Ostasiatische Stadt- und Raumplanung basierend auf Feng-Shui- und Geomantik-Paradigmen

Diskussion über die Anwendung in europäischen Städten


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Feng Shui
2.1. Spiritueller Hintergrund
2.2 Paradigmen der Geomantik

3. Anwendung von Feng Shui in der ostasiatischen Stadt- und Raumplanung
3.1. Stadtplanung
3.2. Landschaftsgestaltung

4. Vergleich West-Ost
4.1. Feng Shui in der Moderne und Begegnung mit westlicher Kultur
4.2. Kurzer Exkurs in die Geschichte der europäischen Stadtplanung
4.3. Feng Shui in Europa?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Bilderverzeichnis

1. Einleitung

Feng Shui ist „eine Mischung aus mystischer Philosophie, Aberglaube, gesundem Menschenverstand und ästhetischen Konzepten.“ (RINALDI 2011: 47). Feng-Shui oder Geomantik ist die Kunst oder Wissenschaft, für alle Bauwerke die Positionen so auszusuchen, dass diese mit den Lebenskräften der Natur übereinstimmen.

„Whenever the subject of Feng Shui crops up in a conversation, the three commonest questions to be asked are: „What is Feng Shui?“; „Does it work?“ and „Where is the best place for my goldfish?““ (MAK & SO 2011: 17) Das vorherrschende Bild in der Öffentlichkeit ist wohl nicht solches, was man unter einem wissenschaftlichen Verständnis verstehen könnte. Aufgrund dessen ist es ein Ziel dieser Arbeit, aus jener taoistischen Naturphilosophie praktische Erkenntnisse zu generieren, dabei aber auch den spirituellen Hintergrund nicht außer Betracht zu lassen.

Gegenstand meiner Beobachtung sind unter anderem die altertümlichen Stadtentwürfe von Seoul, Kyoto und der Landschaftspark in Beijing. Folgende Fragen sollen in der Hausarbeit behandelt werden: Was ist Feng Shui? Ist Feng Shui messbar, um daraus praktische Anwendungsmöglichkeiten zu generieren? Dabei soll erörtert werden, ob und wie Feng Shui und Geomantik in der europäischen Stadtplanung eingesetzt werden kann.

2. Feng Shui

2.1. Spiritueller Hintergrund

Feng Shui (Feng = Wind, Shui = Wasser) ist eine Naturphilosophie aus China, die in ganz Ostasien Einfluss auf das Siedlungsbild und Landschaftsgestaltung hatte. Sie geht davon aus, dass eine harmonische Umgebung ein glückliches Leben hervorbringt. Damit ist das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Universum gemeint.

Feng Shui geht von einem „Kosmischen Atem“ namens Qi aus, der entlang der Landschaftszüge der Erdoberfläche in runden Bewegungen fließt. Genauso kann jede Veränderung der Landschaft den Strom des Qi beeinflussen (RINALDI 2011:47).

Sha werden die ungünstigen Einflüsse genannt und sind das Gegenteil vom Qi. Die Energie des verläuft Sha linear, daher werden gewundene Wege gelegt und unregelmäßig Bäume gepflanzt, um es zu blockieren. Wenn der Grundriss einer Stadt geradlinig ist, muss mindestens die Umwelt so geformt sein, dass die schlechten Einflüsse gerader Linien neutralisiert werden.

Die Lehre von Yin und Yang unterteilt das Qi in zwei Formen, die aber nicht gegensätzlich, sondern ergänzend nebeneinander existieren und im richtigen Verhältnis zueinander stehen müssen. Yin ist demnach dunkel, weiblich und kalt. Wasser, runde Bergrücken, Täler, Schluchten zählen dazu. Yang dagegen wird mit Helligkeit, Männlichkeit und Wärme assoziiert. Berge, Hügel, Straßen, hohe und steile Böschungen formen Yang. (BRUNOTTE et al. 2001:2948).

2.2 Paradigmen der Geomantik

Viele traditionelle Städte in Ostasien wie Seoul oder Kyoto wurden nach Feng Shui entworfen, andere wie Beijing oder Changan nicht. Wie in der Evolution sind verschiedene Richtungen entstanden, wovon manche im Gegensatz zueinander stehen (YOON 2006:227). Es lassen sich dennoch gewisse Muster erkennen, die an verschiedenen Orten auftreten und der geomantischen „Idealstadt“ nahe kommen:

Der Eingang altertümlicher Städte ist nach geomantischem Prinzip immer im Süden. Der Süden ist die Quelle der Wärme, des Lichts und des Lebens und immer bevorzugte Himmelsrichtung (BRUNOTTE et al. 2001:2948). Der Norden ist die Himmelsrichtung des „Bösen“. Im Norden schützt daher idealerweise ein hoher Berg die Stadt vor Geistern (KAUSCH 1999:77). Die Stadt ist von drei Seiten von Bergen umgeben, wobei westlich und östlich der Stadt eher leichte Erhebungen eingrenzen sollen (RINALDI 2011:47). Das flache Siedlungsgebiet ist nach Süden hin offen, um die maximale Sonneneinstrahlung zu erhalten. Die Siedlung ist von einem gewundenen Fluss oder Bach durchlaufen, der möglichst langsam von Nordwesten nach Südosten fließt. (YOON 2006:217ff.) (Abb. 1, 2) Feng Shui ist also nicht die Kunst der Wohnortwahl, denn die Gestalt des Ortes kann verändert werden, indem Flüsse umgeleitet, Seen angelegt oder sogar Hügel aufgeschüttet werden.

3. Anwendung von Feng Shui in der ostasiatischen Stadt- und Raumplanung

3.1. Stadtplanung

Folgende Städte sind beispielhaft für eine geomantische Stadt- und Raumplanung:

Seoul ist die Hauptstadt Südkoreas. Nach einem starken Bevölkerungswachstum ab etwa 1950 bis auf heute 9,8 Millionen Einwohnern ist inzwischen nur noch wenig vom ursprünglich geomantischen Stadtbild übrig. Seoul ist von Grund auf geplant, hat also keine typische Entwicklung vom Dorf zur Stadt durchlaufen. Zusammenhängende Bergketten im Norden, Westen und Osten schützen die Stadt. Im Tal der Berge sammeln sich die Zuflüsse im zentralen Fluss Cheongyecheon. Alle Achsen sind auf die Himmelrichtungen ausgelegt (PARK 2010: 117ff.). (Abb. 3)

Eine weitere typische geomantische Stadt ist Kyoto, eine der ältesten Städte Japans. Gebäude sind grundsätzlich nach Süden ausgerichtet, wie der Tempel und Kaiserpalast, um ankommenden Besuchern stets entgegenblicken. Der Kamo-Fluss wurde nach Osten umgeleitet. Die ganze Stadt ist streng geometrisch nach Süden ausgerichtet. Das Schachbrettmuster dient zur Orientierung, hat aber auch mythische Gründe. (Abb 4.) Vorbild war die damalige chinesische Hauptstadt Chang´an (heute Xian) (KASAGAMI et al. 2014:122ff.).

Shanghais Hauptstraßen verlaufen alle in ost-westlicher Richtung und nur wenige durchgängige Nord-Süd-Achsen kreuzen die Stadt. Auch hier wollte man sich vor linearen „bösen“ Kräften aus dem Norden schützen (VICTOIR & ZATSEPINE 2013:131).

3.2. Landschaftsgestaltung

Im kaiserlichen Park Yuanming Yuan in Beijing wurden Quellen im südwestlichen Teil umgeleitet und nach Nordwesten verlegt, sodass das Wasser nach geomantischer Methode im Norden herein- und im Südosten wieder herausfließt. Der bewaldete Hügel Jingshan wurde allein zum Schutz des kaiserlichen Palastes und der Verbotenen Stadt vor Bösen Geistern aus dem Norden aufgeschüttet. Genauso wurde beim Olympischen Waldpark geplant. Hier schützt der Berg Yangshan die südliche Seite des Parks. Er liegt auf der verlängerten Achse der verbotenen Stadt und des Jingshan-Hügels und soll so die ganze Metropole schützen. (RINALDI 2011:25, 47). (Abb. 5)

4. Vergleich West-Ost

4.1. Feng Shui in der Moderne und Begegnung mit westlicher Kultur

Der europäische Begriff der Geomantik" bewegt sich oft im Bereich der Pseudowissenschaft, welche nicht Teil dieser Hausarbeit sein soll. Die heutige europäische Geomantik ist ein unbegründetes esoterisches Dogma. Demnach ist die Welt mit globalen Gitternetzsystemen, sogenannten „Ley-Linien“ überzogen, die jedoch nie mit physikalischen Messungen nachgewiesen wurden.

1921 wurde der bedeutende deutsche Soziologe Max Weber in seiner religionssoziologischen Studie „Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen“ auf die Geomantik aufmerksam. Teilweise imperialistisch gefärbt, beschreibt er trotzdem anschaulich den Zusammenstoß von rationaler europäischer Baukultur und der harmonischen Feng-Shui-Lehre: „Denn es war keine Seltenheit, daß viele Kilometer weite Umwege dauernd gemacht wurden, weil ein Kanal-, Straßen- oder Brückenbau vom geomantischen Standpunkt aus gefährlich war [...]“(S. 133). Tatsächlich entstanden zahlreiche Konflikte zwischen Kolonialmächten und China, als jene Straßen, Eisenbahnen und Telegraphenleitungen bauen wollten.

Letzten Endes kommt Weber zu dem Schluss, dass die Geomantik wie eine Krankheit geheilt werden muss: Mithilfe des „im Sattel sitzenden Hochkapitalismus und des Engagements gewaltiger Mandarinen-Vermögen in den Eisenbahnkapitalien, um diese ungeheure Barriere zu überrennen und die Wu und Hih (...) zunehmend unter die „Schwindler“ zu verweisen. Aus eigener Kraft konnte das nie entstehen.“

Im chinesischen Kommunismus wurde Feng-Shui bekämpft, wodurch wahrscheinlich zahlreiche Quellen verloren gingen.

Ein aktuelles Gegenbeispiel ist der Bank of China – Tower In Hong Kong: Dort wurde trotz der geringen Grundstücksgröße von drei Seiten um den Tower ein Wassergarten angelegt, der auf der Südseite des Gebäudes vor dem Haupteingang in ein Goldfischbecken mündet. Dies würde gute Geschäfte fördern. Folglich ist Feng Shui trotz des immensen westlichen Einfluss auf die Baukultur in ostasiatischen Megacities hochaktuell (RINALDI 2011:49). Folglich ist Feng Shui - trotz des immensen westlichen Einfluss - für die asiatische Baukultur hochaktuell.

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Details

Titel
Ostasiatische Stadt- und Raumplanung basierend auf Feng-Shui- und Geomantik-Paradigmen
Untertitel
Diskussion über die Anwendung in europäischen Städten
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V301870
ISBN (eBook)
9783956874628
ISBN (Buch)
9783668005259
Dateigröße
3011 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ostasiatische, stadt-, raumplanung, feng-shui-, geomantik-paradigmen, diskussion, anwendung, städten
Arbeit zitieren
Tobias Perillieux (Autor), 2015, Ostasiatische Stadt- und Raumplanung basierend auf Feng-Shui- und Geomantik-Paradigmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301870

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