Die Westfassaden der Notre Dame in Paris und in Laon. Eine vergleichende Betrachtung


Hausarbeit, 2011
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Im Visier
2.1 Einführung in den zeitgeschichtlichen Kontext
2.2 Zwei Architekturbeschreibungen
2.2.1 Paris
2.2.2 Laon

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis

Internetquellen:

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Westfassade der Kathedralen Notre Dame de Paris und Notre Dame de Laon. Beides sind Doppelturmfassaden. Erstere ist in den Jahren 1163 bis 1345 in dem Stil der Frühgotik erschaffen worden. Es ist der Sitz der Erzdiözese Paris und befindet sich in Paris im 4. Pariser Arrondissement auf der Seine-Insel Île de la Cité. Die Notre Dame de Laon hingegen entstand in etwa zwischen den 1150er- und 1250er-Jahren. Sie kommt der normannisch-frühgotischen Tradition nach und schaut von einem 100 Meter hohen Kalksteinfelsen über Laon herab.

Zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert galt die Kirche als das Himmlische Jerusalem der Erde, wonach das Bemühen bestand den Bau harmonisch, wohlproportioniert, rational zu gestalten. Geometrie als Gestaltungselement galt dabei als die Vollkommenheit Gottes.

Ob diese Ansprüche auch an die hier thematisierten Bauten gestellt wurden und wenn, in welcher Form dieses geschah, wird die Arbeit ermitteln. Dabei wird es wichtig sein ihre Architektur zu analysieren und den jeweiligen historischen, politischen und religiösen Kontext nicht zu vergessen. Klar ist, dass es immer unbegreiflich viele Faktoren gibt, die Gebäude wie diese während der vielen Jahre ihres Daseins beeinflusst und verändert haben. Doch würde es die Arbeit sprengen diese alle zu behandeln. Gegen Ende soll nicht vergessen werden den Einfluss der Bauwerke auf ihre architektonische Außenwelt zu beleuchten, um somit eine Vorstellung von ihrem kunsthistorischen Wert zu bekommen. Es ist festzustellen, dass es dabei nicht so sehr von Nutzen ist die beiden Fassaden untereinander zu vergleichen. Doch ergänzen es sich durch die Behandlung beider Objekte so, dass diese und ihre Bedeutung sich für den Betrachter besser erschließen lassen.

2 Im Visier

2.1 Einführung in den zeitgeschichtlichen Kontext

Klar ist, solche Kathedralenbauten sind nicht ohne Grund oder aus bloßer Freude entstanden. Leicht kann man das Gesamtkunstwerk verstehen, wenn man sich den Gebäuden nähert, ihrem Auftreten und ihrer Größe, und dabei die historischen, politischen und religiösen Umstände mit einbezieht. Nun ist es für das Verständnis einfacher nicht chronologisch zu verfahren, sondern die Pariser Umstände zuerst darzulegen. Seine Geschichte beginnt in der Feudalzeit als das Königtum Frankreichs stetig von einem Königshof zum nächsten wanderte, sodass es an Laon ging als die Karolinger im 9. Jahrhundert in Paris einzogen und wieder an Paris als es im 10. Jahrhundert unter den Kapetingern lag. Erst der demographischen Wandel und die ökonomische Expansion, sowie die Zentralisierung des Verwaltungssystems stärkten Paris. Ab da an war die Residenz des Königs auf der Seine-Insel in Paris errichtet. Zudem ging der König eine enge Bindung mit dem Papsttum und den kirchlichen Einrichtungen seiner Kommune ein, wovon die Geistlichen, sowie durch Entstehung der ersten europäischen Universität das Bildungswesen und somit die Stadt profitierte. Paris behauptete sein Status als Imperium von Frankreich.

Doch wie hing nun die Macht der Kirche mit der Flut an Kathedralenneubauten zusammen? „Das anzuschauende Werk, das zum Erkennen anregen und die Schönheit spüren lassen soll, ist durch die Werktätigkeit des Baumeisters und der Handwerker () geformt und bietet der Seele für ihren Aufstieg von der materiellen zur immateriellen Welt ein angemessenes Gehäuse, eine Stätte der geistigen Übungen.“1 Das soll verdeutlichen, in den Zeiten der starken Veränderung waren die Kathedralen ein Zeichen des Schutzes und Macht des Ewigen. Riten, Taten und Geld besaßen die Fähigkeit die Leute von ihren Sünden zu erlösen, so das damalige Bild. Auch Klostergründungen und Kirchbauten, sowie die Kreuzzüge gehörten dazu, denn „ganz in der Tradition wurden Weltliches und Kirchliches, Zeitliches und Ewiges zu einer Einheit verbunden und fanden sichtbaren Ausdruck in den Kathedralen, Klöstern und Kirchen.“2 Ab 1138 also kamen unter dem Zisterzienserabt die Klosterneubauten ins Rollen, was dem Orden zu einer höchst einflussreichen Macht und zur schnellen und überregionalen Verbreitung neuer Bautechnik und eines neuen Stils in Europa verhalf.

Notre Dame de Paris war zu dieser Zeit wichtig für das Auftreten des Königs, war wie eine politische öffentliche Bühne. Doch bestand der Bischofssitz aus drei alten und in ihrem Äußeren nicht mehr prächtigen Kirchen: die Notre Dame, die St. Etienne und die Taufkapelle St.-Jean-le-Rond. So beschloss man Notre Dame und St. Etienne zusammen zulegen. Da das Bauvorhaben damals noch in den Händen von königlichen Stiftern und hohe Amtsträgern der Kirche lag und Bischof Maurice de Sully (1160-1196) den Quellen nach erst durch Empfehlung des Königs in die Bischofsposition gekommen ist, so sind Anforderung und Größe des Baus, was überhaupt aufgrund der neuen architektonischen Techniken möglich war, Herrscher Ludwig VII. zu verdanken. Klar ist, dass demnach die Pariser Kathedrale mit dem Sinn gebaut wurde andere zu überbieten und die Macht des König zu repräsentieren. Bei genauerer Betrachtung ist festzustellen, dass Paris an vielen Stellen vorherige Bauten zitiert, unter anderem die Architektur der Kathedrale Laons.

Auch Laon blickt auf eine lange Geschichte. Noch bevor sich in Paris die Kapetinger behaupteten, fehlte es in der Champagne an Effizienz und Konstanz, sodass die Grafenschaften, die mit der Größe ihrer Gebiete an sich die meiste Macht besaßen, sich nach und nach vom Königshaus vereinnahmen ließen. Der Bischof von Laon erhielt allerdings zum Ausgleich Privilegien, die ihm eine souveräne Stellung erbrachten. 1106 gelang es Gaudri aus dem anglonormannischen Bereich diese Position einzunehmen, natürlich mit dem Wunsch Englands an mehr Macht zu kommen. Gaudri brachte somit nicht nur den anglonormannischen Feudalstil ein, sondern bezweckte damit, dass die auf Unabhängigkeit bedachte kirchliche Institution Laons ein Bündnis mit den anglonormannischen angrenzenden Bereichen einging. Das Volk in Laon stand dem Geistlichen aufgrund kommunaler Unabhängigkeit antikleristisch gegenüber. Für sie war aber die Wallfahrt ihrer Kathedrale von großer Bedeutung. So liegt sehr nahe, dass der Bischof die Laoner Kathedrale errichten ließ, um sich mit seinem Volk gut zu stellen. Die Laoner Gebiete waren sehr reich an Wein, was den anglonormannischen Gebieten, sowie der Stadt Laon selbst zu Gute kam. Zudem waren in Laon mit 84 fünf mal so viele Klerikerstellen wie in Paris. Demnach waren zumindest die Finanzen des Bauprojektes geklärt. Stellt sich nur die Frage, warum die Gestaltung der Kathedrale dann eher schlicht ausfiel. Die Geistlichen waren „Anhänger der gregorianischen Kirchenreform und Freunde der strengen Reformorden“3. Trotzdem entspricht sie dem Maßstab als Hauptkirche des Bistums.

Als man nun mit dem Bau der Pariser Westfassade begann, lag die Fertigstellung der St.-Denis-Fassade, ein sehr bedeutendes Bauwerk in der Geschichte der Gotik, bereits 60 Jahre und die der Kathedrale von Laon mittlerweile 10 Jahre zurück. Von 1190 bis 1225 wurden die unteren Geschosse der Westfassade, das vordere Drittel des Kirchenschiffs errichtet und beides miteinander verbunden, sowie die Königsgalerie angebracht. Von 1225 bis 1250 folgte die freie Galerie, die Turmgeschosse wurden errichtet und die oberen Fenster angepasst. Aus dieser Zeit sind Änderungen des Bauplans und erste Umbauten dokumentiert, wovon wohl die Entscheidung herrührt, den Türmen, die um die 1240er-Jahre fertiggestellt waren, keine Spitzen aufzusetzen. Der stadtkonstruktionelle Aufwand war enorm und sehr ungewöhnlich für damaligen Verhältnisse; ein Kirchenvorhof wurde geschaffen und die Rue Neuve-Notre-Dame als mächtigen Zugang angelegt, wurde doch die Kirche nun so in ihrer Erscheinungsform erst richtig inszeniert. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sämtliche figürliche Plastiken in einer großen Restaurierungsmaßnahme von dem Restaurator Eugène Viollet-le-Duc aufgearbeitet, weil sie alle zum Opfer der Revolutionäre 1792 geworden waren. Die Königsgalerie besonders, denn schon seit 1284 bestand der Irrglaube, es handele sich dabei um die französischen Könige.

Die Kathedrale von Laon wurde schließlich in den Jahren 1155-1235 an der Stelle erbaut, wo die frühere Basilika (aus dem 5. Jahrhundert) 1111/12 aufgrund einer Revolte abgebrannt war. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden bedeutende Verbesserungs- und Rekonstruktionsarbeiten an der Westfassade der Kirche vorgenommen. Ab 1853 begannen großen Restaurierungsmaßnahmen unter der Leitung von Emile Boeswillwald, welche erst um 1913 wirklich abgeschlossen waren.

Heute gilt das Gerichtsportal der Laoner Westfassade als die älteste Portalskulptur und in etwa nach den 1160er-Jahren eingeordnet.

2.2 Zwei Architekturbeschreibungen

2.2.1 Paris

Die ganze Portalzone drückt sich durch ihre Fülle und Feinheit an Bauplastiken aus. Das Besondere ist außerdem, dass ihre Fünfschiffigkeit hinter einer dreigegliederten Stirnwand Platz findet. Jedes der Portale ist durch links und rechts in die Wände eingestellte Figuren mehrfach gestuft. Die Portale unterliegen jeweils bestimmten Themen, nach denen sie auch benannt sind.

[...]


1 Binding, Günther: Was ist Gotik? Eine Analyse der gotischen Kirchen in Frankreich, England und Deutschland 1140 – 1350, Darmstadt 2000, S. 43.

2 Binding, Günther: Was ist Gotik? Eine Analyse der gotischen Kirchen in Frankreich, England und Deutschland 1140 – 1350, Darmstadt 2000, S. 39.

3 Kimpel, Dieter/ Suckale, Robert: Die gotische Architektur in Frankreich: 1130 – 1270, München 1985, S. 194.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Westfassaden der Notre Dame in Paris und in Laon. Eine vergleichende Betrachtung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kunstodie)
Veranstaltung
Architektur des Mittelalters
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V308197
ISBN (eBook)
9783668062689
ISBN (Buch)
9783668062696
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Notre Dame de Paris, Notre Dame de Laon, Architektur, Bildwissenschaft
Arbeit zitieren
Hilke Räuschel (Autor), 2011, Die Westfassaden der Notre Dame in Paris und in Laon. Eine vergleichende Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308197

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