Aggression als negative soziale Interaktion. Ihre Auslöser und Möglichkeiten der Reduzierung


Seminararbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Fallbeispiel

3. Definition und Abgrenzung

4. Aggression - angeboren oder erlernt?

5. Einflüsse und Stimuli für Aggression
5.1 biologische Faktoren
5.2 soziale Situation

6. Wege zur Reduzierung von Aggression

7. Lösung des Fallbeispiels

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Augenbrauen herunter gezogen, die Stirn zerfurcht, die Nase gekraust, die Lippen so verzogen, dass es aussieht als würde man die Zähne fletschen. Hände, die zu Fäusten geballt sind, Finger, die wie Krallen gespreizt sind. Dies sind typische Momentaufnahmen eines wütenden Menschen, der sich gerade besonders aggressiv fühlt. Aggressiv - ein Wort, das wir täglich in unserer Sprache verwenden. Ein Wort, zu welchem schnell gegriffen wird, um ein bestimmtes Gefühl oder Verhalten zu beschreiben. Doch wissen wir auch, was genau sich eigentlich dahinter verbirgt? Diese Seminararbeit befasst sich mit den Fragen, was genau Aggression eigentlich auf sozialpsychologischer Ebene ist, wodurch sie ausgelöst wird und wie sie auf Grundlage einer empirischen Studie am besten reduziert wird. Dabei liegt der Fokus stets auf dem Bezug zum Schulkontext und zum Schulalltag, in dem besonders gehäuft aggressives Verhalten auftritt, einfach da verschiedene Menschen auf engstem Raum aufeinander prallen. Dazu baut sich die Arbeit wie folgt auf: Als erstes wird ein Beispiel aus dem Schulalltag heran gezogen. Das Fallbeispiel thematisiert eine Situation im Schulkontext, in dem aggressives Verhalten auftritt. Danach erfolgt eine genaue Definition des Begriffs „Aggression“, welcher hinsichtlich des umgangssprachlichen Gebrauchs abgegrenzt werden soll. Das anschließende Kapitel befasst sich mit der Frage, wo Aggression eigentlich herkommt, ob sie angeboren ist oder erlernt wurde. Danach werden die Einflüsse und Stimuli abgeklärt, die aggressives Verhalten begünstigen. Zum Schluss erfolgt die Vorstellung einer empirischen Studie zur Reduzierung von Aggression, gefolgt von der Auflösung des Fallbeispiels aus dem Schulalltag. Diese Situation soll gedanklich auf Grundlage der vorher vorgestellten Studie gelöst und gegebenenfalls durch weitere Erkenntnisse ergänzt werden.

2. Ein Fallbeispiel

Es ist Dienstagnachmittag, die Jungen der Klasse 8 eines Gymnasiums haben in der letzten Stunde Sportunterricht. Das Schuljahr neigt sich dem Ende, die Fußballweltmeisterschaft 2014 ist in vollem Gange, weshalb die Jungen außerplanmäßig ein Fußballturnier veranstalten dürfen. Beide Mannschaften spielen begeistert und legen sich mächtig ins Zeug, um zu gewinnen. Schüler A und Schüler B, jeweils aus der anderen Mannschaft, nehmen die ganze Sache zu Ernst und steigern sich immer mehr in ihren Wunsch hinein, zu gewinnen. Schüler A ist ein starker Torschütze, doch Schüler B weiß ihn gut zu blocken. Es ist ein harter Kampf. Der Sportlehrer beobachtet, wie beide Gemüter sich immer mehr erhitzen. Es wird immer öfter gefault und die beiden Jungen beginnen, sich gegenseitig zu beschimpfen. Rüde Gesten und immer brutaleres Vorgehen, um an den Ball zu gelangen, unterbrechen immer öfter das Spiel. Das Verhalten der Schüler wird immer aggressiver. Der Sportlehrer weiß, dass er eingreifen muss, bevor sich einer der beiden ernsthaft verletzt oder anderweitig Schaden davon trägt. Wie soll er dabei aber vorgehen? Bevor diese Frage geklärt wird, gilt es vorab ein paar theoretische Betrachtungen durchzuführen. Liegt in diesem Beispiel wirklich Aggression vor?

3. Definition und Abgrenzung

Schlägt man im Duden Fremdwörterbuch das Wort „Aggression“ nach, erhält man die Erklärung, Aggression sei ein „ […] Angriffsverhalten, [eine] feindselige Haltung eines Menschen od. eines Tieres mit dem Ziel, die eigene Macht zu steigern oder die Macht des Gegners zu mindern […]“ (Duden das Fremdwörterbuch, S. 55, 2010; Stichwort Aggression). Aronson, Wilson und Akert (2008) präzisieren in ihrer Arbeit den Begriff noch genauer, indem sie Aggression als ein beabsichtigtes Handeln sehen, einer anderen Person Schmerz oder Schaden zuzufügen. Der Angriff auf die andere Person kann physischer oder verbaler Natur sein (Aronson et al., 2008). Dabei ist wichtig, dass die andere Person dies nicht möchte (ebd.). Auch wenn der Angriff sein Ziel verfehlt, ist es dennoch eine aggressive Handlung (ebd.). Jedoch darf man den Begriff Aggression, wie ihn Sozialpsychologen verstehen, nicht mit dem im Volksmund üblichen Verständnis verwechseln (Aronson et al., 2008). Ein Mensch gilt nicht als aggressiv, wenn er sich selbst behauptet oder seine Recht einfordert, sondern nur dann, wenn er einer anderen Person bewusst Schaden möchte (ebd.).

Dabei muss man zusätzlich zwischen feindseliger und instrumenteller Aggression unterscheiden. Feindselige Aggression ist eine direkte Aggression, die wirklich das Zufügen von Schmerz verfolgt (ebd.). Instrumentelle Aggression ist indirekter, das heißt das Zufügen von Schmerz oder Schaden hat eine andere Intention (Aronson et al., 2008). Aronson, Wilson und Akert (2008) erklären den Unterschied zwischen feindseliger und instrumenteller Aggression in ihrer Arbeit am Beispiel des American Football: Der Verteidiger greift seinen Gegner an und fügt ihm Schmerz zu in der Hoffnung, so an den Ball heranzukommen. In diesem Fall spricht man von instrumenteller Aggression (ebd.). Greift der Verteidiger jedoch seinen Gegner an, ohne dabei auf den Ball abzuzielen, handelt es sich um feindselige Aggression (ebd.). Diese Erklärung lässt sich auch gut auf das vorher beschriebene Fallbeispiel beziehen. Spielen Schüler A und Schüler B den Ball und es kommt dabei zu einer aggressiven Handlung, spricht man von einer instrumentellen Aggression, da beide versuchen über ihr Handeln an den Ball zu gelangen. Boxt oder tritt Schüler A jedoch Schüler B fernab vom Ball, ist es eine feindselige Aggression.

Ein weiterer wichtiger Fakt, der von Aronson, Wilson und Akert (2008) herausgearbeitet wird, sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Art und Weise, wie aggressive Handlungen ausgetragen werden. Wer einmal Schüler auf dem Schulhof beim Spielen beobachtet hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass Jungen sich wesentlich öfters raufen und gegeneinander handgreiflich werden, als Mädchen. Mädchen hingegen tuscheln und tratschen, um ihrem Gegner Schmerz zuzufügen (ebd.). Daraus ist zu schlussfolgern, dass Mädchen genauso zu Aggression neigen wie Jungen, nur dass sich diese unterschiedlich äußert (ebd.). Jungen, und auch Männer, tendieren eher zu physisch- aggressiven Verhalten und Mädchen, und auch Frauen, eher zu verbal-aggressiven Verhalten (Aronson et al., 2008). Weiterhin zeigten verschiedene Experimente, dass Männer vielmehr dazu neigen, mehrdeutige Situationen als Provokation auszulegen und darauf aggressiv zu reagieren (ebd.). Frauen sind da zurückhaltender. Kommt es bei einer Frau doch einmal zu Handgreiflichkeiten, plagen sie stärkere Angst- und Schuldgefühle als den Mann (ebd.). Jedoch reagieren beide Geschlechter mit annähernd gleicher Aggressivität bei einer direkten Provokation (Aronson et al., 2008). Interessant ist auch, dass sich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede durch alle Kulturen hindurchziehen, jedoch gibt es Schwankungen des Aggressionspotenzials des gleichen Geschlechts verschiedener Kulturen (ebd.). Dadurch drängt sich einem die Frage auf, ob Aggression ein angeborenes oder erlerntes Verhalten ist. Im nächsten Kapitel soll diese komplexe Frage erörtert und, soweit dies möglich ist, beantwortet werden.

4. Aggression - angeboren oder erlernt?

Über die Frage, ob Aggression angeboren oder erlernt ist, streiten sich Philosophen und Psychologen schon seit vielen hundert Jahren und auch bis heute lässt sie sich nicht mit Sicherheit beantworten (Aronson et al., 2008). Einige gehen davon aus, dass aggressives Verhalten von vornherein instinktiv und angeboren ist, während andere es vorziehen, aggressives Verhalten als erlernt zu betrachten (ebd.). Beobachtet man das Tierreich genauer, sieht man, dass Aggression in den Tierarten weit verbreitet ist (ebd.). Das Prinzip „nur der Stärkere überlebt“ erfordert ein gewisses Maß an Aggression, da nur so Futter und Reproduktion sichergestellt werden können (Aronson et al., 2008). Dennoch erklärt diese Beobachtung nicht, ob Aggression angeboren oder erlernt ist. Aronson, Wilson und Akert (2008) stellen in ihrem Text zwei bedeutende Laborexperimente vor. Im ersten wird ein Katzenjunges gemeinsam mit einer Ratte groß gezogen. Normalerweise jagen Katzen Ratten, die Katze aus dem Experiment jedoch „freundete“ sich mit der Ratte an und zeigte auch gegen andere Artgenossen der Ratte keinerlei Aggression (Aronson et al., 2008). In einem weiteren Experiment wurde eine Ratte isoliert von anderen Ratten aufgezogen. Als man dann eine andere Ratte zu ihr in den Käfig ließ, drohte und griff die isolierte Ratte auf gleiche Art und Weise an wie die normale Ratte (ebd.). Aus diesen beiden Experimenten schlussfolgern die Autoren, dass Aggression angeboren ist (isolierte Ratte), aggressive Verhaltensweisen aber durchaus veränderbar sind, zum Beispiel durch Erfahrungen (Katze+Ratte) (ebd.). Diese Erkenntnisse übertragen Sozialpsychologen auch auf den Menschen. Sie sagen, dass aggressives Verhalten dem Menschen angeboren ist, jedoch dieses Verhalten durch bestimmte Dinge beeinflussbar und veränderbar ist (Aronson et al., 2008). Der genetische Einfluss auf die Aggression ist zu Beginn eines Menschenlebens höher, nimmt aber immer mehr mit der Zeit ab und die Umwelteinflüsse gewinnen an Dominanz (ebd.). Dies bedeutet, dass Aggression zu einer optionalen Strategie geworden ist (ebd.). Wissenschaftler haben herausgefunden, dass alle Lebewesen gewisse Hemmmechanismen entwickelt haben, durch die aggressives Verhalten unterdrückt werden kann, wenn das Lebewesen es möchte (Aronson et al., 2008). Wenn wir also in der Lage sind, unsere Aggressionen weitestgehend zu kontrollieren und zu steuern, wieso kommt es dennoch immer wieder zu aggressiven Auseinandersetzungen in zwischenmenschlichen Beziehungen? Aronson, Wilson und Akert (2008) beantworten diese Frage folgendermaßen: „Ob […] die aggressive Handlung tatsächlich ausgeführt wird oder nicht, hängt von einem komplexen Zusammenspiel dieser angeborenen Neigungen, verschiedener erlernter Hemmreaktionen und der genauen Natur der sozialen Situation ab.“ (S. 386). Kurz, es gibt nach wie vor verschiedene Einflüsse und besondere Stimuli, die wir nicht ausreichend kontrollieren können und die eine Aggression bedingen. Im nachfolgenden Kapitel sollen diese Einflüsse und Stimuli genauer vorgestellt und betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Aggression als negative soziale Interaktion. Ihre Auslöser und Möglichkeiten der Reduzierung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Psychologie)
Veranstaltung
Lehr-, Lernpsychologie: Sozialpsychologische Aspekte
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V301773
ISBN (eBook)
9783956874864
ISBN (Buch)
9783668005327
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, aggressives Verhalten, Aggression und Schule, soziale Interaktion, negative soziale Interaktion, Interaktion, Aggressivität
Arbeit zitieren
Lisa Pflister (Autor), 2014, Aggression als negative soziale Interaktion. Ihre Auslöser und Möglichkeiten der Reduzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301773

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