Mögliche Ausspracheschwierigkeiten türkischer Lernerinnen und Lehrer der deutschen Sprache im Bereich der Segmentalia


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedeutung der Aussprache.
2.1 Merkmale der türkischen Aussprache.
2.2 Merkmale der deutschen Aussprache.
2.3 Vergleich beider Sprachen mit Blick auf Unterschiede und daraus resultierenden Schwierigkeiten.

3 Übungen zur deutschen Ausspracheschulung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Obwohl die Aussprache ein wichtiger Teil des Fremdsprachenunterrichts ist, spielen phonetische Aspekte eine untergeordnete Rolle. So werden die phonetischen Aspekte eher als ein ästhetisches Beiwerk oder aber auch als eine Last gesehen (Martinkénas 2009:36). Die Wichtigkeit einer guten Aussprache rückt bei der Kommunikation in den Vordergrund. Denn wenn beim Sprechen zwar die richtige Grammatik benutzt wird, aber die Aussprache nicht korrekt ist und der Hörer nicht erkennen kann, um welchen Satztyp es geht oder welche Wörter gewählt werden, wird das Gesprochene nicht verstanden (Slembek 1986: 27).

„Eine möglichst gute Beherrschung der fremden phonetischen Mittel ist also genauso wichtig wie die Kenntnis des Wortschatzes, der für die Kommunikation gebraucht wird.“ (Hirschfeld/Reinke/Stock 2007:158) Aus dem Grund werde ich mich bei dieser Arbeit auf das Thema der Aussprache und die damit verbundenen Schwierigkeiten konzentrieren. Hierbei habe ich mich auf die Sprachen türkisch und deutsch festgelegt, da türkische Migranten einen großen Anteil in Deutschland ausmachen (Königseder/Schulze 2001: 17) und als ZweitsprachenlernerInnen der deutschen Sprache Aussprachefehler aufweisen können. Außerdem werde ich in dieser Ausarbeitung darauf eingehen, wie Ausspracheschwierigkeiten im Bereich der Segmentalia im Fremdsprachenunterricht behoben werden können.

Im Folgenden wird es zunächst um die Bedeutung der Aussprache in der Kommunikation gehen. Im Anschluss danach werden die Merkmale der türkischen und deutschen Sprache thematisiert, wobei hier nur auf die Segmentalia eingegangen wird. Der Grund dafür ist, dass es didaktisch sinnvoll und erforderlich ist, mit der Lautung zu beginnen, bevor mit der Ebene der Intonation weitergemacht wird (Slembek 1986:27).

Anschließend werden die zwei Sprachen mit Blick auf die Unterschiede miteinander verglichen, um mögliche Aussprachefehler der türkischen DeutschlernerInnen festzustellen. Danach werden mögliche didaktische Methoden für die Vermeidung der Fehler im Bereich der Segmentalia thematisiert und zum Schluss folgt eine kurze Zusammenfassung.

2 Bedeutung der Aussprache

„Der Begriff Aussprache umfasst sowohl segmentale (Vokale, Konsonanten) als auch suprasegmentale (Melodie, Sprechtempo, Lautstärke, Akzentuierung, Rhythmus, Gliederung) Strukturen und Merkmale.“ (Hirschfeld/Reinke 2010: 7) Wobei es verschiedene Arten von Aussprache gibt. In Deutschland wird die Standardaussprache gesprochen, denn sie hat sich „überregional und übergruppal als funktionstüchtig und kommunikationsgünstig erwiesen [ … ].“ (Krech 1999: 135)

„Ausspracheschulung ist ein gewichtiger und gleichberechtigter Teil des Fremdsprachenunterrichts.“ (Dretzke 2006:133) Denn wie in der Einleitung schon erwähnt wurde, spielt die Aussprache eine sehr große Rolle im Fremdsprachenunterricht, obwohl sie bisher benachteiligt wurde.

Psycho- und soziolinguistische Studien legen dar, dass die Aussprache ein wichtiger Teil der Persönlichkeit ist und dass eine schlechte Aussprache oder eine nicht Beherrschung der Aussprache zu gesellschaftlichen Sanktionen führt (Dretzke 2006: 133). Das bedeutet wiederum, dass die Persönlichkeit, wegen der schlechten Aussprache negativ bewertet wird.

Außerdem schreibt Dretzke in seinem Aufsatz (2006:133), ein Akzent würde bei der Aussprache dazu beitragen andere Menschen einzuschätzen in Hinblick auf die regionale Herkunft, soziale Stellung oder aber auch wie bereits erwähnt auf die Persönlichkeitsmerkmale. So entsteht das Vorurteil Nichtmuttersprachler mit ausländischem Akzent seien weniger kompetent oder weniger intelligent. Auch werden Nichtmuttersprachler mit einem ausländischen Akzent als sozial niedriger eingestuft. (ebd.)

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass angehende Lehrkräfte eine Modellrolle haben, denn SchülerInnen werden die phonetischen Merkmale von dem Lehrer abgucken und diese auch imitieren. Deshalb besteht ein Zusammenhang von Lehrer- und Schüleraussprache, d.h. z.B. eine schlechte Lehreraussprache führt zu einer schlechten Schüleraussprache. In diesem Bereich fossilisieren die Fehler besonders leicht und sind später nicht einfach zu korrigieren (Dretzke 2006: 133). Aus dem Grund sollte die Aussprache auch ein wichtiger Teil des Fremdsprachenunterrichts sein.

Ein Gegensatz ist der Nichtmuttersprachler, der die grammatischen Regeln zwar nicht beherrscht aber eine einheimische Aussprache hat und infolgedessen akzeptiert wird, obwohl grammatikalische Fehler auftreten (Martinkénas 2009: 36).

Erfahrungen [ … ] in kommunikativen Situationen im Ausland zeigen, dass die Akzeptabilität von Ausländern, die sich di e Aussprachenormen der Fremdsprache bei mangelnder Beherrschung der Grammatik weitgehend aneignen, größer ist, als im umgekehrten Fall. (Martinkénas 2009: 36)

Also ist festzustellen, dass Hörer bei einer guten Aussprache dazu neigen Fehler in anderen Bereichen z.B. wie Grammatik oder Wortschatz zu überhören (Dretzke 2006: 133).

Auf Grund dieser Erkenntnisse über die Bedeutung der Aussprache werde ich im nächsten Kapitel Bezug auf die Merkmale der Aussprache, der von mir gewählten zwei Sprachen nehmen.

2.1 Merkmale der türkischen Aussprache

In diesem Abschnitt soll auf die Segmentalia im türkischen eingegangen werden. Dabei werden zuerst die Vokale und dann die Konsonanten hervorgehoben.

Das Türkische besitzt über acht Vokale [ a, e, i, ı, o, ö, u, ü ] (Hoenes 2008: 8), welche alle kurz und offen ausgesprochen werden. Eine Ausnahme stellen die Fremdwörter dar, in denen lange Vokale vorkommen (Moser-Weithmann 2001: 12).

Der Buchstabe ı ist ein „kurzes, dumpfes i, ähnlich wie die unbetonte Infinitivendung in machen“ (Tunç 2012: 79) oder wie das e in Dose (Hoenes 2008: 8).

Das besondere am Türkischen ist die Vokalharmonie, welches sich durch die Merkmale hell [ e, i, ö, ü ] und dunkel [ a, ı, o, u] kennzeichnet. Ein türkisches Wort besteht bis auf einige Ausnahmen entweder nur aus hellen oder dunklen Vokalen (Moser-Weithmann 2001: 15). Die Ausnahmen bilden Fremdwörter wie z.B. cami (Moschee) und Suffixe wie elma (Apfel) und anne (Mutter) (ebd.).

„Das Türkische wird wie alle anderen Turksprachen […] durch Agglutination und Vokalharmonie gekennzeichnet.“ (Gülbeyaz 2012: 69) Die Vokalharmonie legt genau fest, welche Vokale in Wortendungen und Silben eines Wortes vorkommen dürfen und welche nicht. So kann man der ersten Silbe eines Wortes entnehmen, ob die folgenden Silben palatal (hell) oder velarer (dunkel) sein werden. In den Wörtern evlenmek (heiraten) und toplamak (aufräumen, pflücken, einsammeln) wird es deutlich (ebd.). Außerdem unterscheidet man zwischen der kleinen und der großen Vokalharmonie (Hoenes 2008: 9).

Die Regel der kleinen Vokalharmonie besagt, dass „der Vokal des Suffixes entsprechend dem letzten Vokal des Wortes [lautet], an den das Suffix tritt “ (Moser-Weithmann 2001: 15). Das bedeutet, dass wenn die letzte Silbe eines Wortes ein heller Vokal ist, der Vokal des Suffixes ein e sein muss. Und wenn die letzte Silbe eines Wortes ein dunkler Vokal ist so muss der Vokal des Suffixes ein a sein (ebd.). Veranschaulicht werden kann dies durch die Beispiele „ev (Haus) evler (Häuser) und oda (Zimmer) odalar (Zimmer) (ebd. : 16).

Die Regel der großen Vokalharmonie lautet, dass wenn die letzte Silbe eines Wortes ein e oder i enthält, der Vokal der folgenden Silbe ein i sein muss. Auf ein ö oder ü folgt nach der Regel der großen Vokalharmonie ein ü und auf ein a und ı ein ı. Bei den Vokalen o und u muss die letzte Silbe den Vokal u beinhalten (ebd.). Die Beispiele „Doktor gelip reऊete yazdi“ (Der Arzt kam und stellte ein Rezept aus.) und „Kardeslerim ateúlerini ölऊüp yattılar“ (Meine Brüder haben Fieber gemessen und legten sich hin.) (Moser-Weithmann 2001: 180) verdeutlichen die Haftigkeit der Gesetze der großen Vokalharmonie. „Das Gesetz der Vokalharmonie zieht sich durch die ganze türkische Formenlehre.“ (Moser-Weithmann 2001: 15)

Ein weiteres Merkmal sind die Doppelvokale, die nur bei Wortzusammensetzungen oder in Fremdwörtern vorkommen aber nicht wie die Doppelvokale im Deutschen zu einem Laut werden. Sie werden als zwei getrennte Vokale ausgesprochen. An den Beispielen havaalanı (Flugplatz) und saat (Uhr/Stunde) ist die getrennte Aussprache gut zu beobachten (Hoenes 2008: 8).

Im weiteren Verlauf werde ich mich auf die Konsonanten und ihre Besonderheiten beziehen. Das Türkische kennt die Konsonanten [ b, c, ऊ, d, f, g, ÷, h, j, k, l, m, n, p, r, s, ú, t, v, y ], welche sich durch ihre Stimmhaftigkeit oder Stimmlosigkeit unterscheiden. Im allgemeinen ähnelt sich die Aussprache der türkischen und deutschen Konsonanten (Moser-Weithmann 2001: 13).

Im Folgenden werden die Konsonanten und ihre Aussprache in tabellarischer Form dargestellt.

Ü bersicht 1. Die Konsonanten des t ü rkischen, die es im deutschen nicht gibt und ihre Aussprache (Moser-Weithmann 2001: 11 f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Das weiche g ist nur schwach hörbar. Zwischen hellen Vokalen wird es wie deutsches j gesprochen; zwischen dunklen Vokalen ist es kaum hörbar: yo ğ urt ~ yo-urt, a ğ ız ~ a-ız (Mund).“ (Moser-Weithmann 2001: 13)

Doppelkonsonanz kommt im türkischen mit wenigen Ausnahmen vor. Die Wörter wie anne (Mutter), elli (fünfzig) und belli (deutlich) stellen einige dieser Ausnahmewörter dar (ebd.). „Sie kommt nur bei Anhängung von konsonantisch beginnenden Endungen an konsonantisch auslautende Wörter oder Verbalstämme vor.“ (Moser-Weithmann 2001: 13 f.)

Wenn Doppelkonsonanz vorliegt werden diese getrennt gesprochen wie z.B. bei git- ti (er ist gegangen) oder bei yol-lar (Wege) (ebd : 14).

Eine weitere Besonderheit des türkischen ist der Konsonantenwandel im Anlaut von Endungen und im Wortauslaut (Cakir 2011: 15). Die Regel des Konsonantenwandels im Anlaut von Endungen besagt, dass wenn ein Wort am Ende der letzten Silbe ein d hat, zu t verändert wird. Der Merksatz „Fe Paùa उoK HaSTa.“ erinnert leicht an die Regel, denn hier sind die stimmlosen Konsonanten des türkischen groß geschrieben (Moser- Weithmann 2001: 14).

In dem nächsten Kapitel, werde ich auf die Besonderheiten der deutschen Vokale und Konsonanten eingehen und sie beschreiben.

2.2 Merkmale der deutschen Aussprache

Auch in diesem Abschnitt werde ich mich auf die Segmentalia beschränken und zunächst auf die Vokale eingehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mögliche Ausspracheschwierigkeiten türkischer Lernerinnen und Lehrer der deutschen Sprache im Bereich der Segmentalia
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V309900
ISBN (eBook)
9783668083011
ISBN (Buch)
9783668083028
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DaF, Einführung DaF Didaktik, Segmentalia, türkische Lerner, Deutsch als Fremd- Zweitsprache, Aussprache
Arbeit zitieren
Hatice Simsek (Autor), 2014, Mögliche Ausspracheschwierigkeiten türkischer Lernerinnen und Lehrer der deutschen Sprache im Bereich der Segmentalia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309900

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