Factoring. Darstellung und betriebswirtschaftliche Analyse


Hausarbeit, 2013
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Darstellung
2.1 Funktionsweise
2.2 Factoringvertrag
2.3 Abtretung der Forderungen
2.4 Gebühren

3 Markt
3.1 Volumen
3.2 Auswirkungen durch Basel II +III
3.3 Anbieter
3.4 Branchen

4 Formen
4.1 Funktionen
4.2 Systematisierung

5 Betriebswirtschaftliche Analyse
5.1 Chancen
5.1.1 Factoring als alternative Finanzierungsform
5.1.2 Liquiditätsgewinn
5.1.2.1 Verwendung
5.1.2.2 Leverage-Effekt
5.1.3 Streben nach Unabhängigkeit
5.1.4 Bilanzierungseffekte
5.1.4.1 Bilanz
5.1.4.2 Gewinn– und Verlustrechnung
5.1.5 Einflüsse auf das Rating
5.1.6 Wettbewerbsvorteil
5.2 Risiken
5.2.1 Rückforderungsrisiko
5.2.2 Gemeinkostenumlage
5.2.3 Volumenbeschränkung

6 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Unter dem Begriff „Factoring“ wird im Allgemeinen der laufende Verkauf von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen verstanden. Die nachfolgende Ausarbeitung betrachtet Factoring insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), da diese Art der Finanzierung in diesem Segment besonders beliebt ist und zunehmend an Bedeutung gewinnt.

In Deutschland wurde Factoring 1958 von der Mittelrheinischen Kreditbank mit Sitz in Mainz eingeführt. Nach zunächst mäßigem Erfolg aufgrund schwieriger rechtlicher Rahmenbedingungen verhalfen zwei Grundsatzurteile im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Jahren 1977 und 1978 Factoring wieder zu wachsender Beliebtheit und von dort an zu beinahe kontinuierlichem Wachstum.1

Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird die Funktionsweise von Factoring näher beschrieben. In diesem Zusammenhang wird auf die vertragliche Ausgestaltung sowie auf die bei Forderungsverkauf mit einhergehende Abtretung der Forderungen eingegangen. Darüber hinaus wird ein Überblick über mögliche Gebühren gegeben. Im Anschluss ist der Markt für Factoring in Deutschland zentraler Punkt. Es wird der Verlauf des Factoring-Volumens und die Auswirkungen durch Basel aufgezeigt. Anschließend wird auf die am Markt aktiven Anbieter von Factoring eingegangen. Um einen strukturellen Überblick über die unterschiedlichen Arten von Factoring zu erhalten werden diese im nachfolgenden Kapital hinsichtlich ihrer jeweiligen Funktionen systematisiert. Im Kapitel fünf werden diese Einflüsse näher erläutert und deren Auswirkung verdeutlicht. Abschließend erfolgt eine ausführliche Betrachtung dieser Art der Finanzierung aus betriebswirtschaftlicher Sicht. In diesem Zusammenhang wird sowohl auf die potenziellen Chancen, als auch die Risiken eingegangen und deren mögliche Auswirkungen auf das Unternehmen beschrieben.

2 Darstellung

2.1 Funktionsweise

Factoring beschreibt den laufenden gewerblichen Verkauf von Forderungen eines Unternehmens (= Anschlusskunde) an ein Finanzierungsinstitut (= Factor). Die Ansprüche des Unternehmens an seine Kunden (= Debitoren) entstehen durch erfolgte Lieferungen oder Dienstleistungen, deren Rechnungen noch nicht beglichen sind. Zwischen dem Unternehmen und dem Ankäufer der Forderungen wird ein Factoringvertrag (vgl. Kap. 2.2) geschlossen. Der Factor bewertet daraufhin die Debitoren und legt für jeden ein Limit fest bis zu dem er jeweils bereit ist Forderungen anzukaufen. Solche, die innerhalb einer Unternehmensgruppe bestehen, sind vom Factoring ausgeschlossen.2

Die Forderungen werden anschließend durch den Factor abzüglich eines Sicherheitsabschlages bevorschusst. Dadurch fließt dem Unternehmen unmittelbar Kapital in Form von liquiden Mitteln zu. Der ausstehende Betrag wird dem Anschlusskunden gutgeschrieben, nachdem die Forderung durch den Debitor beglichen wurde.3 Der Debitor bezahlt die Rechnung je nach Form der Abtretung (vgl. Kap. 2.3) entweder direkt an den Factor oder an den Anschlusskunden, der die Zahlung dann an den Factor weiterleitet (vgl. Anhang 1).

2.2 Factoringvertrag

Rechtlich ist der Factoringvertrag eine gesonderte Form des Kaufvertrages (§433 BGB). Da aber sowohl gegenwärtige als auch zukünftige Forderungen betroffen sind handelt es sich um ein Dauerschuldverhältnis, das den Anspruch an die vertragliche Ausgestaltung erhöht. Es ist eine klare Abgrenzung zwischen dem Verpflichtungsgeschäft, bei dem der Verkauf vereinbart wird, und dem Verfügungsgeschäft, bei dem die Forderungen übertragen werden, notwendig und damit eine sog. Abstraktion vorhanden.4 Daher wird die Norm durch die geltenden Regelungen für den Kauf von Forderungen (§437 BGB) ergänzt. Der Vertrag dient im Allgemeinen dazu die jeweiligen Rechte und Pflichten der Vertragspartner festzulegen und die Gebühren zu vereinbaren. Dadurch sollen insbesondere spätere Unklarheiten ausgeräumt werden. Der Verkäufer verpflichtet sich u.a. dazu, dem Käufer die Forderungen zu übertragen, sich an die vereinbarten Limits zu halten und festgelegten Anzeigepflichten, z.B. bei Forderungen mit verlängerten Eigentumsvorbehalten oder Abtretungsverboten, nachzukommen. Der den Forderungen ggf. zugrundeliegende Eigentumsvorbehalt (EV) zählt rechtlich nicht zu den akzessorischen Rechten (§401 BGB). Der Übergang des EV an den Factor ist daher im Factoringvertrag gesondert festzuhalten. Der Factor tritt dadurch für die Rechte des Anschlusskunden ein und kann das Eigentum zurückfordern oder verwerten, insofern der Debitor seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt.5

Die wesentliche Pflicht des Factors bezieht sich auf die Zahlung des Kaufpreises bzw. des Abschlages und der Restzahlung.6 Ferner hat er das Recht in einem regelmäßigen Turnus, der im Factoringvertrag festgelegt wird, vom Anschlusskunden die aktuelle Debitorenliste sowie Rechnungskopien zu erhalten. Der Übergang dieser Dokumente hat rechtlich eine deklaratorische Wirkung, d.h. der Übergang der Forderungen erfolgte bereits durch das Anwartschaftsrecht.7

2.3 Abtretung der Forderungen

Die Abtretung der Forderungen vom Anschlusskunden an den Factor wird als Zession bezeichnet (vgl. Anhang 2). Erst durch diese erwirbt der Factor rechtlich das Eigentum an den Ansprüchen. Mit Ausnahme des Ausschnitts-Factorings (vgl. Kap. 4.2) bezieht sich die Abtretung auf alle gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen. Es handelt sich dabei also um eine sog. Globalzession. Der Factor erwirbt somit auf künftig entstehende Forderungen ein Anwartschaftsrecht, das sich automatisch in ein Vollrecht umwandelt, sobald eine Forderung entstanden ist.

Es wird dabei zwischen der offenen und der stillen Zession unterschieden. Bei der stillen Zession erlangt der Debitor keine Kenntnis darüber, dass die an ihn gerichtete Forderung an einen Dritten abgetreten wurde. Er kann daher mit schuldbefreiender Wirkung seiner Verpflichtung ggü. dem Anschlusskunden nachkommen. Bei der offenen Zession hingegen hat der Debitor Kenntnis über die Abtretung und kann mit schuldbefreiender Wirkung nur noch an den Factor selbst zahlen. Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) rät den Unternehmen zur stillen Abtretung. Andernfalls befürchtet dieser einen eventuellen Vertrauensverlust der Kunden ggü. dem Unternehmen. Für diese sind die genauen Umstände der Finanzierung nicht ersichtlich, wodurch sich schnell falsche Schlüsse ziehen lassen.8

2.4 Gebühren

Zu den typischen Gebühren, die beim Factoring entstehen, zählen: 9

- Gebühren des Factors,
- (Delkrederegebühren),
- Gebühren für die Bonitätsprüfung der Debitoren und
- Kontoführungsentgelte für das Sperrkonto.

Die Gebühren werden zwischen dem Anschlusskunden und dem Factor im Factoringvertrag vereinbart und werden i.d.R. am Umsatz des Unternehmens bemessen. Bevor diese festgelegt werden, muss sich der Anschlusskunde einer Untersuchung seitens des Factors unterziehen. Das Forderungsmanagement und die Eingliederung des Managements in die Organisation des Unternehmens sind wichtige Aspekte für den Factor. Eine professionale Debitorenbuchhaltung kann sich aus der Sicht des Unternehmens positiv auf die Gestaltung der Konditionen auswirken, insofern das Forderungsmanagement im Rahmen des Factorings nicht an den Factor selber übergeht (vgl. Kap. 4.2). Ein weiteres Kriterium kann bspw. die Branche sein, in der das Unternehmen aktiv ist. 10

Der regelmäßige Abschlag des Factors auf die Forderungen liegt im Schnitt zwischen 5 und 10 Prozent. Der Abschlag wird beim Factor auf einem Sperrkonto notiert und dient als Sicherheit für den Fall, dass sich der Kaufpreis reduziert. Dazu kann es kommen, wenn z.B. der Kunde das Skonto in Anspruch nimmt oder ihm aufgrund von Mängeln ein Rabatt gewährt wird. Der Restbetrag fließt dem Unternehmen zu sobald der Debitor seiner Zahlungsverpflichtung nachgekommen bzw. die Forderung fällig ist.11

Auf das bevorschusste Volumen zahlt der Factoring-Kunde Zinsen. Die Höhe richtet sich an den klassischen Kontokorrentzinsen, die sich wiederrum am 3-Monats-EURIBOR orientieren. Dabei handelt es sich um einen durchschnittlichen Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander kurzfristige Kredite vergeben.12 Bei Übernahme des Ausfallrisikos und Berechnung der Prämie stehen die Bonitäten der Debitoren im Vordergrund, die durch eine Überprüfung seitens des Factors ermittelt werden.

3 Markt

3.1 Volumen

Laut einem Bericht des Deutschen Factoring-Verband (DFV), bestehend aus derzeit 24 Factoring Instituten (Stand: 2013), wurden im Wirtschaftsjahr 2012 Forderungen in einem Gesamtumfang von 157 Milliarden Euro verkauft. Dieses Volumen liegt auf dem gleichen Niveau wie im vorangegangen Jahr und ist damit die erste Stagnation nach einem langen Aufwärtstrend in den Vorjahren. Im Vergleich zu 2009 sind die Forderungsverkäufe um ca. 40 Prozent gestiegen. 13

Damit erreicht das Factoring noch nicht das Niveau der klassischen Finanzierung durch Kredite der Hausbanken. Im Jahr 2005 haben Banken insgesamt 1.200 Milliarden Euro an Betriebsmittelkredite vergeben und damit im Schnitt 90 Prozent der Gesamtfinanzierung eines jeden mittelständischen Unternehmens abgedeckt.14

3.2 Auswirkungen durch Basel II +III

Die Regelungen der Eigenkapitalvereinbarung Basel II wurden zum 01.01.2007 durch das Gesetz zur Umsetzung der neu gefassten Bankenrichtlinie und der neu gefassten Kapitaladäquanzrichtlinie (BKRUG), ergänzt durch die Groß- und Millionenkreditverordnung (GroMiKV) und der Solvabilitätsverordnung (SolvV) zur Stabilisierung des Finanzsystems in deutsches Recht umgesetzt.15 Für Kreditinstitute (KI) richtet sich die Eigenkapitalbindung dadurch an den Ausfallwahrscheinlichkeiten ihrer Kreditnehmer. Diese Wahrscheinlichkeit wird durch ein Risikomanagement System des KI in Form eines Ratings ermittelt. Abhängig von diesem Risiko hat das KI die Möglichkeit, die Zinssätze entsprechend anzuheben bzw. den Kreditvertrag abzulehnen.16

Durch ein negatives Rating können sich für die Unternehmen höhere Zins-sätze für Bankkredite ergeben und die Finanzierung durch Factoring somit ggf. attraktiver gestalten. Bei Übernahme des Delkredererisikos durch den Factor (vgl. Kap. 4.2) ist ein direkter Vergleich bspw. mit den Zinsen für einen Zessionskredit, bei dem Forderungen als Sicherheit dienen, jedoch nicht sinnvoll, da die Kreditversicherung durch den Factor in den Vergleich mit einkalkuliert werden muss.17 Zur weiteren Stärkung des Finanzsystems, als Reaktion auf die Finanzkrise ab 2007, wurden die Vereinbarungen mit Basel III reformiert. Diese werden bis Ende 2018 in nationales Recht umgesetzt. Banken müssen dadurch zukünftig Kredite mit mehr Eigenkapital besichern. Das führt dazu, dass das Rating der Unternehmen noch kritischer ausfallen wird und allgemein die Kreditnehmer noch intensiver selektiert werden. Die Finanzierung des Mittelstandes wird dadurch weiter erschwert. Es ist daher zu erwarten, dass auch zukünftig die Finanzierung durch den Verkauf von Forderungen weiter an Bedeutung gewinnen wird.18

3.3 Anbieter

Die zehn umsatzstärksten Factoring-Institute in Deutschland wickeln gemeinsam rund 90 Prozent des Gesamtvolumens ab (vgl. Anhang 3).19 In der Zukunft werden bei den Anbietern weitere Konsolidierungen erwartet. Dadurch lassen sich Synergieeffekte nutzen und damit letztendlich auch Kosten sparen.20

Von grundlegender Bedeutung bei der Finanzierung durch Factoring ist die Wahl eines geeigneten Anbieters. Wenn dieser Branchenkenntnisse besitzt fällt es ihm bspw. leichter, die Risiken realistisch einzuschätzen.21 Sofern mit dem Verkauf der Forderungen auch das Mahnwesen an den Factor übergeht (vgl. Kap. 4.2), ist zu untersuchen, ob dessen Vorgehensweise den eigenen Vorstellungen entspricht. Für bestimmte Kunden können besondere Vorgehensweisen vereinbart werden oder diese im Factoringvertrag vollständig ausgeschlossen werden.22 Entspricht das Vorgehen nicht den Vorstellungen des Unternehmens, könnte es zur „Kundenvergraulung“ kommen. Besonders bei Kunden, zu denen eine persönliche Beziehung gepflegt wird, ist das Outsourcen des Mahnwesens eine riskante Vorgehensweise. Unternehmen mit einem hohen Anteil an Großkunden pflegen i.d.R. weniger persönliche Kontakte, wodurch deren Risiko dementsprechend geringer ausfällt.23

3.4 Branchen

Factoring ist besonders bei Handelsunternehmen, Dienstleistern, Maschinenbauern, Unternehmen im Ernährungsgewerbe und in der Metallverarbeitung beliebt.24 Grund dafür sind die für diese Branchen üblichen hohen Außenstände. Insbesondere Handelsunternehmen haben i.d.R. einen relativ hohen Anteil an Außenständen in Form von offenen Forderungen ggü. Kunden aktiviert.25 Auch wenn diese Forderungen in der Bilanzanalyse ab der Liquidität zweiten Grades berücksichtigt werden, können damit keine offenen Rechnungen beglichen werden. Um diesen Posten zu reduzieren und liquide Mittel des ersten Grades ausweisen können, greifen diese Unternehmen besonders häufig auf Factoring zurück.26

4 Formen

4.1 Funktionen

Factoring erfüllt drei wesentliche Funktionen, die unterschiedlich kombiniert werden können:27

- Finanzierungs- bzw. Liquiditätsfunktion:

Der Factor kauft die Forderungen an und bevorschusst einen großen Teil. Dadurch fließen dem Unternehmen unmittelbar liquide Mittel zu.

- Dienstleistungsfunktion:

Die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen werden an den Factor übergeben.

- Kreditversicherungsfunktion:

Das Unternehmen gibt das Forderungsausfallrisiko an den Factor weiter. Gegenüber einer herkömmlichen Kreditversicherung wird im Rahmen des Factorings der Ausfall der Forderung nach Ablauf einer Karenzzeit nach Fälligkeit der Forderung automatisch vermutet und muss nicht wie bei einer herkömmlichen Versicherung vom Gläubiger nachgewiesen werden.28

4.2 Systematisierung

Es werden nicht alle der o. g. Funktionen auch von allen Varianten erfüllt. Die anschließende Systematisierung soll daher einen Überblick vermitteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten29 30 31 32 33

Eine Auswertung des DVB hat ergeben, dass 2012 die Inhouse Variante mit 80 Prozent am häufigsten genutzt wurde (vgl. Anhang 4). Damit werden bei einem Großteil der Forderungen die Buchhaltung und das Mahnwesen beim Unternehmen selbst durchgeführt.34

5 Betriebswirtschaftliche Analyse

5.1 Chancen

5.1.1 Factoring als alternative Finanzierungsform

Die nachfolgende Abbildung 3 zeigt eine Systematisierung der unterschiedlichen Finanzierungsformen. Die klassische Variante zur Überbrückung des Finanzierungsproblems stellt die von Kreditinstituten vergebenen Kredite dar. Unter dem Finanzierungsproblem versteht man die Zeit zwischen den Auszahlungen zur Erstellung der Lieferung oder Leistung und der Einzahlung durch Begleichung der Rechnung durch den Kunden.

Abbildung 1: Systematisierung der Finanzierungsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. (2012, S. 390).

Das Factoring kann dabei weder der Eigen-, noch der Fremdfinanzierung zugeordnet werden, da der Factor keine Eigentümer- bzw. Gläubigerstellung ggü. dem Unternehmen einnimmt. Daher zählt es zu den alternativen Finanzierungsformen und dient weniger als Alternative zur klassischen Fremdfinanzierung durch Bankkredite, als vielmehr der Ergänzung.35 Eine Umfrage unter 1.200 Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. Euro ergab, dass 47 Prozent es für ratsam halten, neben den klassischen Finanzierungsformen von Alternativen wie dem Factoring Gebrauch zu machen.36

5.1.2 Liquiditätsgewinn

Die Liquidität stellt eine der vier Hauptziele im finanzwirtschaftlichen Entscheidungsprozess dar. Von der Systematik her handelt es sich um ein Zeitpunktziel, da dieses Ziel zu jedem Zeitpunkt erreicht werden muss. Es stellt eine strenge Nebenbedingung zum Rentabilitätsziel dar, da ein liquides Unternehmen temporär unrentabel, aber ein illiquides Unternehmen nicht rentabel sein kann, da in diesem Fall bereits der Insolvenztatbestand der Zahlungsunfähigkeit vorliegt.

Bezüglich der Liquiditätsgrade kommt es durch Factoring zu einer Erhöhung der Liquidität ersten Grades, sofern das Kapital unter den liquiden Mittel im Unternehmen verbleibt und nicht anderweitig verwendet wird. In den nachfolgen Liquiditätsgraden werden die offenen Forderungen miteinbezogen. Dadurch erhöhen sich diese nicht. Betrachtet man die Tatsache, dass vom gesamten Forderungsbestand durch den Abschlag im Schnitt 90 – 95 Prozent unmittelbar dem Unternehmen als Liquidität zurückfließen, verringern sich diese Kennzahlen temporär sogar leicht.

Beim Maturity Factoring (vgl. Kap. 4.2) entfällt die Finanzierungsfunktion. Dadurch kommt es auch zu keinem Zufluss von flüssigen Mitteln und dadurch wiederum auch zu keiner Veränderung bei der Liquidität.

5.1.2.1 Verwendung

Je nach Verwendung der zufließenden Mittel kommt es zu unterschiedlichen Effekten.

- Die zusätzliche Liquidität kann dazu genutzt werden, um Skonti bei offenen Verbindlichkeiten zu nutzen. Dadurch sinkt die Rechnungssumme. Skonti sind betriebswirtschaftlich gesehen einer der teuersten Kredite. Daher werden in der Praxis häufig Überbrückungskredite dazu genutzt, um die Skonti nutzen zu können. Durch die liquiden Mittel können die Skonti ggf. ohne zusätzliche Kapitalaufnahme genutzt werden und so zusätzliche Zinsen für den Überbrückungskredit vermieden werden.
- Befindet sich das Geschäftsgirokonto in der Überziehung, so können durch die liquiden Mittel zusätzliche Überziehungszinsen verhindert werden und / oder offene Zinsen beglichen werden.
- Größere Aufträge können vorfinanziert und so leichter abgewickelt werden. Zulieferer verlangen für die oft hohen Materialkosten dementsprechende Sicherheiten, die das Unternehmen in Form der Liquidität stellen kann. Dadurch können sich für das Unternehmen Wettbewerbsvorteile entwickeln.
- Ebenfalls können die Mittel auch zur Finanzierung einer evtl. geplanten Investition dienen. Je nach Umfang des Projektes können die Mittel dazu verwendet werden, um den Eigenkapitalanteil bei einer Finanzierung zu erhöhen oder sogar das Projekt dadurch vollständig zu finanzieren.

5.1.2.2 Leverage-Effekt

Die Verwendung der liquiden Mittel zur Rückführung von Fremdkapital ist in Bezug auf den sog. Leverage-Effekt (dt. Hebelwirkung) nicht immer sinnvoll. Dieser Effekt tritt auf, wenn die Gesamtkapitalrentabilität einer Unternehmung höher ist als der Zins für Fremdkapital. In diesem Fall kann durch zusätzliche Kreditaufnahmen die Eigenkapitalrentabilität gesteigert werden.37

Die Risiken beim Leverage-Effekt setzen sich aus einem leistungswirtschaftlichem Risiko sowie einem Kapitalstrukturrisiko zusammen. Das leistungswirtschaftliche Risiko bestimmt sich durch die aktuelle Position des Unternehmens im Wettbewerb und wird daher durch den Markt bestimmt. Das Kapitalstrukturrisiko bildet den Quotienten vom Eigenkapital zum Fremdkapital und kann damit unmittelbar durch die Verwendung der liquiden Mittel bestimmt werden.

[...]


1 Vgl. Bette, K. 1999, S. 1.

2 Vgl. Lachenmaier, D. 2012, S. 1555 f.

3 Vgl. Stumpf, W. 2012, S. 1045.

4 Vgl. Bette, K. 1999, S. 33 f.

5 Vgl. ebenda, S. 101 f.

6 Vgl. ebenda, S. 25.

7 Vgl. Ettmann, B. / Wolff, K. / Wurm, G. 2008, S. 437 f.

8 Vgl. Riedl, S. 2012, S. 46-47.

9 Vgl. Brocks, C.

10 Vgl. Jumpertz, N. 2012, S. 32 f.

11 Vgl. Schneck, O. 2006, S. 178.

12 Vgl. Ettmann, B. / Wolff, K. / Wurm, G. 2008, S. 175.

13 Vgl. DFV, 2012.

14 Vgl. Vaeth, A.

15 Vgl. Schneck, O. 2006, S. 28.

16 Vgl. Chatzigeorgakidis, E. 2011, S. 67.

17 Vgl. Bette, K. 1999, S. 23.

18 Vgl. Schulz & Partner 2011.

19 Vgl. Hartmann-Wendels, T. 2011, S.148 f.

20 Vgl. Secker, J. 2012, S. 80.

21 Vgl. Ninow, S. 2012, S. 18 f.

22 Vgl. Jumpertz, N. 2012, S. 32 f.

23 Vgl. Ninow, S. 2012, S. 18 f.

24 Vgl. Moseschus, A. 2012, S. 67.

25 Vgl. Jung, N.

26 Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. 2012, S. 603.

27 Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. 2012, S. 474.

28 Vgl. Bette, K. 1999, S. 35.

29 Vgl. Jumpertz, N. 2012, S. 32 f.

30 Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. 2012, S. 475.

31 Vgl. ebenda.

32 Vgl. ebenda.

33 Vgl. Ninow, S. 2012, S. 18 f.

34 Vgl. DFV, 2012.

35 Vgl. O.V. 2011, S. 1.

36 Vgl. Verkehrs Rundschau, 2013.

37 Vgl. ebenda, S.520 f.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Factoring. Darstellung und betriebswirtschaftliche Analyse
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Veranstaltung
Schwerpunktfach
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V303574
ISBN (eBook)
9783668019928
ISBN (Buch)
9783668019935
Dateigröße
756 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Factoring, betriebswirtschaftliche Analyse, Forderungsmanagement, Debitorenmanagement, Debitoren, Factor, alternative Finanzierungsform, Working Capital, Working Capital Management, Unternehmensfinanzierung, Liquidität
Arbeit zitieren
Dominik Claßen (Autor), 2013, Factoring. Darstellung und betriebswirtschaftliche Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303574

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