Der "Kleine Prinz" in Asturien - Darstellung des Asturischen anhand einer sprachwissenschaftlichen Analyse von "El Principín"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

36 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Fragestellung der Hausarbeit
1.2. Geographie
1.3. Die Geschichte Asturiens

2. Sprachgeschichte und aktuelle Sprachpolitik
2.1. Externe Sprachgeschichte
2.1.1. Germanismen
2.1.2. Arabismen
2.1.3. Gallizismen und andere Einflüsse
2.2. Sprache und Politik: Die aktuelle Situation in Asturien
2.2.1. Die Sprachakademie – Academia de la Llingua Asturiana
2.2.2. Sprache oder Dialekt?
2.2.3. bable, asturiano, leonés – Wirrwarr in der Bezeichnung!

3. Sprachwissenschaftlicher Teil
3.1. Phonetik
3.1.1. Vokalismus
3.1.2. Konsonantismus
3.2. Morphologie
3.2.1. Die Artikel
3.2.2. Substantivflexion
3.2.3. Adjektivflexion
3.2.4. Pronomen
3.2.5. Verbalflexion
3.2.6. Ableitung (Derivation)

4. Textanalyse von „Der kleine Prinz“ – „El Principín“
4.1. Phonetische Phänomene
4.1.1. Diphthongierung
4.1.2. Die Metaphonie
4.1.3. Der Vokal am Wortende (vocál final)
4.1.4. Das Konsonantensystem
4.1.5. Das lateinische anlautende /f-/
4.2. Wortbildung
4.2.1. Präfixe und Suffixe
4.2.2. Verbflexion
4.2.3. Adjektive und Adverbien
4.2.4. Die Artikel
4.2.5. Das Substantiv
4.2.6. Pronomen

5. Schluß

6. Bibliographie

7. Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit geht aus dem Hauptseminar „Spanische Dialektologie“ hervor und beschäftigt sich mit dem asturischen Dialekt. Das Asturische sticht aus den vielen verschiedenen Sprachen und Dialekten auf dem Territorium Spaniens gesondert hervor, denn es ist ein Grenzfall zwischen Dialekt und Sprache. Während die Sprachwissenschaftler das Asturische beharrlich im Kapitel Dialektologie aufführen, gibt es eine große Bewegung in Asturien, die sich für die Anerkennung des Asturischen als eine dem Kastilischen ebenbürtige Sprache einsetzt. Als Vorbilder nennen die Sprachschützer die katalanische Sprache und das Baskische. Neben der linguistischen Betrachtungsweise ist auch die Sprachgeschichte und die Sprachpolitik der letzten Jahrzehnte interessant und kann exemplarisch für die vielfältige Sprachensituation auf der iberischen Halbinsel stehen.

Heute sprechen 350.000 Menschen Asturisch und noch einmal 40.000 die asturische Varietät, das Galicisch-Portugiesische, welche dem Asturischen ähnelt, aber im westlichen Gebiet Asturiens eine eigene Sprachgemeinde hat (Academia 2002a: 42). Zum Vergleich: in Deutschland leben 60.000 Sorben, aber nur ein viel kleinerer Teil von ihnen spricht die westslawische Sprache Sorbisch bzw. Wendisch.

Die Sprachgeschichte umfasst im Fall Asturiens die jahrhundertelange Geschichte ganz Spaniens, von den vorrömischen Siedlern, über die Reconquista bis zur Franco-Diktatur. Durch die problematische sprachpolitische Situation (während und nach dem Tod Francos), trifft man auf einige Schwierigkeiten, wenn man sich mit dem Asturischen näher beschäftigt, da neben linguistischen Interessen auch politische und nationale die Diskussion bestimmen. Es gibt wenig übereinstimmende Texte über das Asturische. Allein die Bezeichnung des Asturischen (Sprache oder Dialekt? Asturiano, Bable oder las lenguas asturianas ?) ist auch unter Fachleuten umstritten. Hier etwas Licht hineinzubringen und die Texte aus verschiedenen Epochen zumindest einander gegenüberzustellen, soll u.a. Ziel dieser Arbeit sein.

Da ich die Hausarbeit auf Deutsch schreibe, versuche ich sämtliche Begriffe aus der spanischsprachigen Sprachwissenschaft ins Deutsche zu übersetzen. Wo dies nicht gelingt (bei Eigennamen oder sehr speziellen Fachwörtern), kennzeichne ich das Fremdwort durch kursive Lettern. Bei der Beschreibung der phonetischen Phänomene richte ich mich nach dem IPA-Transkriptionssystem[1], rein phonologische Beschreibungen setzte ich zwischen Schrägstriche.

1.1. Fragestellung der Hausarbeit

Die Arbeit beginnt mit der Geschichte Asturiens, der externe Sprachgeschichte und der aktuellen Sprachpolitik, weil auf diesen Ebenen die komplexe Sprachsituation besser zu vertehen ist. Ich beschäftige mich auch mit dem Problem der Standardisierung des Asturischen. Gibt es eine allgemeingültige Norm für das Asturische? In diesem Kontext gehe ich auch auf die Diskussion “Was ist ein Dialekt?” ein. Kann man das Asturische als Minderheitensprache einordnen, ist und bleibt das Asturische ein Dialekt oder besteht es sogar aus mehreren Dialekten? Auch die Sprachwissenschaftler sind sich da uneinig. Die Asturische Sprachakademie erhebt das Asturische natürlich in den Stand einer Sprache. Anderswo liest man von zerklüfteten dialektalen Varietäten.

Im danach folgenden sprachwissenschaftlichen Teil werden die Charakteristika des Asturischen unter phonetischen und morphologischen Gesichtspunkten beschrieben. Besonders interessiert mich dabei der Bezug zum Latein, da das Asturische ein Primärdialekt des Lateinischen ist. Dabei bediene ich mich der einschlägigen Fachliteratur, wie dem Lexikon der Romanistischen Linguistik sowie spanischer Fachliteratur, wie der Dialectología Española von Zamora Vicente.

Im letzten und eigenständigen Teil werde ich die asturische Übersetzung des weltweit bekannten Werkes „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry mit den ermittelten Charakteristika des Asturischen vergleichen, um zu überprüfen, ob die in der Literatur beschriebenen Phänomene auch in diesem Text vorkommen und die Übersetzung einer Sprachnorm entspricht. Ich werde mich auf ein Kapitel des El Principín beschränken. In diesem Zusammenhang interessiert mich besonders wie der Übersetzer Xavier Frías Conde das Problem der großen regionalen Unterschiede des Asturischen löst. Findet er eine Norm? Woran orientiert er sich? Da das Asturische eher eine Umgangssprache denn eine Schriftsprache ist, ist es auch interessant, wie ein narrativer Text ins Asturische übersetzt wird. Nutzt der Übersetzer ausschließlich asturische Lexik oder bedient er sich beim Kastilischen?

1.2. Geographie

Das Fürstentum Asturien (Principado de Asturias) liegt im Norden der iberischen Halbinsel. Das Gebiet wird im Norden vom Atlantik begrenzt, im Westen grenzt Asturien an Galicien, im Osten an Kantabrien und im Süden an Kastilien-Leon. Die Landschaft Asturiens ist von Bergen, Flüssen und Tälern bestimmt, die das Land stark von den benachbarten Gebieten isolieren. Von Süden nach Norden fließen einige große Flüsse durch Asturien und münden im offenen Meer. Die Flussläufe trennen oft auch sprachliche Gebiete voneinander. So befindet sich im Westen Asturiens, zwischen den Flüssen Eo und Navia eine Zone, in der sich galicischee Einflüsse mit einer asturischen Varietät mischt, eine so genannte zona de transición (Cano 2002: 27). Im Osten wiederum markiert der Fluss Purón die Grenze zu den kantabrischen Varietäten.

Durch die abgeschottete Lage in Tälern und bergigen Gebieten hat das Asturische den permanenten und massiven Einfluss des Kastilischen widerstehen können und ist so über Jahrhunderte erhalten geblieben.

1.3. Die Geschichte Asturiens

Die erste bekannte schriftliche Überlieferung der asturischen Sprache ist das Fueru d’Aviles aus dem 12. Jahrhundert, ein früher Gesetzestext, der der Stadt Ávila bestimmte Privilegien zusichert. Um zu verstehen, welch wichtige geopolitische Rolle Asturien gespielt hat, muss man in die Zeit des Reino de Asturias (8. bis 10. Jahrhundert) zurückblicken. Auch für die Sprachhistoriker und die Sprachwissenschaftler ist dieser Rückblick interessant. Es läßt sich so erklären, warum noch heute Reste der asturischen Sprache bis in den Süden hinein zu finden sind.

Asturisch war die Sprache des mächtigen Königreiches Reino de Asturies (8. bis 10. Jahrhundert), welches sich über weite Teile der iberischen Halbinsel erstreckte. Mit der Eingliederung Asturiens in das Reino de León und mit dem Zusammenschluss der Königreiche von Kastilien und León, wurde der Niedergang des Königreichs von Asturien eingeläutet. Die Hegemonie Kastiliens führte zum Erstarken der kastilischen Sprache in den Spitzen der Gesellschaft, natürlich auf Kosten des Asturischen, dessen Bedeutung immer mehr schwand. Auch die politische Macht und vor allem die Eigenständigkeit Asturiens ging verloren, denn von nun an stand Asturien unter der Vorherrschaft Kastiliens und später Spaniens.

Asturies incorporóse a un entidá política totalmente nueva. A partir d’aquel momentu, Castiella, y depués España, llevaron l’alministración del territoriu asturianu y impunxeron los sos criterios, sistemes de gobiernu, cultura y idioma propios. Les estructures polítiques, cultura y idioma asturianos, construyíos durante tola etapa anterior de soberanía, fueron perdiendo vitalidá y quedando marxinaos. Fueron sustituyíos, pasu ente pasu, polos de la xoven y potente nación castellana. (Iglesias 1993: 37/38)

Heute ist Asturien eine kleine autonome Region mit verschiedenen Gemeinden in Nordspanien, aber die Tatsache, dass die königlichen Thronfolger den Titel Príncipe de Asturias, Prinz von Asturien, verliehen bekommen, zeugt von der einstigen Bedeutung Asturiens.

Kastilien expandierte in den folgenden Jahrhunderten und entwickelte sich zu einem riesigen Imperium, zu welchem ab 1492, mit der Entdeckung Amerikas, sogar die neuen Länder jenseits des Atlantik gehörten. Die Expansion Kastiliens vollzog sich immer Richtung Süden, zuerst mit der Rückeroberung Spaniens von den Arabern, der Reconquista, und später mit der Eroberung Lateinamerikas. Die Gebiete im Norden der iberischen Halbinsel, neben Asturien noch die Königreiche Galicien, Portugal, Navarra und Aragon, spielten geopolitisch nur noch eine untergeordnete Rolle. „[...] el aislamientu brutal y indiscutible fue la característica más definitoria de la realidá asturiana. Fueron, con diferencia, los peores siglos de tola nuestra historia.” (ebd. 46). Bereits aus jener Zeit könnten das fehlende Identitätsbewußtsein und der Minderwertigkeitskomplex, den das asturische Volk gegenüber Spanien und der kastilischen Sprache empfindet, stammen. Diese beiden Hauptprobleme sind laut Inaciu Iglesia immer noch akut, sie haben sich in den letzten beiden Jahrhunderten sogar verstärkt.

Während der ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts formierte sich eine sozialistische Bewegung in Asturien. Diese forderten für die stark industrialisierte Gegend (vor allem Bergbau) Gewerkschaften und bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeiter. Im Oktober 1934 gipfelte diese Bewegung in einen Arbeiteraufstand (Revolución Minera d’Ochobre). Der Aufstand scheiterte und Franco kam höchstpersönlich, um die Revolutionäre richten zu lassen. Über 20.000 Tote gab es. Während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) herrschte in Asturien eine anarchistisch-kommunistisch-sozialistische Allianz, die sich den Nationalisten vehement entgegenstellte, aber trotzdem von ihnen geschlagen wurden. Nach dem Krieg, während des Frankismus, stand Asturien als sozialer Konfliktherd besonders unter der Beobachtung Francos. Bestrebungen eine eigene Identität zu entwickeln und diese im Alltag umzusetzen, konnte es kaum geben, da das Hauptprojekt der Frankisten, eine nationale spanische Einheit herzustellen, massiv durchgesetzt wurde: in der Schule, in der Universität und in der öffentlichen Verwaltung. Die asturische Identität, zu der die Sprache, die Traditionen, die Kultur etc. gehören, wurde während der Jahrzehnte des Frankismus unterdrückt. Den Asturen wurde ein Minderwertigkeitskomplex eingeimpft, indem z.B. in Schulen behauptet wurde, wer Asturisch spräche, würde schlechtes Spanisch sprechen[2].

2. Sprachgeschichte und aktuelle Sprachpolitik

2.1. Externe Sprachgeschichte

Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die externe Sprachgeschichte des Asturischen.

In der Fachliteratur findet man verschiedene Theorien über die Sprachsituation, die vor den Römer auf der iberischen Halbinsel herrschte. Diese Theorien sind jedoch umstritten und es ist schwierig eine klare Aussage über die Herkunft und Kultur der iberischen Urvölker zu finden (Mier 1980: 22). Klar ist, dass vor der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Römer schon andere Sprachen in den vorrömischen Siedlungsgebieten gesprochen wurden (Zepp 2004: 153). Bis auf das Baskische wurden alle vorherigen Sprachen zugunsten des Vulgärlateins aufgegeben. Diese Sprachen hinterließen jedoch Spuren, so genannte Substrate. Diese führten auf der iberischen Halbinsel und in anderen romanischen Ländern zu starken Dialektalisierungen.

Das Vulgärlatein war die mündliche Form des klassischen Lateins, welches als Literatur- und Gelehrtensprachen nur von einer Elite gesprochen wurde. Das gesprochene Latein war in den verschiedenen Gebieten der iberischen Halbinsel verschieden ausgeprägt. Die Ausprägung hing z.B. von der Sprache ab, die in einer Region vor der Latinisierung gesprochen wurde. So kam es in den vorrömischen Siedlungsgebieten zu einem Sprachkontakten zwischen dem Vulgärlatein (durch Verwaltung und Militär hereingebracht) und den vorherrschenden Sprachen der Völker, die dort siedelten. Es herrschte also ein heterogenes sprachliches Gebilde. Mit dem Zerfall des westlichen Römischen Reiches im Verlauf des 5. Jahrhundert drangen neue Volksstämme auf die iberische Halbinsel vor: verschiedene germanische Stämme. Diese gaben ihre eigenen Sprachen auf und nahmen die zahlreichen dialektalen Ausprägungen des Lateinischen an. Dabei hinterließen sie jedoch Einflüsse ihrer germanischen Sprachen, so genannte Superstrate.

2.1.1. Germanismen

Die Germanismen im Asturischen haben nach Xosé Lluis García Arias (Arias 1988: 241-249) auf zwei Wegen Einfluss erlangt: durch die germanischen Stämme der Sueben und der Westgoten und durch die mittelalterlichen Einflüsse der galloromanischen Sprachen, die ihrerseits durch den Kontakt mit germanischen Völkern eine Vielzahl von germanischen Ausdrücken in ihren Sprachgebrauch übernommen hatten. Der Einfluss der Sueben auf das Asturische kann jedoch nicht groß gewesen sein, da sich im Asturischen nicht einmal in den Ortsbezeichnungen (toponimia) suebische Einflüsse erkennen lassen. Dagegen findet man im gallego-portugúes, einer geographisch benachbarten Sprache viel sprachlichen Einfluss der Sueben.

Auch den Westgoten attestiert García Arias keinen großen Einfluss in Asturien, da die Gebiete Asturiens nie vollkommen von den Westgoten besetzt waren. Ein Beispiel für einen Germanismus, der aus der período tolosano stammt, ist das asturische Wort alberguería, (erstmals 1189 dokumentiert), welches vom deutschen Herberge (ahd. heriberga) abstammt. Dieses Wort ist aber auch in andere romanische Sprachen gedrungen: franz. auberge, ital. albergo und cast. albergue. Bei der Bestimmung germanischer Einflüsse ist es wichtig herauszufinden, in welcher Zeit und auf welchem Weg die Germanismen ins Asturische gelangt sind, da es gerade auch im Asturischen viele kastilischen Einflüsse (castellanimos) gibt, die erst in letzter Zeit eingeführt wurden[3].

2.1.2. Arabismen

Man könnte denken, dass es in Asturien kaum kulturelle und sprachliche Einflüsse während der Besetzung der iberischen Halbinsel durch die Araber (711 bis 1492) gab, da Asturien nie direkt von den Arabern besetzt wurde und es sich im hohen Norden der Iberia befindet, also weit entfernt von den arabischen Zentren in Südspanien. In Asturien liegen sogar der Ausgangspunkt der Reconquista und die Wiege des Widerstands gegen die arabischen Eroberer.

Mit Hilfe von Urkunden (ibidem: 253) kann belegt werden, dass während der Herrschaft von Alfonso III. in der asturisch-leonesischen Monarchie einige Araber hohe gesellschaftliche Posten innehatten.

Dieser Einfluss baut sich während des Mittelalters weiter aus, wenn nämlich Asturien und Leon in das Königreich Kastilien eingegliedert werden und somit mehr Leute durch Handels- oder kulturelle Beziehungen aus den zentralen Gebieten in den Norden kamen, die in einem größeren Umfang von den Arabern beeinflusst waren. Ebenso brachten Sklaven, die als Kriegsbeute in den Norden gebracht wurden, arabische Wörter in die asturische Sprache ein. Auch die toponimia, die Ortsnamen, lassen auf ehemals arabische Bewohner schließen[4], wie die Ortsnamen Villamouros, Arrabal, Aldea oder Mudarrí. Bei Cordovero nimmt man an, dass die Bewohner aus Córdoba kamen oder mit dieser Stadt in Kontakt standen.

Die meisten Arabismen, die ins Asturische eingegangen sind, stimmen mit denen im Kastilischen überein (aceite, alcachofa, alfombra, galbana, taza etc.). Einige unterscheiden sich jedoch durch phonetische Phänomene (ast. almóndiga ‚ kast. ‚albóndiga’, ast. alcagüete ‚ kast. ‚alcahuete’, ast. alorza, kat. ‚lorza’, ast. (a) falagar, kast. ‚acaricar’, ast. xarra, kast. ‚ jarra’).

Es gibt auch Arabismen, die sich im Kastilischen nicht gehalten haben, die es jedoch im Asturischen noch gibt, wie albeitre ‚veterenario’. Darüber hinaus sind auch Arabismen aus der Seemannssprache ins Asturische eingedrungen, wie tonina ‚delfín’, fola ‚ola’, xarabia ‚polvareda de agua levantada por el viento’, pexegafu ‚dragón’.

Den großen Einfluss, den das Arabische auch in Asturien gehabt haben muss, zeigt besonders auffällig die Präsenz des arabischen Artikels al - auch vor Wörtern andere Herkunft, wie alcárcel ‚cárcel’, alcarceleru ‚carcelero’ oder alfunda ‚funda’. Arabismen, die in anderen Gebieten der iberischen Halbinsel fest verbreitet sind, haben es nicht geschafft haben, sich im Asturischen zu etablieren, z.B. kast. zagal ‚Hirtenjunge’ - ast. pastor; kast. almohaza ‚Striegel’ - ast. rasqueta; kast. almirez ‚Mörser’ – ast. morteru.

Das Asturische ist ein Zeugnis dafür, dass die arabische Kultur auch auf die entlegensten Gegenden, fernab von den Kulturzentren, Einfluss hatte.

2.1.3. Gallizismen und andere Einflüsse

Viele asturische Wörter sind auch auf gallische Einflüsse aus verschiedenen Jahrhunderten zurückzuführen, wie z.B. der Suffix – axe. García Arias vermutet[5], dass er von der französischen Endung – age oder der okzitanischen und katalanischen Endung – atge abstammen könnte. Im 18. Jahrhundert wurden die Wörter fusil, pantalón compota eingeführt, später z.B. chal ‚bufanda’, chaqueta, bombón und clixé, aber auch im Kastilischen unbekannte Wörter, wie brotería ‚carnecería’ (okz. broter, franz. boucher) oder rua ‚calle’ (franz. rue) sind im Asturischen noch heute vorhanden.

Wie bereits erwähnt, sind neben gallischen Einflüssen auch katalanische Einflüsse vermutbar. Da jedoch kaum herauszufinden ist, ob katalanische Wörter nicht doch erst mit der zunehmenden castellanisación nach Asturien kamen, ist es schwer eine genaue Datierung vorzunehmen. Es gibt jedoch einige Wörter, die einen katalanischen Ursprung vermuten lassen: ast. abogadar -‚hacer la colada’, ast. bitún - kat. ‚betún’. Auch italienische Lehnwörter macht García Arias aus: balledone - ‚belladonna“ oder bargamota - ‚un tipo de pera’.

Die geographische und linguistische Nähe von Asturien zu Galicien und Portugal macht es den Linguisten schwer, exakte Aussagen über die gegenseitige Einflussnahme dieser drei Sprachen zu treffen. Die Gebiete im Westen von Asturien haben durch die geographische Nähe mehr Einflüsse des Galicischenen zu verzeichnen, z.B. wird dort der Dialekt asturiano-gallego gesprochen, im restlichen Teil Asturiens dominiert der kastilische Einfluss.

2.2. Sprache und Politik: Die aktuelle Situation in Asturien

Die asturischen Sprachschützer haben es nicht leicht, denn die Bedeutung der asturischen Sprache nahm in den vergangen Jahrhunderten ständig ab. Auch die Francopolitik, die jegliche Regionalsprachen unterdrückte und allein das Kastilische als Nationalsprache erlaubte und begünstigte, förderte den Niedergang der asturischen Sprache. So wurde in Asturien kein Asturisch unterrichtet und in der Verwaltung und Politik durfte es –zumindest nicht öffentlich- angewendet werden.

Wenn man die aktuelle Sprachsituation in Asturien betrachtet, ist besonders der massive Einfluss des Kastilischen hervorzuheben.

La hegemonía cada vez mayor des Reino de castillo en Asturies provocó la castellanización de las capas altas de la sociedad, aunque no es hasta el siglo XX cuando este proceso empieza a afectar fuertemente a los ámbitos populares y a hacer disminuir en ellos el uso de la lengua asturiana. (Academia 2002b: 41)

Die Academia de la Llingua Asturiana[6] beklagt den fortgeschrittenen und weiter fortschreitenden Einfluss des Kastilischen auf das Asturische und den damit einhergehenden Sprachverlust. So führt die Kastilisierung der asturischen Sprache zu einem Verlust der Fähigkeit neue Wörter bilden zu können. Sowohl die Fähigkeit der Sprecher selbständig neue Wörter zu bilden, mittels eigenen ‚asturischen’ Suffixen, Präfixen und anderen Wortbildungsphänomenen, geht verloren, als auch die Fähigkeit Worte aus fremden Sprachen, wie dem Französischen oder dem Englischen, in die Sprache aufzunehmen. Dies geht im Fall des Asturischen nur über den Filter ‚Kastilisch’ und so gelangen auch nur bereits im Kastilischen adaptierte Fremdwörter ins Asturische.

Obwohl Asturien als zweisprachige Provinz anerkannt ist, droht dort der Niedergang der asturischen Sprache. Dabei spielen mehre Faktoren eine Rolle. Ein großes Problem ist, dass die Eltern ihre Sprache nicht mehr an die Kinder weitergeben und die Schulen dieses Defizit aus verschiedenen Gründen nicht ausgleichen. Noch immer ist das Asturische im schulischen und administrativen Bereich als minderwertig angesehen und obwohl per Gesetz festgelegt wurde, dass alle Kinder in der Schule das Recht haben Asturisch zu lernen, gibt es viele Schulen, die diesen Sprachunterricht nicht anbieten. Auch für den administrativen Bereich regelt ein Gesetz, dass das Asturische dem Kastilischen gleichgestellt ist. De facto gibt es aber keine Möglichkeiten Formulare, Anträge etc. auf der Landessprache Asturisch zu stellen. Dass diese Entwicklung durchaus ernst zu nehmen ist, bestätigt im Jahr 2002 auch die UNESCO. Sie nimmt das Asturische im Atlas of the World’s Languages in Danger of Disappearing als bedrohte Sprache auf.

[...]


[1] Internationales Phonetisches Alphabet (IPA)

[2] Die Academia de la Llingua Asturiana beklagt Fälle, dass Kinder, die asturisch in der Schule sprächen, von den Lehrern noch immer gemaßregelt werden würden.

[3] Arias nennt als Beispiele cundir, ganso, toldo, Wörter germanischen Urprungs, die es auch im Asturischen gibt (cundir, gansu, toldu). Es kann jedoch sein, daß diese Wörter später aus dem Kastilischen übernommen wurden (Arias 1988: 247).

[4] Diese und alle weiteren Beispiele in diesen Abschnitt aus dem Kapitel Arabismos (Arias 1988: 253-279).

[5] Auch in diesem Abschnitt beziehe ich mich auf García Arias, auf das Kapitel Galicismos (Arias 1988: 283-325).

[6] Ich beziehe mich auf das Kapitel von Ramón D’Andrés: La llingua asturiana na sociedá, erschienen in der in der Broschüre: Academia 2002a: 77-103.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der "Kleine Prinz" in Asturien - Darstellung des Asturischen anhand einer sprachwissenschaftlichen Analyse von "El Principín"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Spanische und lateinamerikanische Dialektologie
Note
1,00
Autor
Jahr
2004
Seiten
36
Katalognummer
V30448
ISBN (eBook)
9783638317054
Dateigröße
1559 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich ausführlich mit der asturischen Sprache: Sprachgeschichte und aktuelle Sprachpolitik (Geschichte Asturiens, Externe Sprachgeschichte, Sprachwissenschaftlicher Teil (AUSFÜHRLICHE Darstellung phonetischer und morphologischer Phämomene, viele Beispiele), Textanalyse von der "Kleine Prinz" auf asturisch "El Principín" (Überprüfung der ermittelten Charakteristika + ausführlicher Anhang und umfangr. Bibliographie - auch spanischsprachige Lit.)
Schlagworte
Kleine, Prinz, Asturien, Darstellung, Asturischen, Analyse, Principín, Spanische, Dialektologie
Arbeit zitieren
Ida Krenzlin (Autor), 2004, Der "Kleine Prinz" in Asturien - Darstellung des Asturischen anhand einer sprachwissenschaftlichen Analyse von "El Principín", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30448

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