Die Selbstdarstellung der Caroline Schlegel-Schelling in der literarischen Öffentlichkeit um 1800. Erarbeitet aus ihren Briefen


Examensarbeit, 2014

64 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Carolines Leben - ein Kurzportrait

III. Carolines literarische Unternehmungen aus ihrer eigenen Sicht
III.1 Literarische Unternehmungen
III.2 Carolines Selbstdarstellung

IV. „Man schätzt ein Frauenzimmer nur nach dem, was sie als Frauenzimmer ist“

Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Über ein Gedicht von Schiller, das Lied von der Glocke, sind wir gestern Mittag fast von den Stühlen gefallen vor Lachen (…).“1 Diese spöttischen Äußerungen stammen aus einem Brief der Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling (1763-1809). Bei Caroline, Tochter des Göttinger Professors Michaelis, verwitwete Böhmer, geschiedene Schlegel, am Ende glücklich verheiratete Schelling, handelt es sich um eine der interessantesten Frauenpersönlichkeiten ihrer Zeit. Die selbstbewusste Frau, deren Leben keineswegs in geraden Bahnen verlief und einige Schicksalsschläge mit sich brachte,2 war eine überaus fleißige Briefeschreiberin. Mehrere hundert Briefe - entweder von ihr selbst geschrieben, oder aber an sie adressiert - sind gewissermaßen als ihr Nachlass erhalten geblieben. Ihre zahlreichen Briefe erlauben uns dabei nicht nur Einblicke in die Ereignisse und die Gesellschaft um die Jahrhundertwende 1800, sondern zeugen in besonderem Maße von den Tätigkeiten Carolines als Übersetzerin und Rezensentin. Sie korrespondierte unter anderem mit Goethe, Schiller, Fichte und Novalis, um nur einige berühmte Namen aus ihrem Umfeld zu nennen. Um diese und weitere intellektuelle Köpfe formierte sich der sogenannte Jenaer Kreis, aus dem heraus sich die Romantik in Deutschland entwickelte. Caroline war mittendrin - und prägte mit ihren Beiträgen die Frühromantik.3

Mehrere Biographien über Caroline Schlegel-Schelling4 wurden in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht. Auch sind verschiedene Sammlungen ihrer Briefe erschienen, die von den jeweiligen Herausgebern häufig mit einem Vorwort im Stile einer kurzen Biographie eingeleitet werden.

Dabei bemühen sich die Autoren im Allgemeinen sehr darum, das Leben Carolines umfassend abzubilden und nicht bloß auf einzelne Lebensabschnitte oder bestimmte Facetten ihrer Person zu fokussieren. Gleich zwei dieser Biographien wurden erst im Jahre 2013 veröffentlicht, anlässlich zu Carolines 250. Geburtstag. Die Werke Caroline Schlegel- Schelling - Das Wagnis der Freiheit von Appel5 und Ein freies Frauenzimmer - Caroline Schlegel-Schelling von Sichtermann 6 stellen Caroline als selbstbewusste, emanzipierte Frau dar, die zeitlebens danach strebte, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Damit zeichnen die Autorinnen kein neues Bild von der Hauptakteurin, sondern knüpfen an Altbekanntes an. Die Thematik der Freiheit und Selbstverwirklichung bildet immer wieder einen wichtigen Ansatzpunkt in der Forschung über Caroline Schlegel-Schelling. Freiheit und Selbstbestimmung waren für eine Frau im ausgehenden 18. Jahrhundert noch längst keine Selbstverständlichkeit, geradezu unerhört, und eben deshalb erregt Caroline seit jeher ein besonderes Aufsehen und Interesse in der Forschung. „Ihr sechsundvierzigjähriges Leben war der sechsundvierzig Jahre währende Kampf einer Frau um ihre Selbstverwirklichung“7 formuliert es Kleßmann schon 1975. An diesem Leitgedanken orientieren sich auch die anderen Autoren der Caroline-Biographien seit Mitte der 1970er Jahre bis hin zur neuesten Forschung.

Im Übrigen steht das Leben der Caroline Schlegel-Schelling häufig im Fokus der Forschungen von Germanisten und Literaturwissenschaftlern.8 Dies ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass Caroline, gemeinsam mit den Intellektuellen des Jenaer Kreises, die Romantik in Deutschland begründete.9 Wer also nach der Entstehung der Romantik sucht, wird an Caroline nicht vorbeikommen. Teilweise verlieren die Autoren in ihren Caroline-Biographien die zentrale Figur - Caroline selbst - aus dem Blick und rücken in manchem Kapitel die Frühromantik und die zugehörige Philosophie ins Zentrum ihrer Forschungen.10 Einige Autoren gehen außerdem der Frage nach, wieso Caroline überhaupt Briefe schrieb und welcher literarische Stellenwert ihren Briefen beizumessen ist.11 Wenn es um speziellere Fragestellungen geht, so findet Caroline Schlegel-Schelling häufig Beachtung als Nebenfigur in der Forschung zu den Brüdern Schlegel und ihren Zeitschriften. Caroline wird hierbei als wichtige Mitarbeiterin und vertraute Beraterin angesehen, die jedoch lediglich im Hintergrund wirkte.12 Auch als Angehörige der sog. Göttinger Universit ä tsmamsellen wurde die gebürtige Caroline Michaelis schon in den Blick genommen.13 In der älteren Forschung wurde Caroline zunächst nur im Zusammenhang mit der Romantik betrachtet. Zum ersten Mal erfuhr ihre Persönlichkeit Würdigung in einem Essay von Ricarda Huch um 1899/190aik. Dennoch betrachtet Susman, im Gegensatz zu den moderneren Biographen, nur diesen Teilaspekt aus dem Leben Carolines. Auffällig ist, dass es zumeist Frauen sind, die sich Caroline Schlegel- Schelling widmen.

Caroline Schlegel-Schelling fand somit schon recht umfassend, aber nicht abschließend, Beachtung in der Forschung. Bislang eher unvollständig ist eine genauere Untersuchung der Tätigkeiten Carolines als Übersetzerin, Rezensentin und Kritikerin aus ihrer eigenen Sicht. Eine Analyse Carolines eigener Bewertung ihrer literarischen Unternehmungen kann gut dazu beitragen, die tatsächliche Leistung dieser Frau und ihre Bedeutung für die deutsche Geistesgeschichte tiefer zu ergründen. Kleßmann sowie Roßbeck liefern einige erste Ansätze zu einer Betrachtung Carolines als (Literatur-) Wissenschaftlerin.16 Dies erweist sich jedoch als recht schwierig aufgrund der gegen Ende des 18. Jahrhunderts noch nicht vollends erfolgten Ausdifferenzierung der Wissenschaften,17 insbesondere im Hinblick auf die Geisteswissenschaften. Daher umreißen die genannten Autoren vorwiegend die allgemeinen gesellschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen selbstständig und wissenschaftlich arbeitende Frauen im ausgehenden 18. Jahrhundert konfrontiert waren, ohne präzise auf die Person Caroline Schlegel-Schelling einzugehen. Dennoch kann an dieser Stelle angesetzt werden, um Carolines Tätigkeiten eingehender zu betrachten.

[...]


1 Caroline an Auguste, Jena, 21. Okt. 1799, in: Damm, Sigrid (Hrsg.): >>Lieber Freund, ich komme weit her schon an diesem frühen Morgen<< Caroline Schlegel-Schelling in ihren Briefen. Darmstadt und Neuwied 1980 (= Sammlung Luchterhand 303), S. 190.

2 Vgl. Damm: Caroline Schlegel-Schelling in ihren Briefen, S. 18 ff.

3 Vgl. ebd., S. 10.

4 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird Caroline zumeist mit den Namen ihrer beiden letzten Ehemänner benannt (sofern nicht nur der Vorname benutzt wird), wie es in der Forschungsliteratur am geläufigsten ist. Ohnehin wird hier schwerpunktmäßig der Zeitraum dieser beiden Ehen betrachtet, insofern ist diese Benennung passend.

5 Appel, Sabine: Caroline Schlegel-Schelling. Das Wagnis der Freiheit. München 2013.

6 Sichtermann, Barbara: Ein freies Frauenzimmer. Caroline Schlegel-Schelling. Berlin 2013 (= blue notes 49). Anm.: Sichtermann veröffentlichte ebenfalls einen schönen Artikel über Caroline Schlegel-Schelling in der Zeit; Sichtermann, Barbara: Die Frau, die einzig war, in: Die Zeit 35 (2009) [Online-Fassung]; URL: http://www.zeit.de/2009/35/A-Caroline; zuletzt aufgerufen am 18.11.2013, 12:09 Uhr. Barbara Sichtermann ist Publizistin und Schriftstellerin, aber keine studierte Historikerin. Sie hat zwar einen unterhaltsamen Schreibstil, doch fehlt in ihren Veröffentlichungen ein wenig die sachgemäße und präzise Argumentation anhand der Quellen. Im Gegensatz dazu arbeitet die Historikerin Roßbeck in ihrer ebenso gut zu lesenden Caroline-Biographie sehr quellenorientiert; vgl. Roßbeck, Brigitte: Zum Trotz glücklich. Caroline Schlegel-Schelling und die romantische Lebenskunst. München 2008.

7 Kleßmann, Eckart: Caroline. Das Leben der Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel- Schelling 1763-1809. München 1975, S. 22. Anm.: Kleßmanns Caroline-Biographie erschien 2009 in einer neuen, überarbeiteten Auflage, die sich allerdings überhaupt nicht in nennenswerten Aspekten von der ersten Auflage unterscheidet; vgl. Kleßmann, Eckart: „Ich war kühn, aber nicht frevelhaft." Das Leben der Caroline Schlegel- Schelling. Berlin 2009.

8 Neben Sichtermann beispielsweise Appel oder auch Damm. Bei dem Werk der letztgenannten Autorin handelt es sich nicht um eine Biographie, sondern um eine mit einem Essay der Herausgeberin eingeleitete Briefsammlung.

9 Vgl. Damm: Caroline Schlegel-Schelling in ihren Briefen, S. 10.

10 Beispielsweise Appel in ihrem Kapitel über Carolines Leben in Jena; vgl. Appel: Caroline Schlegel-Schelling, S. 153 ff.

11 Vgl. Damm: Caroline Schlegel-Schelling in ihren Briefen, S. 68-69; Sichtermann: Ein freies Frauenzimmer, S. 36ff.; Dischner, Gisela: Caroline und der Jenaer Kreis. Ein Leben zwischen bürgerlicher Vereinzelung und romantischer Geselligkeit. Berlin 1979 (= Wagenbachs Taschenbücherei 61), S. 87-88.

12 Vgl. beispielsweise Behler, Ernst: Die Zeitschriften der Brüder Schlegel. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Romantik. Darmstadt 1983.

13 Vgl. Kleßmann, Eckart: Universitätsmamsellen. Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik. Frankfurt a.M. 2008.

14 Vgl. Kleßmann: Caroline, S. 279. Anm.: Das Werk von Huch über die Romantik war ursprünglich in zwei Bücher gegliedert (Blütezeit der Romantik, Ausbreitung und Verfall der Romantik), erschien dann später als Gesamtband: Huch, Ricarda: Die Romantik. Blütezeit, Ausbreitung und Verfall. Tübingen 1951.

15 Susman, Margarete: Frauen der Romantik. 1. Aufl., Frankfurt a.M. und Leipzig 1996. Anm.: Zum ersten Mal erschien die Monographie bereits 1929 und wurde seither mehrfach neu herausgegeben; vgl. dazu das Nachwort der hier zitierten Ausgabe.

16 Vgl. die Caroline-Biographien von Kleßmann (Caroline) sowie Roßbeck (Zum Trotz glücklich).

17 Vgl. Mommertz, Monika: Geschlecht als Markierung, Ressource und Tracer. Neue Nützlichkeiten einer Kategorie am Beispiel der Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit, in: Roll, Ch./Pohle, F./Myrczek, M. (Hrsg.): Grenzen und Grenzüberschreitungen. Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung. Köln/Weimar/Wien 2010 (= Frühneuzeit-Impulse 1), S. 582.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Die Selbstdarstellung der Caroline Schlegel-Schelling in der literarischen Öffentlichkeit um 1800. Erarbeitet aus ihren Briefen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Lehr- und Forschungsgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Institut der RWTH Aachen)
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
64
Katalognummer
V304582
ISBN (eBook)
9783668028142
ISBN (Buch)
9783668028159
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühromantik, Literaturgeschichte, Frauengeschichte, Frauen in den Wissenschaften, Aufklärung, Epochenumbruch 1800, Jenaer Kreis, August Wilhelm Schlegel, Joseph Schelling, Göttinger Universitätsmamsellen
Arbeit zitieren
Dipl. Gymnasiallehrerin Janina Vaupel (Autor), 2014, Die Selbstdarstellung der Caroline Schlegel-Schelling in der literarischen Öffentlichkeit um 1800. Erarbeitet aus ihren Briefen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304582

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