Interkulturelle Kommunikation, Nähe und Distanz in der professionellen Beziehung zu Klienten in der Wohnungslosenhilfe sind Aspekte, die im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Dabei wird der Rahmen einer reinen Worterklärung gesprengt und jedes Kapitel enthält neben der Bestimmung der Begriffe einen Anteil der thematischen Erörterung.
Daraufhin folgt die Einführung ins systemische Denken. Aufbauend wird eine passende wissenschaftliche Herangehensweise zur Anwendung vorgestellt. Der konstruierte Fall von Herrn Grünwald beschreibt den Beginn eines Hilfeprozesses in der Wohnungslosenhilfe. An diesem Beispiel wird die vorgestellte wissenschaftliche Betrachtungsweise angewendet und mündet in der Darstellung einiger Ressourcen, die Herrn Grünwald zur Verfügung stehen. Davon ausgehend wird das Spannungsfeld beleuchtet, in dem sich die Beziehung zwischen professionellen Mitarbeitern der Wohnungslosenhilfe und ihren Klienten bewegt.
Im Fazit sind ausgewählte Empfehlungen an Professionelle aufgelistet.
Die vorliegende Erarbeitung ist für professionelle Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe gedacht, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeit zu hinterfragen und ihre berufliche Identität zu reflektieren. Sie kann auch dazu dienen, interessierten Studenten der Sozialen Arbeit einen Einblick ins Handlungsfeld der Wohnungslosenhilfe zu eröffnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Interkulturelle Kommunikation
2.1 Betrachtung von Kultur
2.2 Betrachtung von Kommunikation
2.3 Sprache: Kommunikationsmittel und Kulturstifter
2.4 Schlüsselrolle Dolmetscher
3 Nähe und Distanz
4 Professionelle Beziehung
4.1 Das Doppelmandat in der Sozialen Arbeit
4.2 Professionelle Beziehung im Beratungskontext
4.3 TZI: eine Methode für Gesprächskontexte
5 Klienten in der Wohnungslosenhilfe
6 Zugänge für die wissenschaftliche Betrachtung
6.1 Der Ansatz der Systemtheorie
6.2 Das »Ökologische Modell« nach Urie Bronfenbrenner
7 Anwendung im Praxisfall
7.1 Fall: Herr Grünwald findet ins Hilfesystem
7.2 Fallbetrachtung mit dem »Ökologischen Modell«
7.3 Handlungsansätze für Herrn Grünwald
7.4 Im Spannungsfeld zwischen Klienten und Professionellen
8 Fazit: Empfehlungen an Professionelle
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Dynamik von interkultureller Kommunikation sowie Nähe und Distanz in der professionellen Beziehungsarbeit mit Wohnungslosen, um Mitarbeitern des Hilfesystems Impulse zur Reflexion ihrer beruflichen Identität und Praxis zu geben.
- Interkulturelle Kommunikation und Kulturbegriffe
- Nähe-Distanz-Dynamik in der professionellen Beziehung
- Systemische Betrachtungsweisen nach Urie Bronfenbrenner
- Fallbeispielbasierte Analyse eines Hilfeprozesses
- Rolle des Professionellen als »Dolmetscher« und Begleiter
Auszug aus dem Buch
7.1 Fall: Herr Grünwald findet ins Hilfesystem
Herr Grünwald hat seine Wohnung verloren. Drei Monate lebte er bei Freunden. Das geht nun nicht mehr. Herr Grünwald erfährt im Bereich Soziales im Rathaus von der Möglichkeit einer zugewiesenen Unterbringung. Diese nimmt er an und bekommt ein Bett, einen Schrank sowie einen Stuhl am Tisch in einem Doppelzimmer; sanitäre Einrichtungen und Küche gibt es zur gemeinschaftlichen Nutzung mit anderen. Der Sondermietvertrag »Zuweisung« ist zunächst befristet für drei Monate. Ein Team aus professionellen Mitarbeitern der Wohnungslosenhilfe steht Herrn Grünwald beratend und als Begleitung zur Verfügung. Herr Grünwald ist 46 Jahre alt. Er hat nach dem Realschulabschluss Bautischler gelernt und lange Jahre auf Montage gearbeitet. Er redet nicht gern und versteht die Formulierungen von Juristen und Ämtern nicht. Herr Grünwald ist geschieden und hat ein Kind. Er behielt nach der Scheidung die Wohnung.
Als Herr Grünwald 38 Jahre alt war, hatte er einen Arbeitsunfall. Danach konnte er zwar wieder arbeiten, bekam aber regelmäßig Sehnenscheidenentzündungen, war wiederholt lange krank und verlor daraufhin seine Arbeitsstelle. Nach dem Auslaufen des Arbeitslosengeldes fand er sich im Jobcenter wieder. In die Eingliederungsvereinbarung wurden ihm monatlich fünf Bewerbungen eingetragen. Er sprach bei allen Baufirmen vor und musste regelmäßig frustriert gehen. Das Geld für seinen Lebensunterhalt und für Geschenke an sein Kind wurde schnell knapp. Herr Grünwald überwies seine Miete manchen Monat nur anteilig und konnte die Nebenkostenabrechnung nicht fristgerecht begleichen. So sind Mietschulden entstanden. Der Vermieter hat an der Wohnung die Schlösser gewechselt. Nun sind alle wichtigen Papiere in der Wohnung zurückgeblieben. Weil Herr Grünwald versäumte die Weiterbewilligung zu beantragen, ist das Geld zur Sicherung des Lebensunterhaltes ausgelaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Aufbau der Arbeit entlang des Titels und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand des Fallbeispiels Herrn Grünwald.
2 Interkulturelle Kommunikation: Dieses Kapitel definiert Kultur und Kommunikation als Basisthemen, wobei Sprache als prägendes Medium und der Professionelle als interkultureller Dolmetscher fungieren.
3 Nähe und Distanz: Hier wird das Spannungsfeld zwischen Nähe und Abgrenzung als zentrale Dynamik in der Sozialen Arbeit auf Basis theoretischer Ansätze wie der von Hans Thiersch beschrieben.
4 Professionelle Beziehung: Das Kapitel beleuchtet das Doppelmandat der Sozialen Arbeit sowie die Bedeutung einer wertschätzenden Haltung und Methoden wie die TZI für die Beziehungsgestaltung.
5 Klienten in der Wohnungslosenhilfe: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen und die Lebensrealitäten der Zielgruppe definiert sowie der Begriff des Klienten im Kontext der Wohnungslosenhilfe eingegrenzt.
6 Zugänge für die wissenschaftliche Betrachtung: Einführung in systemische Denkansätze und das ökologische Modell nach Urie Bronfenbrenner als Werkzeuge zur Analyse sozialer Kontexte.
7 Anwendung im Praxisfall: Anwendung der theoretischen Modelle auf den Fall Herrn Grünwald, inklusive Systemanalyse, Handlungsoptionen und Erörterung des professionellen Spannungsfeldes.
8 Fazit: Empfehlungen an Professionelle: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert Thesen zur Weiterentwicklung der Kommunikationskompetenz und professionellen Reflexion.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Nähe und Distanz, Wohnungslosenhilfe, Professionelle Beziehung, Systemtheorie, Ökologisches Modell, Soziale Arbeit, Fallmanagement, Kommunikationskompetenz, Doppelmandat, Beratung, Kulturdolmetscher, Systemische Praxis, Identität, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen und Dynamiken in der professionellen Beziehungsarbeit mit Wohnungslosen, wobei der Schwerpunkt auf interkultureller Kommunikation sowie dem Spannungsfeld von Nähe und Distanz liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Kommunikation und Kultur, das systemische Verständnis von sozialen Problemlagen sowie die methodische Gestaltung professioneller Beratungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, professionellen Mitarbeitern in der Wohnungslosenhilfe Anregungen und Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Arbeit zu hinterfragen und ihre berufliche Identität sowie ihre Beziehungsgestaltung zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt systemische Theorien, insbesondere das »Ökologische Modell« nach Urie Bronfenbrenner, um komplexe Hilfeprozesse strukturiert zu analysieren und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Begriffe (Kommunikation, Kultur, Nähe/Distanz, professionelle Beziehung), die Einführung systemischer Konzepte und deren Anwendung auf ein konstruiertes Fallbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie interkulturelle Kommunikation, Systemtheorie, professionelle Beziehungsgestaltung und Reflexion in der sozialen Arbeit beschreiben.
Welche Rolle spielt der »Dolmetscher« im Kontext dieser Arbeit?
Der Begriff »Dolmetscher« wird metaphorisch für die Aufgabe des Professionellen verwendet, zwischen unterschiedlichen kulturellen Systemen – wie Ämtern, Lebenswelten von Klienten und fachlichen Anforderungen – zu vermitteln.
Warum wird das Fallbeispiel Herrn Grünwald so detailliert analysiert?
Die detaillierte Fallanalyse dient dazu, die theoretischen Ansätze, insbesondere die verschiedenen Systemebenen (Mikro- bis Makrosysteme), praxisnah zu veranschaulichen und Handlungsspielräume aufzuzeigen.
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- H. Christoph Geuder (Author), 2015, Nähe und Distanz in der professionellen Beziehung zu Klienten in der Wohnungslosenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305879