Komik in Aglaja Veteranyis "Warum das Kind in der Polenta kocht". Eine Analyse


Hausarbeit, 2015

24 Seiten, Note: 1,0

Benjamin Schacht (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung...1

2. Der Begriff Komik...1
2.1. Komik und komisch. 2
2.2. Die Verwendung des Begriffes Komik in dieser Hausarbeit...2
2.3. Komik als individuelles und gesellschaftliches Phänomen...3
2.4. Komiktheorien...4

3. Komik in Warum das Kind in der Polenta kocht...4
3.1. Untersuchungsweise - Techniken und Methoden der Komik...4
3.1.1. Bisoziation - ,Unsere‘ Welt und die der anderen...5
3.1.1.1. Klischees...9
3.1.1.2. Figuren...10
3.1.2. Origineller Sprachstil...17
3.2. Wirkungsweise der Komik...19
3.2.1. Lachen im Kontrast zu erschütterndem Inhalt...19
3.2.2. Im Zirkus lächeln die Leute beim Sterben...19

4. Forschungsgegenstand und Perspektive...20

Literaturverzeichnis...22

1. Einführung

„Im Zirkus lächeln die Leute beim Sterben“[1], heißt es in Aglaja Veteranyis Roman Warum das Kind in der Polenta kocht. Wenngleich dieser Satz bereits die allgegenwärtige inhaltliche Tragik der erzählten Geschichte widerspiegelt, beinhaltet er ebenso einen Hinweis auf ein scheinbar kontrastives Motiv, das dem Buch subtil, und nicht selten düster, sein besonderes Wesen und differenzierte Lesearten verleiht: die Komik.

Die vorliegende Hausarbeit macht es sich zur Aufgabe, anhand von beispielhaften Textstellen das heterogene Potenzial dieser Rezeptionsdimension nachzuweisen. Im Hinblick auf diesen vergleichsweise freien Forschungsgegenstand wird dabei den Überlegungen nachgegangen, durch welche wiederkehrenden Elemente und Techniken Komik hergestellt wird, wie sich die entsprechende Wahrnehmung der Komik mit zunehmender Länge des Buches verändert und welche Funktion der Komik im komplexen Gefüge des Textes zugeschrieben werden kann. Im Rahmen dieser Betrachtungen werden Bezüge zur Biographie der Autorin bewusst unberücksichtigt gelassen, um eine vorgeprägte und damit eingeschränkte Lese- und Interpretierweise des Textes auszuschließen.

Die Grundlage der Untersuchung bildet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit Komik. Im Folgenden wird zunächst ein Einblick in die diesbezügliche Forschungslage gegeben und anhand der Präsentation entsprechender Herausforderungen und Fragestellungen ein grundsätzliches Verständnis für die darauffolgende Analyse des Komikpotenzials in Warum das Kind in der Polenta kocht forciert.

2. Der Begriff Komik

Wer sich mit Komik im wissenschaftlichen Sinn beschäftigt stößt früh auf die Herausforderung hinsichtlich der Begrifflichkeiten. Zunächst sei dabei ein Blick auf die alltagssprachliche Verwendung des Adjektivs komisch gelegt, dessen polysemes Wesen den Anlass einer ersten Untersuchung bildet.

2.1. Komik und komisch

Aus sprachhistorischer Perspektive „startete komisch bei der Ursprungsbedeutung ‘lustig‘. Komisch hat aber schon die Hauptbedeutung ‘seltsam, merkwürdig‘ erhalten und mit Belustigung nicht mehr viel zu tun“[2]. Vielmehr beschreibt es gegenwärtig „sowohl eine ästhetische Basiskategorie wie eine generelle objektive Qualitäts- bzw. Wahrnehmungs-form“[3] und avancierte damit zu einem diffizil zu definierendem Begriff.

2.2. Die Verwendung des Begriffes Komik in dieser Hausarbeit

Um Missverständnisse zu vermeiden, wird das Adjektiv komisch daher in dieser Hausarbeit ausschließlich im Sinne seiner ursprünglichen, an das entsprechende Nomen Komik an-gelehnten, Bedeutung verwendet und eine Konnotation im Sinne der Synonyme seltsam oder merkwürdig vermieden.

Stringent ergibt sich folglich die Frage nach dem expliziten Sinngehalt des Wortes Komik. Hinsichtlich dieses Begriffes besteht wiederum zunächst die Herausforderung unter-schiedlicher Fachtermini, die in der Forschungsliteratur verwendet werden und als unpräzise Werkzeuge des Forschers eine wissenschaftliche Bearbeitung des Gegenstandes erschweren. Es empfiehlt sich daher, im Rahmen dieser Hausarbeit, zunächst mithilfe einer Abgrenzung von semantisch nahestehenden Begriffen eine begriffliche Arbeitsgrundlage zu schaffen. So stehen entsprechende Termini wie „Humor, Ironie, Satire, Parodie und Witz […] keineswegs für geistige Kategorien gleicher Qualität, sondern beschreiben das Komische von unter-schiedlichen Standpunkten aus“[4]. Mit Blick auf die heterogene Forschungslage ist außerdem festzustellen, dass eine allgemeingültige Definition des Komischen bisher nicht existiert. Um auch diesbezüglich eine wissenschaftliche Vorgehensweise zu ermöglichen, sei daher aus Gründen der Nachvollziehbarkeit der weiteren Ausführungen, im Sinne einer Annäherung an eine Definition, eine Beschreibung dessen gegeben, was in der vorliegenden Hausarbeit im Folgenden unter Komik verstanden werden soll.

Besonders deutlich wird der Terminus Komik unter einer vermeintlich auf seine Ausdrucks-form, das Lachen, reduzierten Perspektive, die wiederum die Möglichkeit einer großflächigen Untersuchung seiner Semen ermöglicht. In diesem Sinne wird in der vorliegenden Hausarbeit unter den Begriffen Komik, das Komische und komisch jenes Gefühl verstanden, das im Rahmen der Lektüre von Warum das Kind in der Polenta kocht zum Lachen, Lächeln oder Schmunzeln anregt[5] und gleichbedeutend die Eigenschaft eines Gegenstandes, die eben jenes Gefühl auslöst.

2.3. Komik als individuelles und gesellschaftliches Phänomen

Komik ist ein „sich erst im Rezipienten durch Rezeption vollziehendes Phänomen“[6]. Das Gefühl des Etwas-komisch-Findens resultiert somit aus individuellen Wahrnehmungs-prozessen. Orientieren wir uns an der vorgestellten Beschreibung des Lachens als reellem Effekt des Komischen, wird ersichtlich, dass eine Person, als Folge des als Produkt am Ende dieses Wahrnehmungsprozesses stehenden Lachens, dem, was zum Lachen anregte, erst die entsprechende Bedeutung komisch zuschreibt. Dies weist auf das abstrakte Wesen der Komik hin, das sich erst anhand der Wirkung beim wahrnehmenden Menschen konstituiert. Des Weiteren mutet eine generalisierbare Beantwortung der Frage nach einem allgemeingültigem Wesenskern des Komischen zunächst ausgeschlossen an, denn die Empfindungen, die eine Person einen bestimmten Sachverhalt als komisch interpretieren lassen, „sind aufgrund sozialer, kultureller, psychischer und situativer Faktoren so vielfältig und unterschiedlich, daß ein umfassender, genauer, allgemein gültiger Begriff des Komischen nicht haltbar ist“[7]. Die Wahrnehmung von Komik resultiert demnach partiell aus der subjektiven Lebens- und Erfahrungswelt, die sich im Rahmen sozialer Interaktionsprozesse konstituiert. Dies mag einerseits als Beleg für eine individuelle Rezeption von Komik gelten, verdeutlicht hingegen andererseits deren gesellschaftliche und konventionelle Dimension.

„Komisch ist, was soziologisch abgrenzbare Gruppen zu einer bestimmten Zeit innerhalb einer bestimmten Ethnie komisch finden: Komik ist also ein Gruppenphänomen, ist geprägt u.a. von der Werturteilskategorie des Geschmacks, von Tabugrenzen, dient auch dazu, sich selbst sozial einzugrenzen und andere auszugrenzen, also zur Selbstidentifikation“[8].

Das Lachen als Ausdruck menschlichen Verhaltens und Empfindens ist somit immer auch gesellschaftsbezogen.

2.4. Komiktheorien

Ausgehend von der Überlegung, dass Komik nicht nur ein Gefühl, sondern gleichbedeutend eine Eigenschaft (zum Lachen anregend) ist, erschließt sich, dass diese Eigenschaft, konkret der Lachanlass, mithilfe bestimmter Methoden und Techniken initiiert werden kann. Dieser Gedanke bietet die Möglichkeit, die Facetten des Komischen zu beschreiben. Gibt es eine Struktur dessen, was uns verallgemeinernd betrachtetet zum Lachen anregt?

Der Ausgangspunkt entsprechender Forschungsfragen sind Untersuchungen subjektiver Komikwahrnehmungen in Korrelation gesellschaftlicher Zugehörigkeitsbereiche, anhand derer sich Strukturen, Mechanismen oder Gemeinsamkeiten beschreiben lassen, die verschiedene Menschen in ähnlicher oder gleicher Weise zum Lachen oder Schmunzeln anregen. Dabei stellt sich für Forscher zunächst die Herausforderung „dass jedes Subjekt seine Wertvorstellungen und sonstigen Präferenzen nicht nur aufgrund individueller Überlegungen, sondern auch durch kulturelle oder […] kulturhistorische Faktoren erlangt“ [9] und somit, ebenso wie eine Definition des Begriffes Komik, keine allgemeingültige Theorie oder Weltformel hinsichtlich der Rezeptionsmechanismen des Komischen existiert. Vielmehr ist die heterogene Forschungslage unter diesen Umständen nachvollziehbar: So wird hinsichtlich der wissenschaftlichen Theorien aktuell davon ausgegangen, dass „eine jede ihre Berechtigung für eine bestimmte Art von Komik hat“[10].

3. Komik in "Warum das Kind in der Polenta kocht"

Es existieren nahezu keine wissenschaftlichen Arbeiten oder Quellen zum Werk Warum das Kind in der Polenta kocht. Schriften, die sich mit dem Roman auseinandersetzen, beschränken sich zumeist auf kurze Rezensionen. Daher stellt die folgende Komikanalyse einen weitestgehend freien Forschungsgegenstand dar.

3.1. Untersuchungsweise - Techniken und Methoden der Komik

Aufgrund des vorgestellten Wesens des Begriffes Komik wurde ersichtlich, dass die Wahrnehmung von Komik individuellen, erfahrungsbiographischen Faktoren zugrunde liegt. Somit handelt es sich im Rahmen der folgenden Analyse um eine, aus subjektiven Wahrnehmungen des Verfassers resultierende, Auswahl an Textstellen. Aus diesem Grund erhebt diese Hausarbeit nicht den Anspruch, in umfassender Weise alle möglicherweise komischen Rezeptionsweisen in Gänze zu thematisieren, noch eine unumstößliche Komikinterpretationen des Buches Warum das Kind in der Polenta kocht vorzuschreiben. Vielmehr liegt es im Interesse des Verfassers, anhand der Deutung exemplarischer Textstellen unter Hinzunahme wissenschaftlicher Komiktheorien nachzuweisen, aufgrund welcher Methoden und Techniken entsprechende Stellen als komisch wahrgenommen werden können.

3.1.1. Bisoziation - ,Unsere‘ Welt und die der anderen

Ein Muster, das komische Rezeptionswirkungen auslöst und unter dem Terminus Bisoziation beschrieben werden kann, ist das Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Welten, die in Bezug auf ihre Normen, Werte und Verhaltenskonventionen einen deutlichen Kontrast offenbaren, in dem der Leser den Status seiner Zugehörigkeit bekennt und Unterschiede des eigenen Kulturraumes (hier vornehmlich des westeuropäischen Kulturraums, als dessen Mitglied auch der Verfasser sich zählt und dafür im Folgenden den Ausdruck Ingroup verwendet) zu dem des fremden Kulturraumes Osteuropas, speziell Rumäniens, der im Folgenden als Outgroup bezeichnet wird, wahrnehmen kann. In diesem Zusammenhang wird im Sinne der Superioritätstheorie davon ausgegangen, dass jene Komik zu einem nicht unerheblichen Teil aus der Annahme oder vermeintlich Erkenntnis der eigenen Überlegenheit resultiert. Die diesbezügliche Einschätzung stützt sich auf die gesellschaftlichen Normen der Ingroup, die andere mit ihrem Verhalten in unseren Augen unterschreiten. Somit wird gelacht über etwas, das nicht üblich ist – über das Fehlverhalten im Sinne der Ingroup-Konventionen. Da das Scheitern des Unangepassten vom Rezipienten, aus einer gesicherten und distanzierten Perspektive wahrgenommen wird, empfindet sich dieser im subjektiven Vergleich als überlegen. Nach Bergson ist der darauffolgende Akt des Lachens der Ausdruck einer sozialen Korrektur oder Strafe bzw. ein Hinweis auf das Fehlverhalten.[11] Ausgehend von dieser Normorientierung kann das entsprechende Lachen auch als „Komik auf Kosten von Minderheiten“[12] interpretiert werden und führt etwa hinsichtlich des Lebensbereiches des Zirkus durch eine Exotisierung oder Stigmatisierung in Verbindung mit Vorurteilen zu einer Abgrenzung der In- von der Outgroup und damit eihergehend zu Ausgrenzungen. Dies verdeutlicht die moralische Komponente von Komik bzw. Lachen, die im Folgenden jedoch aus Kapazitätsgründen nicht weiter vertieft werden kann.

[...]


[1] Veteranyi 2003, S. 67.

[2] Nübling 2010, S. 115.

[3] Gerigk 2008, S. 38.

[4] Kunnas 1982, S. 9.

[5] Vgl. Schmidt-Dengler und Zeyringer 1996, S. 10.

[6] Balzter 2013, S. 22.

[7] Schmidt-Dengler und Zeyringer 1996, S. 10.

[8] Schmidt-Dengler und Zeyringer 1996, S. 10.

[9] Balzter 2013, S. 74.

[10] Balzter 2013, S. 47.

[11] Bergson 1988, S. 23ff.

[12] Balzter 2013, S. 55.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Komik in Aglaja Veteranyis "Warum das Kind in der Polenta kocht". Eine Analyse
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Neuere deutsche Literatur)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V308635
ISBN (eBook)
9783668070738
ISBN (Buch)
9783668070745
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komik, Analyse, Humor, Komiktheorie, Zirkus, Klischee, Tragikomödie, Stereotyp, Fremdkultur, Bisoziation, Identität, Literatur, Rumänien, Veteranyi, Schwarzer Humor
Arbeit zitieren
Benjamin Schacht (Autor), 2015, Komik in Aglaja Veteranyis "Warum das Kind in der Polenta kocht". Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308635

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