Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Entwicklungen zu Beginn der klassischen Antike und der Entstehung der griechischen Demokratie in Athen. Gegenstand der Untersuchung ist der erste Perserzug, mit Schwerpunkt auf der Schlacht von Marathon. Es soll versucht werden die Bedeutung dieses griechischen Sieges für die attische Demokratie zu ermitteln.
Zunächst stellt sich die Arbeit hierbei die Frage, ob die siegreiche Schlacht für Athen ein identitätsstiftendes Ereignis war. Anschließend wird untersucht, welche Auswirkungen die politischen Reformen nach Marathon auf die Athenische Demokratie hatten. Als Hypothese wird zudem untersucht, was den Griechen bei einem persischen Sieg widerfahren wäre. Dieses Gedankenspiel wird hier trotz seiner spekulativen Natur ausgearbeitet. Anhand dieser Überlegungen soll die Aussage geprüft werden, ob die attische Demokratie bei Marathon verteidigt wurde.
Die weit verbreitete Auffassung, die Schlacht sei für das Abendland bis in die Neuzeit das bedeutendste Ereignis, soll hier hinterfragt werden. Der betrachtete Zeitraum wird eingegrenzt vom Schlachtjahr Marathons und erstreckt sich nicht über den zweiten Perserzug hinaus. Als kritisch gelesene Quelle für diese Ereignisse dient Herodot mit seinen Neun Büchern der Geschichte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1: Marathon als identitätsstiftendes Ereignis für Athen?
Kapitel 2: Reformen nach dem Ersten Perserzug
Kapitel 4: Was wäre wenn?
Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des ersten Perserzuges und insbesondere der Schlacht von Marathon für die Entwicklung und Festigung der attischen Demokratie. Dabei wird analysiert, inwieweit der Sieg als identitätsstiftendes Moment fungierte und welche politischen Reformen als direkte Reaktion auf die persische Bedrohung zu werten sind.
- Die Schlacht von Marathon als identitätsstiftendes Ereignis für Athen
- Die Bedeutung von Kulten und Monumenten für die attische Identität
- Die Auswirkungen der Persergefahr auf die Reformen der inneren Ordnung (Ostrakismos und Archontenlosung)
- Die Transformation der Rolle des Strategenamtes
- Kritische Reflexion über die historische Bedeutung der Schlacht im Kontext der westlichen Zivilisation
Auszug aus dem Buch
Kapitel 1: Marathon als identitätsstiftendes Ereignis für Athen?
Nach dem erfolgreichen Tyrannensturz und den kleisthenischen Reformen griffen die selbstbewussten Athener 498 v. Chr. in den ionischen Aufstand ein. Das Scheitern des Aufstandes stürzte die Athener in eine tiefe Verunsicherung, es war die erste große politische Schlappe der neu verfassten Bürgerschaft. Mit der zu erwartenden Strafexpedition durch die Perser, entschlossen sie sich zum Widerstand und setzten auf Miltiades und dessen Erfahrung mit den Persern. Der Sieg bei Marathon bestätigte diesen Weg und das Selbstvertrauen der Athener war wieder hergestellt. Die Bedeutung Marathons war für die Athener höher als für Persien. Es war ein kleines Wunder nach einer Reihe von Katastrophen, der Niederlage des ionischen Aufstandes, der Zerstörung Milets und dem Untergang von Eretria. Der Stolz auf den Sieg bei Marathon und die neue kleisthenische Ordnung als Voraussetzung für diesen, drückte sich aus in vielfältiger Weise. In diesem Kapitel soll anhand von Kulten und Monumenten, die in der Zeit kurz nach Marathon entstanden sind, die Bedeutung Marathons für eine attische Identität untersucht werden. Bestehende Kulte wurden im Sinne Marathons und der Polis umgedeutet und neue Kulte wurden erschaffen. Vor der Schlacht sollen sich die Heere Athens und Plataiais beim Tempel des Herakles vereint haben. Diesem wurde auch ein maßgebliches Eingreifen in das Kampfgeschehen zugunsten der Griechen zugeschrieben, so dass später die Herakleia, eine Sportveranstaltung in Marathon, nach Vorbild attischer Phylenverwaltung reorganisiert wurde. Dieses wurde so zum einem, sich über ganz Attika erstreckendem Fest und dreißig Jahre nach der Schlacht in ganz Griechenland berühmt. Mit der Reorganisation schaffte Athen zwei Ziele, man zeigte, der Heros griff in die Schlacht ein und steht auch jetzt hinter der neuen politischen Ordnung in Athen. Und zum anderen ersetzte die Veranstaltung lokale Identität und Kult, so dass der regional verehrte Heros Herakles vom Gott der Marathonier zum Gott aller Athener wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Perserkriege und die historische Fragestellung nach der Bedeutung des Marathon-Sieges für die Entwicklung der attischen Demokratie.
Kapitel 1: Marathon als identitätsstiftendes Ereignis für Athen?: Untersuchung, wie Marathon durch Kulte und Denkmäler instrumentalisiert wurde, um eine gesamtattische Identität und den Stolz auf die kleisthenische Ordnung zu festigen.
Kapitel 2: Reformen nach dem Ersten Perserzug: Analyse der Einführung des Ostrakismos und der Losung der Archontenämter als direkte politische Anpassung an die Erfahrungen aus der Perserbedrohung.
Kapitel 4: Was wäre wenn?: Spekulative Betrachtung über die mögliche Entwicklung Athens unter persischer Herrschaft und Einordnung in den historischen Kontext.
Schlussbetrachtungen: Synthese der Ergebnisse, welche die Schlacht von Marathon eher als Katalysator für die Demokratisierung als deren Verteidigung wertet.
Schlüsselwörter
Marathon, Perserkriege, Athen, Demokratie, Isonomia, Ostrakismos, Miltiades, Herodot, Identität, Kleisthenische Reformen, Schlacht, Polemarchos, Strategenamt, Erinnerungskultur, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des ersten Perserzuges und der Schlacht von Marathon für die Entstehung und Transformation der attischen Demokratie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Konstruktion einer attischen Identität nach dem Sieg bei Marathon, die darauf folgenden Reformen des politischen Systems sowie die kritische Reflexion über die Bedeutung der Schlacht für das Machtgefüge des antiken Griechenlands.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu ermitteln, ob die attische Demokratie durch Marathon verteidigt wurde oder ob die Schlacht vielmehr einen Reformschub innerhalb des griechischen Staatswesens auslöste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf der Auswertung des Geschichtswerkes von Herodot sowie moderner Sekundärliteratur zu den Perserkriegen und der antiken Demokratie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kulten und Denkmälern als identitätsstiftende Elemente, die Analyse von Verfassungsreformen wie der Einführung des Ostrakismos und ein kontrafaktisches Gedankenspiel zur persischen Bedrohung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Marathon, Isonomia, Ostrakismos, attische Demokratie, Kleisthenische Ordnung, Identitätsstiftung und Strategenamt.
Warum spielt die Einführung des Losverfahrens eine so große Rolle für die Demokratie?
Das Losverfahren galt als das demokratischste Mittel, um die Macht bedeutender Adelsfamilien zu begrenzen und eine gleichmäßige Repräsentation der verschiedenen Phylen in den Ämtern sicherzustellen.
Wie bewertet der Autor das "orientalistische Konstrukt" eines Ost-West-Gegensatzes?
Der Autor stuft dieses Konstrukt, wie es in mancher älterer Literatur zu finden ist, als historisch überholt und wissenschaftlich nicht haltbar ein.
- Arbeit zitieren
- Christian Schuldes (Autor:in), 2014, Der erste Perserzug und seine Bedeutung für die attische Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306599