Die Zahl der Pflegekinder in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Zum einen werden die betroffenen Kinder aus ihren gewohnten familiären Strukturen herausgerissen und zum anderen bedeuten die steigenden Zahlen der Inobhutnahmen eine enorm hohe finanzielle Mehrbelastung für den Staat.
Doch auch weitere wesentliche Faktoren spielen bei dem Thema Pflegschaft eine große Rolle, denn nicht jedes Pflegekind findet eine liebevolle Pflegefamilie. Nur wenn auch die Zahl der Pflegefamilien steigt, kann eine familiäre Unterbringung für die betroffenen Pflegekinder gewährleistet werden. Dazu kommt eine Vielzahl an Problemen, die berücksichtigt werden müssen. Es wird immer versucht, zugunsten des Kindes zu handeln und dabei unnötige „Übergangsunterbringungsmöglichkeiten“ zu vermeiden. Im günstigsten Fall soll das Kind nach der Perspektivklärung seine endgültige Unterbringung erhalten.
Pflege und Erziehung sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst obliegende Pflicht gemäß Artikel 6 GG i.V. mit § 1 SGB VIII. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. Die Aufgabe des Jugendamtes ist es, den Schutz eines jeden Kindes sicherzustellen. Überdies muss es in diesem Zusammenhang seiner Kontrollfunktion nachgehen, denn nicht alle Eltern sind in der Lage ihren Kindern ein harmonisches und angemessenes Leben sowie eine altersentsprechende Entwicklung und Förderung zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Projektfindung und Forschungsstand
2.1 Pflegekinder in Sachsen
2.2 Vorstellung des Forschungsprojektes
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Auswertungsmethode
3.2 Forschungsverlauf
3.3 ursprüngliche Vorgehensweise
4 Auswertung und Ergebnisse des Forschungsprojektes
4.1 Der Ansatz
4.1.1 Die Leitfragen
4.2 Das Pflegekind
4.2.1 Das Transkript
4.2.2 Das Interview mit Hanna Blum
4.3 Die Herkunftseltern
4.3.1 Das Transkript
4.3.2 Familie Müller/Lohse
4.3.3 Frau Grigat
4.3.4 Familie Liebl/Kaiser
4.4 zentrale Ergebnisse
4.5 Eindrücke des Forschungsprojektes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Hintergründe, die zur elterlichen Erziehungsunfähigkeit und einer damit verbundenen Fremdunterbringung von Kindern führen. Im Zentrum stehen dabei die Lebenssituationen der Herkunftsfamilien sowie die Perspektiven der betroffenen Kinder und die Rolle der staatlichen Jugendhilfe.
- Gründe für elterliches Versagen und Inobhutnahmen
- Die Lebenssituation von Herkunftsfamilien
- Bindungsproblematiken und soziale Milieus
- Rolle des Jugendamtes und Hilfsangebote
- Perspektive betroffener Pflegekinder
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Das Interview mit Hanna Blum
Das Interview fand in einem Café in F-Stadt statt. Da der Kontakt zu Hanna bereits bestand, war es eine angenehme und vertraute Situation. Die Gesprächsatmosphäre war sehr harmonisch, da sich Hanna uns gegenüber sehr offen und kommunikativ verhalten hat. Um einen ersten Einblick in ihr Leben zu bekommen, schilderte sie uns ihre Kindheit. Hanna hat kaum positive Erinnerungen an ihre Mutter, da sie seit Geburt an oft bei ihrer Tante Manja oder Oma war. Frau Blum hatte viele Männerbekanntschaften, sodass wenig Zeit für Hanna blieb. Nachdem ihr Vater die Mutter während der Schwangerschaft verlassen hat, geriet Frau Blum an einen falschen Freundeskreis und ertränkte ihren Schmerz und Kummer in Alkohol und später konsumierte sie sogar Drogen (Z. 3). Glücklicherweise ist Hanna davon nichts anzumerken. Sie ist kerngesund und hat keine bleibenden Schäden davon getragen. Sie sieht ihre Mutter laut ihren Angaben zweimal im Jahr, doch Frau Blum erkennt ihre eigene Tochter nicht mehr (Z. 34). Für Hanna ist ihre Mutter ein „Drogenjunkie“ (Z. 29) und auf der untersten Schicht der Gesellschaft angekommen. Im Nachhinein war die Entscheidung sich dem Jugendamt anzuvertrauen, laut ihren Angaben, das Beste, was ihr passieren konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg der Inobhutnahmen in Deutschland und stellt das rechtliche sowie soziale Spannungsfeld zwischen dem Kindeswohl und der elterlichen Erziehungspflicht dar.
2 Projektfindung und Forschungsstand: Hier werden die Motivation für das Projekt aus Praktikumserfahrungen sowie der aktuelle Wissensstand zur Situation von Pflegekindern und Herkunftsfamilien dargelegt.
3 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse als Instrument zur Auswertung der Interviews und beschreibt den Verlauf der Forschungsplanung.
4 Auswertung und Ergebnisse des Forschungsprojektes: Das Hauptkapitel präsentiert die Interviewergebnisse mit Pflegekindern und Herkunftseltern, analysiert spezifische Fallbeispiele und leitet daraus zentrale Gründe für Inobhutnahmen ab.
Schlüsselwörter
Pflegekinder, Erziehungsunfähigkeit, Inobhutnahme, Jugendamt, Herkunftsfamilien, Fremdunterbringung, Drogenproblematik, Sozialarbeit, Kindeswohl, Bindungsabbrüche, Lebenssituation, qualitative Inhaltsanalyse, Elternschaft, Vernachlässigung, Familiensystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen psychosozialen und gesellschaftlichen Gründe, warum Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu erziehen, was letztlich zur staatlichen Fremdunterbringung in Pflegefamilien führt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen für Kindeswohlgefährdung, der Rolle von Suchtproblematiken und sozialen Belastungen sowie den Auswirkungen dieser Umstände auf die kindliche Entwicklung und Eltern-Kind-Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, tiefere Einblicke in die Problemlagen von Herkunftsfamilien zu gewinnen, um besser zu verstehen, welche Faktoren das "Versagen" in der Erziehung begünstigen und wie professionelle Hilfeansätze wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt, um die in den persönlichen Interviews gewonnenen Daten systematisch auszuwerten und die Forschungsfrage zu beantworten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst detaillierte Fallstudien zu verschiedenen betroffenen Familien und einem Pflegekind, deren Transkripte analysiert werden, um die individuellen Gründe für die Inobhutnahmen herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Inobhutnahme, Fremdunterbringung, Erziehungsunfähigkeit, Kindeswohl, Drogenproblematik und die Unterstützung durch das Jugendamt.
Welche Rolle spielt die Drogensucht in den analysierten Fällen?
Die Suchtproblematik wird als ein häufiger Faktor identifiziert, der bei den leiblichen Eltern zu einer Vernachlässigung der Grundbedürfnisse der Kinder führt und die Erziehungsfähigkeit massiv einschränkt.
Inwieweit beeinflusst die eigene Kindheit der Eltern deren Erziehungsstil?
Die Arbeit verdeutlicht, dass viele der befragten Eltern selbst aus schwierigen Verhältnissen kommen und traumatische Kindheitserfahrungen sowie erlernte, oft gewaltgeprägte Verhaltensmuster an ihre eigenen Kinder weitergeben.
- Quote paper
- Julia Zander (Author), Josy Theile (Author), 2014, Warum werden Kinder zu Pflegekindern? Die Gründe für das elterliche Versagen bei der Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305396