Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Die Annäherung Deutschlands, Kanadas und der USA in ihrer Einbürgerungs- und Multikulturalismuspolitik

Title: Die Annäherung Deutschlands, Kanadas und der USA in ihrer Einbürgerungs- und Multikulturalismuspolitik

Term Paper , 2003 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sebastian Heinrich (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik wie sie in Deutschland betrieben wird, könnte kaum verschiedener sein von jener Kanada oder den USA. Auf der einen Seite steht die deutsche Kulturnation, die sich über Ausschließung definiert. Wem das Deutschsein nicht schon in den Genen steckt, der kann kein vollwertiger Staatsbürger werden. Im Multikulturalismus wird eine Art Zustand gesehen, dem es sich zu erwehren gilt. Auf der anderen Seite finden sich die USA und Kanada, zwei Staatsnationen die den Multikulturalismus zur politischen Ideologie erhoben haben und Immigranten zu Landsleuten mit vollen Rechten machen, wenn sie denn ein paar Bedingungen erfüllen.
So oder ähnlich ist der Tenor der meisten wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit Einbürgerung, Integration und Multikulturalismus in den drei Ländern beschäftigen. Doch bei genauerem Hinsehen fallen einige Widersprüchlichkeiten auf, die den Schluss nahe legen, dass die multikulturelle Praxis der drei Staaten in einigen Hinsichten so verschieden gar nicht ist. Diese Widersprüchlichkeiten möchte ich im Folgenden anhand einiger Texte zum Thema darlegen. Dabei gehe ich zunächst auf politische Theorie und Praxis von Einbürgerung und Multikulturalismus, sowie Rassismus und Diskriminierung in Deutschland, Kanada und den USA ein, um anschließend einige Parallelen zwischen den Staaten aufzuzeigen.
Zunächst möchte ich noch einige zentrale Begriffe meiner Arbeit klären. Unter Politik des Multikulturalismus werden hier nach Will Kymlicka „Vorgehensweisen auf verschiedenen Ebenen, mit denen der ethnokulturellen Identität und den Verhaltensformen von Einwanderergruppen Rechnung getragen werden soll“ (Kymlicka 1997/1999: 48) verstanden. Mit Ethnizität bezeichne ich nach Giddens „kulturelle Praktiken und Einstellungen, durch die sich eine Gemeinschaft von einer anderen unterscheidet“ (Giddens 1999: 232). Ethnische Unterschiede sind nicht angeboren, sondern erlernt. Ebenfalls wie Giddens verstehe ich den Minderheitenbegriff nicht rein im numerischen Sinn, Angehörige einer Minderheit sind vor allem benachteiligt gegenüber der Majorität.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Immigration und Einbürgerung

2.1. Annäherung trotz Differenzen

2.2. Kulturnation vs. Staatsnation?

2.3. Migranten und ihr „Nutzen“

2.4. Annäherung bei Formalitäten

3. Multikulturalismus

3.1. Der Exportschlager

3.2. Die liberalen Verfassungsstaaten und das Gleichheitsproblem

4. Diskriminierung und Rassismus

4.1. Die Gefahr für den Multikulturalismus

4.2. Rassistische Tradition und Gegenwart

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die vermeintlich strikten Gegensätze zwischen Deutschland, Kanada und den USA in Bezug auf ihre Einbürgerungs- und Multikulturalismuspolitik kritisch zu hinterfragen und Parallelen in deren aktueller politischer Praxis aufzuzeigen.

  • Vergleich der Konzepte von Kulturnation und Staatsnation.
  • Analyse der ökonomischen und sozialen Motivationen bei der Einwanderungspolitik.
  • Diskussion von Multikulturalismus als politisches Steuerungsinstrument.
  • Spannungsfeld zwischen liberalen Gleichheitsidealen und speziellen Gruppenrechten.
  • Untersuchung von Rassismus und Diskriminierung als Bedrohung für multikulturelle Gesellschaftsmodelle.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die liberalen Verfassungsstaaten und das Gleichheitsproblem

Allerdings beschreiten Kanada und die USA mit den „equity“ beziehungsweise „affirmative action“-Programmen einen Sonderweg, der inzwischen von verschiedenen Seiten stark kritisiert wird. Er sieht vor, Minderheiten als Ausgleich für strukturelle Diskriminierung und Verfolgung in der Vergangenheit, sowie noch immer bestehende Ressentiments, diverse Vorteile einzuräumen. Nicht mehr die Ausgangsbedingungen sollen für alle Bürger die gleichen sein, sondern die letztendlichen Resultate.

So bestehen Sonderprogramme und Quotenregelungen zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt und in den Universitäten, die dazu beigetragen haben, dass sich eine „solide schwarze Mittelklasse, die in vielen vormals weißen Berufssparten, etwa in Regierungsämtern, im Fernsehen, in den Universitäten und in der Armee zu finden ist“ (Ostendorf 1992: 853), herausgebildet hat. Etwas Vergleichbares ist in Deutschland nicht erkennbar. Allerdings, und hier liegt das Hauptproblem der „affirmative action“, mussten für die juristische Festlegung, wer in den Genus der Sonderprogramme kommen darf, erst einmal ethnische und rassische Kriterien definiert und Schranken aufgebaut werden. So wurde die Absicht, Differenzen zwischen den Ethnien abzubauen, ins Gegenteil verkehrt. Ein weiterer Effekt der „affirmative action“ ist die zunehmende Konkurrenz zwischen den Ethnien, die Verfestigung der Kategorie Rasse stimulierte eine „Welle ethnischen Stolzes“ (Ebd.: 855) und stärkte den Ethnozentrismus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Widersprüchen und Annäherungen in der Einwanderungspolitik der drei untersuchten Staaten dar.

2. Immigration und Einbürgerung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen wie das ius sanguinis und das ius soli diskutiert sowie die ökonomischen Interessen an Migranten beleuchtet.

3. Multikulturalismus: Es wird untersucht, wie sich Konzepte wie das „Anglo-Konformitätsmodell“ zu einer Politik des Multikulturalismus gewandelt haben und welche Konflikte dabei mit dem liberalen Gleichheitsideal entstehen.

4. Diskriminierung und Rassismus: Dieses Kapitel analysiert Xenophobie und strukturelle Diskriminierung als Phänomene, die trotz unterschiedlicher politischer Ansätze in allen drei Ländern den Multikulturalismus gefährden.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die strikte Trennung zwischen Deutschland als Kulturnation und den angelsächsischen Staatsnationen heute nicht mehr haltbar ist, da sich die Staaten politisch stark angenähert haben.

Schlüsselwörter

Multikulturalismus, Einwanderungspolitik, Staatsbürgerschaft, Kulturnation, Staatsnation, Affirmative Action, Rassismus, Diskriminierung, Gruppenrechte, Ethnizität, Integration, Liberaler Verfassungsstaat, ius sanguinis, ius soli.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht die Einwanderungs- und Integrationspolitik von Deutschland, Kanada und den USA, um aufzuzeigen, dass die Unterschiede zwischen diesen Nationen geringer sind als oft angenommen.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Staatsangehörigkeitsrechts, der politischen Ideologie des Multikulturalismus und dem Umgang mit Rassismus sowie Diskriminierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die häufig überhöhten Unterschiede in der Praxis der drei Staaten zu dekonstruieren und eine Annäherung bei den formalen und inhaltlichen Einbürgerungskriterien nachzuweisen.

Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?

Der Autor führt eine literaturgestützte Analyse politischer Theorien und praktischer Gesetzesänderungen durch, um die Situation in den drei Ländern in Beziehung zu setzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Einbürgerungsformalitäten, das Konzept des Multikulturalismus als Exportartikel sowie eine Untersuchung rassistischer Traditionen in den jeweiligen Ländern.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Begriffe wie Kulturnation gegenüber Staatsnation, ius sanguinis und ius soli sowie „affirmative action“ stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.

Warum wird „affirmative action“ als problematisch für den liberalen Staat angesehen?

Weil das Konzept zur Förderung benachteiligter Gruppen auf genau jene Kategorien wie Rasse und Ethnizität zurückgreift, die ein liberaler Staat im Sinne der Gleichheit eigentlich überwinden möchte.

Wie unterscheidet sich die deutsche Situation von der in den USA oder Kanada in Bezug auf Gruppenförderung?

Während in den USA und Kanada explizite Quotenprogramme existieren, beschränkt sich Deutschland aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit weitgehend auf die Förderung von Frauen und Behinderten.

Excerpt out of 13 pages  - scroll top

Details

Title
Die Annäherung Deutschlands, Kanadas und der USA in ihrer Einbürgerungs- und Multikulturalismuspolitik
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Theorien des Multikulturalismus
Grade
1,7
Author
Sebastian Heinrich (Author)
Publication Year
2003
Pages
13
Catalog Number
V30755
ISBN (eBook)
9783638319492
ISBN (Book)
9783638796774
Language
German
Tags
Annäherung Deutschlands Kanadas Einbürgerungs- Multikulturalismuspolitik Theorien Multikulturalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Heinrich (Author), 2003, Die Annäherung Deutschlands, Kanadas und der USA in ihrer Einbürgerungs- und Multikulturalismuspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30755
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  13  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint