Kurze Darlegung einiger übereinstimmender Aussagen jüngerer Forschung (seit ca. 2000) zum berühmten Bild "La tempesta". Zusätzlich werden einige eigene Beobachtungen zeitgenössischer Malerei gemacht, die eine neue These zum Motiv des Bildes ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Beobachtungen zum Gemälde „Das Gewitter“ von Giorgione: Die Figuren
2. Die Architektur und der Hintergrund
3. Die zwei Cassone – Malereien
4. Eine Anekdote aus dem geführten Stadtrundgang in Cittadella
5. Die Deutung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das ikonographische Rätsel um Giorgiones Gemälde „Das Gewitter“ (La Tempesta) durch eine Analyse von Indizien neu zu bewerten. Anstatt das Bild als rein rätselhaftes oder sujetsloses Werk zu betrachten, wird die Hypothese untersucht, dass es sich um eine zeittypische Darstellung handelt, die spezifische historische Bezüge zur Dynastie der Da Carrara und deren Herkunftsgeschichte in der Region Padua aufweist.
- Ikonographische Analyse der Figuren und deren Kostümierung
- Untersuchung der architektonischen Hintergründe als historische Stadtsilhouetten
- Symbolik pflanzlicher und tierischer Elemente im Kontext der Renaissancemalerei
- Vergleich mit zeitgenössischen Cassone-Malereien und Bildtraditionen
- Interpretation des Gemäldes als Darstellung einer Familiengründung
Auszug aus dem Buch
1. Beobachtungen zum Gemälde „Das Gewitter“ von Giorgione: Die Figuren
Die männliche Figur links im Bild, die Marcantonio Michiel, der die erste schriftliche Erwähnung des Bildes hinterließ, im Jahr 1530 als „Soldat“ bezeichnet, trägt ein rot-weißes Kostüm mit geschlitzten Hosen, die dem Hosenkostüm der Landsknechte nicht unähnlich sind. Die Bekleidung von Hirtenfiguren in der zeitgenössischen ital. Malerei ist in der Regel sehr abweichend, siehe Darstellungen in der Malerei Tizians, Jacopo Bassanos, Jacopo Palmas oder Mantegnas. Ihre festen Attribute sind i.d.R. Gürtel aus Stricken, graue, enge Hosen, ein Fellwams oder eine Flöte.
Die Oberkörperbekleidung der Männerfigur ähnelt eher der Mode jugendlicher italienischer Adeliger des ausgehenden Mittelalters oder der frühen Renaissance. Die Farben des Wappens der Familie Da Carrara sind rot und weiß.
Kaiserliche „Landsknechte“ des deutschen Reiches waren noch im Jahr 1529, zu Michiels Zeiten, in Nord- und Mittelitalien in großen Trupps unterwegs. Ihre deutsche Bezeichnung, ihre Kleidung und Bewaffnung waren auch im nahen Ausland so bekannt und charakteristisch, daß der Begriff im Italienischen zu „Lanzichenecco“ verballhornt worden ist. Eine schlüssige etymologische Herkunft dieses Begriffes in Verbindung mit „Land“ ist bis heute unsicher. Die englische Bezeichnung „Lancequenet“ (Lanzenritter) genauso wie die italienische Verballhornung weisen darauf hin, daß sie durch die Hauptwaffe der damaligen Feldschlacht, die Lanze, charakterisiert sind. Die Illustrationen von der Schlacht bei Pavia, des Kampfes um Wien Anfang des 16. Jh. oder das Gemälde „Alexanderschlacht“ von A. Altdorfer sowie hunderte von Grafiken deutscher Künstler bezeugen das und legen nahe, daß die deutsche Bezeichnung „Landsknecht“ vermutlich weniger mit „Landesknecht“ zu tun hat, sondern ihrerseits eher eine Verfremdung des Waffengattungsbegriffs „Lanzenknecht“ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beobachtungen zum Gemälde „Das Gewitter“ von Giorgione: Die Figuren: Analyse der männlichen Figur und der Frau mit Kind unter Berücksichtigung von Kleidung, Ikonographie und Vergleichen mit zeitgenössischen Kunstwerken.
2. Die Architektur und der Hintergrund: Untersuchung der Hintergrundmotive, insbesondere der Stadtarchitektur und der Naturdarstellungen, hinsichtlich ihrer historischen Verortung in Padua.
3. Die zwei Cassone – Malereien: Vergleich des „Gewitter“-Bildes mit inhaltlich verwandten Cassone-Tafeln aus dem Paduaner Umfeld zur Erschließung der intimen Bildaussage.
4. Eine Anekdote aus dem geführten Stadtrundgang in Cittadella: Einbeziehung lokaler Überlieferungen und historischer Anekdoten über die Familie Da Carrara als möglicher Schlüssel zur Interpretation.
5. Die Deutung: Zusammenführung der Indizien zur Schlussfolgerung, dass das Gemälde eine Familiengründung oder den Ursprung der Dynastie Da Carrara thematisiert.
Schlüsselwörter
Giorgione, Das Gewitter, La Tempesta, Da Carrara, Renaissance, Padua, Ikonographie, Landsknecht, Kunstgeschichte, Familiengründung, Symbolik, Allegorie, Malerei, Stadtarchitektur, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer ikonographischen Neuinterpretation von Giorgiones berühmtem Gemälde „Das Gewitter“ durch die Zusammenstellung kunsthistorischer Indizien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Identifikation der Figuren, die architektonischen Hintergründe des Bildes und deren Verbindung zur Geschichte der Stadt Padua und der Familie Da Carrara.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass das Gemälde entgegen bisheriger Rätsel-Interpretationen eine zeittypische und logische ikonologische Aussage zur Familiengeschichte der Auftraggeber besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine interdisziplinäre Methode, die kunsthistorische Analysen von Details mit historischer Recherche, lokaler Überlieferung und vergleichenden Stilanalysen der Renaissancemalerei kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Figuren, die Architektur im Hintergrund, verwandte Cassone-Bilder und lokale Anekdoten aus dem Raum Padua.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Giorgione, Da Carrara, Ikonographie, Renaissance-Malerei und Padua charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Wappen der Familie Da Carrara in der Deutung?
Das Wappen dient als starkes Indiz für die These, dass das Bild eine dynastische Bedeutung hat, da architektonische Elemente im Gemälde auf die Herrschaftsgebiete dieser Familie verweisen.
Warum wird die Frau im Bild als „ausgestoßen“ oder „flüchtig“ interpretiert?
Diese Interpretation stützt sich auf Vergleiche mit erzählerischen Motiven der Epoche, in denen Frauen mit unehelichen Kindern in die Wildnis fliehen, sowie auf eine Anekdote über eine kaiserliche Tochter, die als Ahnherrin einer Dynastie gilt.
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- Robert Otten (Author), 2015, Beobachtungen zum Gemälde "Das Gewitter" (1508) von Giorgione, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304568