Auswirkung der sozialen Medien auf die Arabellion in Ägypten und Tunesien

Eine "Facebook- oder Twitter Revolution"?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

25 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Definition Medien

2 Auslöser für den arabischen Frühling
2.1 Autokratie der Regime
2.2 Wandel der Generation

3. Tunesien
3.1 Politik und Wirtschaft
3.2 Charakterisierung der Medienlandschaft
3.3 Bedeutung der sozialen Medien

4. Ägypten
4.1 Politik und Wirtschaft
4.2 Charakterisierung der Medienlandschaft
4.3 Bedeutung der sozialen Medien

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Lange Zeit galten der Nahe/Mittlere Osten und Nordafrika, mit seinen arabischen Ländern, als Konfliktregionen. Symbolisch hierfür waren Korruption und die Autorität der Regime. Diese wurden durch ihre Herrscher bestimmt und daher als anpassungsfähig und vor al- lem stabil angesehen. Eine Herrschaft über 20, 30 oder sogar 40 Jahre war das Bild, wel- ches man von den arabischen Ländern hatte. Durch eine dynastische Erbfolge blieb die Herrschaft in der „Familie“ und somit wurde auch der eingeschlagene Regierungskurs wei- ter verfolgt. Dieses Bild der arabischen Länder änderte sich, als vor ziemlich genau drei Jahren Bilder und Informationen, über das Internet oder auch durch die Nachrichten, an die Öffentlichkeit gelangten, welche die arabischen Länder in einem ganz anderen Licht zeigten. Es war die Rede von Revolutionen und Aufständen im gesamten arabischen Raum. Tunesien war der Initiator dieser Revolutionen. Dort steckte sich ein 26 Jähriger Obst und Gemüseverkäufer selbst in Brand, um seine unzufriedene Situation in seinem Land zu zeigen. Vor allem aber wollte er der Korruption und der Perspektivlosigkeit ent- kommen. Sein „Statement“ erschütterte nicht nur seine Mitmenschen, auch die benachbar- ten Länder wie Ägypten, Libyen oder Algerien zeigten Betroffenheit. Innerhalb kürzester Zeit breiteten sich Aufstände wie ein Flächenbrand über die meistens Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens aus. Langjährige Herrscher, wie der ägyptische Präsident Muhammad Husni Mubarak und der tunesische Präsident Zine el-Abidine Ben Ali, wurden von ihrer eigenen Bevölkerung verjagt und gestürzt. Während dem Bürgerkrieg in Libyen griff die NATO entscheidend gegen Muammar al-Gaddafi ein. In Syrien, mit Baschar al- Assadals als Herrscher, gehen die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und der Opposition weiter, da die Verhandlungen zu keinen Erfolg führten. In den Ländern, wie Marokko oder Jordanien, reagierten die Regime auf die Protestaktionen ihrer Nachbarlän- der und verbesserten ihren gegenwärtigen Zustand. Alleine die Aufstände der eigenen Bevölkerung in den jeweiligen Ländern sind ein historisches Ereignis für den arabischen Raum. Folgen sind politisch und wirtschaftlich spürbar.1

In dieser Hausarbeit liegt der Schwerpunkt darin, die Rolle der sozialen Medien während den Protestaktionen aufzuzeigen. Es soll eine Antwort auf die Frage gegeben werden, wa- rum sich die Aufstände so schnell verbreitet haben, obwohl es in den betroffenen Ländern seit vielen Jahren eine autokratische Herrschaft gibt. Was hat die Menschen dazu getrieben, sich gegen die Regierung zu stellen und hätten die Revolutionen auch statt gefunden, wenn es die sozialen Medien nicht gegeben hätte?

Um diese Fragen beantworten zu können, wird zunächst der Begriff „Medien“ definiert. Dem folgt ein Einblick in den arabischen Frühling, wobei die Schwerpunkte auf die Auto- kratie der Regime und den Wandel der Generationen gelegt werden. Anschließend wer- den die Situationen in den Ländern Tunesien und Ägypten vorgestellt. Hierzu wird jeweils die aktuelle politische Lage vorgestellt. Dabei wird speziell auf die Einwirkungen der sozia- len Medien eingegangen. Zum Abschluss der Arbeit erfolgt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Argumente. Der Autor wird abschließend die Frage beantworten, welchen Einfluss die sozialen Medien auf die Revolutionen der vorgestellten Länder hatten.

1.2 Definition Medien

Der Begriff „Medien“ stammt ursprünglich aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie „Mittel“. Mittlerweile verwendet man den Begriff immer im Zusammenhang, wenn etwas vermittelt wird.2 Daher gibt es keine eindeutige Definition. Man kann Medien aus verschie- denen Perspektiven beschreiben. Wenn man z.B. ein Medium aus Sicht der Kommunikati- onswissenschaft betrachtet, kann man die Medien in körperliche (Menschen) und nicht- körperliche (Bilder) unterteilen. Ein heute gängiger Gebrauch des Medienbegriffes be- schreibt ein Medium als technisches Mittel, mit dem man Nachrichten schreiben kann, Wissen speichern kann und Unterhaltung geboten bekommt. Hierzu zählen beispielsweise Bücher, Fernsehen oder Computer.3 Zu den Speichermedien zählen alle Medien, die der Speicherung von Informationen dienen (z.B. Festplatte). Die Übertragungsmedien dienen der Übertragung von Informationen (z.B. Fernseher) und die Kommunikationsmedien die- nen dem Austausch von Informationen (z.B. Internet).4

Ein weiterer Medienbegriff umfasst die digitalen Medien oder auch Neue (soziale) Medien. Hierzu zählen alle elektronischen Medien, welche grundsätzlich mit digitalen Codes arbei- ten und die Berechnung, Verarbeitung und Verteilung von digitalen Inhalten unterstützen.

Zu diesen Medien zählen Computer, Smartphones, Spielkonsolen und Fernseher.5

Es gibt viele weitere Ansätze, um den Medienbegriff zu definieren. Da es in dieser Arbeit jedoch hauptsächlich um die neuen sozialen Medien, wie zum Beispiel Smartphones, Internet oder auch Fernsehen, geht, wird diese Definition in den Vordergrund gestellt. Alle weiteren Definitionen werden außer Acht gelassen.

2 Auslöser für den arabischen Frühling

2.1 Autokratie der Regime

Spricht man von den Herrschern der Länder Ägypten, Tunesien, Syrien oder auch Algerien, so ist es korrekt, dass diese Form vom Herrschenden als autokratisch, beziehungsweise als Diktatur, angesehen wird. Sie ist weit von der Demokratie entfernt und ebenfalls schwer einzuführen. Diese Art zu regieren bringt für die herrschende Person enorme Vorteile, jedoch für die darunter leidende Bevölkerung etliche Nachteile.6 Die Menschen sind von einer hohen Arbeitslosigkeit betroffen. Korruption, Menschenrechtsverletzungen und schlechte Bildungssysteme stehen an der Tagesordnung. Es war eine Frage der Zeit, bis sich die Bevölkerung zur Wehr setzte.

Den Anfang der Revolution machte Tunesien im Dezember 2010. Vor allem junge Arabe- rinnen und Araber bekamen diesen Aufschwung mit und gingen für ihre Freiheit und Rech- te auf die Straße, um gegen das jeweilige Regime zu protestieren. Betrachtet man sich die einzelnen Forderungen der Protestierenden, so sind diese von Land zu Land divergent. Jedoch haben sie eine Gemeinsamkeit: Die sozialen, wirtschaftlichen und politischen As- pekte verbinden die arabischen Ländern mit ihrer Bevölkerung. Erst wenn dieser Bereich „abgedeckt“ ist, ist ein Leben in Erhabenheit möglich. Die Sozio-ökonomischen Ungerech- tigkeiten, wie zum Beispiel soziale Ungleichheit, Vernachlässigung der menschlichen Ent- wicklung, die Vetternwirtschaft oder auch das politische Mitspracherecht, waren Gründe für eine Protestbewegung in den einzelnen arabischen Ländern.7 Neben den oben aufge- zählten Ursachen steht der autoritäre Gesellschaftsvertrag im Mittelpunkt. Dieser „Vertrag“

formte in den letzten Jahrzehnten die Beziehung zwischen der Bevölkerung und der herr- schenden Elite. Inhalt dieses Vertrages war die Zusicherung des Staates für eine ökono- mische Sicherheit an den Großteil seiner Bevölkerung. Im Gegenzug hatte die Bevölke- rung weitestgehend kein Recht an politischen Entscheidungen mitzuwirken und ihre eige- ne Meinung zu äußern. Da die Menschen mit den politischen Entscheidungen nicht mehr zufrieden waren und sie die leidtragenden dieser Entscheidungen waren, kam es zu einem Zusammenbruch des Vertrages und den Protestbewegungen in der Bevölkerung.8

2.2 Wandel der Generation

Der Stillstand in der Politik und in der Gesellschaft frustriert die jungen Araberinnen und Araber. Als Ausweg können sie sich ins Internet „stürzen“, sich der Religion widmen oder, wenn das Geld vorhanden ist, im Ausland ein neues Leben beginnen. Genau dies ist der Unterschied zwischen der älteren und der jüngeren Generation. Viele, die zur älteren Ge- neration zählen, verstehen diese Ansichten der jüngeren nicht. Sie sehen die Liebe zu ih- rem Vaterland wie eine Religion.9 In Tunesien beispielsweise sorgen die hohen Arbeitslo- senquoten der jungen Akademiker für Spannungspotential. Betrachtet man sich in diesem Zusammenhang offizielle Untersuchungen (veröffentlicht von der Regierung), erhält man als Ergebnis eine Arbeitslosenquote von 14 %. Schaut man sich im Vergleich hierzu die Ergebnisse unabhängiger Experten an, weisen diese eine Arbeitslosenquote bis zu 60 % auf. Rund 24 % der tunesischen Bevölkerung lebt, laut Angaben des tunesischen Sozial- ministeriums, unter der Armutsgrenze.10 Die Perspektivlosigkeit der „No-Future- Generation“ im eigenen Land, das Desinteresse und vor allem das Unverständnis der Älte- ren, sind einige Punkte, die man als Auslöser der Protestbewegungen aufzählen kann. Viele der Jugendlichen träumen eines Tages Arzt, Lehrer oder auch Polizist zu werden. Sie wünschen sich einen Beruf, in dem sie Macht demonstrieren können und nicht mehr unterdrückt werden. Jedoch ist es schwierig, mit den vorhandenen Bildungssystemen, der Patronage und der gesellschaftlichen Starre, diese Träume in den arabischen Ländern zu verwirklichen. Natürlich spielt auch hier, wie auch überall auf der ganzen Welt, Geld eine Rolle. Wer Geld besitzt, kommt leichter an Macht und schließlich auch schneller zu seinem Traum.

Einer der wichtigsten Punkte ist die Bevölkerungsexplosion im Nahen Osten. Betrachtet man das Land Ägypten, so hatte es im Jahre 1950 gerade mal 21 Millionen Menschen. Heutzutage leben mehr als 80 Millionen Menschen in diesem Land. Folge dieses gewalti- gen „Booms“ ist zum einen, dass das Durchschnittsalter enorm gesunken ist. Das bedeu- tet, fast jeder zweite Ägypter ist unter 20 Jahre alt. Zum anderen spielt die Perspektivlo- sigkeit in den arabischen Staaten eine wichtige Rolle. Für die einzelnen Länder ist es sehr schwierig den Anstieg der Jugendlichen zu kompensieren, da die soziale Infrastruktur da- mit zu kämpfen hat, ausreichende Bildungs- und Arbeitsplätze, sowie ein funktionierendes Gesundheitssystem, anzubieten. Ein positives Ergebnis, für Länder mit einer belastbaren Infrastruktur und einer jungen Bevölkerung, kann zum Beispiel ein Vorteil sein, da sie dy- namischer ist und gegebenenfalls wirtschaftlich die Produktivität steigert. Werden den Ju- gendlichen, welche gebildet sind und Universitätsabschlüsse besitzen, keine Zukunftsper- spektiven in ihren Ländern geboten, kann es zu erheblichen Konflikten kommen, so, wie man es in den letzten Monaten in den arabischen Ländern beobachten konnte. Sie haben keine andere Möglichkeit, als auf die Straßen zu gehen und das Regime, beziehungswei- se die Bevölkerung, über ihren Missstand zu informieren.11

Mohamed Bouazizi war der Auslöser für die Protestaktionen in den arabischen Ländern. Durch die Perspektivlosigkeit, von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und vor allem verachtet zu werden und gegen die Staatsgewalt ein Zeichen zu setzten, verbrannte sich der 26 Jährige selbst. Bouazizi gehörte zu der Generation, welche eine gute Ausbildung besitzt, jedoch keine Arbeit findet. Typisch für diese Generation ist der gute Umgang mit den neuen Kommunikationsmittel, wie zum Beispiel Facebook oder auch Twitter. Ziel dieser Generation ist es, Perspektiven in ihren eigenen Ländern zu sehen und ein ausreichendes Einkommen zu bekommen, um ihre Familien zu ernähren12.

[...]


1 Vgl. Asseburg, M., 2011a

2 Vgl. Böhn, A.; Seidler, A., 2008, S. 16-21

3 Vgl. Reinl,A., 2011, S. 17f

4 Vgl. Böhn, A.; Seidler, A., 2008, S. 139-148

5 Vgl. Prowissenschaft (Hrsg), 2012

6 Vgl. Röhl, B., 2013

7 Vgl. Asseburg, M., 2011b, S. 5

8 Vgl. Zorob, A., 2013, S. 234ff

9 Vgl. Behrend, M.; Meier, C., o.J.10 Vgl. Mersch, S., o.J.

11 Vgl. Barbin, J., 2011

12 Vgl. Schmid, T., 2011

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Auswirkung der sozialen Medien auf die Arabellion in Ägypten und Tunesien
Untertitel
Eine "Facebook- oder Twitter Revolution"?
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Autoritarismus und Wandel in der arabischen Welt
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V303389
ISBN (eBook)
9783668017849
ISBN (Buch)
9783668017856
Dateigröße
1000 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkung, medien, arabellion, ägypten, tunesien, eine, facebook-, twitter, revolution
Arbeit zitieren
Ali Koç (Autor), 2014, Auswirkung der sozialen Medien auf die Arabellion in Ägypten und Tunesien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303389

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