Getreideversorgung Roms zur Kaiserzeit


Seminararbeit, 2015
22 Seiten, Note: 3.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das antike Wirtschaftssystem

III. Organisation der Getreideversorgung Roms
III.1. Transport
III.2. Lagerung
III.3. Verteilung

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll die Getreideversorgung der Stadt Rom während der Kaiserzeit behandeln. Der Schwerpunkt liegt in der frühen Kaiserzeit. Dabei wird der Frage nachgegangen wie man sie organisierte, denn zur Kaiserzeit hat der Konsum der Stadt Rom, aufgrund ihrer Größe, die Ressourcenkapazität ihres Umlandes bei weitem überschritten. Des weiteren ist nicht nur die Organisation und Kommunikation für einen funktionierenden Ablauf erforderlich, sondern es benötigt auch ein logistisches System, was folgende Frage aufwirft: welche Transportmittel benutzte man? Dabei soll die Diskrepanz der Rentabilität des Transports mit Hilfe von Nutztieren und dem Fluss- bzw. Seetransport (Mittelmeer) aufgezeigt werden. Anhand eines Fallbeispiels zur Zeit des Kaiser Claudius werden auch die Schwierigkeiten des Seetransports dargestellt. Das Thema Ostia ist in diesem Kontext ein weiterer wichtiger Faktor, der in diesem Teil Erwähnung findet. Anschließend wird auf die Lagerung eingegangen, die besonders bei Nahrungsmitteln, in unserem Fall hier das Getreide, eine zentrale Rolle einnimmt. Dabei ist die fachkundige Lagerung und Sicherung wichtig, denn sie verderben bei unsachgemäßen Umgang und Ersatz ist schwierig zu beschaffen. Welchen Gebäudetypen baute man hierzu und welchen Anforderungen musste er gerecht werden? Das gelagerte Getreide musste an die Menschen verteilt werden, um den Zweck eines Nahrungsmittels zu erfüllen. Während der Kaiserzeit scheint es verschiedene administrative Vorgehensweisen gegeben zu haben. Augustus schuf um 8 nach Christus eine eigene Behörde zum Zwecke der Verteilung. Hierbei wird untersucht, wie und wo die Einwohner Roms an ihre Rationen kamen und es soll nur auf die kostenlosen Distributionen eingegangen werden. In allen Teilen werden Aufsätze, u.a. von Kessler und Temin, sowie Sekundärliteratur, u.a. von Rickman herangezogen und auch Quellen, u.a. von Sueton, behandelt.

II. Das antike Wirtschaftssystem

Die enorme Wichtigkeit, das Primat der Ökonomie, eines funktionierendes Wirtschaftssystem und damit der Sicherstellung der Grundnahrungsmittelversorgung, im Besonderen Getreide, der imperialen Hauptstadt Rom und dessen Fortbestand, hatten bereits die politischen Herrscher der römischen Republik erkannt und im Prinzipat weiterverfolgt, was ein Zitat des Kaisers Tiberius aus dem Jahre 22 nach Christus belegt:

„ Hanc, patres conscripti, curam sustinet princeps; haec omissa funditus rem publicam trahet “ 1 Gab es zu jener Zeit ein übergeordnetes ökonomisches Konzept?

Unser modernes Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, wird mit Hilfe der Betriebswirtschaftslehre organisiert und analysiert. Die Mikroökonomie beschäftigt sich mit dem Verhalten der einzelnen Betriebe intern, wie zum Beispiel Kosten- und Gewinnfunktionen und in der Interaktion mit anderen wirtschaftlichen Unternehmungen. Das Rechnungswesen hilft dabei, die einzelnen Zuflüsse und Abflüsse festzuhalten (Soll und Haben).

Die Makroökonomie beschäftigt sich mit der Volkswirtschaft als Ganzes und analysiert die Arbeitslosenstatistik, die Geldzinspolitik etc. Es hat sich ergo eine eigene Wissenschaft herausgebildet, was man im alten Rom nicht so differenzierte. Finley stellt die These auf, dass es kein solches übergeordnetes Konzept bzw. wirtschaftliches Verständnis gab und es auch nicht entwickelt wurde, im heutigen Sinne. Es existierte ein wirtschaftliches System, denn sonst hätten zum Beispiel Münzprägungen und Handel nicht stattgefunden. Finley zeigt auf, dass die Lohn- und Zinsrate über einen langen Zeitraum stabil waren; vorübergehend durch politische Unruhen oder Hungersnöte schwankend. Den Begriff „Markt“ gab es mit der modernen Konnotation nicht, aber man kann die wirtschaftliche Handlungsweise als ein System von untereinander unabhängigen Märkten bezeichnen.2 Fakt ist, auch wenn das römische Imperium recht urban war, dass es vorwiegend eine agrarisch basierte Volkswirtschaft war, denn der Großteil, 4/5 der arbeitenden Bevölkerung war in der Landwirtschaft beschäftigt, sowohl in den italischen, als auch in den übrigen Provinzen um Getreide etc. anzubauen, diese wiederum verbrauchten 4/5 ihrer eigenen Produktion und konnten die übrigen 20% den „Märkten“ zur Verfügung stellen.3 Es gab zwar kaiserliche Eingriffe, die das nur in absoluten Notsituationen wie zum Beispiel bei Hungersnöten taten, worauf wir im letzten Kapitel eingehen werden.

Zu einem gewissen Grade wurden auch Bücher geführt, damit die Qualität und Quantität der Warten festgehalten werden konnte, auch den Waren Ein-und Ausgang wird man vermerkt haben, um Übersicht über den Warenverkehr zu behalten. Speziell bei der Getreideversorgung, ebenso bei anderen Gütern, war es wichtig welche Menge vorhanden war, wie viel jeweils verteilt werden musste und zu beschaffen war.

III. Organisation der Getreideversorgung Roms

Nichtsdestotrotz war die Organisation der Getreideversorgung Roms eine komplexe Aufgabe, die eine effiziente Arbeitsteilung, Finanzierung, Transport, Lagerung und Verteilung verlangte. Die imperiale Stadt Rom hatte bereits zur Zeit der Republik die kritische Größe überschritten4, das heißt die Stadtbevölkerung konnte nicht mehr mit den Produkten aus dem Umland ernährt werden, was typisch für die Mehrheit der Städte war, sondern war auf Importe großer Mengen Getreides angewiesen, um die Bevölkerung angemessen zu versorgen. Insbesondere Weizen wurde benötigt, um das Grundnahrungsmittel Brot herzustellen, da Weizenkörner einfacher aus ihren Hülsen herausgeschält werden konnten und 35% mehr Nährwert bei gleicher Menge aufweisen als Gerste. Zudem mussten Gerstenähren erst geröstet werden, um die Körner herauszuschälen, was das Gluten, ein Stoffgemisch aus Proteinen (Klebereiweiß), zerstörte und damit den Nährwert verminderte.5

Um das Volumen der Getreideversorgung zu bestimmen benötigen wir die Einwohnerzahl Roms und diese können wir nur in etwa bestimmen, aufgrund von vorliegenden Daten über die Anzahl der Empfänger von kostenlosem Getreide (congiaria). 5 v. Chr. lag die Zahl der Empfänger bei 320,000, was Augustus in seiner Res Gestae 15.2. vermerkte. Auf dieser Basis rechnete Hopkins die Einwohnerzahl auf 800,000 bis 1 Million Menschen hoch, indem er Sklaven, Soldaten, Frauen, Kleinkinder und Fremde hinzurechnete.6 Historiker ziehen immer wieder die Daten von Hopkins als Vergleich heran; wohlgemerkt ist das nur eine Schätzung für die Zeit des Augustus und kann nicht pauschal über die Epochen als stabile Größe gesehen werden, denn die Einwohnerzahl unterlag auch Schwankungen.

III.1 Transport:

Der Bedarf an Getreide, um eine Stadt solcher Größe zu versorgen, war gewaltig. Die einzige uns bekannte Zahl, ist die Verteilung von 5 Modii7 an jeden Empfänger kostenlosen Getreides im Monat (annona) , also 60 Modii (400kg) jährlich, was mehr war, als eine Person im Jahr konsumierte, aber damit konnte man keine Familie ernähren. Nimmt man als Grundlage 200,000 Empfänger kostenlosen Getreides, die man zur Zeit des Augustus annimmt, dann wurden 12 Millionen Modii benötigt. Das deckt aber nicht den Verbrauch der übrigen Bevölkerung ab, die keine kostenlosen Distributionen erhielten. Rickman beziffert daher die benötigte Menge auf etwa 40 Millionen Modii (ca. 280 Millionen kg).8

Die Sicherstellung der Versorgung in dieser Größenordnung setzte ein komplexes und funktionierendes Transportsystem, heute Logistik genannt, voraus. Der Transport über Land war verhältnismäßig teuer und umständlich. Für den Getreidetransport via Straße benutzte man üblicherweise Ochsenkarren. Zwei Ochsen zogen mit diesem Gespann etwa 1500kg Nutzlast, man geht von einer Reichweite von 10-40 km aus, versorgten also eher kleinere, lokale Märkte.9 Die Berechnungen Finleys, auf der Basis von Diokletians Höchstpreisedikt, gehen zusätzlich davon aus, dass der Weizenpreis sich auf 500 km, bei einer angenommen Wagenladung von 550kg des Getreides, verdoppelte. Das heißt also, selbst wenn die große Menge an diesen Gütern über die Straße transportiert hätte werden können, die Preise so teuer geworden wären, dass die Mehrzahl der Bewohner Roms sich das Grundnahrungsmittel nicht hätte leisten können und revoltiert bzw. abgewandert wären. In erster Linie baute man die Straßen aus politischen bzw. militärischen Gründen und waren auch nicht für den Handel großen Umfangs angelegt. Somit war der Transport über die Straße nicht rentabel, denn die Tiere hätten zudem einen guten Teil des Getreides auch noch selbst konsumiert und sind darüber hinaus langsam. Ebenso konnte die gebrauchte Menge nicht alleine in Italien produziert werden, so war man von Überseeimporten abhängig.

Das gleich Edikt impliziert, dass eine Schiffsladung Getreide von einem zum anderen Ende des

Mittelmeeres weniger kosten würde, ohne das Risiko eines Schiffsbruchs etc einzukalkulieren, als es herkömmlich mit dem Ochsenkarren über Land auf eine Distanz von 120 km zu verfrachten.10 Der Transport über Wasserwege, war somit um einiges billiger, allerdings boten auch diese einige Hindernisse, wie zum Beispiel die zeitlich begrenzte Segelsaison. Vegetius beschreibt diese in seinem Werk „Epitoma rei militaris“:

„ The next question is to consider months and dates. For the violence and roughness of the sea do not permit navigation all the year round, but some months are very suitable, some are doubtful, and the rest are impossible for fleets by a law of nature.11 Man konnte, aufgrund von klimatischen Bedingungen, nicht das ganze Jahr über zur See fahren. Vegetius erläutert die genauen Daten:

“ When Pachon has run its course, that is after the raising of the Pleiades, from six days before the Kalends of June (27. May) until the raising of Arcturus, that is, eighteen days before the Kalends of October (14. September) navigation is seemed safe [ … ]. But from the month of november the winter setting of the Vergiliae (Pleiades) interrupts shipping with frequent storms. So from three days before the Ides of November (11. November) until six days before the Ides of March (10. März) the seas are closed. 12

[...]


1 Zitat aus: Rickman, Geoffrey. The Corn Supply of Ancient Rome. London, 1980. S. 2.

2 Vgl. Finley, Moses I. The Ancient Economy. Los Angeles, 1973. S.21 ff.

3 Vgl. Hopkins, Keith. Conquerors and Slaves. New York, 1978, S.15.

4 In der Antike stiess eine Stadt mit 20,000-30,000 an eine ökonomische Ressourcengrenze. Wuchs diese Stadt darüber hinaus mussten Ressourcen, wie Getreide etc, importiert werden. Man spricht dann von einer parasitären Stadt. Vgl: Kermer, Silvio. Verstädterung, Migration und wirtschaftliche Entwicklung.Berlin, 2007. S.12

5 Vgl. Rickman, Geoffrey. The Corn Supply of Ancient Rome. London, 1980. S. 4ff.

6 Vgl. Hopkins. Conquerors and Slaves . S. 96-97.

7 Modius=Metze: römische Volumeneinheit die einem 1/3 Scheffel entsprach= ca. 8,7 l. Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Ma%C3%9Fe_und_Gewichte_in_der_Bibel.

8 Vgl. Rickman, Geoffrey: The Corn Supply of Ancient Rome. London, 1980. S.10.

9 Vgl:Fellmeth, Ulrich: Brot und Politik: Ernährung, Tafelluxus und Hunger im antiken Rom, Stuttgart/ Weimar 2001, S. 63.

10 Vgl: Finley, Moses, S.126.

11 Vegetius, Epitoma rei militaris, IV, 39.

12 Vegetius, Epitoma rei militaris, IV, 39.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Getreideversorgung Roms zur Kaiserzeit
Hochschule
Universität Konstanz  (Geschichte)
Veranstaltung
Römische Städte in Kleinasien
Note
3.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V303971
ISBN (eBook)
9783668022737
ISBN (Buch)
9783668022744
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
getreideversorgung, roms, kaiserzeit
Arbeit zitieren
Denis Ehmann (Autor), 2015, Getreideversorgung Roms zur Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303971

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