Im ersten Teil der Arbeit wird auf verschiedene Theorien zur Urbanisierung und Deurbanisierung eingegangen. Hierbei wird die Polarisationstheorie sowie die Polarization Reversal Theorie besprochen. Im zweiten Teil werden die Theorien näher an der Einwohnerentwicklung Sao Paulos greifbar gemacht.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Polarisationstheorethische Ansatz
2 Die Polarisation Reversal Hypothese
3 Polarisation Reversal am Beispiel São Paulos
3.1 Phase I – Regionale Konzentration
3.2 Phase II – Intraregionale Dezentralisation
3.3 Phase III – Interregionale Dezentralisation ?
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand demographischer Indikatoren, ob sich für die Metropolregion São Paulo das Modell der „Polarisation Reversal“ (nach Richardson) empirisch nachweisen lässt und wie sich die räumliche Entwicklung innerhalb der brasilianischen Metropole gestaltet.
- Grundlagen der Polarisationstheorie nach Myrdal und Hirschmann
- Das 4-Phasenmodell des Polarisation Reversal
- Historische Entwicklung des industriellen Zentrums São Paulo
- Analyse der Bevölkerungsentwicklung als Indikator für Suburbanisierung
- Vergleich der Metropolregion mit dem Umland und anderen brasilianischen Städten
Auszug aus dem Buch
3.1 Phase I – Regionale Konzentration
Im Großraum São Paulo leben derzeit schätzungsweise 20.186.000 Menschen, was São Paulo zum achtgrößten Ballungsraum der Erde macht (Demographia World Urban Areas: 8th Anual Edition Version 2, 2012). São Paulo ist auch der einwohnerreichste und wirtschaftsstärkste Ballungsraum Lateinamerikas sowie der südlichen Hemisphäre (Kohlhepp 1997). São Paulo macht rund ein Zehntel der Gesamtbevölkerung Brasiliens aus. Gemeinsam mit der anderen Megastadt Brasiliens, Rio de Janeiro, nimmt die Stadt ein außerordentliche Stellung innerhalb des brasilianischen Städtesystems ein, wobei eine Aufgabenteilung zwischen den Städten existiert. Während Rio de Janeiro das Zentrum für Kultur, Handel und Finanzen darstellt, ist São Paulo das industrielle Zentrum des Landes (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, 214).
São Paulo wurde bereits 1554 gegründet, blieb aber bis 1870 mit einer Einwohnerzahl von lediglich 28.000, trotz der strategisch günstigen Lage in der Nähe eines Passes über die Serra do Mar, relativ unbedeutend (Kohlhepp, G 1997). Dies änderte sich mit dem Einsetzen des Kaffee-Booms in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Kohlhepp, G 1997). Aufgrund der guten Klima- und Bodenbedingungen sowie der günstigen Verkehrslage und der Nähe zum Exporthafen Santos entwickelte sich São Paulo rasch zum Zentrum (Kohlhepp, G 1997) des Kaffeenabaus. Durch den Kaffeeanbau war das Kapital vorhanden, um sich in der beginnenden Industrialisierung zu einer Industriemetropole entwickeln zu können. Dies machte São Paulo zu einem beliebten Ziel für europäische (insbesondere italienische) Migranten. In jener Phase lagen die jährlichen Bevölkerungszuwachsraten bei bis zu 14% (Kohlhepp, G 1997). 1900 betrug die Einwohnerzahl 250.000. 1934 wurde die Millionenmarke überschritten (Kohlhepp, G 1997). Der allmähliche versiegende Strom europäischer Migranten wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Binnenmigration ersetzt (Kohlhepp, G 1997).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Polarisationstheorethische Ansatz: Einführung in die ökonomischen Grundlagen der Polarisation und deren Wirkung auf regionale Disparitäten durch zirkulär-kumulative Kausalität.
2 Die Polarisation Reversal Hypothese: Vorstellung des Phasenmodells von H.W. Richardson zur räumlichen Entwicklung, das einen Wendepunkt bei steigenden Agglomerationsnachteilen postuliert.
3 Polarisation Reversal am Beispiel São Paulos: Empirische Untersuchung der demographischen Daten São Paulos unter Anwendung der Phasen des Polarisation Reversal Modells.
3.1 Phase I – Regionale Konzentration: Historische Entwicklung São Paulos zum industriellen Zentrum Brasiliens durch Kaffee-Boom und starke Zuwanderung.
3.2 Phase II – Intraregionale Dezentralisation: Analyse der einsetzenden Agglomerationsnachteile, wie Verkehrsüberlastung und Umweltverschmutzung, sowie die Verlagerung des Wachstums in das Umland.
3.3 Phase III – Interregionale Dezentralisation ?: Statistische Überprüfung, ob eine dauerhafte Verschiebung der Wanderungsströme aus der Metropole heraus stattgefunden hat.
4 Fazit: Kritische Würdigung der Untersuchungsergebnisse und Einordnung der aktuellen Entwicklungstendenzen Brasiliens.
Schlüsselwörter
Polarisation Reversal, São Paulo, Regionalentwicklung, Agglomerationsnachteile, Bevölkerungsentwicklung, Suburbanisierung, Industriemetropole, Demographie, Regionalökonomie, Dezentralisation, Urbane Entwicklung, Brasilien, Stadtstrukturmodell, Binnenmigration, Wirtschaftsgeographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung der Metropolregion São Paulo und prüft, inwiefern diese dem theoretischen Modell des "Polarisation Reversal" entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Polarisationstheorie, die Dynamik von Agglomerationsvorteilen und -nachteilen sowie die demographische Entwicklung Brasiliens und seiner größten Wirtschaftsregion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, anhand von Bevölkerungsstatistiken der Jahre 1970 bis 2010 zu ermitteln, ob São Paulo tatsächlich einen Wendepunkt in seiner Entwicklung erreicht hat, der zu einer dauerhaften Dezentralisierung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte theoretische Analyse, kombiniert mit der quantitativen Auswertung demographischer Daten und Zensusberichten für die Metropolregion.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Phasen und die konkrete Anwendung dieser auf das historische Wachstum von São Paulo, inklusive einer detaillierten Analyse der Wachstumsraten im Umland.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind das Polarisation Reversal Modell, die intraregionale Dezentralisation, die Primatstadt-Problematik und der demographische Wandel in Brasilien.
Gilt das Modell des Polarisation Reversal laut Autor für São Paulo als bestätigt?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz Anzeichen für eine Suburbanisierung nicht von einer klassischen Polarisation Reversal gesprochen werden kann, da die Metropolregion weiterhin überdurchschnittlich wächst.
Welchen Einfluss hatte der Rückgang der Geburtenrate auf die Ergebnisse?
Der Autor identifiziert die gesunkene Geburtenrate als wesentlichen Faktor für das gebremste Bevölkerungswachstum, was die Interpretation der reinen Wanderungsbewegungen komplizierter macht.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Steidle (Autor:in), 2012, Polarization Reversal am Beispiel Sao Paulo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302504