Die Französische Revolution hat die Geschichte der Moderne geprägt wie kaum ein anderes Ereignis. Sie steht für eine Phase elementarer Veränderungen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Frankreich. Die besondere Stellung der Französischen Revolution im historisch Kontext lässt sich vor allem durch ihre enorme Reichweite erkennen, denn nicht nur in Frankreich hinterließ sie tiefgreifende Spuren des Wandels auf sozialer, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene, sondern auch in anderen Ländern Europas. Die Französische Revolution avancierte im 19. Und 20. Jahrhundert zur Vorlage aller noch folgender Revolutionen und tat dies vor allem durch ihre Radikalisierung, die nach der Verfassung von 1791 einsetzte. Sie prägte den Begriff der Revolution und gilt bis heute als stilprägend für gewaltsame Umstürze. Sie wurde zum Testfeld der Moderne, in dem innerhalb eines Jahrzehnts unterschiedlichste Verfassungsformen, von der konstitutionellen Monarchie bis hin zur Diktatur unter Napoleon, umgesetzt wurden, die bis ins 21. Jahrhundert wirkungsmächtig sein sollten. Sie schuf die Grundlage für eine bürgerlich-liberale Gesellschaftsverfassung und entwickelte zum ersten Mal in der Geschichte eine demokratische politische Kultur, die für eine zunehmende Politisierung aller Bevölkerungsschichten führte. Mit ihrer Vielzahl an Neuerungen und durch den Bruch mit Jahrhunderten alten Traditionen stellt sie ein Ereignis dar, welches als Epochenumbruch gelten kann, dessen Bedeutung in der Fachwissenschaft aber nach wie vor umstritten ist. Dieser Umstand macht die Französische Revolution zu einem idealen Thema für eine Unterrichtsreihe im Leistungskurs, da man diese historische Debatte zum Inhalt der Reihe machen kann
Inhaltsverzeichnis
1. Reihenplanung zur Französischen Revolution
2. Übersicht zur Unterrichtseinheit
2.1. Problemziel
2.2. Ziele der Unterrichtseinheit
2.2.1. Lernziele
2.2.2. Arbeitsergebnisse
2.2.3. Kompetenzziele
2.3. Tabellarischer Verlauf der Unterrichtseinheit
3. Lerngruppe
4. Didaktische Reflexion
4.1. Einbindung der Stunde in die Unterrichtsreihe
4.2. Begründung von Thema und Problemziel
4.3. Überlegung zur Kompetenzentwicklung
4.4. Sachanalyse der zentralen Materialien
4.5. Begründung der didaktischen Reduktion
4.6. Begründung der Materialauswahl
5. Methodische Entscheidungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, anhand der Französischen Revolution und der spezifischen Thematik der Verfassung von 1791 die Entwicklung von Sach- und Werturteilen bei Schülern eines Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 zu fördern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Verfassung von 1791 das Ende der Revolution markiert und wie sich die Diskrepanz zwischen den proklamierten Menschenrechten und der verfassungsrechtlichen Realität in einem Unterrichtskontext multiperspektivisch aufarbeiten lässt.
- Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen Menschenrechten von 1789 und der Verfassung von 1791.
- Entwicklung von Sach- und Werturteilen basierend auf dem Kompetenzmodell des Historischen Lernens.
- Multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem Zensuswahlrecht anhand zeitgenössischer Quellen.
- Didaktische Reduktion und Materialauswahl zur Förderung der Schülerorientierung.
- Reflexion der Bedeutung der Französischen Revolution als Epochenumbruch für die Moderne.
Auszug aus dem Buch
4.4 Sachanalyse der zentralen Materialien
Nachdem die vom König einberufenen Generalstände sich am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung erklärt hatten, verkündeten sie am 26. August 1789 die Menschen und Bürgerrechte.16 Nie zuvor war der Versuch unternommen worden, die Rechte des Menschen in Form eines Gesetzestextes zu formulieren. Das Ergebnis der langwierigen Diskussionen war ein präzise formulierter und einprägsamer Gesetzestext mit dem Umfang von 17 kurzen Artikeln, der den revolutionären Bruch mit dem ständischen System Frankreichs manifestierte. Sie beinhalten grundlegende die Ideen, die nach wie vor Gültigkeit haben und von hoher Relevanz für unser heutiges Zusammenleben sind. Die wichtigsten Grundsätze sind: die Souveränität des Volkes, die Freiheitsrechte des Einzelnen, die Gleichheit vor dem Gesetz und das Recht auf Eigentum.17 Die politische Organisation eines Staates betreffend sind vor allem die Prinzipien der nationalen Souveränität und der Gewaltenteilung von hoher Bedeutung für die Ausgestaltung der Verfassung von 1791. Die Ratifizierung der Menschen- und Bürgerrechte bedeutete das Ende der absoluten Monarchie in Frankreich und sicherte jedem Bürger individuelle Rechte zu.18 Um der historischen Bedeutung dieser Niederschrift gerecht zu werden, sind die Menschen- und Bürgerrechte in ihrer ursprünglichen Form Teil der Unterrichtseinheit und werden im Zuge der Hausaufgabe ausführlich behandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Reihenplanung zur Französischen Revolution: Darlegung des Reihenthemas und der übergeordneten Lernziele zur Französischen Revolution.
2. Übersicht zur Unterrichtseinheit: Definition des spezifischen Problemziels sowie detaillierte Auflistung der Lern- und Kompetenzziele für die Unterrichtseinheit.
3. Lerngruppe: Analyse der Zusammensetzung und des Leistungsniveaus der Schülergruppe des Leistungskurses.
4. Didaktische Reflexion: Umfassende fachdidaktische Begründung der Themenwahl, der methodischen Ansätze und der Materialentscheidungen.
5. Methodische Entscheidungen: Erläuterung der konkreten Unterrichtsphasen und methodischen Schritte zur Umsetzung der Lernziele.
Schlüsselwörter
Französische Revolution, Verfassung 1791, Menschenrechte, Bürgerrechte, Sachurteil, Werturteil, Geschichtsdidaktik, Zensuswahlrecht, konstitutionelle Monarchie, Aufklärung, Gewaltenteilung, Multiperspektivität, Historisches Lernen, Nationalversammlung, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktische Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema „Die Verfassung von 1791“ im Rahmen einer Unterrichtsreihe zur Französischen Revolution für einen Leistungskurs der 12. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen das Spannungsverhältnis zwischen den Menschenrechten von 1789 und der Verfassung von 1791 sowie die kritische Reflexion des Zensuswahlrechts und der Rolle des Königs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Schülern durch eine gezielte Unterrichtsstruktur zu ermöglichen, ein fundiertes Sach- und Werturteil über die Frage zu bilden, ob die Verfassung von 1791 tatsächlich das Ende der Revolution markiert oder nur eine Übergangsphase darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt das Kompetenzmodell des Historischen Lernens nach Peter Gautschi, um eine didaktische Struktur für die Unterrichtseinheit zu entwickeln, die Wahrnehmungs- und Erschließungskompetenzen fördert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine didaktische Reflexion, die Analyse der zentralen Quellmaterialien (Menschenrechte, Verfassung) sowie die methodische Planung der Unterrichtsphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Französische Revolution, Verfassung 1791, Menschen- und Bürgerrechte, Sachurteil, Werturteil und Multiperspektivität.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Aktiv- und Passivbürgern für die Arbeit relevant?
Diese Unterscheidung ist zentral, da sie die Diskrepanz zwischen den universalen Idealen der Menschenrechte und der rechtlichen Einschränkung durch das Zensuswahlrecht verdeutlicht und damit ein kritisches Urteil der Schüler provoziert.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung von Quellen wie Sieyès und Marat?
Die Quellen dienen der Multiperspektivität, um den Schülern unterschiedliche Sichtweisen auf das Zensuswahlrecht aufzuzeigen und so die Debattenkultur und Interessenlagen der damaligen Zeit erfahrbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- B.Ed. Christoph Grave (Autor:in), 2015, Die Verfassung von 1791. Entwicklung eines Sach- und Werturteils (Leistungskurs Klasse 12), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309129