Die International Financial Reporting Standards werden mittlerweile in mehr als 100 Ländern von kapitalmarktorientierten Unternehmen angewandt. Entwickelt werden die IFRS innerhalb der privaten non-profit IFRS Foundation vom IASB. Das Hauptziel ist die Entwicklung eines hochqualitativen, global akzeptierten Standards, der Investoren und anderen Kapitalmarktteilnehmern hilft, ökonomische Entscheidungen zu treffen. Investoren und andere User von Financial Statements, wie z.B. Analysten, gelten als Hauptadressaten der IFRS.
Als private Organisation ohne Gesetzgebungsbefugnis oder staatlicher Legitimation ist es für die Legitimität der IFRS Foundation und deren Standards wichtig, eine möglichst weitreichende Partizipation ihrer Stakeholder bei der Entwicklung und Verbesserung der IFRS zu erreichen. Für den Prozess zur Entwicklung eines IFRS (Due Process) wurde eigens ein Handbuch entwickelt sowie ein Komitee gegründet, welches dessen Einhaltung überwacht. Der Due Process sieht dabei das Einbringen von Stakeholdern und deren Meinung an bestimmten Prozessstufen vor.
Es ist vor diesem Hintergrund von großem Interesse, inwiefern die genannten Hauptadressaten der IFRS wie Investoren und andere User von Abschlüssen, z.B. Analysten, sich bei der Entwicklung eines Standards einbringen und mitgestalten, sodass die von ihnen benötigten Informationen durch IFRS Abschlüsse vermittelt werden. Im Folgenden wird mit Fokus auf die Usergruppe der Analysten untersucht, inwieweit dies zutrifft, d.h. diese einen Beitrag zur (Fort-)Entwicklung der IFRS leisten. Dabei wird auch auf deren generelle Rolle und Tätigkeit am Kapitalmarkt eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die IFRS Foundation
2.1. Zielsetzung der IFRS Foundation
2.2. Aufbau der IFRS Foundation und ihrer Gremien
2.3. Sonderstellung der EFRAG durch den EU-Endorsement Prozess
3. Die Fortentwicklung der IFRS
3.1. Der IASB als Entwickler von IFRS Standards
3.2. Die User der IFRS
3.3. Der Due Process des IASB
3.4. Lobbying bei der Standardentwicklung und der IFRS Foundation
3.5. Mögliche Lobbymethoden eines IFRS und der IFRS Foundation
4. Analysten als Nutzergruppe der IFRS
4.1. Der Kapitalmarkt, Rechnungslegung und Analysten
4.2. Tätigkeit der Finanzanalysten am Kapitalmarkt
4.3. Rolle der Finanzanalysten am Kapitalmarkt
5. Die Rolle der Analysten bei der IFRS Fortentwicklung
5.1. Wissenschaftliche Untersuchungen zur User-Preparer Imbalance
5.2. Forschungsstand zur Einflussnahme von Analysten und Investoren
5.3. Forschung zu den Gründen erhöhter Partizipation der Ersteller
5.4. Theoretische Gründe für die Teilnahme von Analysten / Usern
5.5. Forschung zu den Gründen der geringen Analysten / User Teilnahme
6. Kritische Würdigung wissenschaftlicher Studien
7. Anekdotische Evidenz
8. Zusammenfassung
9. Anhang
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Finanzanalysten als zentrale Nutzergruppe von IFRS-Abschlüssen aktiv an der Fortentwicklung der Rechnungslegungsstandards mitwirken und welche Faktoren ihre Partizipation im "Due Process" beeinflussen, insbesondere im Vergleich zur aktiveren Gruppe der Bilanzersteller.
- Analyse der Strukturen der IFRS Foundation und des IASB Due Process.
- Untersuchung der Rolle und Tätigkeit von Finanzanalysten am Kapitalmarkt.
- Erforschung der Gründe für die "User-Preparer Imbalance" bei der Standardsetzung.
- Identifikation ökonomischer und theoretischer Motive für Lobbyaktivitäten.
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit formaler und informeller Partizipationsmethoden.
Auszug aus dem Buch
4.2. Tätigkeit der Finanzanalysten am Kapitalmarkt
Finanz- bzw. Wertpapieranalysten sammeln Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie dem Jahresabschluss und Quartalsberichten als auch aus nicht öffentlichen Quellen, wie bspw. in Meetings mit dem Management oder Analystenkonferenzen, in denen Manager freiwillig Angaben über die aktuelle und zukünftige Lage des Unternehmens machen. Sie analysieren die Finanzberichterstattung, bewerten die Performance von Firmen und untersuchen dabei eventuell die gewählten Rechnungslegungsmethoden, um über die Ertragskraft des Unternehmens und die Fähigkeit des Managements zu urteilen. Mögliche Bilanzierungstricks sollten einem erfahrenen Analysten auffallen und können, falls diese auffliegen, schnell zu einer Verkaufsempfehlung führen. Ergebnis ihrer Tätigkeit sind Kauf-, Halte- oder Verkaufsempfehlungen und Prognosen über zukünftige und auch finanzielle Entwicklungsmöglichkeiten eines Unternehmens bzw. eines Wertpapieres.
Analysten könnten als Informationsintermediäre somit einen Wertbeitrag leisten, indem sie die Angaben von Unternehmen untersuchen, ihre eigenen Veröffentlichungen herausgeben und eventuell Agency Kosten mindern. Ein Mehrwert durch seine Analysen, i.S. eines Informations- oder Wissensvorsprung eines Analysten gegenüber anderen Marktteilnehmern, kann zum Beispiel an dessen Finanzmarktkenntnissen, seiner Ausbildung, den Branchenkenntnissen oder dem direkten Kontakt mit dem Management liegen. Letzteres ist ein Beispiel für eventuell überlegene Möglichkeiten von Analysten an Informationen zu gelangen, durch eines ihnen teilweise nachgesagten breiten Informations- und Berufsnetzwerkes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in die Relevanz der IFRS und Darstellung der Forschungsfrage hinsichtlich der Beteiligung von Analysten an deren Entwicklungsprozess.
2. Die IFRS Foundation: Erläuterung der Zielsetzungen, des Gremienaufbaus und der besonderen Rolle der EFRAG im EU-Endorsement Prozess.
3. Die Fortentwicklung der IFRS: Detaillierte Betrachtung des IASB, des Due Process, der Stakeholder-Struktur und der verschiedenen Lobbymethoden.
4. Analysten als Nutzergruppe der IFRS: Untersuchung der ökonomischen Rolle von Analysten am Kapitalmarkt sowie ihrer Tätigkeit als Informationsintermediäre.
5. Die Rolle der Analysten bei der IFRS Fortentwicklung: Analyse der "User-Preparer Imbalance" und der theoretischen sowie empirischen Gründe für das unterschiedliche Beteiligungsverhalten.
6. Kritische Würdigung wissenschaftlicher Studien: Reflektion über die methodischen Grenzen empirischer Forschung zur Lobbyarbeit im Standardsetzungsprozess.
7. Anekdotische Evidenz: Zusammenstellung praktischer Gründe und Perspektiven von Analysten für eine geringe Teilnahme am Standardsetzungsprozess.
8. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Nutzerbeteiligung und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
IFRS Foundation, IASB, Due Process, Finanzanalysten, Lobbying, User-Preparer Imbalance, Kapitalmarkt, Rechnungslegung, Standardsetzung, Stakeholder, Informationsintermediäre, Partizipation, Comment Letters, Agency Theorie, Bilanzpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Partizipationsverhalten von Finanzanalysten bei der Entwicklung internationaler Rechnungslegungsstandards (IFRS) durch das IASB.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den Strukturen der IFRS Foundation, der Tätigkeit von Analysten am Kapitalmarkt und den Gründen für ihre (geringe) Teilnahme an Konsultationsverfahren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum Analysten trotz ihrer Rolle als Hauptadressaten der IFRS im Vergleich zu Bilanzerstellern weniger aktiv an der Standardsetzung mitwirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Studien zum Lobbying-Verhalten verschiedener Akteure im Standardsetzungsprozess.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Due Process, die Rolle von Analysten als "Gatekeeper", theoretische Ansätze für Lobbyaktivitäten und die empirischen Hintergründe der "User-Preparer Imbalance".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind IFRS, Due Process, User-Preparer Imbalance, Finanzanalysten, Lobbying und Stakeholder-Engagement.
Welche Rolle spielen "Comment Letters" in diesem Kontext?
Sie dienen als wichtigstes formales Instrument der Partizipation im Due Process, wobei die Arbeit kritisch hinterfragt, ob deren geringe Anzahl bei Analysten tatsächlich einen Mangel an Einfluss bedeutet.
Was macht die "Black Box" der Standardsetzung aus?
Der Begriff beschreibt, dass Lobbying oft informell und verdeckt stattfindet, was eine wissenschaftliche Messung des tatsächlichen Einflusses auf einen finalen Standard erheblich erschwert.
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- Anonym (Author), 2014, Die Rolle von Analysten bei der Weiterentwicklung der International Financial Reporting Standards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305290