Das Trajektkonzept. Zum Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten und dem Einfluss der beteiligten Akteure auf die Verlaufskurve


Referat (Ausarbeitung), 2014
9 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Trajektkonzept

2. Der Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten
2.1. Phasen

3. Einfluss der beteiligten Akteure auf die Verlaufskurve

4. Schlussbetrachtung

5. Literatur

1. Das Trajektkonzept

Das Trajektkonzept, oder auch das Krankheitsverlaufskurvenkonzept, wurde von dem Soziologen Anselm Strauss und der Pflegewissenschaftlerin Juliet Corbin erstmals seit Beginn der 1960er Jahre aufgegriffen und entwickelt. Es befasst sich mit der Bewältigung chronischer Krankheiten, welche die Betroffenen und deren Umfeld leisten müssen. Es stellt ein interaktionistisch- biografisches Konzept zur Beschreibung der Entstehung, des Verlaufs und möglicher Übergänge von chronischen Krankheiten dar (vgl. Corbin u.a. 2009: 55 ff.).

Im Folgenden sollen die beiden Hauptaspekte des Trajektkonzeptes näher erläutert werden. Der erste befasst sich dabei mit dem Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten, welche nach Anselm Strauss in bestimmten Phasen verläuft. Da das Konzept den Verlauf chronischer Krankheiten als „… intersubjektiv (und interaktiv) gesteuerte und gestaltete Prozesse…“ (Corbin u.a. 2009: 65) versteht, ergibt sich hieraus der anschließend dargestellte zweite zentrale Aspekt: Der Einfluss der beteiligten Akteure auf die Verlaufskurve (vgl. Corbin u.a. 2009).

2. Der Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten

Um darzustellen wie das Phänomen des Verlaufs einer chronischen Krankheit sich über eine bestimmte Zeit entwickelt, unterteilt Anselm Strauss den Verlauf chronischer Krankheiten in neun Phasen. Diese Phasen können als formgebend für eine solche Krankheitsverlaufskurve betrachtet werden. Kennzeichnend für chronische Krankheiten ist, dass diese nicht heilbar sind, weshalb sie dauerhaften Charakter haben und entsprechend durch langfristige Krankheitsverläufe gekennzeichnet sind. Wichtig zu erwähnen, in Bezug auf die im Folgenden dargestellten Phasen, ist allerdings, dass diese nicht gleichförmig verlaufen, sondern in einer je nach Krankheitsart verschiedenen Phasenfolge. Das heißt auch, dass die Phasen von Krankheit zu Krankheit sowohl in ihrer Abfolge, als auch in ihrer Dauer variieren. Somit durchläuft auch nicht jeder chronisch Kranke zwingend alle Phasen. Auch könnte beispielsweise ein Erkrankter mehrfach aufeinanderfolgende Krisenphasen durchleben, wohingegen bei anderen lange Phasen der Stabilität dominieren.

Also stehen die Phasen in permanentem Wechsel, wobei weder die Art des Wechsels, noch die Dauer der Phasen vorhersagbar ist.

Überdies sind die von Anselm Strauss erarbeiteten Phasen für alle chronischen Krankheiten gültig. Das heißt, sie richten sich nicht auf die spezifischen Merkmale einzelner Krankheiten, sondern auf die Unspezifischen, welche alle chronischen Krankheiten gemein haben (vgl. Corbin u.a. 2009: 62 - 67).

2.1. Phasen

Vortrajekt

Diese Phase bezieht sich auf die Zeit, bevor dem Betroffenen eine Diagnose über seine Krankheit gestellt wird. Besonders kennzeichnend in der Zeit vor der Manifestation einer chronischen Krankheit ist, dass zunächst keine Krankheitsanzeichen erkennbar sind, alsbald aber die ersten Symptome in Erscheinung treten. Dabei wird in der Regel vom Betroffenen versucht, diese zu normalisieren und kognitiv zu vermeiden (vgl. Corbin u.a. 2009: 65).

Dieses Verhalten erklärt sich daraus, dass chronische Krankheiten wohl in den wenigsten Fällen plötzlich aus dem Nichts auftauchen, sondern zumeist eine jahrelange Vorlaufzeit haben, innerhalb derer sich erst fast unauffällige körperliche Veränderungen und schließlich immer mehr Symptome einstellen. Zumeist handelt es sich dabei um irritierende Symptome, welche einzeln und in ihrer Gesamtheit für die Person nur schwerlich zuzuordnen sind. Aus diesem Grund wird oftmals versucht, diese zu verharmlosen und dementsprechend zu normalisieren, aus Ratlosigkeit und dem Bemühen die Situation in den Griff zu bekommen und zu kontrollieren. Die ständig wieder aufkommende innere Beunruhigung, dass irgendetwas nicht stimmt, wird immer wieder verdrängt und kognitiv vermieden, woraus sich auch das Aufschieben der Abklärung einer Diagnose über lange Zeit hinweg erklärt. Dieses abwartende Verhalten allerdings wird spätestens dann überfällig und untragbar, wenn die Symptome oder aber auch die Verunsicherung zu belastend werden. Zu diesem Zeitpunkt kommt es schließlich zur Kontaktaufnahme mit dem Versorgungswesen (vgl. Schaeffer u.a. 2009: 115).

Trajektbeginn

In dieser Phase kommt es, nach einer oft langwierigen und zermürbenden Zeit der Ungewissheit auf der Suche nach einer eindeutigen Abklärung der Krankheitsanzeichen, schließlich zu einer Diagnose. Hiermit beginnt nun die Verlaufskurve. Fast zeitgleich mit der ersten Erleichterung über das Ende der Ungewissheit, stellt sich bei dem Betroffenen ein schockartiger Zustand ein. Und „… fast immer zieht die Manifestation einer chronischen Krankheit zahlreiche existenzielle Irritationen nach sich, die alle Bereiche des Lebens tangieren“ (Schaeffer u.a. 2009: 116)(vgl. Schaeffer u.a. 2009: 116).

Krise

In vielen Fällen kommt es bei der Abklärung der Diagnose zeitgleich zu einer krankheitsbedingten Krise. Diese hat für den Erkrankten typischerweise einen lebensbedrohlichen Charakter, weshalb sie von ihm nicht mehr autonom zu bewältigen ist. Aus diesem Grund ist an dieser Stelle eine Intervention der Gesundheitsprofessionen notwendig. Zugleich entfaltet sich in derlei Krisen das zuvor erst latente Verlaufskurvenpotential (vgl. Corbin u.a. 2009: 65). Die Erkrankten finden sich in der herkömmlichen Patientenrolle wieder und verhalten sich dementsprechend eher passiv (vgl. Schaeffer u.a. 2009: 116).

Akut

Die akuten Phasen eines chronischen Krankheitsverlaufs sind gekennzeichnet durch eine Zuspitzung der Krankheitssituation. Es können sowohl neue Symptome auftreten, als auch Komplikationen entstehen. Daher ist hier jeweils, aufgrund der massiven physischen und/ oder psychischen Beeinträchtigung des Erkrankten, eine sofortige Behandlung durch den Arzt, oder gegebenenfalls auch eine Klinikeinweisung erforderlich (vgl. Corbin u.a. 2009: 65).

(Re-) Stabilisierung

Diese Phase folgt oftmals den zuvor beschriebenen Phasen. So werden die Krankheitssymptome hier durch die Intervention der Gesundheitsprofessionen allmählich wieder unter Kontrolle gebracht. Der Erkrankte selbst findet sich in dem Bemühen sein gesundheitliches Gleichgewicht wieder herzustellen (vgl. Corbin u.a. 2009: 65).

Stabil

Sowohl die Krankheitssymptome, als auch der Krankheitsverlauf befinden nun unter Kontrolle und ermöglichen somit eine Renormalisierung des Lebens, trotz dem gegebenen Umstand einer chronischen Erkrankung (vgl. Corbin u.a. 2009: 65).

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Trajektkonzept. Zum Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten und dem Einfluss der beteiligten Akteure auf die Verlaufskurve
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes  (Fakultät für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Krankheit als Krise: Die biographische Bedeutung und Bewältigung chronischer Krankheit
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V306446
ISBN (eBook)
9783668055841
ISBN (Buch)
9783668055858
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trajektkonzept, entwicklungsverlauf, krankheiten, einfluss, akteure, verlaufskurve
Arbeit zitieren
Marion Brost (Autor), 2014, Das Trajektkonzept. Zum Entwicklungsverlauf chronischer Krankheiten und dem Einfluss der beteiligten Akteure auf die Verlaufskurve, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306446

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