Neue Finanzdienstleister im Internet und Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe


Seminararbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Internet in der Finanzbranche
2.1. Das Internet
2.2. Bisherige Nutzung des Internets in der Finanzbranche
2.3. Kundenberatung im Internet
2.4. Neue Finanzdienstleister im Internet
2.5. Erreichbarkeit von Banken im Internet
2.6. Zahlungsverkehr im Wandel

3. Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Wie viele Girokonten und Online-Konten gibt es?

Abbildung 2: Marktanteile Einlagen von Privatpersonen

Abbildung 3: Grundlegenden Veränderungen im Bankenmarkt

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als Angela Merkel am 19. Juni 2013 bei einer Pressekonferenz zum Staatsbesuch von Barack Obama in einer Rede den Satz "das Internet ist für uns alle Neuland" fallen lies, wurde dies vielfach belächelt. Angesichts der Möglichkeiten, die uns das Internet heute bietet, und die von einer Vielzahl von Menschen in Deutschlands bereits genutzt werden. Doch wenn der Satz als Beschreibung für die bisherige Implementierung des Internets in der Finanzbranche dient, so scheint es so als würde tatsächlich etwas Wahrheit darin liegen.

Langezeit war das Thema Internet in der Finanzbranche lediglich ein Synonym für die Nutzung des Online Bankings. Aus der Möglichkeit, die das Online Banking bietet, entstanden die Vergleiche zwischen Direktbanken und klassischen Filialbanken. Noch heute wird in zahlreichen Studien die Frage behandelt, welches Bankensystem sich wohl durchsetzen wird.

Dass sich Direktbanken in Deutschland eine hohe Marktstellung erarbeitet haben, ist mittlerweile längst kein unbekanntes Phänomen mehr. So hat beispielsweise die ING Diba in Deutschland bereits mehr als 7,5 Millionen Kunden, mit über 6,9 Millionen Konten.[1] Auf der anderen Seite werden bei Sparkassen-Finanzgruppe zwar kontinuierlich Geschäftsstellen geschlossen,[2] die Anzahl der Girokonten bleibt mit mehr als 41 Millionen Konten jedoch seit 2009 auf einem konstanten Niveau.[3]

Nach der Etablierung der Direktbanken als fester Bestandteil des Wettbewerbs in der Finanzbranche, befasst sich diese Seminararbeit damit, auf welche Entwicklungen sich die klassische Filialbank, im speziellen die Sparkassen-Finanzgruppe in den nächsten Jahren einstellen muss und soll einen kleinen Einblick in die erst in den letzten Jahren langsam aufkommenden Geschäftsmodelle moderner Unternehmen aus der Finanzbranche bieten.

Diese Arbeit untergliedert sich in zwei Haupteile. Der erste Teil der Seminararbeit soll einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Internet und das Thema Internet in der Finanzbranche geben und dabei speziell auf aktuelle Geschäftsmodelle rund um das Thema Kundenbetreuung und Beratungsqualität im In- und Ausland eingehen. Der zweite Teil der Seminararbeit befasst sich mit der Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe und der Frage, ob und wie die meist regional auftretenden Sparkassen auf die neuen Wettbewerber reagieren.

Aufgrund der Aktualität des Themas stützt sich diese Arbeit neben entsprechender Standardwerke auch auf aktuelle Fachzeitschriften und themenspezifischer Informationen aus dem Internet.

2. Internet in der Finanzbranche

2.1. Das Internet

Die Bestandteile des Wortes Internet sind zum einen "inter", was soviel bedeutet wie "zwischen" und zum anderen "net", was Netzwerk bedeutet. Internet bezeichnet daher in der Sprache der Informationstechnik soviel wie Verbindung zwischen Netzwerken. Im Jahr 2014 sind bereits 76,8 Prozent aller Deutschen aktive Nutzer des Internet und sozusagen miteinander vernetzt.[4]

Das Internet, wie wir es heute kennen und nutzen, wurde insbesondere durch die höheren Datenübertragungsraten ermöglicht. Erst durch die Einführung der DSL- Technik und den sinkenden Preisen durch die Einführung entsprechender Flatrate Tarife der Telekommunikationsdienstleister konnte das Internet die heutige Verbreitung und Nutzungsintensität erreichen. Während im "Web 1.0" Internetseiten mehr als statische Informationsmittel anzusehen waren, deren Inhalt nur von den Betreibern einer Internetseite vorgegeben werden konnte, so bedeutete der Sprung in das sogenannte "Web 2.0" den Beginn einer vollkommen anderen dynamischen Internetkultur.

Im "Web 2.0" sind Internetnutzer im Gegensatz zum "Web 1.0" keine passiven, sondern vielmehr aktive Teilnehmer des Internet und gestalten den Inhalt der Internetseiten bzw. der von Unternehmen bereitgestellten Plattformen aktiv mit. Durch den Sprung in das "Web 2.0" konnten Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google ihre große Marktstellung erlangen und sind in der Lage ihre ursprünglichen Geschäftsfelder um neue Geschäftsfelder zu erweitern oder zu ergänzen. Neben der Nutzung des von Mitarbeitern angeeigneten Unternehmenswissens ist immer öfter auch die Einbeziehung des Kunden- bzw. Nutzerwissens ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg. Der einzelne Internetnutzer ist zu großen Teilen im Entstehungsprozess neuer Plattformen oder Internetdienstleistungen mit einbezogen und erlangt dadurch auch eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen. Während das Internet allgemein längst im "Web 2.0" angekommen ist, befindet sich das Thema Internet in der Finanzbranche erst in den letzten Jahren auf dem Weg dorthin.

2.2. Bisherige Nutzung des Internets in der Finanzbranche

Für den Kunden ergeben sich mit der Verwendung des Internet bei Bankgeschäften bereits heute eine Reihe von Vorteilen. Kunden können ihre Bankgeschäfte zeitlich flexibel tätigen, sind Ortsunabhängig und nicht an Öffnungszeiten gebunden. Das Internet dient dem Kunden als Informationsmedium vor Abschluss eines Produktes und erleichtert diesen bestenfalls. Die Akzeptanz für direkte Online Abschlüsse scheint sich jedenfalls stetig zu erhöhen.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wie viele Girokonten und Online-Konten gibt es?[6]

Auch die Zahlen belegen das steigende Interesse insbesondere für das Thema Online Banking. Während sich die Anzahl der klassischen Girokonten von 84,5 Millionen im Jahr 2004 auf 98,6 Millionen im Jahr 2013 lediglich um etwa 16,6 Prozent steigerte, so stieg die Anzahl der Online-Girokonten im selben Zeitraum von 33,1 Millionen auf 54,3 Millionen. Dies bedeutet einen Zuwachs von ca. 64 Prozent.[7] Laut aktuellen Zahlen der Bundesbank wurden im Jahr 2013 nur noch 816 Millionen Überweisungen beleghaft eingereicht. Über 5,4 Milliarden Überweisungsaufträge erfolgten bereits beleglos über das Online Banking und SB-Terminals. Online wurden bereits über 2,6 Milliarden Überweisungen getätigt - mit steigender Tendenz.[8]

Doch Internet in der Finanzbranche bedeutet im Jahr 2015 längst nicht mehr nur wie viele Online-Girokonten derzeit und in Zukunft genutzt werden. Wir erleben viel mehr einen Wandel der klassischen Kunden-Berater-Beziehung. Weg vom persönlichen Kontakt in der Filiale, hin zur Multikanal-Betreuung auch über die verschiedensten Online Plattformen. Die meisten deutschen Haushalte sind bereits mit Smartphone oder Tablet ausgestattet und für viele scheint ein Tag ohne die Nutzung von Plattformen wie Facebook nur schwer vorstellbar. Für die Beratung bedeutet dies, das fachliche Handwerk eines Beraters ist in der Zukunft nicht das einzige Qualitätskriterium. Auch die Verwendung der neuen Technologien trägt zu einer erfolgreichen Berater-Kunden-Beziehung bei.

2.3. Kundenberatung im Internet

Die Qualität der Kundenbetreuung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Finanzbranche. Nur wem es gelingt die Geschäftsstrategie vollumfänglich am Kunden auszurichten, kann im intensiven Wettbewerb langfristig bestehen. Unternehmen gelingt dies bislang jedoch nur selten. Zu wenige Institute schaffen es die Ziele des Kunden zu erkennen bzw. sie genau zu erfragen und an den Kundenzielen orientierte Produktlösungen anzubieten. Auch die zeitliche Erreichbarkeit der Bankberater ist für viele Kunden ein immer größerer Qualitätsfaktor.[9]

Die HypoVereinsbank setzt beispielsweise bereits neben der vielfach eingesetzten Telefonberatung auch auf das Thema Videoberatung. Dabei erreichen Kunden ihren Berater Werktags von 08.00 - 22.00 Uhr und am Wochenende inkl. Sonntag von 08.00 - 18.00 Uhr für ein persönliches Kundengespräch. Die Legitimation des Bankkunden bei Online-Produktabschlüssen erfolgt unbürokratisch per Kundenwebcam.[10]

Vor dem Hintergrund Bankdienstleistungen möglichst nah am Kunden auszurichten, entstand im Jahr 2009 die Fidor Bank AG, welche sich das Ziel gesetzt hat, ihre Kunden in den Entwicklungsprozess der täglichen Bankgeschäfte zu integrieren. Dabei sollen Kunden gemeinsam mit der Bank Produkte erarbeiten und werden aktiv im Entstehungsprozess als Feedback- und Ideengeber beteiligt.[11]

Bankkunden möchten sich untereinander austauschen und Erfahrungen miteinander teilen. Die Ermittlung der Beratungsqualität erfolgt daher häufig über das Internet und entsprechende Beratungsportale. So können Kunden beispielsweise Ihren Kundenberater nach einem Beratungsgespräch auf dem Beratungsportal WhoFinance.de bewerten. Diese Bewertungen werden vor Veröffentlichung zur Vorbeugung von Betrug, beispielsweise bei zu guten oder zu schlechten Bewertungen, eingehend kontrolliert.

Dem Verbraucher stehen dabei neben der Beurteilung festgelegter Qualitätsmerkmale, wie z.B. Angebotsqualität, Beratungsqualität oder der Preisgestaltung, auch ein Freitextfeld für Lob- oder Kritikpunkte zur Verfügung. Die Nutzungsintensität ist allerdings noch eher gering. Viele Finanzinstitute scheuen sich bisher Zeit und Geld in die Einbindung solcher Beratungsportale, beispielsweise auf der eigenen Internetseite, zu investieren. Dabei befinden sich die Qualitätsbeurteilungen der derzeit eingestellten Bewertungen überwiegend im guten bis sehr guten Bereich, so dass Banken das Potenzial für eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit hier derzeit noch nicht vollständig ausschöpfen.

Auch Kritikpunkte könnten zu einer Qualitäts- oder Wahrnehmungsverbesserung führen und für die oft vernachlässigte Transparenz der Finanzinstitute sorgen. In den Beratungsgesprächen sollte daher aktiv ein Kundenfeedback eingefordert werden, so dass der Kunden bei positiven Feedback auf die Bewertungsmöglichkeit bei entsprechenden Portalen hingewiesen werden kann. Mit dieser Vorgehensweise könnten Kundenempfehlungen aktiv als Marketinginstrument eingesetzt werden.[12]

2.4. Neue Finanzdienstleister im Internet

Nicht erst seitdem im August 2014 der "unabhängige Honorar-Finanzanlageberater" eingeführt wurde, ist das Thema Beratungsqualität insbesondere in der Anlageberatung in aller Munde. Immer mehr Filialbanken haben die Beratung in Einzelaktien eingestellt oder zumindest reduziert.

Strengere Richtlinien und strikte Beratungsprotokollpflicht bei Handlungsempfehlungen der Bankberater, mit entsprechender Haftung bei Falschberatung, sorgen für einen insgesamt höheren Aufwand der Finanzinstitute, der nicht immer durch entsprechende Erträge gedeckt ist. In der derzeitigen Niedrigzinsphase suchen Anleger täglich nach Möglichkeiten zur Geldanlage, tun sich allerdings schwer damit eine konkrete Entscheidung zu treffen.

In diesem Marktumfeld treten seit der Finanz- und Bankenkrise 2008 neue Unternehmen mit neuen Geschäfts- und Beratungsmodellen überwiegend über Internetplattformen an potenzielle Kunden heran. So können interessierte Anleger, beispielsweise auf der Social Investment Online Plattform eToro, den Anlagestrategien anderer Anleger folgen und diese nachbilden. Dabei werden über Facebook oder Twitter Kauf- und Verkaufssignale einzelner Wertpapiere geteilt. Der Trend der Bankdienstleistungen im Internet lautet: weg von der Beratung, hin zu der sogenannten Schwarmintelligenz von sozialen Netzwerken. Bei eToro suchen sich Anleger erfolgreiche Strategien heraus und können diese dann nahezu kopieren.[13]

Die Social Trading Plattform Wikifolio geht noch einen Schritt weiter. Gibt es einige potenzielle Interessenten für ein von Anlegern veröffentlichtes Musterdepot, das sogenannte Wikifolio, so wird das Musterdepot als Zertifikat emittiert, bekommt eine eigene Wertpapierkennnummer und kann von anderen Anlegern über diverse Online Broker z.B. an der EUWAX, dem Handelsplatz für verbriefte Derivate an der Börse Stuttgart, gehandelt werden. Ähnlich wie bei eToro wird dabei besonders oft auf erfolgreiche Strategien gesetzt. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Anleger ist die Möglichkeit über die Hintergründe der "Wikifolio-Manager" bei Käufen oder Verkäufen informiert zu werden. Dies geschieht über eine Kommentarfunktion und soll für eine hohe Transparenz sorgen.[14] Bisher wurden bereits über 328 Millionen Euro in 2308 verschiedene Wikifolios investiert (Stand 21.02.2015).[15]

Diese Social Trading- oder Social Investment Portale mögen mit klassischer Anlageberatung nur noch wenig gemein haben, der Faktor Mensch bleibt dabei allerdings entscheidend. In diesen Beispielen trifft ein Netzwerk gemeinsam Anlageentscheidung und der Erfolg oder Misserfolg wird gemeinsam getragen.

Wie eine Anlageberatung in der Zukunft ganz ohne den Faktor Mensch auskommt, beweist derzeit ein 2010 in der USA veröffentlichtes Online Portal mit dem Namen Betterment. Das Unternehmen wurde bereits 2008 gegründet und von den Aufsichtsbehörden im Jahr 2010 als Vermögensverwalter genehmigt. Bei Betterment können Anleger Ihren gewünschten Anlagebetrag einem sogenannten Robo-Berater überlassen. Im Vorfeld wird erfragt, welches Anlageziel, welcher Anlagezeitraum und welches Risiko der Anleger tragen möchte. Der Robo-Berater ermittelt dann mit Hilfe von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit ein entsprechendes Anlageportfolio mit unterschiedlichen Anlageklassen und verteilt die Kundengelder automatisch.

Bei Marktveränderungen wird das Portfolio automatisch vom Robo-Berater angepasst. Auf der einen Seite spart der Anleger dadurch Zeit, die er normalerweise für Beratungsgespräche und Anlageentscheidungen aufwenden müsste. Auf der anderen Seite spart der Anleger Kosten und Gebühren, da die Anlagen in verschiedenste kostengünstige Indexfonds erfolgen und durch Robo-Berater keine Gehaltskosten entstehen. Lediglich der Algorithmus muss einmalig entwickelt und von Zeit zu Zeit etwas angepasst werden. Betterment konnte seit 2010 insgesamt 50.000 Kunden davon überzeugen ca. eine Milliarde Dollar auf diese Weise anzulegen.

Neben Betterment gibt es noch weitere Unternehmen, die in den USA auf das Thema Robo-Beratung setzen und bisher bereits rund 19 Milliarden Dollar an Kundengeldern verwalten, mit stark steigender Tendenz. Es scheint, als schätzen die Kunden neben der Kostenersparnis vor allem die hohe Transparenz sowie die einfache Bedienung und grafische Darstellung des Portfolios.[16]

Die Automatismen eines Algorithmus werden in den USA mittlerweile auch im Kreditgeschäft genutzt. Max Levchin, Mitberünder des Online Bezahldienstes PayPal und bekannter Risikokapitalgeber gründete im Jahr 2012 das Unternehmen Affirm. Affirm stellt Einzelhandelskunden einen Kreditbetrag von 1000 Dollar ohne Zinskosten oder andere Gebühren zur Verfügung. Voraussetzung ist neben der Rückzahlung innerhalb von 12 Monaten eine automatische Überprüfung des Kunden durch einen Algorithmus. Dieser überprüft innerhalb einer Minute sämtliche Daten, die über den Kreditnehmer im Internet, inklusive Sozialer Netzwerke wie Facebook und Google, oder in nicht öffentlichen Datenbanken zu finden sind, und erteilt dann eine Zu- oder Absage. Affirm erhält im Gegenzug für einen evtl. größeren Handelsumsatz des Einzelhändlers eine Provision direkt vom Einzelhändler.[17]

2.5. Erreichbarkeit von Banken im Internet

Neben dem direkten Kontakt eines Kunden zu seinem Berater steht immer mehr der indirekte Kontakt zur Bank über mobile Anwendungen/Apps auf Smartphone und Tablet im Mittelpunkt des Kundeninteresses. Ein Beleg dieses seit Jahren anhaltenden Trends sind insbesondere die hohen Downloadzahlen und Platzierungen von Apps aus der Finanzbranche in den führenden App Stores von Google und Apple. Dieser wichtige Vertriebs- und Kontaktweg wird in den nächsten Jahren wohl einer der wichtigsten Aufgaben der Multikanalstrategie von Finanzinstituten.[18]

So hat sich herausgestellt, dass Kunden Ihre mobilen Endgeräte wie Smartphone oder Tablet insbesondere zur Informationsbeschaffung einsetzen. Der entscheidende Vorteil dieser Geräte im Vergleich zu herkömmlichen Desktop-Computern ist die schnelle Verwendungsmöglichkeit. Für Banken bietet dies die Möglichkeit und den Vorteil schnell mit ihren Kunden in Kontakt treten zu können bzw. dem Kunden den Weg zur Kontaktaufnahme möglichst zu erleichtern.

Die Comdirect Bank setzt seit ein paar Jahren erfolgreich sogenannte "Click to Call"-Anzeigen ein. So kann der Kunde, der sich eine Information mit dem Smartphone einholen möchte, mit einem Bestätigen der entsprechenden Werbebanner direkt mit seiner Bank verbinden lassen. Natürlich richtet sich die Verwendung dieser Werbebanner nicht nur an bereits betreute Kunden, auch mögliche Neukunden können auf diese Weise angesprochen werden. Wichtig für das Funktionieren einer solchen Ansprache und Informationsstrategie ist dabei allerdings ein leicht zu erreichendes Call- oder Servicecenter. Warteschleifen können leicht ein negatives Bild des Finanzinstitutes beim Kunden entstehen lassen.[19]

In der Finanzbranche lässt sich derzeit noch der sogenannte ROPO-Effekt (ROPO = Research Online - Purchase Offline) erkennen. Diese Erkenntnis stammt aus der empirischen Studie "Wege zum Bankkunden 2015" von Steria Mummert Consulting, wonach sich 83 Prozent der Bankkunden vor Produktabschluss in der Filiale erst einmal online Informationen einholen. Das erstaunliche dabei ist, dass sich fast 90 Prozent dazu entscheiden die Produkte dann in der Filiale und nicht im Internet abzuschließen. Als Grund für die bislang fehlenden Online Direktabschlüsse wird unter anderem die hohe Komplexität der Legitimation des Kunden vermutet. Die Möglichkeit zur Legitimation per Webcam, wie sie bereits bei der HypoVereinsbank erfolgt, ist bei anderen Kreditinstituten noch nicht verbreitet.[20]

2.6. Zahlungsverkehr im Wandel

Auch der Zahlungsverkehr in Banken steht vor einem entscheidenden Wandel. Die neuesten Innovationen entstehen derzeit in den Funktionen des mobilen Bezahlens. Die bisher eingesetzten Zahlungsmittel Electronic Cash und Kreditkarten sollen in der Zukunft durch die Near Field Communication- Technik, auch NFC Chip genannt, im Smartphone ersetzt werden.[21]

Der Wettbewerb steht derzeit noch am Anfang, soll allerdings in den nächsten Jahren stark wachsen. Erste Zahlen aus den USA weisen darauf hin, dass das kontaktlose bezahlen mit Hilfe diverser Zahlungsdienste immer häufiger eingesetzt wird. Im Jahr 2014 wurde bereits ein Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar erzielt und bis 2018 wird ein Wert von 118 Milliarden Dollar erwartet.

Dabei finden sich die Anbieter des Zahlungsdienstes in einer starken Wettbewerbssituation wieder. Neben dem 2014 eingeführten Apple Pay von Apple, gibt es in den USA Anbieter wie Google, die in Kooperation mit Mobilfunknetzwerkbetreibern wie AT&T, Verizon, Sprint und T.Mobile Ihren Zahlungsdienst "Google Wallet" voranbringen möchten.[22] In Deutschland schließen sich mittlerweile Finanzinstitute wie die Postbank, Deutsche Bank, Commerzbank, WGZ und DZ Bank sowie die Sparkassen Finanzgruppe zusammen, um einen eigenen Zahlungsdienst bis 2016 zu entwickeln. Insbesondere die starke Nutzung von PayPal, über dessen Plattform mittlerweile fast ein Viertel des gesamten Online Umsatzes getätigt wird, drängt Banken dazu sich besser in diesen Geschäftsfeldern zu positionieren.[23]

3. Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe

"Die Sparkassen Finanzgruppe ist die größte Kreditinstitutsgruppe Deutschlands. Ihre besondere Stärke liegt im lokal verankerten Geschäftsmodell der Sparkassen und in der engeren Zusammenarbeit ihrer rund 600 Mitgliedsinstitute in einem starken Verbund."[24] So beschreibt sich die Sparkassen-Finanzgruppe in ihrem aktuellen Finanzbericht 2013. In Zahlen sieht das wie folgt aus: 417 eigenständige Sparkassen mit insgesamt 15.095 Geschäftsstellen und 244.038 Mitarbeitern betreuen derzeit Bankkunden mit Kundeneinlagen von mehr als 640 Milliarden Euro. Dies bedeutet einen Marktanteil von 38,2 Prozent des Marktvolumens. Hinzu kommen weitere Geschäftsstellen und Kundeneinlagen bei den 7 Landesbanken.

Die Sparkassen-Finanzgruppe tritt in der Finanzbranche breit aufgestellt mit ihren 10 Landesbausparkassen, 11 öffentlichen Erstversicherungsgruppen, 69 Kapitalbeteiligungsgesellschaften und vielen weiteren Unternehmen, wie z.B. der Deka-Gruppe, auf. Die Deka-Gruppe beispielsweise verwaltet derzeit ein Sondervermögen von mehr als 182 Milliarden Euro in ca. 4 Millionen Depots.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Marktanteile Einlagen von Privatpersonen[26]

Wenn man diese Zahlen betrachtet, ist davon auszugehen, dass die flächendeckende Präsenz der Sparkassen eine entscheidende Rolle für die ca. 50 Millionen Kunden in Deutschland bei der Wahl ihrer Hausbank spielte.

Allerdings verändert sich im Zuge der globalen Vernetzung der Finanzbranche und des bereits beschriebenen zunehmenden Einflusses und der Verbreitung des Mediums Internet insbesondere die Informationsmöglichkeit des einzelnen Kunden.

Eine Vergleichbarkeit von Bankprodukten ist in den meisten Fällen leicht möglich und lässt die in der Vergangenheit höheren Spielräume bei der Preisgestaltung nicht mehr zu. Auf der anderen Seite erhöhen sich insbesondere die Kosten bei der Verarbeitung und Entwicklung von Informationstechnologien.[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Grundlegenden Veränderungen im Bankenmarkt[28]

Dies zeigt sich insbesondere, wenn man die Finanzinstitute befragt, welche Veränderungen Sie bis zum Jahr 2020 erwarten. So nennen 70 Prozent der befragten Institute den Abbau von Filialen und Ausbau von neuen digitalen Vertriebswegen. Des Weiteren gehen 64 Prozent davon aus, dass Ihre Filialen bis 2020 in ein Multikanalkonzept implementiert sind. Das bis Ende des Jahrzehntes nur noch filiallose Banken existieren, können sich jedoch nur zwei Prozent der Finanzinstitute vorstellen.

Die Banken stellen sich derzeit auf verschiedene Trends ein und richten sich dementsprechend breit aufgestellt aus, doch eine klare Richtung ist in den heutigen Strategien noch nicht erkennbar. Die Filiale wird wohl noch einige Jahre ein wichtiger Faktor als Anlaufstelle für Kunden bleiben. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Service-Tätigkeiten abnehmen und dafür Beratungsangebote ausgebaut werden.

Kernaufgabe für Filialbanken wie die Sparkassen bleibt dabei insbesondere die Integration der Filiale in ein Multikanalkonzept und der Ausbau der Marke, um sich gegenüber anderen Finanzinstituten abzugrenzen und sich als klarer verlässlicher Partner für den Kunden anzubieten.[29]

[...]


[1] Vgl. Geschäftsbericht ING Diba (2014)

[2] Vgl. Statista.com (2015), Zugriff am 21.02.2015 um 20:49 Uhr

[3] Vgl. Ergänzende Statistiken zur Sparkassen Finanzgruppe

[4] Vgl. Nonliner-atlas.de (2015) Zugriff am 22.02.2015 um 15 Uhr

[5] Vgl. Müller (2011a), S-40. ff

[6] Vgl. BdB (2014)

[7] Vgl. Bundesbank (2014a)

[8] Vgl. Bundesbank (2014b)

[9] Vgl. Schwamberger, E. (2008), S. 71 ff

[10] Vgl. Danzmayer (2014), S. 80 ff.

[11] Vgl. Fidor AG Zwischenbericht für das 1. Halbjahr 2014 (2014), S. 28

[12] Vgl. Raake, S., Hilker, C. (2010), S. 141 ff.

[13] Vgl. Schulz (2014)

[14] Vgl. Pfeil (2014)

[15] Internetauftritt Wikifolio (2015) Zugriff am 21.02.2015

[16] Vgl. Bode (2015)

[17] Vgl. Heuser (2015)

[18] Vgl. Müller (2011b), S. 35 ff.

[19] Vgl. Quadbeck, J., Schuler, M. (2011), S. 54 ff.

[20] Vgl. Schilling (2011), S. 59 ff.

[21] Vgl. Quadbeck, J., Schuler, M. (2011), S. 54 ff.

[22] Vgl. Postinett (2015)

[23] Vgl. Bartz (2015)

[24] DSGV Finanzbericht 2013 (2014)

[25] Vgl. DSGV Geschäftszahlen 2013 (2013a)

[26] Vgl. DSGV Geschäftszahlen 2013 (2013b)

[27] Vgl. Bartmann, D., Nierschl, M., Peters,A. (2011)

[28] Vgl. Bauer,W., Praeg, C.-P., (2013b), S. 77

[29] Vgl. Bauer, W., Praeg, C.-P., (2013a), S. 75 ff

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Neue Finanzdienstleister im Internet und Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Bankbetriebswirt
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V301836
ISBN (eBook)
9783668001381
ISBN (Buch)
9783668001398
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, finanzdienstleister, internet, aufstellung, sparkassen-finanzgruppe
Arbeit zitieren
Johannes Riehl (Autor:in), 2015, Neue Finanzdienstleister im Internet und Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301836

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