im Alter oder gegen das Lebensende hin ist keineswegs ein zwangsläufiges Schicksal, manche Menschen sterben ohne längere Phase mit Pflege. Allerdings nimmt das Risiko, Pflege zu benötigen, mit steigendem Lebensalter zu. Während weniger als 10 % der 75 bis 79-Jährigen auf Pflege angewiesen sind, betrifft dies nahezu 20 % der 80 bis 84-Jährigen; gut ein Drittel der über 85-jährigen Personen sind pflegebedürftig. Pflegebedürftigkeit im Alter hat im Einzelnen viele Ursachen, aber ein bedeutender Grund sind demenzielle Erkrankungen, an denen mehr als ein Drittel der über 90-Jährigen leiden. Bei ausgeprägten körperlichen Einschränkungen sowie bei demenziellen Störungen kann stationäre Pflege oft die bessere Lösung als ein Verbleiben in der Privatwohnung sein.

Generationenwandel – Kohorteneffekte [40]

Heutige alte Frauen und Männer unterscheiden sich wesentlich von den nachfolgenden älteren Generationen. Dieser Generationenwandel wird kurz an zwei sogenannten Kohorten beschrieben: der Vorkriegsgeneration und der Nachkriegsgeneration, auch Babyboomer genannt.

- Die Nachkriegsgeneration ist deutlich besser gebildet und dank wirtschaftlichem Aufschwung finanziell stärker als die heute Hochaltrigen der Vorkriegsgeneration.
- Die Babyboomer erreichen das Rentenalter meist bei besserer Gesundheit als ihre Eltern.
- Sie sind in ihren Lebens- und Wohnbedürfnissen anspruchsvoller.
- Die Werthaltungen und Konsumwerte der Babyboomer lassen erkennen, dass sie weniger auf Ordnung ausgerichtet sind und mehr aus dem Bauch entscheiden – die Vorkriegsgeneration ist stärker auf den Preis fixiert als ihre Kinder.
- Steigende Ansprüche dürften sie stellen an Wohnformen, Medien, Dienstleistungen und an eine formschöne, nicht altersdiskriminierende Gestaltung alltäglicher Dinge.
- Sie werden vermutlich weniger nach innen (auf das Private), und stärker nach außen (auf das Öffentliche) ausgerichtet sein.
- Es treten aktivere Verhaltensformen auf (z.B. Sport, Sexualität, Lernen).
- Die Babyboomer sind es gewohnt, in einer mobilen und sich ständig ändernden globalen Gesellschaft zu leben; sie bleiben dadurch häufiger innovativ und lernbereit. Alt und innovativ wird zum Lebensprogramm.
- Frauen und Männer dieser Generation schätzen sich länger als jugendlich und später als alt ein.

Die Ausdehnung einer aktiven, teilweise auf jung ausgerichteten Lebensweise bis weit ins Rentenalter führt allerdings zu zwei gegensätzlichen Trends: Die Pensionierung bedeutet nicht mehr Ruhestand und Rückzug, sondern ist eine Lebensphase mit vielfältigen Möglichkeiten und neuen Chancen. Andererseits entstehen neue soziale Zwänge, das sichtbare körperliche Alter zu verdrängen oder zu bekämpfen (Anti-Aging). Aktivität (z.B. Lernen, Fitness, Kultur) werden zu neuen Normvorstellungen eines ‚erfolgreichen Alterns‘.[41]

Fazit

Im Durchschnitt 20 bis 25 gesunde Jahre erwarten Frauen und Männer nach der Pensionierung, bevor viele Mitte 80 fragiler werden und sich die gesundheitlichen Bedingungen zum Teil stark verändern. Die bisherige Einteilung des Erwachsenenlebens in bloß zwei Phasen – Erwerbs- und Pensionierungsphase – ist damit überholt. Das Gebrauchtwerden in der Zeit auch nach der Pensionierung ist ein Paradigmenwechsel, dessen Bedeutung man kaum überschätzen kann.[42] Zusätzlich zeigt sich, dass die Bevölkerungsgruppe der pensionierten und hochaltrigen Frauen und Männer ausgesprochen heterogen ist: Ihre Ressourcen und gesundheitlichen Bedingungen werden, je älter sie sind, desto unterschiedlicher. Hinsichtlich der Bedürfnisse, Eigenschaften und der Leistungsfähigkeit eines Menschen verliert das chronologische Alter zunehmend an Informationswert. Zurzeit findet ein bedeutender Generationenwandel statt: Wer vor dem 2. Weltkrieg aufgewachsen ist, hat im Alter andere Bedürfnisse als die Angehörigen der „Babyboom“-Generation, die in der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs jung gewesen sind. Jetzt gehen diese Babyboomer in Pension – finanziell stärker und anspruchsvoller als ihre Eltern bei deren Pensionierung. So verfügen die Babyboomer beispielsweise über bessere Ausbildungen als ihre Eltern, und die Frauen sind im Gegensatz zu ihren Müttern fast seit ihrer Mündigkeit stimm- und wahlberechtigt (Schweizer Stimmrecht für Frauen auf Bundesebene seit 1971).

Konsequenzen für die Alterspolitik

Die Alterspolitik muss die Heterogenität dieser Bevölkerungsgruppe berücksichtigen. Um flexibel auf Entwicklungen und neue Voraussetzungen reagieren zu können, ist zudem der stete Generationenwandel vorausschauend in die Überlegungen einzubeziehen.

„Die große Herausforderung der Zukunft wird es sein, einerseits aktive ältere Menschen entsprechend ihren Kompetenzen anzuerkennen (und dazu gehört die Möglichkeit, auch im Rentenalter erwerbstätig zu sein, sofern gewünscht). Andererseits geht es darum, pflegebedürftige bzw. demenzerkrankte Menschen würdevoll zu pflegen und zu behandeln. Die Gesellschaft der Zukunft benötigt zwei Alterskulturen: eine Alterskultur für aktive ältere Menschen und eine Alterskultur für pflegebedürftige Menschen gegen das Lebensende hin.“[43]

3.4 Demografische Entwicklung

In den nächsten Jahrzehnten wird der demographische Wandel viele Lebensbereiche unserer Gesellschaft grundsätzlich verändern. Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme sind ebenso absehbar wie auf politische Entscheidungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Davon sind alle Bevölkerungsgruppen betroffen, ob alt oder jung. Die Entwicklungstrends des demographischen Wandels, ihre Folgen und mögliche Handlungskonzepte sind deshalb wichtige Themen.[44]

Die Demografische Entwicklung wird durch folgende drei Faktoren beeinflusst:
- Fruchtbarkeit
- Sterblichkeit
- Internationale Wanderungen

Im Rahmen dieser Arbeit wird in diesem Kapitel die Sterblichkeit respektive die Lebenserwartung vertieft betrachtet und für die Schweiz zusätzlich die internationalen Wanderungen.

Ein weltweiter Trend der Erde beschreibt, dass die älteren Menschen immer älter werden und es werden weniger Kinder geboren. Die Bevölkerungspyramide verändert sich in den nächsten gut 30 Jahren stetig massiv weiter, wie die nachfolgende Abbildung aus der Volksrepublik China zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Good health adds life to years: Global brief for World Health Day 2012. Seite 9

In der weiteren Entwicklung prognostiziert die UNO für China als erstes Land der Erde die stolze Zahl von einer Million Hundertjähriger.[45]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prognose der Anzahl Hundertjähriger von 2010 bis 2100

Mit Blick auf Deutschland ist zu erkennen, dass sich auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland signifikant erhöhen wird, weil sich einem heutzutage geborenen Mädchen bereits ein Lebenshorizont von 100 Jahren eröffnet. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2025 etwa 44‘000 Menschen in Deutschland über 100 Jahre alt sein werden – 1965 waren es lediglich 265 und 1994 waren es 4602.[46]

Der steigenden Lebenswertartung steht die Fruchtbarkeit entgegen. In Deutschland ist diese besonders tief. Mit Blick in die Zukunft bedeutet diese Entwicklungstendenz in konkreten Zahlen, gemäß dem Statistischen Bundesamt, dass die Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2050 voraussichtlich um circa sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen wird. Für Europa bedeutet dies ein Rückgang um 40 Millionen Menschen. Die demografische Entwicklung und der fortschreitende Strukturwandel werden die Gesellschaft in Deutschland spürbar verändern. Ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, für ganz Deutschland gilt: Es wird immer weniger zu verteilen geben. Der Druck auf die gewachsenen politischen und sozialen Strukturen steigt. Im Osten Deutschlands lässt sich einiges über den Umgang mit dem Wandel lernen. Bevölkerungsrückgang und wirtschaftliche Umbrüche haben dort im Zeitraffer vorweggenommen, worauf sich in naher Zukunft auch die meisten anderen Regionen einstellen müssen.[47]

Für den Kanton Nidwalden, bei dem Stans der Hauptort ist, geht eine Studie davon aus, dass die Bevölkerung bis 2030 dank Zuwanderung noch leicht wachsen wird, sie wird aber gleichzeitig markant älter.[48]

Die Verlängerung der Lebensdauer bietet gesamthaft nicht nur gute Aussichten auf ein aktives Altern, sondern stellt grundsätzliche Fragen nach der Aufteilung des gesamten Lebenszyklus. Die soziale Errungenschaft der Renten in der Schweiz bringt es mit sich, dass die früheren und heutigen Generationen die Übergänge zwischen Ausbildungsphase, Erwerbsleben und Ruhestand als prägende Einschnitte empfinden. In Zukunft dürften sich Bildung, verschiedene Formen der Erwerbstätigkeit, das familiäre Leben und ihre Pflichten und Freizeitaktivitäten ein Leben lang in loser Folge abwechseln und verbinden.[49] Nach der Darstellung einer globalen Ebene stellt sich nun die Frage, wie sich die demografische Entwicklung in der Schweiz auswirkt. Höpflinger sagt dazu folgendes:

„Wie andere europäische Länder erlebt die Schweiz einen Prozess «doppelter demographischer Alterung»: Einerseits erhöht sich der Anteil älterer Menschen als Folge eines Geburtenrückgangs. Ausgelöst wird dieser Prozess durch geburtenstarke Jahrgänge («Babyboom-Generation»), die weniger Kinder zur Welt brachten als ihre Eltern, aber länger leben werden. Andererseits steigt die Zahl älterer Menschen aufgrund der erhöhten Lebenserwartung älterer Menschen. Seit Einführung der AHV (1948) hat sich die Lebenserwartung 65-jähriger Männer von 12 auf 17 Jahre erhöht und die der 65-jährigen Frauen von 13 auf 21 Jahre. In Zukunft wird vor allem die Zahl hochaltriger Menschen rasch ansteigen, und je nach Bevölkerungsszenario erhöht sich daher die Zahl der über 79-Jährigen zwischen 2000 und 2040 von 290 000 auf 550 000 bis 680 000 Menschen.“[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der Anzahl der 65–79-Jährigen und der 80+-Jährigen gemäss den drei Grundszenarien[51]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Jugend- und Altersquotient der Schweiz[52]

Die demografische Entwicklung zeigt sich deutlich am Jugend- und Altersquotient der Schweiz welcher sich von 1900 bis 2006 massiv verändert hat. Der Jugendquotient sank in dieser Zeit von 76 % auf 35 % und der Altersquotient stieg von 11 % auf 26 %.

Mit einem mittleren Szenario gerechnet wird die Erwerbsbevölkerung von 4.54 Millionen im Jahr 2010 bis 2020 leicht auf 4.69 Millionen ansteigen und danach bis 2060 stetig sinken auf einen Wert der dem Jahr 2010 vergleichbar ist. Dies hat einen großen Einfluss auf das Wachstumspotential der Schweizer Wirtschaft und mit der gleichzeitigen Überalterung einschneidende Konsequenzen auf die Finanzierung der Sozialversicherungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Erwerbsbevölkerung 2010-2060. Mittleres Szenario[53]

Im Fall der vergleichsweise reichen Schweiz beeinflusst die internationale Wanderung die demografische Entwicklung relevant. Die Faktoren, die sich auf die Wanderungsbewegungen in die Schweiz auswirken, können abhängig vom Beweggrund für die Einwanderung sehr unterschiedlich sein. Aus diesem Grund ist es interessant, die verschiedenen Beweggründe getrennt voneinander zu betrachten:[54]

1. Der erste und wichtigste Beweggrund für eine Einwanderung in die Schweiz sind gegenwärtig die Arbeitsmöglichkeiten. Die Wanderungsbewegungen im Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit hängen in erster Linie von der Konjunkturlage in der Schweiz ab (Wirtschaftskrise oder starkes Wachstum, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften). Ausschlaggebend für diese Art der Migration ist selbstverständlich auch die sozioökonomische Situation in den Herkunftsländern (hohe Arbeitslosigkeit, große Unterschiede beim Lohnniveau zwischen der Schweiz und dem betreffenden Land, Mangel an offenen Stellen in einem bestimmten Bereich). Einige Faktoren können diese Art von Migration begünstigen: familiäre Bindungen oder Bekanntschaften bzw. nachbarschaftliche Beziehungen in die Schweiz, Informationen über die Konjunkturlage in der Schweiz (Medien, Stellenvermittlungsagenturen), geografische Nähe des betreffenden Landes zur Schweiz (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Liechtenstein), eine gewisse Migrationstradition zwischen einem Land und der Schweiz (Portugal, Spanien, Ex-Jugoslawien, Türkei).

2. Der zweite Beweggrund für eine Einwanderung in die Schweiz ist der Familiennachzug. Diese Wanderungsbewegungen hängen hauptsächlich mit in der Schweiz wohnhaften Ausländerinnen und Ausländern zusammen, die in die Schweiz eingewandert sind, um hier zu arbeiten, und anschließend ihre Familie nachkommen lassen. Diese Art von Migration kann aber auch auf Schweizerinnen und Schweizer zurückzuführen sein, die einen Ausländer oder eine Ausländerin geheiratet haben und diese Person und deren Kinder in die Schweiz nachkommen lassen. Schließlich sind auch die Fälle von Familiennachzug anzuführen, bei denen in der Schweiz wohnhafte Ausländerinnen und Ausländer, die über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen oder das Schweizer Bürgerrecht erworben haben, einen Ausländer oder eine Ausländerin aus ihrem Herkunftsland heiraten, der respektive die bis dahin nicht in der Schweiz wohnhaft ist.

3. Der dritte Beweggrund für eine Einwanderung in die Schweiz sind die Ausbildung und die Weiterbildung. Diese Migration hängt in erster Linie damit zusammen, dass sich ausländische Studentinnen und Studenten an Schweizer Universitäten und Hochschulen immatrikulieren. Ebenfalls zu dieser Kategorie gehören die Schülerinnen und Schüler in den zahlreichen Schweizer Internaten. Ein ausschlaggebender Faktor für diese Art von Migration ist die hohe Qualität und der gute Ruf dieser Bildungsinstitutionen. Diese Art von Migration, die im Übrigen vielfach nur vorübergehenden Charakter hat, wird unter Umständen durch die geografische Nähe des Herkunftslandes zur Schweiz und durch kulturelle Bindungen, insbesondere durch die Sprache, begünstigt.

4. Der vierte Beweggrund für eine Einwanderung in die Schweiz ist die Einreichung eines Asylgesuchs. Die Wanderungsbewegungen von Asylsuchenden sind auf Konflikte in bestimmten Ländern und auf eine systematische Diskriminierung eines Teils der Bevölkerung von bestimmten Ländern durch die betreffende Regierung zurückzuführen. Naturkatastrophen oder die endemische Armut in einigen Regionen können Menschen ebenfalls veranlassen, in Ländern wie der Schweiz um Asyl zu bitten.

Mögliche Gründe für die Rückkehr ins Herkunftsland sind der Übertritt in den Ruhestand, der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Verbesserung der wirtschaftlichen oder politischen Lage im Herkunftsland, welche die betreffenden Personen zur Rückkehr veranlasst. Vor dem gleichen Hintergrund kann die wirtschaftliche Konvergenz zwischen der Schweiz und einigen Herkunftsländern der Immigrantinnen und Immigranten eine gewisse Zahl dieser Personen veranlassen, die Schweiz wieder zu verlassen (weil die Schweiz infolge der geringeren Lohnunterschiede für sie weniger attraktiv ist).

Das Ausmaß von Wanderungsbewegungen wird durch bestimmte punktuelle Ereignisse unter Umständen stark beeinflusst. So wurden die bilateralen Abkommen zur Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) seit 2011 auf die neuen EU-Mitgliedstaaten ausgeweitet. Je nach Konjunkturlage dürfte dies in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten einen Einfluss auf die Zahl der Immigrantinnen und Immigranten haben. Im gegenwärtigen Umfeld, das in den europäischen Ländern durch die allgemeine Alterung der Bevölkerung und einen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen gekennzeichnet ist, verfügt die Schweiz für allfällige Migrantinnen und Migranten über interessante Pluspunkte. Dazu gehören beispielsweise das hohe Lohnniveau und die hohe Qualität des sozialen Umfelds sowie die intakte Natur. Doch langfristig gesehen dürfte die Schweiz aufgrund einer sozioökonomischen Konvergenz mit den europäischen Ländern an Attraktivität verlieren.

Infolge der Migrationspolitik der Schweiz wird die legale Einwanderung von Staatsangehörigen aus Nicht-EWR-Ländern in den nächsten Jahrzehnten hauptsächlich aus hoch qualifizierten, mobilen Personen und ihren Familien bestehen. Gleichzeitig besteht jedoch in zahlreichen Ländern außerhalb Europas nach wie vor ein starkes Bevölkerungswachstum. Daraus dürfte in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich ein immer stärkerer Migrationsdruck resultieren. Die potenzielle Zunahme der Armut in diesen Ländern in Kombination mit einem hohen Anteil von Personen unter 20 Jahren könnte eine immer größere Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner dieser Regionen veranlassen, in ein europäisches Land wie beispielsweise in die Schweiz auszuwandern. Außerdem könnten auch klimatische Veränderungen einen Teil der Personen, die in den betroffenen Regionen wohnhaft sind, bewegen, ihr Heil in Ländern wie die Schweiz zu suchen. Wenn der Bund seine Migrationspolitik nicht anpasst, könnte dies zu vermehrten illegalen Einwanderungen und zu einer höheren Zahl von Asylgesuchen führen.[55]

Dabei gilt es mit Blick auf die Geschichte nicht zu vergessen, dass die Schweiz zwischen 1850 und 1900 mangels beruflicher Perspektiven, insbesondere im Sektor Landwirtschaft, ein Auswanderungsland war und jährlich Tausende die Schweiz verließen und sich dabei verteilt auf die ganze Erdkugel niedergelassen haben. Eine Rückkehr war dabei, mit Ausnahme während den beiden Weltkriegen, nur selten der Fall.[56]

Alle diese verschiedenen Beweggründe zeigen auf, wie schwierig es ist eine verlässliche Prognose über den Einfluss der internationalen Wanderung auf die demografische Entwicklung in der Schweiz zu stellen. Es ist jedoch anzunehmen, dass in jedem Szenario dieser Faktor als relevant zu betrachten ist. Für die Bevölkerungsszenarien 2010–2060 gelten die Annahmen gemäß den nachfolgenden Grafiken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Wanderungssaldo der EWR-Staatsangehörigen[57]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Wanderungssaldo der Nicht-EWR-Staatsangehörigen[58]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Wanderungssaldo der Schweizer[59]

Nach Betrachtung dieser drei Grafiken wird klar, dass die internationale Wanderung für die Schweiz in jedem Fall bei der ständigen Wohnbevölkerung einen positiven Saldo aufweist, das heißt, dass auch in den nächsten Jahrzehnten netto mehr Personen in die Schweiz einwandern als auswandern.

Fazit zu den Szenarien der Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz

Seit 1984 berechnet das Bundesamt für Statistik in regelmäßigen Abständen die Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz. Die Szenarien werden jeweils von Fachleuten entwickelt und mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesverwaltung auf deren Plausibilität hin diskutiert. Die Berechnungen der zuletzt erarbeiteten Szenarien gehen davon aus, dass - angenommen das <mittlere> Szenario kommt zum Tragen - die Einwohnerzahl von 7.9 Millionen permanent residierender Personen im Jahr 2010 bis ins Jahr 2060 auf 9.0 Millionen anwachsen wird. Der Anteil der 65-jährigen und älteren Personen wird von 17 auf 28 Prozent zunehmen. Die Bevölkerungsgruppen schweizerischer und ausländischer Nationalität werden beide grösser werden: Die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer wird - insbesondere durch Einbürgerungen verursacht - von 6.1 auf 7.0 Millionen ansteigen, die Zahl ausländischer Staatsangehöriger wird von 1.7 auf 2.0 Millionen wachsen. In knapp fünfzig Jahren wird sich die Bevölkerungszusammensetzung durch eine Verlagerung von Personengruppen auszeichnen. Bei den ausländischen Staatsangehörigen wird es mehr Personen europäischer Herkunft und mehr Frauen, bei der Gesamtbevölkerung mehr ältere Menschen geben.

Betreffend die Gesamteinwohnerzahl bestehen große Fragezeichen, da die demographische Entwicklung im Wesentlichen davon abhängt, ob Zuwanderung weiterhin anhält, sich stabilisiert oder gar abnehmen wird. Die Szenarien <tief> und <hoch>, welche die Schere der sich abzeichnenden Möglichkeiten der Entwicklung darstellt, gehen davon aus, dass im Jahr 2060 die Bevölkerungszahl in der Schweiz entweder 6.8 Millionen oder 11.3 Millionen betragen könnte.

Da die Geburtenrate voraussichtlich weiterhin auf niedrigem Niveau verbleiben wird, wird die Zahl der Todesfälle diejenige der Geburten ab 2030 übersteigen. Ab diesem Zeitpunkt kann die Bevölkerung in der Schweiz nur noch wachsen, wenn der Migrationssaldo genügend hoch bleibt, um das Defizit bei den Geburten zu kompensieren.[60]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz. Vergleich BFS, UNO und Eurostat[61]

Interessant an dieser Stelle ist ein Vergleich mit dem Nachbarland Österreich, weil es hier eine ähnliche Bevölkerungszahl gibt, aber der Verlauf in den nächsten Jahrzehnten unterschiedlich sein kann.

In Österreich wird der Bevölkerungsrückgang, der sich seit vielen Jahren durch anhaltend niedrige Geburtenraten ankündigt, hauptsächlich als Problem für Pensionssicherung, Gesundheitssystem und Altenbetreuung wahrgenommen. Immer stärker ins Blickfeld geraten die Auswirkungen des Geburtenrückgangs und des damit verbundenen Bevölkerungsrückgangs auf die unmittelbare Lebensumgebung der Menschen in Städten und Gemeinden. Die geringen Geburtenzahlen haben beispielsweise Auswirkungen auf Wohnungsmarkt, Infrastruktur, Finanzen, Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Damit verändert der demographische Wandel sehr stark die finanziellen Ressourcen und die Handlungsspielräume der Kommunen. Die zu erwartenden Auswirkungen im kommunalen Bereich verlangen nach einer zukunftsgerichteten offensiven Planung, Koordination und Kooperation in größeren regionalen Zusammenhängen, denn Bevölkerungszuwachs und -rückgang werden innerhalb von Regionen nebeneinander anzutreffen sein.[62]

Mittelfristig ist in Österreich kein Bevölkerungsrückgang zu erwarten. In den nächsten 20 Jahren wird die Einwohnerzahl noch steigen. Dramatisch wird hingegen die Veränderung der Altersstruktur sein. Die Anteile der unter 15-Jährigen sinken stark, die Altersgruppe der über 60-Jährigen, und dabei speziell die Anzahl der über 75-Jährigen, steigt stark an. Die Altersgruppe der Erwerbstätigen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren nimmt hingegen langfristig um 10 Prozent ab. Parallel zu dieser Entwicklung steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung von 41 Jahren (Jahr 2010) auf knapp über 48 Jahre (Jahr 2050). Dieses Durchschnittsalter wird bis ins Jahr 2075 stabil bleiben.[63]

Das demographische Dilemma moderner, nachindustrieller Gesellschaften, nämlich zu schrumpfen und zu altern, ist in absehbarer Zeit nicht zu stoppen sondern höchstens abzumildern. Die Suche nach politischen Weichenstellungen, die zu einem Ausweg aus dem Dilemma führen, gestaltet sich nicht einfach. Es müssen die bekannten Kompensationen forciert werden, wie Steigerung der Produktivität, Verlängerung der Lebensarbeitszeit und dadurch Erhöhung der Beitragszahlungen zur Sozialversicherung und gezielte qualifizierte Einwanderung. Letztere wurde bekanntlich zu einem zweischneidigen Schwert und kann die Weltspannungen der Gegenwart ins Land tragen.[64]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Bevölkerungsstruktur in Österreich[65]

3.5 Alter und Gesundheit - gesund altern

„Der Lebensstil 65- bis 74-jähriger Menschen, teilweise aber auch der über 75-jährigen hat sich seit den 1980er Jahren wesentlich geändert, und zwar eindeutig in Richtung einer aktiven und innovativen Lebensgestaltung. (…) Eine zentrale Ursache für diese Entwicklung ist einerseits die Tatsache, dass die neuen Rentnergenerationen schon seit ihrer Jugend mit einer aktiven, leistungs- und körperlich orientierten Kultur konfrontiert wurden. Die neuen Rentnergenerationen sind somit die ersten Generationen älterer Menschen, die erfolgreich gelernt haben, bis ins spätere Leben relativ «jugendlich» zu bleiben. Andererseits hat sich die Gesundheit mancher älterer Menschen verbessert; eine Entwicklung, die eng mit der wirtschaftlichen Wohlstandsentwicklung und einer besseren sozialpolitischen Absicherung des Alters verbunden ist. Damit können mehr Frauen und Männer von einem langen gesunden Rentenalter profitieren.“[66]

Die Gesundheit wird als Grundrecht aller Menschen und Voraussetzung für ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben verstanden. Dabei geht es auch darum die aktive und selbständige Lebensführung sowie die körperliche, geistige und psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Es geht in erster Linie nicht darum das Leben zu verlängern, sondern darum, die Kompetenzen und Funktionsfähigkeiten im Alter zugunsten der Lebensqualität und der Lebenszufriedenheit zu bewahren und zu verbessern. Es geht also nicht darum dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.[67]

Die Mitverantwortung des betroffenen Menschen in seiner lebensgeschichtlichen Rechtzeitigkeit ist eine Voraussetzung, wenn er erkennt, dass er sich im Alterungsprozess selbst frühzeitig orientieren muss. Hier hat eine frühzeitige Beratung der betroffenen Person wie auch der Angehörigen große Relevanz. Zu beachten gilt, dass man dabei den Menschen in seinem Zeithorizont der Lebensverlaufsplanung auch nicht überfordern darf.[68]

Heutzutage gelten die Menschen demnach im Ruhestand nicht zwingend als alt, gebrechlich und senil, sondern teilweise als reif und aktiv. Die Kaufkraft der älteren Generation ist inzwischen auch der Wirtschaft deutlich geworden, die jene Zielgruppe in Bereichen wie Bildung, Kultur, Fitness, Wellness, Sport und Gesundheitsförderung bewusst mit Angeboten für die Generation 65+ umwirbt. Es ist anzunehmen, dass diese Tendenzen in Zukunft weiter zunehmen.[69] Dieses sogenannte Dritte Alter ist eine Zeit, wo Individuen sich von den praktischen Notwendigkeiten der mittleren Jahre befreien können und noch Jahrzehnte vom hohen Alter entfernt sind. Es ist daher eine Gelegenheit für neue Entdeckungen, für Lernen und persönliches Wachstum, für vielleicht die wichtigsten Beiträge zu seinem eigenen Leben.[70] Das Wahlverhalten lehnt sich an die soziale und emotionale Befindlichkeit. Denn je mehr Menschen sich der Endlichkeit des Lebens bewusst werden, desto konsequenter leben sie. Dabei konzentrieren sich viele auf die positiven Seiten des Lebens und schenken den negativen Seiten weniger Beachtung.[71]

Wesentliche bestimmende Faktoren des Lebens und der Lebensqualität im Alter sind neben der sozialen Absicherung, der Pflege und der Gesundheitsversorgung in besonderen struktureller Art wie beispielsweise Mobilität, Wohnangebote und Freizeitmöglichkeiten.[72]

Gemäß Druyen folgt auf die verpflichtete Lohnarbeit - bis zur ordentlichen Pensionierung – die Phase des zweiten Beschäftigungsmarktes. Darin sieht Druyen eine Chance für eine sinnstiftende Tätigkeit im Alter, welche das Individuum vor Einsamkeit und Isolation bewahre. Die Verlängerung der Arbeitszeit sei die demografische Konsequenz eines um Jahrzehnte verlängerten Lebens.[73] Es gilt zu beachten, dass für die älteren Mitarbeiter die Wertschätzung der wichtigste Motivationsfaktor überhaupt sei.[74]

Eng verknüpft mit der steigenden Lebenserwartung ist die Hoffnung impliziert auch im hohen Alter noch gesund, aktiv und selbständig leben zu können. Ebenso wichtig sind die soziale Teilhabe und Sinnerfüllung für ein schönes Altern und Verminderung von vorzeitiger Pflegelast. Nebst der Gesundheitsprävention werden den folgenden Feldern eine hohe Bedeutung zugesprochen:

- Förderung der Selbstsicherheit
- Training der Kognition und Mobilität
- Bewältigung von Lebenskrisen
- Reflektorischen Umgang mit Einbußen und der Förderung der Fähigkeit zur Kompensation
- Soziale Unterstützung
- Integration
- Lebensmut
- Austausch mit Gleichgesinnten[75] Ziel in diesem Konzept ist das Aktive Altern (Active Ageing) welches durch folgende Determinanten bestimmt ist:
- Ökonomische Faktoren
- Sozial- und Gesundheitssystem
- Gesundheitsverhalten
- Individuelle Faktoren
- Physikalische Umwelt
- Soziale Umwelt[76]

Die Summe dieser aufgelisteten Faktoren beeinflusst den individuell ablaufenden Prozess des Alterns.

„Aktives Altern heißt: Gesundheit als Lebensressource nutzen, seine Unabhängigkeit wahren und am sozialen Leben teilnehmen.“[77]

Demenzfreundliche Kommune

Die Zahl der demenzkranken Menschen steigt drastisch weiter. Mit dem Konzept und der Kampagne‚ Demenzfreundliche Kommunen‘ hat die Aktion Demenz, ein aus einem Expertenprogramm hervorgegangenen Verein begonnen eine Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz anzustiften. Folgende Grundüberlegungen gibt es dabei:
- Neue Qualität statt Addition
- Abbau von Angstbildern und Stigmatisierung
- Demenz als soziale und als zivilgesellschaftliche Frage
- Begegnungsmöglichkeiten und öffentlicher Raum
- Koproduktion und Pflege in geteilter Verantwortung[78]

3.6 Alter und Wohnen

Institutionalisierung älterer und alter Menschen und von Menschen mit Behinderungen ist auf den ersten Blick eine bauliche Frage der Wohnformen, beim zweiten Blick erweist sich Institutionalisierung aber als Denkstil, als mentales Modell des Umgangs mit dem Mitmenschen. Also muss man die Denkgewohnheiten verändern, dann wird es auch eine bunte Vielfalt der Formen im Alter(n) geben.[79]

Wohnen ist nicht einfach gebaute und bebaute oder verbaute Welt als Umwelt des Menschen. Wohnen ist personales Erlebnisgeschehen in Wechselwirkung zum Raum. Gerade das unfreiwillige Wohnen in Settings im Alter, die nicht gewählt werden können und insofern nicht passungsfähig sind, sind Elemente eines verfehlten Daseins in der letzten Lebensphase.[80] Höpflinger meint in diesem Zusammenhang:

„Wohnsituation und Wohlbefinden sind im Alter eng verbunden.“[81]

Doch jenseits einer kritischen Reflexion dieser zeitdiagnostischen Diskurse bleibt Wohnen ein Sorgeexistenzial und zugleich eine Behausung für liebendes Miteinander der Menschen.[82] Und dieser Sinn des Wohnens gilt es wenn immer möglich zu bewahren und zu respektieren. Es sind 95 von 100 Älteren die ihren Wunsch verwirklichen können respektive wollen, die zweite Hälfte ihres Lebens in ihren gewohnten vier Wänden zu verbringen.[83]

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass Wohnen lange schon und immer wieder erneut im Lichte eines sozialen Grundrechts diskutiert worden ist. Die Kontroverse um die Qualität des Wohnens als Teildimension der Lebensqualität ist hierbei wohl als sublimierte Erscheinung auf höherem, aber dennoch legitim-wichtigem Themenniveau zu verstehen.[84] Wohnen ist ein Ort des dialektischen Gleichgewichts von Selbst-Sein, performativer Ausdrucksqualität, seelischer Geborgenheit und Distanzbedürfnis, sozialer Integration und Funktionalität der Alltagsbewältigung.[85]

Hier stellt sich die Frage nach der Akzeptanz neuer Wohnformen im Alter. Chronisch kranke und behinderte Menschen welche hilfe- und pflegebedürftig sind, vor allem auch Demenzkranke, sind in der heutigen Gemeinschaft weniger willkommen als gesunde Menschen.[86] Für diese Personengruppen wurden in den letzten Jahrzehnten Pflegeheime und andere Wohnheime gebaut, um diese von der Gesellschaft zu Separieren. Man dachte damit moralisch-ethisch richtig gehandelt zu haben. Diese Form des Separierens ist nicht eine neuere Erscheinung. Bereits vor 4000 Jahren gab es Lepra-Inseln und Lepra-Täler. Dabei wurde die Unreinheit ausgesondert und ausgegrenzt.[87] Also sind die „Andersartigen“ paläoanthropologisch tief verwurzelt, mit Angst und Ekel verbunden, die hygienisch bereits in der Gestik und Mimik erkennbar sind und sich in einer von Scheu geprägten Körperhaltung bestätigt.[88] In diesem Phänomen lässt sich eine Gerontophobie erkennen.

Es geht letztlich um die gesellschaftspolitische Frage nach dem Separieren von andersartigen Menschen versus die größtmögliche Integration dieser Bevölkerungsgruppen, wie das der älteren, teilweise gebrechlichen Menschen in unserer Gesellschaft. Und auch um die Frage wie die heute jüngeren Menschen ihre eigene Zukunft im Alter sehen. Möchte man in Zukunft in der Gesellschaft lieber integriert oder lieber traditionell von ihnen separiert werden?

„Es geht um das (anthropologisch fundamentale) Prinzip der ‚Gastfreundschaft‘: der Aufnahmebereitschaft des Anderen, des kulturell oftmals als das ganze Fremde empfundene im lebensweltlichen Horizont des eigenen Wohnens und Wohnumfeldes.“[89]

In den vergangenen Jahren erstarkt jedoch der Wunsch alle Menschen, auch Pflegebedürftige verstärkt in der Gesellschaft wieder zu integrieren mit den entsprechend nötigen Maßnahmen. Zu beachten gilt es hier, dass ohne eine ‚Gastfreundschaftskultur‘ es keine inkludierende Sozialintegration der sogenannten ‚Alten, Kranken und Behinderten‘ erreicht werden kann. Gerade der Umgang mit Demenzkranken bereitet vielen gesunden Menschen noch Mühe. Der Umgang mit Demenz ist längst als Frage einer Ethik der Demenz erkannt worden, eingebettet in eine Ethik des Umgangs des Alters und letztendlich eine Ethik des Umgangs der Menschen miteinander im Generationsgefüge.[90]

Bei der Gestaltungsanforderung an die Gemeinden betreffend das Wohnen im Alter lassen sich fünf Handlungsansätze benennen:[91]

1. Stärkung des normalen selbständigen Wohnens in der eigenen Häuslichkeit durch eine altersgerechte Gestaltung des räumlichen Umfeldes und der Wohnungen sowie durch den Ausbau einer sozialen Infrastruktur und niederschwelligen Alltagshilfen.
2. Verbreitung und Weiterentwicklung neuer alternativer selbständiger Wohnformen wie das betreute Wohnen und gemeinschaftlicher Wohnformen.
3. Entwicklung und Verbreitung selbstbestimmter Wohnformen für Pflegebedürftige und demenziell erkrankte Menschen durch eine Umstrukturierung der stationären Pflege und Erleichterung der Umsetzungsverfahren für ambulant betreute Wohngemeinschaften.
4. Kleinräumige Organisation und Vernetzung der Wohn- und Betreuungsangebote in den Wohnquartieren.
5. Stärkung von Eigeninitiative und Eigenverantwortung sowie Förderung gegenseitiger Hilfe.

„Voraussetzung zur Schaffung eines bedarfsgerechten Wohnangebotes vor Ort ist eine gezielte Fachplanung auf der Grundlage eines entwickelten Leitbildes.“[92]

Dabei sollten die Bürgerinnen und Bürger an kommunalen Planungs- und Entscheidungsprozessen auch und vor allem im Bereich des Wohnens im Alter beteiligt werden.[93] Es geht darum, innerhalb der Gemeinde ein Klima zu schaffen, das die Stärkung des selbständigen Wohnens, der Selbst- und Nachbarschaftshilfe und die Entwicklung und Verbreitung neuer Wohnformen für das Alter ermöglicht.[94] Bei den neuen Wohnformen werden komplementäre Dienste benötigt, also der Gesamtheit ergänzende und präventive Angebote, die dem Erhalt der selbständigen Lebensführung in verschiedenen Lebenssituationen und –lagen dienen. Dies umfasst die Bereiche des selbständigen Wohnens ebenso wie Kommunikation und Begegnung, Bewegung und gesunde Lebensführung, Information, Bildung und Kultur, Mobilität, Gesundheit, hauswirtschaftliche Hilfen und psychosoziale Angebote.[95]

Explorative Studie zum Thema Wohnen im Alter [96]

Eine explorative Studie von Frank Schulz-Nieswandt aus dem Jahr 2011/12 hatte das Ziel tiefe Einblicke in das alltägliche, lebensweltliche Prozessgeschehen der Wohnprojekte aufzuzeigen. Vier Ausgangshypothesen wurden aufgestellt:

1. Möglichkeiten von selbständigem und daher gelingendem Alterns sowie die Förderung von Selbstbefähigungen, Selbstmanagements- und Selbstständigkeitspotenzialen hängen vom Wohnsetting ab.
2. Wohnformen unterscheiden sich in der Möglichkeit der aktivierenden Pflege und der allgemeinen Chance der Hilfe zur Selbsthilfe. Solche Aktivierungspotenziale sind abhängig von alltäglichen Interaktionsordnungen der gegenseitigen Hilfe (Reziprozitätsprinzip).
3. Obwohl auch stationäre Settings Möglichkeiten des Empowerments haben, weisen diesbezüglich andere Wohnformen größere Entwicklungspotenziale auf.
4. Vor diesem Hintergrund sind Wohnformen zwischen Privathaushalt und Heim, bezogen auf vergleichbare Pflegebedürftigkeitslagen, nicht billiger, aber kosteneffektiver: Sie bewirken mit gegebenem Input bessere Outcomes (Ergebnisse).

Gemäß der Studie sind im Rahmen der gegenseitigen Hilfe der Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch zwischen BewohnerInnen und dem Personal, erhebliche Aktivierungspotenziale realisierbar. Dies führt in den vor-pflegerischen Phasen des Hineinalterns in das höhere und hohe Alter ebenso wie in bereits eingetretenen und fortgeschrittenen Pflege- und Betreuungssituationen zu positiven Wirkungen auf das Persönlichkeitswachstum und auf die subjektive Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Studie lieferte wichtige Hinweise, dass die Wirkungen auf die Lebenszufriedenheit, der erlebten Lebensqualität und auch die weiteren Verlaufsformen des Alterns positiver sind als in anderen Wohnsettings. Dies resultiert aus den nur in solchen „interaktionsdichten“ Wohnsettings möglichen gegenseitigen Hilfen (Reziprozität). Dadurch sind vertiefte Aktivierungsprozesse möglich.

An dieser Stelle sei auf das Theorem der ‚erlernten Hilflosigkeit‘ hinzuweisen. Dabei gibt es gute Gründe, von kulturgeschichtlich überholten Modellen der Hilfe Abstand zu nehmen. Diese liegen grundsätzlich im Schutz der personalen Würde begründet, aber konkret auch in den negativen Effekten falscher Hilfe-Modalitäten, die Selbsthilfe-Kompetenzen zerstören statt aufzubauen, zu fördern oder zu pflegen.[97]

Dieser Befund passt zu den gerontologischen Erkenntnissen, dass Aktivitätsmuster positiv zusammenhängen mit erfolgreichen Alterungsprozessen, diese Aktivitätsmuster aber von Gegenseitigkeitserfahrungen im Alltag geprägt sein müssen. Diese können jedoch nicht in allen Wohnsettings gleich gut realisiert werden. Ein sozialökonomischer Befund wird dann evident: Sind die Input-Kosten mehr oder weniger gleich, so spricht einiges systematisch dafür, dass die Outcomes in den Wohnformen nicht-stationärer Art relativ höher sind.

Die Befunde im konkreten Betrachtungszusammenhang betrachtet ergeben folgende Aussagen:[98]
- In jeder Wohnform können Alterungsprozesse gelingen oder auch misslingen.
- Institutionalisierungen sind oftmals geprägt von nicht optimal gelingenden Passagen der Heimübersiedlung.
- Architektur, Personalbestand, aber auch die stationären Denk- und Handlungskulturen in den Heimsettings lassen die Realität oftmals weit entfernt sein von den Idealen der aktivierenden Pflege, also einer Pflege, die nicht nur hoffnungslos austherapierte Fälle bis in die Palliativphasen mit Empathie begleitet, sondern wo täglich durch rehabilitativ auf Erhalt und Stärkung der personalen Daseinsführung hin gefördert wird.
- Die private Häuslichkeit kann auch misslingen. Als Gefahr kann dort Vereinsamung oder Verwahrlosung stattfinden.
- Artenvielfalt fördern: Die Wissenschaft kann nicht in der gesellschaftlich ersehnten Einfachheit die absolut beste Wohnform im Alter(n) definieren. Deshalb heißt die redliche Lösung: Vielfalt anbieten. Politisch gesprochen heißt dies als Aufforderung: Vielfalt ermöglichen. (Aus der Evolution kennen wir die Analogie: Artenvielfalt erhalten erhöht die Fähigkeiten zur Anpassung an geänderte Umweltanforderungen und erhöht die Entwicklungschancen insgesamt.)
- Die Vielfalt der Wohnformangebote geben den Menschen die Möglichkeit, im Lichte ihrer biographisch gewachsenen persönlichen Strickmuster jene Wohnformen auswählen zu können, die zu ihren jeweiligen räumlichen, interaktiven, seelisch erlebten und psychodynamischen Balancemustern von Nähe und Distanz passen.
- Eine Wohngemeinschaft kann die Bedürfnisse der BewohnerInnen und/oder den Angehörigen erfüllen, familien-ähnliche soziale und seelische Dichteräume zu erzeugen, den sogenannten Familialismus.
- Die Mehrgenerationenhäuser können dagegen so konstruiert und darin gelebt werden, dass aus einer stärkeren Distanz heraus eine Kultur der Gegenseitigkeit, des gegenseitigen Helfens, eingebettet in Formen erlebter gemeinschaftlicher Gesellung, möglich wird.
- Die verschiedenen Wohnformen zeigen große Unterschiede hinsichtlich wichtiger Fragen wie die der Öffnung zum bürgerschaftlichen Engagement hin und auch zum Wohnumfeld bzw. dem Quartierbezug.

Die Individualität und der Wunsch danach verstärken sich, gemäß dem Berliner Architekten Eckard Feddersen, gerade im Alter noch mal deutlich, wenn man sieht, dass sich das Leben verkürzt. Dann will man seine Wünsche auch leben. Immer mehr Jüngere sehen die verlängerte Lebenszeit als Chance, auch mit 50 noch einen Neuanfang zu wagen. Dabei werden sich auch die unterschiedlichen Lebensstile der Menschen weiter ausdifferenzieren. Zum Beispiel wollen die Einen, welche Jahrzehnte in der Stadt lebten, nun auf dem Bauernhof alt werden. Andere wollen bis ins hohe Alter weiterarbeiten. Gemäß Feddersen ist das Thema Barrierefreiheit für ihn abgehakt und nur noch Handwerk. Das erforderliche Wissen sei weit verbreitet und die Instrumente auch. Hingegen sind erst wenige Wohnungen barrierefrei oder zumindest barrierearm. Bei Sanierung und umbauten geht es um das große Thema ‚Sicherheit im Alter‘. Hier geht es um die Sicherheit in der Wohnung, im Umfeld der Wohnung und in der Umgebung. Dabei geht es um folgende Fragestellungen:[99]

- Kann ich schnell nach Hilfe rufen?
- Habe ich alles, was ich brauche, in unmittelbarer oder zumindest erreichbarer Nähe?
- Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, kulturelle Angebote?

Diese Fragen sind sehr bedeutungsvoll, weil sich der eindeutige Wunsch der Menschen, in ihren eigenen vier Wänden alt zu werden, in absehbarer Zeit nicht ändern wird.

Ganz praktisch können Alterswohnungen mit einem Bildschirmterminal ausgerüstet werden, das den Mietern länger ein eigenständiges Leben im Alter ermöglichen soll. Über den Touchscreen können die Bewohner beispielsweise einfach und schnell Essen und Getränke bestellen, sich mit Nachbarn vernetzen, die Apotheke anrufen und über die Videofunktion das Rezept zeigen, mit dem Arzt oder anderen Diensten kommunizieren. Als Weiterentwicklung können Tablet-PC’s eingesetzt werden, die entsprechend in der Wohnung mobil genutzt werden können.[100]

Ein besonders fortschrittliches und innovatives Vorgehen wurde in der Stiftung Liebenau/Deutschland gewählt. In der Stiftung Liebenau wurde bereits vor 15 Jahren mit den ‚Lebensräumen‘ ein Konzept für das Wohnen in der alternden Gesellschaft entworfen. Dies setzt auf nachbarschaftliche Selbsthilfe und unterstützt sie durch einen sogenannten Gemeinwesenarbeiter. Wissenschaftliche Begleitstudien haben ergeben, dass die Nachbarschaftshilfe funktioniert und die Älteren in der Tat länger in ihren Wohnungen leben und vor allem erst später, wenn überhaupt, pflegebedürftig werden. Entscheidend dabei ist, dass die Bewohner aktiv bleiben und viele Sozialkontakte haben. An einer der Straßen reicht die Altersspanne von 2 bis 90 Jahre. Die sogenannte ‚Rollladen-Kontrolle‘ und eine Telefonkette ersetzen Notrufsysteme. Dieses Konzept führte für die Kommune wie auch für die Bewohner zu klaren Einsparungen. Die Vermieter profitieren von weniger Fluktuationen.[101]

Die steigende Anzahl an demenzkranken Menschen stellt jeweils eine besondere Anforderung an das Wohnsetting und die Betreuung. In den Niederlanden wurde sogar ein Demenzdorf erbaut, welches für ganz Europa Beispielcharakter hat. Das Demenzdorf ‚De Hogeweyk‘ in der Nähe von Amsterdam / Niederladen [102] ist ein Pionierprojekt. Es war bis 1992 ein klassisches Altenheim und startete 1993 mit der Pilotphase. Nach Abriss war 2007 die Grundsteinlegung des jetzigen Gebäudes, welches für 152 schwer demenzkranke Bewohner ihre neue Heimat bietet. Es gibt 24 Wohneinheiten mit je 6-8 Bewohnern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Demenzdorf De Hogeweyk. Luftbild[103]

Das Lebensstilmodell im Demenzdorf De Hogeweyk folgt folgenden Grundsätzen:

- Es gibt unterschiedliche individuelle Lebensstile.
- Ein eigens konzipierter Fragebogen unterstützt bei Einzug die Eingruppierung.
- Der individuelle Lebensstil wird in De Hogeweyk fortgeführt.

Zur Wahl stehen 7 Lebensstile:

1. städtischer
2. handwerklicher
3. indischer
4. häuslicher
5. gehobener
6. kultureller
7. christlicher

An den Lebensstil angepasst ist…
- die Einrichtung der Wohnung
- das Verhalten der Pflegekräfte und sonstigen Mitarbeiter
- pro Wohngruppe 1 bis 2 Präsenzkräfte zur Alltagsgestaltung
- die Freizeitgestaltung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Demenzdorf De Hogeweyk. Situationsbild[104]

Auf dem Gelände stehen vielfältige Angebote zur Verfügung:

- Supermarkt
- Friseur
- Café
- Theater
- Restaurant

Die Angebote stehen der ganzen Bevölkerung offen. Diese Öffnung ins Gemeinwesen gelingt gut. Zum Beispiel wird das Theater häufig von Auswärtigen besucht.
Zahlen und Fakten zum Demenzdorf De Hogeweyk:

- 152 schwer demenzkranke Bewohner
- Durchschnittsalter 84 Jahre
- Verweildauer ca. 2.5 Jahre
- 24 Wohneinheiten mit je 6 bis 8 Bewohnerinnen und Bewohner

[...]


[1] Bei allen in dieser Arbeit verwendeten Bezeichnungen ist die weibliche Form mitgedacht und der Einfachheit halber in der Regel nur die männliche Form verwendet.

[2] Vgl. Heckel Margaret. Die Midlife-Boomer. Warum es nie spannender war, älter zu werden. edition Körber-Stiftung. Hamburg. 2012. S. 10-11

[3] Vgl. WHO. Good health adds life to years: Global brief for World Health Day 2012, http://www.who.int/ageing/publications/whd2012_global_brief/en/index.html (15. Oktober 2013), Seite 7

[4] Vgl. Heckel Margaret. S. 12

[5] Höpflinger François. „Alternde Gesellschaft - verjüngte Senioren Über die doppelte Dynamik des Alterns“. Neue Zürcher Zeitung, 27. September 2005 NZZ Online: http://www.nzz.ch/2005/09/27/ky/articleD1WLW.html

[6] Volkswirtschaftsdirektion Nidwalden. Projekt demochange. Der demografische Wandel in Nidwalden. https://secure.i-web.ch/dweb/nw/de/onlinemain/publikationen/?action=info&pubid=3736#pu3736. 2011

[7] Vgl. BFS. Chancen Risiken und Herausforderungen der demografischen Entwicklung. DEMOS. Informationen aus der Demografie. Nr. 1/2003. S. 15

[8] Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Hrsg.). Gesundheit in der Schweiz. Nationaler Gesundheitsbericht 2008. Kurzfassung. 2008. S. 13

[9] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. Gemeinschaftliches Wohnen im Alter in der Kommune. Das Problem der kommunalen Gastfreundschaftskultur gegenüber dem homo patiens. Duncker & Humbold GmbH. Berlin. 2012. S. 26

[10] Höpflinger François. Age Report 2009. Einblicke und Ausblicke zum Wohnen im Alter. Seismo-Verlag. Zürich. 2009. S. 14

[11] Vgl. Kremer-Preiss Ursula & Stolarz Holger, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Demographischer Wandel – Zukunft des Wohnens. 2011. S. 177-178

[12] Vgl. Heckel Margaret. S. 177

[13] Vgl. Steffen Gabriele. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Initiieren – Planen – Umsetzen. 2009. S. 159

[14] Vgl. Steffen Gabriele. S. 163

[15] Carstensen Laura. A Long Bright Future. An Action Plan for a Lifetime of Happiness, Health, and Financial Security. 2009. S. 227

[16] Vgl. Heckel Margaret. S. 189

[17] Vgl. Heckel Margaret. S. 150

[18] Vgl. Höpflinger, François: Die ,späte Freiheit' nicht durch Bürokratie beschneiden, in: Beat Bühlmann (Hrsg.): Die andere Karriere. Gesellschaftliches Engagement in der zweiten Lebenshälfte - am Beispiel von Innovage. 2010. Luzern: Interact. S. 173

[19] Vgl. Amann, Anton: Forschungs- und Praxisbezug in der Sozialgerontologie, in: Dallinger, U. & Schroeter, K. (Hrsg.): Alter(n) und Gesellschaft 6. Theoretische Beiträge zur Alternssoziologie. 2002. Opladen: Leske + Budrich. S. 53

[20] Vgl. Infoklick.ch Zentralschweiz. Aktive Partizipation im Alter. Alter mit Wirkung. www.infoklick.ch (19. Mai 2014)

[21] Vgl. Kanton Nidwalden. Agglomerationsprogramm Nidwalden 2011. 2011. S. 66

[22] Quelle: Menthonnex 2009; BFS, STATPOP 2011; BFS, mittleres Szenario AR-00-2010 / Auswertung Obsan. 2013

[23] Kanton Nidwalden. Pflegeheimliste. 2013

[24] Vgl. Politische Gemeinde Stans. Stans in Zahlen. Internet: http://www.stans.ch/de/portrait/gemeindeinzahlen/ (29. Mai 2014)

[25] Rudolf Hundstorfer, Österreichischer Bundesminister für Soziales, Konsumentenschutz und Arbeit, Aktive Altern 2012. Statement des Bundesministers. Internet: http://www.aktivaltern2012.at/aa2012/EU_Jahr_2012/Statement_des_Bundesministers (29. Mai 2014)

[26] World Health Organisation / Weltgesundheitsorganisation

[27] Vgl. WHO: Care and independence in older age. Internet: http://www.who.int/ageing/en/ (14. Oktober 2013)

[28] Vgl. WHO. Good health adds life to years: Global brief for World Health Day 2012, http://www.who.int/ageing/publications/whd2012_global_brief/en/index.html (15. Oktober 2013), Seite 7

[29] Eine altersfreundliche Stadt ist eine integrative und zugängliche städtische Umgebung, welche das aktive Altern fördert.

[30] Vgl. WHO. WHO Global Network of Age-friendly Cities and Communities. http://www.who.int/ageing/projects/age_friendly_cities_network/en/index.html (14. Oktober 2013)

[31] Vgl. WHO. WHO Global Network of Age-friendly Cities and Communities. http://www.who.int/ageing/projects/age_friendly_cities_network/en/index.html (14. Oktober 2013)

[32] Alterskonzept 2020 der Stadt Bern. Gemeinderat der Stadt Bern. 2011, Seite 41

[33] Alterskonzept 2020 der Stadt Bern. Gemeinderat der Stadt Bern. 2011, Seite 41

[34] Vgl. Alterskonzept 2020 der Stadt Bern. Gemeinderat der Stadt Bern. 2011, Seite 43

[35] Vgl. Alterskonzept 2020 der Stadt Bern. Gemeinderat der Stadt Bern. 2011, Seite 56

[36] Vgl. Höpflinger François. Age Report 2009. Einblicke und Ausblicke zum Wohnen im Alter. Seismo-Verlag. Zürich. 2009. S. 21-37

[37] Bundesamt für Statistik BFS. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010–2060. 2010. S. 13

[38] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 13

[39] Vgl. Höpflinger François. 2009. S. 24-30

[40] Vgl. Höpflinger François. 2009. S. 24-30

[41] Vgl. Höpflinger François. 2009. S. 24-30

[42] Vgl. Heckel Margaret. S. 12

[43] Höpflinger François. „Alternde Gesellschaft - verjüngte Senioren Über die doppelte Dynamik des Alterns“. Neue Zürcher Zeitung, 27. September 2005 NZZ Online: http://www.nzz.ch/2005/09/27/ky/articleD1WLW.html

[44] Schlautmann Karin. Change Reader. Demographischer Wandel. Zukunft des Wohnens. Verlag Bertelsmann Stiftung. Gütersloh. 2011. S. 5

[45] Vgl. The Economist: The 100 club. 13. Juli 2011. http://www.economist.com/blogs/dailychart/2011/07/demography (22. November 2013)

[46] Vgl. Druyen Thomas. Goldkinder. Die Welt des Vermögens. Murmann-Verlag. Hamburg. 2007. S. 81-82

[47] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Demografischer Wandel in Deutschland. http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/demografischer-wandel/

[48] Volkswirtschaftsdirektion Nidwalden. Projekt demochange. Der demografische Wandel in Nidwalden. 2011. Internet: https://secure.i-web.ch/dweb/nw/de/onlinemain/publikationen/?action=info&pubid=3736#pu3736 (28. November 2013)

[49] Vgl. Bundesamt für Statistik BFS. Chancen Risiken und Herausforderungen der demografischen Entwicklung. DEMOS. Informationen aus der Demografie. Nr. 1/2003. S. 15

[50] Höpflinger François. Alternde Gesellschaft - verjüngte Senioren Über die doppelte Dynamik des Alterns. Neue Zürcher Zeitung, 27. September 2005. In: NZZ Online. Ausgabe vom 27.09.2005. Internet: http://www.nzz.ch/2005/09/27/ky/articleD1WLW.html (28. Oktober 2013)

[51] Bundesamt für Statistik BFS. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010–2060. 2010. S. 28

[52] Bundesamt für Statistik BFS. ESPOP. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/dienstleistungen/forumschule/them/02/01.html (28. Oktober 2013)

[53] Bundesamt für Statistik BFS. Szenarien der Erwerbsbevölkerung. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/02/blank/key/szenarien_der_erwerbsbevoelkerung.html (28. Oktober 2013)

[54] Vgl. Bundesamt für Statistik BFS. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010–2060. 2010. S. 13-14

[55] Vgl. Bundesamt für Statistik BFS. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010–2060. 2010. S. 13-14

[56] Forum für die Integration der Migrantinnen und Migranten (Hrsg.). Kurze Migrationsgeschichte der Schweiz. 2011. S. 1. Internet: http://fimm.ch/archiv/projekte-2011-archiv/leistungen-v-migranten (30. Mai 2014)

[57] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 15

[58] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 15

[59] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 16

[60] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 21-31

[61] Bundesamt für Statistik BFS. 2010. S. 34

[62] Vgl. Schipfer Rudolf Karl. Österreichisches Institut für Familienforschung. Der Wandel der Bevölkerungsstruktur in Österreich. Auswirkungen auf Regionen und Kommunen. Nr. 51 / 2005. S. 2

[63] Hanika, Alexander, Gustav Lebhart & Stephan Mari. Zukünftige Bevölkerungsentwicklung Österreichs bis 2050 (2075). Methodik – Annahmen – Ergebnisse. In: Statistische Nachrichten 1/2004. S. 24-25

[64] Vgl. Josef Schmid. Der Mittelstand der Wissensgesellschaft. In: Klaus Zapotoczky, Christian Pracher & Herbert Strunz (Hrsg.). Welser universitäre Schriften 2. Wissen als Rohstoff. Trauner. Linz. 2010. S. 161

[65] Statistik Austria. Bevölkerungsprognose 2003, mittlere Variante. In: Schipfer Rudolf Karl. Österreichisches Institut für Familienforschung. Der Wandel der Bevölkerungsstruktur in Österreich. Auswirkungen auf Regionen und Kommunen. Nr. 51 / 2005. 2005. S. 4

[66] Höpflinger François. Alternde Gesellschaft - verjüngte Senioren Über die doppelte Dynamik des Alterns. Neue Zürcher Zeitung, 27. September 2005. In: NZZ Online. Ausgabe vom 27. September 2005. Internet: http://www.nzz.ch/2005/09/27/ky/articleD1WLW.html (28. Oktober 2013)

[67] Vgl. PIKA - Praxisorientierte Intervisionsgruppe Kantonale Gesundheitsförderung (Hrsg.). Module einer gemeindezentrierten gesundheitsfördernden Alterspolitik. Planungsgrundlagen. 2012. S. 4

[68] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. Gemeinschaftliches Wohnen im Alter in der Kommune. Das Problem der kommunalen Gastfreundschaftskultur gegenüber dem homo patiens. Duncker & Humbold GmbH. Berlin. 2012. S. 86

[69] Vgl. Wernet Verena. Demografischer Wandel. Über die Herausforderungen für eine alternde Gesellschaft. Grin. München. 2012. S. 6

[70] Vgl. Heckel Margaret. S. 16

[71] Vgl. Heckel Margaret. S. 19

[72] Vgl. Wernet. 2012. S. 7

[73] Vgl. Druyen Thomas. 2007. S. 83-88

[74] Vgl. Heckel Margaret. S. 21

[75] Vgl. Wernet Verena. 2012. S. 10-11

[76] Vgl. Walter Ulla. Alt und gesund? Altersbilder und Präventionskonzepte in der ärztlichen und pflegerischen Praxis.. S. 32-33

[77] Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Hrsg.). Gesundheit in der Schweiz. Nationaler Gesundheitsbericht 2008. Kurzfassung. 2008. S. 13

[78] Vgl. Gronemeyer Reimer & Wissmann Peter: Was demenziell Erkrankte brauche – Auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Kommune, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Demographischer Wandel. Zukunft des Wohnens. 2011. Bertelsmann Verlag. Gütersloh. S. 211-213

[79] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 148

[80] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 26

[81] Höpflinger François. 2009. S. 14

[82] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 26

[83] Vgl. Heckel Margaret. S. 23

[84] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 27

[85] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 29

[86] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 29-30

[87] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 30

[88] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 31

[89] Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 74

[90] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 62-65

[91] Vgl. Kremer-Preiss Ursula & Stolarz Holger, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Demographischer Wandel – Zukunft des Wohnens. 2011. S. 177-178

[92] Kremer-Preiss Ursula & Stolarz Holger. S. 178

[93] Vgl. Kremer-Preiss Ursula & Stolarz Holger. S. 178-179

[94] Vgl. Kremer-Preiss Ursula & Stolarz Holger. S. 183

[95] Vgl. Stratmann Jutta. Gut im Alter zu Hause leben können – Kommunale Unterstützung zur Umsetzung komplementärer und sozialer Dienste, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Demographischer Wandel – Zukunft des Wohnens. 2011. S. 187

[96] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 76-77

[97] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 90

[98] Vgl. Schulz-Nieswandt Frank. 2012. S. 78-79

[99] Vgl. Heckel Margaret. S. 146-148

[100] Vgl. Heckel Margaret. S. 170-171

[101] Vgl. Heckel Margaret. S. 172-175

[102] Vgl. Zurmühlen Veronika. Das Demenzdorf ‚De Hogeweyk‘. 2012. http://www.bpa.de/fileadmin/user_upload/MAIN-dateien/NW/Veronika_Zurmuehlen_De_Hogeweyk_Das_Demenzdorf_.pdf (20. Mai 2014)

[103] Zurmühlen Veronika. 2012. S. 16

[104] Zurmühlen Veronika. 2012. S. 18

Ende der Leseprobe aus 205 Seiten

Details

Titel
Bedarfsplanung Alter 2030
Untertitel
Bedürfnisse und Erwartungen der älteren Bevölkerung, der Gesellschaft und Behörden im Jahr 2030 inklusive Finanzierung und Trägerschaft, am Beispiel der Schweizer Gemeinde Stans
Veranstaltung
inter-university doctoral degree programme
Note
sehr gut (94%)
Autor
Jahr
2014
Seiten
205
Katalognummer
V301695
ISBN (eBook)
9783956876981
ISBN (Buch)
9783668005099
Dateigröße
2926 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alterspolitik, Bedarfsplanung, demographischer Wandel, Altersleitbild, Zukunftsplanung, Bevölkerungsbefragung, Alter, Politik
Arbeit zitieren
Lukas Liem (Autor), 2014, Bedarfsplanung Alter 2030, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301695

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