Diese Arbeit betrachtet den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken im Kontext der Problematik der Aphasie.
Unabhängig von der Situation, in der wir uns gerade befinden, begegnen wir täglich der Sprache. Wir gebrauchen die Sprache in jeder Lebenssituation. Es ist uns aus der Selbstverständlichkeit heraus nicht bewusst, aber einen Tag ohne Sprache können wir uns nicht vorstellen. Die erschreckende Tatsache über den Verlust der Sprache stellt einen weitverbreiteten Irrtum dar. Es wird oft angenommen, dass die Betroffenen, die sich nicht mehr korrekt ausdrücken, zugleich nicht mehr richtig denken können. Dieser Irrtum soll anhand der Fragestellung über den Zusammenhang von syntaktischem Fehlverhalten und der inneren Sprache bei Broca-Aphasie diskutiert und insbesondere aufgezeigt werden, dass diese spezielle Sprachstörung, einer Denkstörung nicht gleichzusetzen ist.
Hierbei wird zunächst das für die Arbeit interessante Sprachzentrum lokaliseirt, demzufolge das Broca-Areal, im Gehirn. Es wird auf die Komplexität der inneren Sprache eingegangen und daraus schließlich Bezüge zu den pathologischen Abläufen bei Broca-Aphasikern hergestellt. Anschließend wird der Begriff der Syntax näher erklärt und im Bezug darauf den Agrammatismus, als klassisches Syndrom der Broca-Aphasie, erläutert. Weiterhin wird die Sprachverarbeitung bei Broca-Apahsien betrachtet und diese im Vergleich mit der Sprachverarbeitung bei „Gesunden“ analysiert. Außerdem werden die Versprecher, wie sie jedem von uns geläufig sind, mit den aphasischen Fehlern in Bezug gestellt, um eine Vorstellung davon zu erhalten, an welcher Stelle physiologische Mängel bei „Gesunden“, sowie auch bei Aphasikern auftreten können. Die Aphasie kann und darf einer Denkstörung nicht gleichgesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Einführung: Aphasie
2.1. Was steckt hinter dem Begriff Aphasie?
2.2. Aphasieformen
2.2.1. Die Broca-Aphasie
2.2.2. Die Wernicke-Aphasie
2.2.3. Die Amnestische Aphasie
2.2.4. Die Globale Aphasie
2.3. Exkurs: Schlaganfall (Apoplex)
3. Irrtümer
4. Der Zusammenhang zwischen Syntax und innerer Sprache bei Broca-Aphasikern
4.1. Lokalisation des Broca-Areals
4.2. Die Physiologie der inneren Sprache
4.3. Was ist das syntaktische Fehlverhalten?
4.4. Sprachverarbeitung bei Broca-Aphasie
4.5. Versprecher vs. aphasische Fehler
5. Sprache und Denken: eine Abschlussdiskussion
6. Sprachtherapie
6.1. Diagnostik
6.2. Ziele der Sprachtherapie
7. Interview mit Frau Voss
7.1. Schlussresümee
8. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das verbreitete Vorurteil, dass Aphasie – insbesondere die Broca-Aphasie – mit einer allgemeinen Denkstörung gleichzusetzen sei. Ziel ist es, durch die Analyse physiologischer Sprachverarbeitungsprozesse und den Vergleich mit natürlichen Versprechern aufzuzeigen, dass kognitive Fähigkeiten bei Aphasikern oft erhalten bleiben, auch wenn die sprachliche Artikulation stark beeinträchtigt ist.
- Aphasieformen und deren neurologische Grundlagen (insbesondere Broca-Aphasie)
- Zusammenhang zwischen Syntax, innerer Sprache und Sprachverarbeitung
- Unterscheidung zwischen Sprachstörung und kognitiver Denkstörung
- Vergleich von Alltagsversprechern mit aphasischen Sprachfehlern
- Methoden der Diagnostik und therapeutische Zielsetzungen
Auszug aus dem Buch
4.5. Versprecher vs. aphasische Fehler
Im Nächsten sollen ganz natürliche Versprecher, die uns tagtäglich begegnen, den aphasischen Fehlern gegenübergestellt und verglichen werden. Hierbei soll die Problematik der angeblichen Denkstörungen bei Aphasien noch einmal aufgegriffen und diskutiert werden.
Jeder von uns hat sich mindestens schon einmal in seinem Leben versprochen. Ob der Versprecher dem Umstand einer Situation oder der fehlenden Konzentration zuzuordnen ist, spielt keine Rolle. Wir alle kennen diese Momente, in denen wir etwas sagen wollen, aber wir, aufgrund von Nervosität oder Übermüdung zwei Worte völlig aus den Kontext reißen und zu einem Kauderwelsch verknüpfen. Das geschieht unbewusst und unbeabsichtigt und manchmal fällt uns der Fehler selbst gar nicht auf. Erst die Irritation unserer Zuhörer lässt uns darauf aufmerksam werden, andernfalls unser Gehör, welches uns sensibel auf das Gesagte reagieren lässt. Häufig amüsieren wir uns darüber und machen uns einen Spaß daraus, die Wortneuschöpfung als eine erheiternde Erinnerung in unseren allgemeinen Sprachgebrauch miteinzubeziehen. Dadurch würden wir dennoch unser Gegenüber niemals in seiner Intelligenz degradieren. Fehler machen und Irren ist, wie es so schön heißt, menschlich.
Nicht anders verhält es sich mit den aphasischen Fehlern oder wie man sie außerdem nennen könnte, aphasische Versprecher. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Versprecher bei Aphasikern stark gehäuft auftreten und den Betroffenen verzweifeln lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Aphasie nach einem Schlaganfall und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der angeblichen Denkstörung.
2. Allgemeine Einführung: Aphasie: Definition und Kategorisierung der Aphasieformen sowie ein Exkurs zu den neurologischen Ursachen eines Schlaganfalls.
3. Irrtümer: Erörterung des Vorurteils, dass betroffene Personen aufgrund ihrer Sprachstörung auch kognitiv eingeschränkt seien.
4. Der Zusammenhang zwischen Syntax und innerer Sprache bei Broca-Aphasikern: Detaillierte Analyse des Broca-Areals, der Physiologie der Sprache, syntaktischer Defizite und ein Vergleich von Sprachfehlern.
5. Sprache und Denken: eine Abschlussdiskussion: Theoretische Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit Denken und Sprache voneinander trennbare Funktionen sind.
6. Sprachtherapie: Überblick über diagnostische Verfahren und die therapeutische Zielsetzung zur Verbesserung der Lebensqualität.
7. Interview mit Frau Voss: Auswertung eines Fachgesprächs mit einer Logopädin zur praktischen Einordnung der Broca-Aphasie.
8. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Aphasie, Broca-Aphasie, Schlaganfall, Sprachstörung, Denkstörung, Syntax, Agrammatismus, innere Sprache, Sprachverarbeitung, Logopädie, Sprachtherapie, Kommunikation, Kognition, Neurologie, Versprecher
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aphasie als Sprachstörung nach einem Schlaganfall und untersucht kritisch die Annahme, dass sprachliche Defizite zwangsläufig auch kognitive Einbußen oder Denkstörungen bedeuten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die verschiedenen Aphasieformen, die neurologischen Grundlagen (insb. das Broca-Areal), die linguistische Analyse von Agrammatismus sowie die philosophisch-psychologische Frage nach dem Zusammenhang von Sprache und Denken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob Aphasiker aufgrund ihrer Sprachstörung auch in ihrem Denkvermögen eingeschränkt sind oder ob die geistigen Fähigkeiten erhalten bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche, der Analyse psycholinguistischer Modelle und die Auswertung eines Experteninterviews mit einer erfahrenen Logopädin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der physiologischen Lokalisation des Sprachzentrums, dem Vergleich von Sprachfehlern bei Gesunden und Aphasikern sowie der Diskussion über die Unabhängigkeit von kognitiven Prozessen von der bloßen Artikulation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Broca-Aphasie, syntaktisches Fehlverhalten, Denkstörung, innere Sprache und Sprachtherapie.
Warum ist die Arbeit mit Broca-Aphasikern laut Experten besonders herausfordernd?
Neben der sprachlichen Beeinträchtigung leiden diese Patienten oft unter Depressionen, Lähmungserscheinungen und einer erhöhten Frustration, da ihnen ihre eigene Sprachstörung bewusst ist.
Welche Rolle spielt die auditive Stimulation in der Therapie?
Die auditive Stimulation dient in der akuten Phase dazu, den Patienten durch einfache Fragen an die Sprache zu erinnern und erste Erfolgserlebnisse im Kommunikationsprozess zu ermöglichen.
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- Christin Franke (Author), 2011, Die Grenzlinie zwischen Sprache und Denken bei Broca-Aphasie. Eine Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308411