Ein Plädoyer für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland

Vier Argumente zu einer aktuellen Problemlage


Polemic Paper, 2015
8 Pages

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Michael Pleister

Ein Plädoyer für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland

Vier Argumente zu einer aktuellen Problemlage

Zuwanderer als künftige Träger von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Die große Bereitschaft der im Zuge einer global vielfach verursachten Migra-tionsbewegung, die sich im Spätsommer 2015 in manchen Regionen zu einer insbesondere Europa betreffenden enormen Flüchtlingswelle ausgewachsen hat, - die Bereitwilligkeit also der unter diesen Umständen zurzeit in Deutschland eintreffenden Menschen, ihrem Aufnahmeland, insbesondere der Bundesregierung, ein bisher fast nicht da gewesenes Maß an Wertschätzung und Dankbarkeit zu zollen, wird sich in Zukunft auch für Staat und Gesellschaft bezahlt machen. Das Land ist auf Zuspruch, Einverständnis und Zufriedenheit seiner Bewohner gerade im Hinblick auf die Bewältigung von Problemen und Aufgaben, die auf Gesellschaft und Individuum, auf Staat und Regierung zukommen, angewiesen, wenn die demokratischen Strukturen, Gemeinsinn, Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit weiterhin nicht nur Bestand haben, sondern in der Zivilgesellschaft als Grundlagen und Erscheinungsformen gleicher-maßen und damit als existentiell notwendige Elemente des Gemeinwesens erkannt zu werden das entsprechende Format aufweisen sollen, d.h. als Elemente eines Gemeinwesens, das sowohl auf Konfliktorientierung in intellektueller Hinsicht wie auch auf Befriedung und Ausgleich widerstrebender bevölkerungsinterner, zumeist gruppen- wie schichtenspezifischer Wünsche und Interessen hin angelegt ist. Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaat, Liberalität, Toleranz, Pluralismus und friedliches Miteinander verschiedener Anschauungen und Lebensformen, all diese Werte und Prinzipien sind in einer Zeit, in der viele Regionen des Globus durch Krieg und Zerstörung in materieller wie auch humanitärer Hinsicht verwüstet sind, terroristische Bewegungen ihr Unwesen treiben sowie rechtsradikale und neofaschistische Gruppierungen ihre Parolen propagieren, keineswegs frei von Anfechtungen und Bedrohungen. Die Demokratie mit all ihren Implikationen wird sich in einer solchen Zeit zunehmender Unsicherheit und Gefährdungen nur behaupten können, wenn sie von einer hinreichend großen Anzahl von Menschen befürwortet wird, und dies nicht nur in intellektueller, auf Einsicht und Vernunft rekurrierender Disposition, sondern auch in emotionaler Hinsicht, d.h. mit einem Engagement, das durch Empfinden für Humanität, Gerechtigkeit und Solidarität gesteuert wird. Es geht um ein System, dessen Werte und Grundsätze sich aus tragenden Elementen der Antike, des Christentums und der Aufklärung speisen, ein System, das sich durch aufgeklärte gegenwartsbezogene Ansätze und Aspekte stets zu ergänzen und zu bereichern versteht, zugleich in Psyche und Bewusstsein einer Mehrzahl der Systemträger, der Menschen also, präsent ist, ein System, um das Wort noch einmal zu wiederholen, dessen Implikationen das Denken und Handeln eines Großteils der Bevölkerung prägen und das aus diesem Grund, vor allem wegen seiner Verankerung auch in den emotionalen Segmenten und Bezugsfeldern größerer Bevölkerungskreise die beispiellose Leistung Deutschlands in humanitärer wie auch materieller Hinsicht, nämlich die Aufnahme einer großen Zahl vor einiger Zeit in Ungarn festsitzender Flüchtlinge, auch danach die Aufnahme weiterer Menschen in beachtlicher quantitativer Größenordnung möglich gemacht hat. Freude und Begeisterung derjenigen, die nach eigenem Erleben von Diktatur, Unterdrückung, Ausbeutung, Krieg und Zerstörung jetzt durch entsprechende Entscheidungen der deutschen Regierung, begleitet von der bemerkenswerten Zuwendung, der außer-ordentlichen Hilfsbereitschaft großer Teile der Zivilgesellschaft, in einem Raum von Schutz und Sicherheit vor Bürgerkrieg und staatlicher Verfolgung haben Zuflucht finden können, - Freude und Begeisterung also werden die emotionale Basis für Anerkennung und Wertschätzung des durch die Bundesrepublik repräsentierten Systems von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abgeben. Diejenigen, die über ihre positiven Erfahrungen mit Deutschland ein Gefühl der Dankbarkeit entwickelt haben und es auch weiterhin ungeachtet mancher Ernüchterung in sich tragen werden, es ihren Kindern, Freunden und Verwandten weitergeben, werden in Kombination mit gelingender Integration die Prinzipien von Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit und die damit verbundenen Werte, denen sie ein glückliches Ende ihrer von ständiger Lebensgefahr begleiteten Flucht aus Krieg, Not und Elend zu verdanken haben, intuitiv und rational gleichermaßen vertreten und gegen menschenfeindliche Bestrebungen verteidigen, die aus unterschiedlichen ideolo-gischen Richtungen kommen können, derzeit eindeutig in der rechtsradikalen sowie neofaschistischen Ecke zu verorten sind. Unter der Voraussetzung erfolgreicher Integration werden die jetzt Glücklichen einst – um es ein wenig zugespitzt auszudrücken – Apologeten von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat sein.

Lebens- und Konsumbedürfnisse von Zuwanderern als ökonomisch wirkende Impulse

Die Neuankömmlinge erweisen sich, wenn das einmal so praktisch-utilitaristisch ausgedrückt werden darf, auch als Wirtschaftssubjekte. Erst einmal ist die Aufnahme von Flüchtlingen zugegebenermaßen mit nicht unerheblichen Kosten für den Staat, also für Bund, Länder und Kommunen, verbunden, geht es doch zunächst um die Schaffung von lebensnotwendigen Grundlagen, so z.B.

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Details

Title
Ein Plädoyer für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland
Subtitle
Vier Argumente zu einer aktuellen Problemlage
Author
Year
2015
Pages
8
Catalog Number
V308641
ISBN (eBook)
9783668067752
ISBN (Book)
9783668067769
File size
465 KB
Language
German
Tags
plädoyer, aufnahme, flüchtlingen, deutschland, vier, argumente, problemlage
Quote paper
Michael Pleister (Author), 2015, Ein Plädoyer für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308641

Comments

  • Michael Pleister on 1/12/2016

    Ergänzung zum Diskussionsbeitrag „Flüchtlingsfrage“ aus der Perspektive Januar 2016

    Es besteht die Gefahr, dass die ursprüngliche Begeisterung der Flüchtlinge über die wohlwollende
    Aufnahme in Deutschland im Herbst 2015 einer nicht unerheblichen Ernüchterung weicht, möglicherweise in Missmut, Resignation, gar Feindseligkeit umschlägt, wenn weiterhin rassistische Propaganda, Hasstiraden und Anschläge auf Wohnanlagen von Migranten das gesellschaftliche Klima vergiften. Selbstverständlich tragen auch all diejenigen, die in krimineller Weise in die momentan diskutierten Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof und anderwärts während der Silvesternacht 2015/2016 involviert waren, zu entsprechenden ausländerfeindlich gestimmten Reaktionen in der Bevölkerung bei. Gleichwohl: Gelingende Integration dürfte Bedingung, wenn auch nicht gleich Garantie für Gewaltverzicht auf allen Seiten sein. Die deutsche Bevölkerung sollte sich aufgefordert fühlen, durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Migranten, vor allem durch aktive Mitwirkung an den Aufgaben der Integration die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die hiesige Gesellschaftsordnung insgesamt und damit Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie humanistische Werte auch zukünftig ebenso intellektuell wie emotional engagierte Träger finden. Nur durch die Aufnahme von Kontakten, durch Bekanntschaften und Freundschaften kann sich auf längere Sicht ein gedeihliches Miteinander der Menschen gerade in einer verstärkt pluralistisch geprägten Gesellschaft entwickeln.
    Ein solcher Prozess mit dem Ergebnis einer pazifizierten menschlichen Gemeinschaft liefert das Fundament des gesamten europäischen Wertesystems, das auf kulturellen wie religiösen Einflussfaktoren beruht, insbesondere aber bekanntermaßen von Errungenschaften der Aufklärung getragen wird, einmal abgesehen von gewissen Rückläufigkeiten und Irritationen, die in dieser Hinsicht derzeit mancherorts bedauerlicherweise zu verzeichnen sind. -- Die Bevölkerung nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ist letztlich gefordert!

    Michael Pleister, d. 10.01.2016

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