Im ersten Teil der Arbeit wird der "Labeling Approach" von Howard S. Becker vorgestellt. Es wird aufgezeigt, inwieweit abweichendes Verhalten ein soziales Konstrukt ist.
Im zweiten Teil wird dies am Beispiel des Cannabiskonsums erläutert. Kiffen wird hierbei als kulturelle Praktik verstanden, die erst sozial erlernt werden muss und welche als deviant markiert wird.
Eine Arbeit die für Kriminologen wie auch für Kiffer interessant ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Labeling Approach nach Howard S. Becker
3. Sekundäre Devianz und das Karrieremodell
4. Der Labeling Approach am Beispiel Cannabiskonsums
4.1 Normsetzung
4.2 Konsumkarriere
4.3 Labeling
5. Kritik und eigene Beurteilung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Labeling Approach (Etikettierungsansatz) und wendet diesen auf das Phänomen des Cannabiskonsums an, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse und soziale Kontrolle abweichendes Verhalten erst konstituieren und verstärken.
- Grundlagen des Labeling Approach nach Howard S. Becker
- Das Konzept der sekundären Devianz und die Devianzkarriere
- Historische und soziale Normsetzung am Beispiel von Cannabis
- Mechanismen der sozialen Kontrolle und Stigmatisierung
- Kritische Würdigung des Ansatzes in der Kriminologie
Auszug aus dem Buch
4.2 Konsumkarriere
Die Forschung zum Marihuanakonsum dreht sich Hauptsächlich um die individuellen Motive, die jemanden zum Konsumenten von Cannabis werden lassen. In der Regel werden psychische Ursachen, wie der Wunsch nach dem Flucht aus der Realität und dem Verdrängen der eigenen Probleme als Triebkräfte angeführt. Für Becker hingegen ist der Cannabiskonsum ein Paradebeispiel dafür, wie nicht abweichende Motive zu abweichendem Verhalten führen, sondern Umgekehrt, abweichendes Verhalten mit der Zeit die Motivation zur Devianz produziert (Becker 1997: 41f.) Becker geht es also vor allem darum die Karriere des Marihuankonsumenten und die Veränderungen in seinem Verhalten zu beschreiben. Er beschreibt zunächst das Erlernen der Technik und das erlernen des richtigen Wahrnehmens und Genießens der Wirkung, bevor er auf das Thema Marihuana-Gebrauch und soziale Kontrolle eingeht.
Zu diesem Zweck führte 50 Interviews mit Marihuanarauchern. Die Interviews konzentrierten sich auf die Geschichte der Erfahrung des Rauchers mit Marihuana, seiner Einstellung gegenüber der Droge, dem tatsächlichen Gebrauch und die Erforschung der Gründe für den Konsum (Ebd.: 37f.). Eine Konsumentenkarriere startet mit der Bereitschaft Marihuana auszuprobieren. Der Novize braucht in der Regel mehrere Versuche, um in den gewünschten Bewusstseinszustand übertreten zu können. Becker sieht dafür, gemäß seinen Interviewpartnern die falsche Inhalatsionstechnik als Ursache an, weshalb der Neuling erst lernen muss er, dass er keine gewöhnlichen Zigaretten raucht, sondern seine möglicherweise vorher gelernte Technik verändern muss (Becker 1997: 46ff.). Die Erfahrung, keine Wirkung verspürt zu haben lässt viele Neugierige das Kiffen nach den ersten versuchen wieder Quittieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Etikettierungsansatz als kritisches Gegenmodell zur klassischen Kriminologie mit Fokus auf Zuschreibungsprozesse.
2. Der Labeling Approach nach Howard S. Becker: Erläuterung der theoretischen Grundlagen, insbesondere der Unterscheidung von regelverletzendem und abweichendem Verhalten durch soziale Reaktion.
3. Sekundäre Devianz und das Karrieremodell: Analyse der Entstehung dauerhafter Devianz als Folge der Stigmatisierung und der resultierenden Anpassung des Individuums an die Rolle als Außenseiter.
4. Der Labeling Approach am Beispiel Cannabiskonsums: Anwendung der Theorie auf Cannabis, unterteilt in die historische Normsetzung, das Erlernen der Konsumkarriere und die praktischen Folgen des Labelings.
4.1 Normsetzung: Untersuchung der Entstehung des Cannabisverbots und der machtpolitischen Hintergründe der Kriminalisierung.
4.2 Konsumkarriere: Darstellung der sozialen Lernprozesse, die zum dauerhaften Cannabiskonsum führen, entgegen rein psychologischer Erklärungsansätze.
4.3 Labeling: Erörterung der Auswirkungen sozialer Kontrolle und Stigmatisierung auf die soziale Identität und Lebenswelt der Konsumenten.
5. Kritik und eigene Beurteilung: Diskussion der theoretischen Grenzen des Ansatzes sowie Überlegungen zu sozialpolitischen Implikationen bei Bagatelldelikten.
Schlüsselwörter
Labeling Approach, Howard S. Becker, Devianz, soziale Kontrolle, Stigmatisierung, Cannabiskonsum, Sekundäre Devianz, Devianzkarriere, Normsetzung, Kriminalsoziologie, Outsider, soziale Konstruktion, Marginalisierung, Sanktionsapparat, Interaktionismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den soziologischen Etikettierungsansatz (Labeling Approach) und erläutert anhand dieses theoretischen Rahmens, wie gesellschaftliche Prozesse den Konsum von Cannabis als deviant definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theoriebildung zur Devianz, der Rolle von Macht und Kontrolle bei der Normsetzung sowie der soziologischen Perspektive auf die Konsumentenkarriere und Stigmatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Labeling Approach theoretisch zu fundieren und empirisch am Beispiel des Cannabiskonsums zu illustrieren, um die Dynamik zwischen Normsetzung und abweichendem Verhalten verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse soziologischer und kriminologischer Standardwerke (insb. Howard S. Becker) sowie einer diskursiven Auseinandersetzung mit der Drogenpolitik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Prozess der Stigmatisierung vom Erlernen des Konsums über die gesellschaftliche Definition als "Drogensüchtiger" bis hin zur konsequenten Ausgrenzung aus der Mehrheitsgesellschaft detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Labeling Approach, Devianzkarriere, Stigmatisierung, soziale Kontrolle, Normsetzung und Cannabiskonsum.
Wie erklärt die Arbeit das Zustandekommen eines Cannabisverbots?
Die Arbeit führt das Verbot nicht auf die Gefährlichkeit der Substanz zurück, sondern auf machtpolitische Interessen der Etablierten zur Kontrolle marginalisierter Gruppen wie Einwanderer oder jugendlicher Subkulturen.
Warum konsumieren Menschen laut der Arbeit Cannabis?
Im Gegensatz zu rein psychologischen Modellen betont der Autor, dass das "High-Sein" als kulturelle Praktik in Gruppen erlernt werden muss und dass der Konsum erst durch soziale Interaktion und die Aneignung von Deutungsmustern zu einem dauerhaften Verhalten wird.
Welche Rolle spielt die Polizei in diesem Prozess?
Die Polizei fungiert als Sanktionsapparat, der durch die Kriminalisierung von Marihuana gezielt Zugang zu sozialen Randgruppen erhält, um dort Kontrolle auszuüben und vermeintlich subversive Tendenzen zu überwachen.
Ist der Labeling Approach als alleinige Theorie ausreichend?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Ansatz zwar keine ätiologische Erklärung für die Ursachen der primären Devianz liefert, aber ein notwendiges Korrektiv darstellt, um die soziale Dynamik hinter Kriminalisierungen kritisch zu beleuchten.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Steidle (Autor:in), 2013, Der "Labeling Approach" am Beispiel Cannabiskonsum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302073