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Auseinandersetzung mit dem Begriff der Weisheit in Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“

Title: Auseinandersetzung mit dem Begriff der Weisheit in Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“

Term Paper , 2013 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sabrina Hanke (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das Drama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing thematisiert die Forderung nach Humanität und die Idee der Toleranz. Ganz im Sinne der Aufklärung macht Lessing die Autonomie des Subjekts und die Idee der aufklärerischen Rationalität zum Gegenstand dieses Stücks. Hintergrund des Dramas stellt der so genannte Fragmentenstreit dar, einen Konflikt Lessings mit dem Theologen Johann Melchior Goeze, wegen welchem gegen Lessing ein Teilpublikationsverbot verhängt wurde.

Diese Auseinandersetzung, welche als die wichtigste theologische Auseinandersetzung des 18. Jahrhunderts betrachtet wird, stellte eine Kontroverse zwischen der orthodoxen lutherischen Kirche und den Anhängern der europäischen Aufklärung dar. Als Reaktion auf die Teilzensur integrierte Lessing seine Ansichten bezüglich dieser Kontoverse in das literarische Stück „Nathan der Weise“. Sowohl unmittelbar vor als auch unmittelbar nach dessen Fertigstellung arbeitete Lessing an seinem philosophischen Hauptwerk „Die Erziehung des Menschgeschlechts“, welches in einer engen Verbindung zum Drama steht, wie im Laufe dieser Arbeit noch gezeigt werden soll.

Schon im Titel des Dramas „Nathan der Weise“ wird dem Protagonisten Weisheit zugesprochen. Doch was ist das überhaupt, Weisheit? Und wie erlangt man diese? Ist Nathan tatsächlich weise? Und wenn ja, was macht ihn zu einem Weisen und wie äußert sich die Weisheit in seinem Handeln? Schlägt man den Begriff Weisheit in einem handelsüblichen Wörterbuch nach, findet man als Bedeutung meist nur Stichworte wie Reife, Gelehrsamkeit oder Klugheit, die einer weiteren Bestimmung bedürfen und den Begriff nicht in seiner ganzen Fülle erfassen. Mit einem Blick auf den philosophischen Begriff der Weisheit wird sich zeigen, dass die Bedeutung des Begriffs nicht leicht zu fassen ist, und dennoch sollen Fragen nach der Form und der Funktion der Weisheit Nathans beantwortet werden. Da schon im Titel die Weisheit Nathans benannt wird, ist zu untersuchen, ob sich die Wahl des Titels durch die inhaltliche Bestimmung des Weisheitsbegriffs besser verstehen und rechtfertigen lässt. Wie groß ist die Bedeutung der Weisheit für die Charakterisierung des Protagonisten und in welchem Verhältnis steht sie zum Handlungsverlauf und zum Thema des Dramas? Dem Zusammenhang zwischen Nathans Weisheit und den Ansichten Lessings über Wahrheit, Vernunft und Glaube soll im Laufe dieser Arbeit Beachtung geschenkt werden.
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Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Annährung an den philosophischen Begriff der Weisheit

3. Nathans Klugheit

3.1 Der reiche Kaufmann

3.2 Umsichtiges Handeln

4. Wissen und Wahrheit

4.1 Gelehrsamkeit und Erfahrungswissen

4.2 Bewusstes Nichtwissen

5. Nathan und das Göttliche

5.1 Ergebenheit in Gott

5.2 Praktische Vernunft statt religiöse Schwärmerei

5.3 Menschlichkeit und Religion

5.4 Zwischen Judentum und Vernunftreligion

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Natur der Weisheit des Protagonisten Nathan in Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Dabei wird analysiert, wie Nathans Handeln und Denken durch ein spezifisches Verständnis von Weisheit geprägt sind, das eine Verbindung zwischen Klugheit, Vernunft, religiöser Toleranz und dem menschlichen Streben nach Wahrheit herstellt.

  • Philosophisch-historische Bestimmung des Weisheitsbegriffs
  • Die Funktion von Nathans Klugheit und seinem taktischen Handeln
  • Das Verhältnis von Wissen, Erfahrung und bewusstem Nichtwissen
  • Die Synthese von Gottergebenheit und Vernunftreligion
  • Nathans Rolle als Mittler zwischen den Religionen und Vertreter der Humanität

Auszug aus dem Buch

3.1 Der reiche Kaufmann

Nathan in ist ein jüdischer Kaufmann in Jerusalem, der durch seinen Reichtum einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat und hohes Ansehen beim Volk erntet, das ihn den Weisen und auch den Reichen nennt. Diese beiden Betitelungen, die zunächst völlig verschieden scheinen, bringen den Tempelherrn in einem Gespräch mit Daja zu der Überlegung, dass dem Volk die Eigenschaften weise und reich möglicherweise gleichbedeutend sind, und auch Al-Hafi macht durch den Ausspruch „Nun ist´s der Reiche wieder: / So wird´s auch wohl der Weise wieder sein.“, deutlich, dass für ihn Reichtum und Weisheit in einer unmittelbaren Verbindung, ja sogar in einer Wechselwirkung stehen. Als Saladin Nathan mit der Betitelung „der Weise“ konfrontiert, zeigt sich Nathan skeptisch und stellt die Überlegung an, dass die Begriffe weise und klug vom Volk möglicherweise synonym verwendet werden, und klug vielleicht nur bedeute, dass sich jemand gut auf seinen Vorteil verstehe, also eigennützig handele. So fühlt er sich durch die Betitelung „Der Weise“ nicht geehrt, sondern tritt der Attributzuschreibung des Volks mit Vorsicht und Bescheidenheit gegenüber. Nathan, der sich selbst keinen Weisen nennt, sieht seinen Reichtum verursacht durch Natur und Glück, was als ein Indiz für seine Bescheidenheit verstanden werden kann.

Seine Erfolge weisen jedoch weniger auf Glück als auf kaufmännisches Geschick hin, denn seine Klugheit zeigt sich nicht bloß im Erlangen von Reichtum, sondern auch im Umgang mit diesem. Im Gespräch mit Al-Hafi lässt sich erkennen, dass er sein Geld mit Sparsamkeit zu verwalten versteht, was auch an der Anzahl seiner Bediensteten erkennbar wird, die nicht seiner faktischen sozialen Stellung entsprechen. Er setzt seinen Reichtum nicht verschwenderisch, sondern taktisch klug ein und so macht er sich bereits im ersten Auftritt seinen Reichtum zu Nutze, indem er die Gesellschafterin seiner Tochter zu bestechen versucht. Daja, die zu diesem Zeitpunkt neben Nathan als einzige, Rechas wahre Identität als geborene Christin kennt, plagt ihr Gewissen, weil sie es als falsch ansieht, wenn ein Jude eine Christin erzieht. Diesen Kummer versucht sie gegenüber Nathan zu artikulieren, der jedoch nicht auf ihre Äußerungen eingeht. Stattdessen zeigt er sich als kluger Kaufmann, indem er das Gespräch auf die Reichtümer lenkt, die er auf der Reise erworben hat. Diese bietet er Daja als Preis für ihre Verschwiegenheit an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den historischen Kontext des Dramas dar und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Form und Funktion von Nathans Weisheit.

2. Annährung an den philosophischen Begriff der Weisheit: Dieses Kapitel erörtert verschiedene philosophische Definitionen von Weisheit von der Antike bis zur Neuzeit, um eine Grundlage für die Analyse der Figur Nathan zu schaffen.

3. Nathans Klugheit: Hier wird untersucht, wie sich Nathans Weisheit in seinem kaufmännischen Geschick und seinem taktischen, auf Vernunft basierenden Handeln in herausfordernden Situationen äußert.

4. Wissen und Wahrheit: Dieses Kapitel analysiert Nathans Skepsis gegenüber bloßer Buchgelehrsamkeit und seine Auffassung von Wahrheit als ein Streben, das die Grenzen menschlicher Erkenntnis anerkennt.

5. Nathan und das Göttliche: Der Abschnitt befasst sich mit der Verbindung von Gottergebenheit, Vernunft und Menschlichkeit und zeigt auf, wie Nathan Religionen übersteigt, indem er das tugendhafte Handeln als universell gültig postuliert.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Nathans Weisheit das zentrale, handlungsbestimmende Element des Dramas ist, das die Einheit von Theorie und Praxis verkörpert.

Schlüsselwörter

Nathan der Weise, Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Weisheit, Vernunft, Toleranz, Ringparabel, Humanität, Erfahrungswissen, Religionsphilosophie, Ethik, Gottergebenheit, Wahrheitssuche, Selbstbestimmung, Charaktertugend

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Figur des Nathan in Lessings Drama „Nathan der Weise“ unter dem spezifischen Aspekt der Weisheit, um zu ergründen, wie diese Eigenschaft sein Handeln und seine Rolle innerhalb der aufklärerischen Thematik des Stücks bestimmt.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Weisheit und Klugheit, der Unterschied zwischen theoretischem Wissen und praktischer Lebenserfahrung, die Bedeutung von Vernunft im religiösen Kontext sowie die Idee der Toleranz und Humanität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, was Nathan zum „Weisen“ macht, wie sich diese Weisheit in seinem Handeln manifestiert und in welchem Verhältnis sie zu Lessings Ansichten über Wahrheit, Vernunft und Glauben steht.

Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?

Die Autorin nutzt eine philosophisch-historische Kontextualisierung und verknüpft diese mit einer werkimmanenten Analyse, indem sie Nathans Verhalten und Äußerungen auf Basis philosophischer Weisheitskonzepte (etwa von Platon, Aristoteles oder Montaigne) und Lessings eigenen Schriften interpretiert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?

Der Hauptteil beleuchtet Nathans kaufmännisches Handeln, seinen Umgang mit Wissen und Wahrheit, seine gottergebene Haltung, die sich auf Vernunft stützt, sowie seine vermittelnde Position zwischen verschiedenen Religionen durch die Förderung einer religionsunabhängigen Humanität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „Aufklärung“, „Vernunft“, „Weisheit“, „Humanität“, „Toleranz“, „Ringparabel“ und „ethisches Handeln“ charakterisieren.

Inwiefern beeinflusst Nathans Vergangenheit seine Weisheit?

Die Arbeit zeigt auf, dass der schmerzhafte Verlust seiner Familie ein Wendepunkt für Nathan war, der ihn lehrte, seine Leidenschaften durch Vernunft zu kontrollieren und eine Gottergebenheit zu entwickeln, die nicht in Fatalismus mündet, sondern in tätiges, tugendhaftes Handeln.

Wie interpretiert die Autorin die Ringparabel in diesem Zusammenhang?

Die Ringparabel wird als ein zentrales Instrument Nathans gesehen, das nicht auf einen logischen Beweis der Wahrheit abzielt, sondern zur stetigen Bemühung um Humanität und Toleranz auffordert und damit die Unmöglichkeit des Wahrheitsbesitzes durch den Menschen unterstreicht.

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Details

Title
Auseinandersetzung mit dem Begriff der Weisheit in Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“
College
University of Bonn  (Institut für Germanistik und Komparatistil)
Course
Aufklärung und Literatur
Grade
1,0
Author
Sabrina Hanke (Author)
Publication Year
2013
Pages
19
Catalog Number
V309235
ISBN (eBook)
9783668077607
ISBN (Book)
9783668077614
Language
German
Tags
Lessing Nathan Weisheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabrina Hanke (Author), 2013, Auseinandersetzung mit dem Begriff der Weisheit in Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309235
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