Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- bzw. nachteilig? Berufsperspektiven, kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten bilingualer Sprecher


Studienarbeit, 2015

53 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Glossar

1. Einleitung
1.1 Mono- und Bilingualität – Ein kleiner Einstieg

2. Auswahl der Informantengruppen
2.1 Informantengruppe I: Bilingual im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs
2.2 Informantengruppe II: Bilingual mit Fremdsprachenkenntnissen
2.3 Informantengruppe III: Monolingual

3. Methode und Durchführung der Befragung

4. These I: Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen
4.1 These I: Auswertung der Befragung mittels einer graphischen Darstellung
4.2 These I: Analyse und Interpretation

5. These II: Kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten werden durch Zweisprachigkeit gefördert
5.1 These II: Auswertung der Befragung mittels einer graphischen Darstellung
5.2 These II: Analyse und Interpretation

6. Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig?
6.1 Auswertung der Befragung mittels einer graphischen Darstellung
6.2 Analyse und Interpretation

7. Schlussfolgerung

Bibliografie

Abbildungsverzeichnis

Glossar

Informantengruppe I

Die Informantengruppe I umfasst bilinguale SprecherInnen im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs.

Informantengruppe II

Die Informantengruppe II umfasst bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen.

Informantengruppe III

Die Informantengruppe III umfasst monolinguale SprecherInnen mit oder ohne Fremdsprachenkenntnisse.

Berufsbereich/-gruppe I

Berufsbereich/-gruppe I umfasst:

Sprach-, Literatur-, Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medien, Kunst, Kultur und Gestaltung

Berufsbereich/-gruppe II

Berufsbereich/-gruppe II umfasst:

Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung

Berufsbereich/-gruppe III

Berufsbereich/-gruppe III umfasst:

Land-, Forst- und Tierwirtschaft und Gartenbau

1. Einleitung

In unserer Seminararbeit mit dem Titel Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig? – Eine Arbeit über monolinguale und bilinguale (sowohl im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch mit Fremdsprachenkenntnissen) SprecherInnen hinsichtlich ihrer Berufsperspektiven und kognitiven sowie soziokulturellen Fähigkeiten möchten wir uns mit dem Thema „Mono- und Bilingualität“ auseinandersetzen. Zweisprachigkeit ist mit dem Begriff „Bilingualität“ gleichzusetzen und bedeutet, dass ein/e SprecherIn mit zwei Sprachen aufgewachsen ist.

Im Laufe dieser Hausarbeit werden wir die „wir-Form“ verwenden, da wir beide, Lea Lorena Jerns und Fotios Tzallas, die Verfasser dieser Seminararbeit sind und uns mit der gesamten Thematik gleichermaßen auseinandergesetzt haben.

Wir werden zunächst mit einer kurzen Zusammenfassung der Begriffe „Monolingualität“ und „Bilingualität“ beginnen (Kapitel 1.1). Daraufhin folgt das Kapitel (Kapitel 2.), welches der Auswahl der Informantengruppen gewidmet ist und in welchem wir beschreiben werden, warum wir gerade diese Informantengruppen gewählt haben. In den nachfolgenden drei Kapiteln (Kapitel 2.1-2.3) werden wir alle drei Informantengruppen näher erläutern.

Im darauffolgenden Kapitel (Kapitel 3.) werden wir die Methode und die Durchführung der Befragung erklären und den genauen Ablauf des Interviews beschreiben.

Kapitel 4. umfasst die erste These (These I: Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen), die anhand eines theoretischen Hintergrunds erläutert wird und in der die Vermutungen genannt und beschrieben werden.

Daraufhin werden wir eine graphische Darstellung der Auswertung der Befragung einbringen und eine Analyse und Interpretation hinsichtlich unserer aufgestellten Vermutungen und den Ergebnissen des Interviews vornehmen. Kapitel 5. umfasst eine zweite These (These II: Kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten werden durch Zweisprachigkeit gefördert) und folgt dem gleichen Muster im Hinblick auf den Aufbau wie es bei Kapitel 4. der Fall war.

In Kapitel 6. werden wir uns auf die Fragestellung der Seminararbeit (Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig?) beziehen und möchten diesbezüglich unsere Vermutungen erläutern um daraufhin die Ergebnisse des Interviews erneut graphisch darzustellen und im Nachfolgenden zu analysieren und zu interpretieren.

Die in den Kapiteln 4., 5. und 6. erstellten Grafiken werden uns dabei unterstützen, die Ergebnisse des Interviews besser deuten beziehungsweise analysieren zu können. Sie sind folgendermaßen strukturiert:

Die ersten drei Grafiken, die im jeweiligen Kapitel vorzufinden sind (Kapitel 4.1, 5.1 und 6.1), zeigen die Ergebnisse der Informantengruppen I bis III. Daraufhin folgt jeweils eine vierte Grafik, die einen Vergleich aller drei Informantengruppen darstellt.

Schlussendlich werden wir die genannten Resultate der Thesen und der Fragestellung nochmals in der Schlussfolgerung (Kapitel 7.) Revue passieren lassen.

1.1 Mono- und Bilingualität – Ein kleiner Einstieg

Für den weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung benötigen wir zunächst die Definitionen der Begrifflichkeiten Mono- und Bilingualität. Unter dem Begriff der Monolingualität ist zu verstehen, dass Personen mit einer Sprache aufgewachsen sind, wohingegen der Begriff der Bilingualität meint, dass Personen mit zwei Sprachen aufgewachsen sind.

[...] [Der] Blick auf mehrsprachige Sprechergemeinschaften und einzelne Sprecher [hat uns] gelehrt, dass es den bilingualen Menschen, der konsistent ausschließlich in der einen oder in der anderen Sprache kommuniziert und in jeder seiner Sprachen mit beliebigen Gesprächspartnern gleich gerne, kompetent und flüssig über jedes Thema parliert, nicht gibt. Gleichermaßen rar ist allerdings auch der monolinguale Mensch, der dank der Konzentration auf eine Sprache über perfekte Kenntnisse oder über ein einziges widerspruchsfreies grammatisches System verfügt [...]

(Gogolin, Ingrid; Neumann, Ursula. Streitfall Zweisprachigkeit – The Bilingualism Controversy.).

Monolinguale SprecherInnen, die nach der genannten Definition mit lediglich einer Sprache aufgewachsen sind, „[...] verfügen mit großer Wahrscheinlichkeit über ein [...] [Sprachwissen] von standardnahen und dialektalen Formen (d.h. regionalen und soziolektalen Varianten) [...]“ (Gogolin, Ingrid; Neumann, Ursula.). Dieses Phänomen ist einer Sprache zuzuordnen, da die „[...] Übergänge in kommunikativen Kontexten weniger [...] zu Tage treten [...]“ (Gogolin, Ingrid; Neumann, Ursula.).

Die bilingualen SprecherInnen verfügen hingegen über zwei Muttersprachen. Diese werden im Kindesalter in einem natürlichen Umfeld erlernt und nicht durch eine spezielle Art von Unterricht. „[...] Die kognitive Entwicklung und die schulische Leistungsfähigkeit werden bei früher [...] [Zweisprachigkeit] nicht beeinträchtigt, sondern [...] gefördert [...]“ (Finkbeiner, Claudia. Bilingualität und Mehrsprachigkeit.). Die bilinguale Erziehung von Kindern hängt allerdings von einigen Faktoren ab, wie zum Beispiel „[...] [den] Sprachkenntnisse[n] der Eltern, [dem] Alter der Kinder u.a. [...]“ (Katarzyna Lasatowicz, Maria; Scheller-Boltz, Dennis. Zweisprachigkeit als Herausforderung und Chance.). Darüber hinaus gibt es ebenfalls die Möglichkeit, „[...] dass beide Eltern beide Sprachen sprechen, sie aber aufgabenspezifisch trennen, das heißt in bestimmten Situationen die eine oder die andere Sprache bevorzugen [...]“ (Katarzyna Lasatowicz, Maria; Scheller-Boltz, Dennis.).

[...] Das Partnerprinzip sichert dem Kind von Geburt an den gleichzeitigen Zugang zu beiden Sprachen und zwar auf einem muttersprachlichen Niveau. In dem Falle muss aber entschieden werden, welche Sprache als Familiensprache (Sprache, in der sich alle Familienmitglieder zusammen unterhalten) festgelegt wird (Majoritätssprache, Minoritätssprache oder beide Sprachen, jeweils vom Muttersprachler gesprochen). Diese Entscheidung ist nicht ohne Einfluss vor allem auf die Ausgewogenheit der beiden Sprachen beziehungsweise Dominanz einer der Sprachen in der kindlichen Umgebung (vor allem dann, wenn die Familiensprache zugleich die Majoritätssprache ist) [...]

(Katarzyna Lasatowicz, Maria; Scheller-Boltz, Dennis.).

Zu einer konsequent bilingualen Erziehung gehören demzufolge viele Faktoren. Dem Kind muss bewusst gemacht werden, dass beide Sprachen gleichermaßen wichtig sind. Allerdings kommt die von Katarzyna Lasatowicz und Scheller-Boltz beschriebene Problematik auf, entscheiden zu müssen, welche Sprache als Familiensprache festgelegt wird oder welche Sprache gesprochen wird, wenn dritte Personen ins Spiel kommen.

Ein weiteres Phänomen, welches bei bilingualen als auch bei monolingualen SprecherInnen auftreten kann, ist das Code-Switching.

[...] Unter Codeswitching (‚Sprachwechsel’, engl. code-switching oder code-switching, Abk. CS) versteht man den Wechsel von Sprachen innerhalb einer Konversation, zumeist durch denselben Sprecher [/ dieselbe Sprecherin]. Der Begriff umfasst sowohl den Wechsel zwischen Sprachen als auch den zwischen Dialekten [...] [bei] monolingualen [...] [SprecherInnen] [...]

(Edel, Kristina. Strukturen des Bilingualismus – untersucht am Codeswitching Deutsch/Spanisch.).

Das Code-Switching ist nicht auf spezifische sprachliche Einheiten beschränkt, sondern kann sich auf „[...] ganze Sätze, Satzteile, einzelne Wörter [oder] Redewendungen [...]“ erstrecken. Weiterhin unterscheidet Edel zwischen einem satzexternen und satzinternen Sprachwechsel. Satzextern ist „[...] [ein] Sprachwechsel innerhalb von Sätzen und zusammenhängenden Äußerungen [...] [wohingegen] satzintern [...] [das] codeswitching innerhalb eines Wortes [...] bezeichnet“ (Edel, Katja.). Oftmals wird das Code-Switching innerhalb eines Wortes auch code-mixing genannt.

Die in diesem Kapitel erfolgte Gegenüberstellung von monolingualen und bilingualen SprecherInnen war notwendig, um eine einheitliche Wissensgrundlage zu schaffen, da wir im weiteren Verlauf dieser Arbeit stets Bezug auf Mono- und Bilingualität nehmen werden.

Im folgenden Kapitel werden wir uns mit der Einteilung der im späteren Interview zu befragenden Personen in sogenannte Informantengruppen befassen.

2. Auswahl der Informantengruppen

Wir werden unser Interview mit insgesamt neun Personen durchführen, genauer gesagt mit jeweils drei Personen der Informantengruppe I, II und III. Diese Anzahl haben wir gezielt so gewählt, da wir uns im späteren Verlauf dieser Seminararbeit in unserer Annahme unter Punkt 4. auf exakt drei Berufsbereiche beziehen („Sprach-, Literatur-, Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medien, Kunst, Kultur und Gestaltung“, „Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung“ und „Land-, Forst- und Tierwirtschaft und Gartenbau“) und jeweils eine der insgesamt drei befragten Personen jeder Informantengruppe einem dieser Berufsbereiche entsprechen soll. Weshalb genau jene eben erwähnten Berufsbereiche ausgewählt wurden ist unter Punkt 3. Methode und Durchführung der Befragung genau erläutert.

In den folgenden Kapiteln 2.1, 2.2 und 2.3 möchten wir die drei oben erwähnten Informantengruppen (Informantengruppe I: Bilingual im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs, Informantengruppe II: Bilingual mit Fremdsprachenkenntnissen und Informantengruppe III: Monolingual) kurz beschreiben und somit verdeutlichen, auf welchen Personenkreis wir unsere Interviewpartner beschränken möchten.

2.1 Informantengruppe I: Bilingual im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs

Die Informantengruppe I umfasst die bilingualen SprecherInnen im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs. Bilingual aufgewachsen zu sein, bedeutet, dass eine Person mit zwei Sprachen aufgewachsen ist. Dabei resultiert das Sprachvermögen einer Person aus dem natürlichen Erwerb, das heißt, dass dazu kein formaler Unterricht notwendig war, sondern beide Sprachen als Muttersprachen im Kindesalter erworben wurden. Simultaner Erstsprachenerwerb bedeutet, dass beide Muttersprachen zur gleichen Zeit erlernt werden und nicht zeitversetzt (Müller, Natascha; Kupisch, Tanja; Schmitz, Katrin; Cantone, Katja. Einführung in die Mehrsprachigkeitsforschung.). Zum Erwerb zweier Erstsprachen können außerdem neben der Bezeichnung des „simultanen Erstsprachenerwerbs“ oftmals auch Bezeichnungen fallen wie „bilingualer Spracherwerb“ und „doppelter Erstsprachenerwerb“ (Frigerio Sayilir, Cornelia. Zweisprachig aufgewachsen – zweisprachig sein. Der Erwerb zweier Erstsprachen aus der handlungstheoretischen Sicht der Kooperativen Pädagogik.).

Abbildung 1: Sprachwahl bilingualer SprecherInnen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Gawlitzek-Maiwald, Ira. Der monolinguale und bilinguale Erwerb von Infinitivkonstruktionen.)

Die obige Abbildung zeigt, dass bilinguale SprecherInnen auf unterschiedliche Weise ihre Sprachen anwenden. Darunter fällt die Möglichkeit, dass diese SprecherInnen eine Muttersprache sprechen und auch konsequent in dieser verbleiben (in der Abbildung als monolingual in LA aufgeführt). Diese Möglichkeit kann ebenfalls auf die zweite Muttersprache übertragen werden (monoligual in LB). Schlussendlich besteht außerdem die Möglichkeit, dass die bilingualen SprecherInnen zwar in einer Muttersprache sprechen (LA) allerdings Elemente der zweiten Muttersprache einbringen.

2.2 Informantengruppe II: Bilingual mit Fremdsprachenkenntnissen

Die Informantengruppe II umfasst die bilingualen SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen. Wie bereits in der Informantengruppe I beschrieben, heißt bilingual, dass die SprecherInnen mit zwei Sprachen aufgewachsen sind und dass das Sprachvermögen der Personen aus dem natürlichen Erwerb erfolgt. Ferner erlernten die SprecherInnen der Informantengruppe II ebenfalls beide Muttersprachen zur selben Zeit. Die Informantengruppe II hat jedoch die Erweiterung, dass die SprecherInnen neben ihren zwei Muttersprachen im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Fremdsprache/n erlernt haben. Im Hinblick auf den Erwerb von Fremdsprachen ist die „Input-Hypothese“ zu nennen, die aussagt, dass „[...] Fremdsprachen durch den Input, d.h. durch die Quantität, Reihenfolge und Verständlichkeit, gelernt werden [...]“ (Bohne, Julia. Bilingualität. Eine empirische Erhebung im Studiengang Dolmetschen und Übersetzen.). „[...] [Die] Output-Hypothese [hingegen sagt aus, dass] die Sprachproduktion das Lernen [vorantreibt] [...]“ (Bohne, Julia.). Der Erwerb von Fremdsprachen ermöglicht demzufolge eine andere Sichtweise auf den Spracherwerb als der bilinguale simultane Erstsprachenerwerb.

2.3 Informantengruppe III: Monolingual

Die SprecherInnen der Informantengruppe III sind nicht, wie die SprecherInnen der Informantengruppen I und II, bilingual aufgewachsen. Die Informantengruppe III beinhaltet solche Personen, die monolingual aufgewachsen sind, das heißt, dass diese im Kindesalter lediglich eine Muttersprache erlernt haben. In diese Gruppe können allerdings Personen eingeordnet werden, die im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Fremdsprache/n erlernt haben. An dieser Stelle können, wie bereits in der Informantengruppe II beschrieben, ebenfalls die „Input-Hypothese“ und „Output-Hypothese“ herangezogen werden. „[...] Außerdem wird meist außer Acht gelassen, daß auch monolinguale SprecherInnen z.B. zwischen verschiedenen Codes, also Stilebenen oder Dialekten wechseln können [...]“ (Gawlitzek-Maiwald, Ira.). Demnach ist nicht auszuschließen, dass monolinguale SprecherInnen von ihrer einen Muttersprache unterschiedliche Varietäten verstehen und gegebenenfalls anwenden können.

3. Methode und Durchführung der Befragung

Wir werden nach der qualitativen Methode von Flick vorgehen, d.h. wir werden die Fälle gezielt nach der theoretischen Ergiebigkeit des Falls auswählen, uns mit wenigen Fällen beschäftigen, mit diesen jedoch detailliert, und werden an die Datenauswertung interpretierend herangehen. Unsere Erkenntnisse möchten wir verallgemeinern und unser Vorgehen im Hinblick auf die Herangehensweise des Interviews transparent gestalten. (Flick, Uwe. Sozialforschung. Methoden und Anwendung. Ein Überblick für die BA-Studiengänge.).

Die Interviews werden wir an öffentlichen Orten durchführen wie z.B. in Cafés, Einkaufs-Centern und/oder in der Innenstadt und zu Beginn zunächst allgemeine Informationen über die Interviewpartner in Erfahrung bringen, wie z.B. das Alter, das Geschlecht, die Muttersprache/n, den derzeitigen Wohnsitz und die Dauer des Aufenthalts, die Kenntnisse von weiteren Sprachen (Fremdsprachen) und wie diese erworben wurden sowie die derzeitige Tätigkeit beziehungsweise den Beruf der befragten Person. Wir beschränken den Personenkreis der möglichen Interviewpartner auf Personen, die entweder spanische Muttersprachler sind, oder aber Spanisch als Fremdsprache erlernt haben und zwischen 28 und 38 Jahre alt sind und möchten insgesamt neun Personen (jeweils drei aus den Informantengruppen I, II und III) von denen je eine Person einer jeden Informantengruppe zu einem von insgesamt drei spezifisch ausgewählten Berufsbereichen gehört, befragen (wie und warum es zur Auswahl dreier spezifischer Berufsbereiche kam ist in Kapitel 4. detailliert erläutert).

Die Altersspanne wählten wir wie oben angegeben aus, da wir Personen einbeziehen möchten, die bereits in der Arbeitswelt Fuß gefasst haben, die Altersspanne jedoch auch nicht zu „breit“ halten wollten.

Uns ist bewusst, dass wir viele Personen ansprechen werden, die nach der Erfassung der sozialen Daten eindeutig nicht in unsere gesuchten Kategorien passen werden. Es wird eine Herausforderung werden, neun Personen zu finden, die sowohl im Hinblick auf die Informantengruppe als auch in Bezug auf den Berufsbereich für unser Vorhaben passend sind.

Wir werden die Interviews als persönlich-mündliche Interviews gestalten (einer von uns wird die Befragung übernehmen während der andere die Antworten der Befragten mit Hilfe des Laptops festhält) und durch gezieltes Fragen sowohl Antworten beziehungsweise Meinungen hinsichtlich unserer zwei aufgestellten Thesen (These I: Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen sowie These II: Kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten werden durch Zweisprachigkeit gefördert)) erhalten als auch in Bezug auf die Fragestellung Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig? – Eine Arbeit über monolinguale und bilinguale (sowohl im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch mit Fremdsprachenkenntnissen) SprecherInnen hinsichtlich ihrer Berufsperspektiven und kognitiven sowie soziokulturellen Fähigkeiten, welche zugleich den Titel unserer Seminararbeit darstellt.

Hierzu werden wir für jede der drei aufgeführten Informantengruppen (siehe Kapitel 2. Auswahl der Informantengruppen) einen eigens erstellten Fragebogen verwenden. Die Fragebögen sowie die Bögen zur Erfassung der sozialen Daten werden wir in deutscher, spanischer und englischer Sprache vorbereiten.

Den Leitfaden für die Formulierung von Fragestellungen von Flick (Flick, Uwe.) nahmen wir als Hilfestellung, um die Fragen des Interviews eindeutig und begrenzt zu halten und achteten ebenfalls darauf, wohin uns die Fragestellung führen soll. Im Allgemeinen haben wir drei Fragen für jede Informantengruppe vorbereitet. Beim Fragebogen der Informantengruppe I gibt es eine Frage, die von der befragten Person lediglich mit ja oder nein beantwortet werden könnte und bei der Informantengruppe III ist dies bei der ersten und zweiten Frage ebenfalls möglich. Die restlichen Fragen „zwingen“ die/den Befragte/n zu einer ausführlichen Antwort, da keine bloße Ja/Nein-Antwort möglich ist.

In jedem der Fragebögen gibt es zu Beginn eine kurze Definition der Begriffe „Bilingualität“ und „Fremdsprachigkeit“ um sicherzustellen, dass die Befragten im Verlauf des Interviews wissen und verstehen, auf welche Begrifflichkeit sich welcher Fragenaspekt bezieht und somit gezielt und detailliert antworten können.

Frage Nummer eins zielt bei allen drei Fragebögen der Informantengruppen I bis III auf folgende in unserem Kapitel 4. aufgeführte Annahme ab:

These I: Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen

Frage Nummer zwei zielt bei allen drei Fragebögen der Gruppen I bis III auf die Annahme

These II: Kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten werden durch Zweisprachigkeitgefördert

ab (siehe Kapitel 5.).

Die letzte Frage, Frage Nummer drei unserer jeweiligen Fragebögen, nimmt Bezug auf die Fragestellung beziehungsweise den Titel unserer Seminararbeit:

Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig? – Eine Arbeit über monolinguale und bilinguale (sowohl im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch mit Fremdsprachenkenntnissen) SprecherInnen hinsichtlich ihrer Berufsperspektiven und kognitiven sowie soziokulturellen Fähigkeiten.

4. These I: Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen

Aus unserer Fragestellung, die auch den Titel unserer Seminararbeit darstellt, Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- beziehungsweise nachteilig? – Eine Arbeit über monolinguale und bilinguale (sowohl im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch mit Fremdsprachenkenntnissen) SprecherInnen hinsichtlich ihrer Berufsperspektiven und kognitiven sowie soziokulturellen Fähigkeiten haben wir insgesamt zwei Thesen abgeleitet. In diesem Kapitel werden wir uns mit folgender Annahme beschäftigen:

Personen, die bilingual (sowohl solche im Sinne des simultanen Erstsprachenerwerbs als auch bilinguale SprecherInnen mit Fremdsprachenkenntnissen) aufgewachsen sind, haben im späteren Berufsleben einen deutlichen Vorteil gegenüber monolingualen Personen.

Nachdem wir uns mit den Leitfragen für ein systematisches Vorgehen von Björn Rothstein auseinandergesetzt haben (Wofür interessiere ich mich?, Mit welchem Thema möchte ich meine Zeit verbringen?, Welche Seminare habe ich besucht?), ist uns bewusst geworden, dass im Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin des Instituts für Romanistik Bilinguismus und bilinguale Erziehung von Prof. Dr. Gabriele Knauer, welches wir im Wintersemester 2014/15 besuchten, die Bilingualität zwar häufig im Hinblick auf Kinder, Jugendliche und deren Erziehung thematisiert wird, sich jedoch nur selten auf Erwachsene und/oder die Arbeitswelt bezieht.

Auch Helmut Stöberl beschreibt die Inverbindungsetzung des Berufs mit der sprachlichen Identität als einen entscheidenden Aspekt. Laut Stöberl ist der Beruf einerseits “[...] der Ort, wo die Menschen ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen [...] [und] zum anderen die Organisationseinheit, wo sie sich zusammenschließen.“

Abbildung 2: Beruf als zentrales Merkmal des Untersuchungsdesigns

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Stöberl, Helmut. Der Zusammenhang von Sprache und Beruf im Kontext unternehmerischer Praxis. Eine empirische Untersuchung über Sprachgewohnheiten von Anwälten, Ärzten, Handwerkern und Ingenieuren.)

Die in Stöberls Buch Der Zusammenhang von Sprache und Beruf im Kontext unternehmerischer Praxis. Eine empirische Untersuchung über Sprachgewohnheiten von Anwälten, Ärzten, Handwerkern und Ingenieuren aufgeführte Abbildung zeigt den Beruf als Mittelpunkt der sprachlichen Identität, der sozialen Identität und der praktikablen Umsetzung. Die praktikable Umsetzung steht einerseits in Wechselwirkung zur sozialen Identität und andererseits zur sprachlichen Identität. Die soziale Identität und die sprachliche Identität stehen ebenfalls in Wechselwirkung zueinander.

Darüber hinaus sind die

[...] Entwicklungen wie die Globalisierung und die Öffnung osteuropäischer Märkte [...] [wichtige Einflussfaktoren, da in der Berufswelt] zusätzlich die Notwendigkeit von internationaler Qualifikation [besteht], d.h. [...] [Sprachkenntnisse] und [...] [interkulturelle] Kompetenz[en] [...] [werden verstärkt gesucht] [...]

(Weber, Hartmut; Becker, Monika; Laue, Barbara. Fremdsprachen im Beruf.).

Weiterhin „[...] wird angenommen, dass ca. zwei Drittel aller Klein- und Mittelbetriebe „zumindest einen gelegentlichen Fremdsprachbedarf haben, wobei eine deutliche Abhängigkeit von der Betriebsgröße [...] besteht“ [...]“ (Weber, Hartmut; Becker, Monika; Laue, Barbara.).

Wir entnahmen der „Klassifikation der Berufe 2010“ von der Bundesagentur für Arbeit drei unterschiedliche Berufsbereiche, mit Hilfe derer wir unsere These untersuchen möchten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- bzw. nachteilig? Berufsperspektiven, kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten bilingualer Sprecher
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Romanistik)
Veranstaltung
Bilingualismus und bilinguale Erziehung
Autoren
Jahr
2015
Seiten
53
Katalognummer
V308731
ISBN (eBook)
9783668074361
ISBN (Buch)
9783668074378
Dateigröße
1351 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, zweisprachigkeit, berufsperspektiven, fähigkeiten, sprecher
Arbeit zitieren
Lea Lorena Jerns (Autor)Fotios Tzallas (Autor), 2015, Inwiefern ist Zweisprachigkeit vor- bzw. nachteilig? Berufsperspektiven, kognitive und soziokulturelle Fähigkeiten bilingualer Sprecher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308731

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