Zwangsarbeit bei der Firma Krupp während des Nationalsozialismus. Personalpolitik und Verhältnis zur Ideologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Vorwort

2. Die Wirtschaft in der NS-Zeit

3. Ziele und Vorstellungen der NSDAP

4. Die Firma Krupp

5. Die Haltung der Firma Krupp zur NSDAP

6. Rahmenbedingungen der unfreiwilligen Arbeiterschaft

7. Zwangsarbeit bei Krupp

8. Folgen für die Opfer und Täter während/ nach der NS-Zeit

9. Schlussbetrachtung

10. Quellennachweis

1. Vorwort

Mein besonderes Augenmerk liegt bei dieser Arbeit auf der Personalpolitik der Firma Krupp, sowie das Verhältnis von Krupp zum Nationalsozialismus. Ich möchte analysieren mit welcher Absicht und in welchem Ausmaß dort Arbeitskräfte zwangsverpflichtet wurden und wie die Unternehmensführung zu den rassistischen Ideologien dieser Zeit stand.

Am Anfang meiner Arbeit wird eine kurze Übersicht darüber gegeben, wie die Wirtschaft in der NS-Zeit funktionierte, welche Pläne die NSDAP für die Zukunft hatte und welche Auswirkungen dies auf die Landwirtschaft, die Industrie und auf die Wirtschaftslage mit dem Ausland hatte. Im dritten Kapitel wird versucht zu ergründen, was man allgemein unter der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus versteht. Der Hauptteil beschäftigt sich speziell mit dem Werdegang und dem Verhalten von Krupp auf die gegebenen Rahmenbedingungen in der NS-Zeit. War Zwangsarbeit nun eine traurige Begleiterscheinung des Nationalsozialismus, wodurch es für Krupp keine andere Möglichkeit gab die Produktion aufrecht zu erhalten, oder war es doch ein rentabler Weg die Produktivität unter günstigen Faktorkosten effizienter zu gestalten? Das Fazit soll diese Frage noch einmal aufgreifen, soweit möglich beantworten und so das Thema abschließen.

2. Die Wirtschaft in der NS-Zeit

Die nationale Einheit fand Deutschland erst spät und ihre Gründe lagen in den historischen und geographischen Faktoren, auf die wir hier nicht näher eingehen müssen. Diese Entwicklung hatte gegenüber anderen Ländern zur Folge dass Deutschland relativ spät in den Welthandel einstieg und das die Welthandelsposition im Vergleich schwächelte[1]. Mit wenigen Worten soll einmal auf die Ausgangsposition im Jahre 1860 (Gründung des Deutschen Reiches) eingegangen werden: Landwirtschaftlich gesehen wurden 60% der Warenproduktion geliefert und den größten Teil lieferten die Handwerker, die für den lokalen Markt arbeiteten. Noch vor dem Zollverein (1834) war die Industrieproduktion gesplittet (mit Ausnahme von Sachsen und dem Rheinland). Man darf jedoch festhalten, dass die Industrieproduktion seit 1860 bis 1913 eine Verzehnfachung des eigenen Wertes erreichte (von 2 Milliarden Mark bis 20 Milliarden).Der industrielle Aufschwung verschaffte Deutschland den zweiten Platz unter den Industrienationen und brachte eine Konzentration der Industrieproduktion mit sich: sie wuchs dreimal schneller als die Zahl der Unternehmen. Die deutsche Industrie verfügte über eine unzulängliche Rohstoffbasis. Was die Deutschen an Kohle, Zink und Kalium besaßen, so mangelte es ihnen an Eisenerz, Erdöl, Kupfer, Zinn, Nickel und Schwefel etc.

Da Deutschland verspätet auf dem Weltmarkt hinzustieß, waren die meisten Positionen auf dem Gebiet des Warenexports und des Kapitalexports sehr rar gesät. Da diese gewichtigen Probleme nicht so ohne weiteres gelöst werden konnten, gehörte Deutschland schon vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu den "alten" Bundesländern.

Auf den Ersten Weltkrieg folgte die Inflation und eine Wirtschaftskrise, die das ökonomische und soziale Leben erschütterten. Deutschland wurde von seinen Nachschubquellen abgeschnitten, was in der Landwirtschaft eine schwere Produktionskrise bescherte. Erst 1924 besserte sich die Lage etwas - wenn man die erheblichen Verschuldung der Bauern außen vor lässt. Die Wirtschaftskrise veranlasste die Bauern den Preisverfall durch Mehrproduktion auszugleichen, was ein Absinken der Agrarpreise hervorrief. Der Bruttoertrag der Landwirtschaft stürzte um fast 28,5% in den Keller und bescherte vielen Betrieben das sichere Aus.

Für die deutsche Industrie sah es auch nicht besser aus: die politischen Wirren, welche in Deutschland für die Nachkriegsjahre charakteristisch waren, werden hier von Bettelheim als einer der Hauptgründe genannt. Erst 1929 stabilisierte sich die Industrieproduktion, was sich wegen der Erhöhung der Arbeitsproduktivität erklären lässt. An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass die Entwicklung sich nicht überall gleich entwickelten: Die Eisenerzförderung beispielsweise sank um 75%, jedoch nahm die Braunkohleindustrie (Indexsteigerung von 100 [1913] auf 190) beträchtlich zu. Besonders charakteristisch ist, dass die Arbeitslosigkeit trotz mancher Aufwärtsentwicklungen vielen Deutschen besonders zu schaffen machte. Arbeitslosigkeit war kein deutsches Problem, sondern war auch im Ausland (bsp. Großbritannien, USA etc.) bekannt und gefürchtet. Jedoch traf die Finanzkrise Deutschland besonders hart: die Zahl der Arbeitslosen von 1929 wuchs von zwei Millionen im Jahre 1932 auf sechs Millionen und schuf so eine katastrophale Einschränkung des Binnenmarktes. Und der Nährboden für ein politisches Drama, das später als die NS-Zeit bekannt sein wird.

Die politischen Wirren in Deutschland schafften eine Unzufriedenheit, die sich die Partei der Nationalsozialisten nutzten konnten: Die breite Masse der Arbeitnehmerbevölkerung wollten ihr Privateigentum schützen, eine sichere Arbeit haben und vor allen Dingen eine gesicherte Zukunft für die eigenen Kinder. Bettelheim nennt den Nationalsozialismus als „eine beginnende Protestbewegung gegen die erniedrigende Bedingungen des Versailler Vertrags und für eine Einheit Deutschlands“[2]. Eine besondere Triebkraft ist also nicht nur in der wirtschaftlichen Entwicklung zu suchen sondern auch nach dem Wunsch nach einer starken Einheit. Tatsächlich hielten die Nationalsozialisten das, was sie versprachen - aber zu einem Preis, den wohl niemand mit klarem Verstand zu zahlen bereit wäre. Die Struktur der deutschen Wirtschaft unter dem NS-Regime beginnt im Groben mit der Einverleibung Österreichs und des Sudetenlandes, das mit einer leichten Steigerung des öffentlichen Eigentums von 5% auf 7,3% reagierte. Überwiegend war die Gesetzeslage des Regimes so ausgelegt, dass das Privateigentum gestärkt werden sollte. Hochverschuldet war der Staat schon zu Beginn, und es mussten neue Absatzmärkte erschlossen werden. Eine Erhöhung der Löhne, wie oftmals vom Volk gefordert, war schlichtweg unmöglich aber die steigende Bedeutung der Rüstungsaufträge versprachen Abhilfe. Der Bau der Autobahnen in Deutschland kosteten ein Vermögen, verhalfen jedoch zum Anstieg des Volkseinkommens und zusätzlich eine starken Schwächung der Arbeitslosenzahlen von 6 Millionen(1932) auf 2,6 Millionen (1933). Man muss bemerken, dass die Löhne der Arbeiter kaum höher waren als die Sätze der Arbeitslosenunterstützung, und auch dass die Arbeitslosen in den Lagern nicht als Arbeitslosen gezählt wurden[3]. Die NSDAP erklärte die Stellung der Frau als "Heimarbeiterin", die für Kinder und Ehe zuständig sein sollte. Die Errichtung eines obligatorischen Arbeitsdienstes und des Militärdienstes schufen für die kommenden Ziele "Auffangbecken" und verblüfften nahezu alle Beteiligten.

Bis zu diesem Punkt war das Reich praktisch unbewaffnet, aber die Ausgangslage war ideal: enorme Reserven an Produktionskräften in der Schwerindustrie (bislang waren sie nur zu 30 % ausgereizt worden!), die Fabrikationsunterlagen waren bereit und das Ziel klar gesteckt[4]. Das Produktionsniveau von 1936 war beispiellos erhöht aber ein Problem blieb: es mangelte an Investitionen von privater Seite. Ein künstlicher Ansporn durch Anleihen ermöglichte öffentliche Aufträge und gab der deutschen Industrie ihren Platz von einst zurück, jedoch profitierten die Konsumenten nicht von dieser Entwicklung. Die nationalsozialistischen Führungskräfte erhöhten auch nicht die Löhne und zeigten bis zum Ende auch kein Interesse daran. Schließlich nahm Deutschland wieder einen wichtigen Platz in der weltweiten industriellen Produktion ein und überflügelte sogar Großbritannien.

3. Ziele und Vorstellungen der NSDAP

Die rasche Schaffung von Arbeitsplätzen wurde selbstverständlich zu propagandistischen Zwecken genutzt und verfehlte auch ihre Wirkung nicht. Somit folgte eine solide Grundlage um weitere politische Ziele umzusetzen. Das Hauptziel war es Deutschland autark werden zu lassen - unabhängig von der Welt würde es die besten Voraussetzungen für eine Weltherrschaft haben. Die "Wehrhaftmachung" sollte 1938 abgeschlossen werden. Die Aufhebung der KFZ-Steuer führte zu einem Anwachsen der Automobilindustrie, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, finanzielle Unterstützung und steuerliche Begünstigungen für Investitionen waren nützliche Triebfedern, die das Erreichen des großen Zieles näherbrachten.

Die politisch-ideologische Programmschrift Hitlers "Mein Kampf" wurde erstmals 1925 veröffentlicht. Hitler bekräftigte darin die Geltung des 25-Punkte-Programms der NSDAP, um dieses nicht in innerparteiliche Konflikte zu verwickeln, und bescheinigte der völkischen Bewegung völlige Erfolglosigkeit, um seine NSDAP als moderne, unverbrauchte und zielbewusste Sammelbewegung des nationalistischen, antidemokratischen Lagers der Weimarer Republik darzustellen. Im Laufe der kommenden Jahre avancierte das Blattwerk zu einem Bestseller und wurde ab 1936 sogar anstatt der Bibel von den Standesämtern verschenkt. Bis 1944 wurden bis zu 10,9 Millionen Stück verkauft/unter das Volk gebracht.

Warum dieser Exkurs über ein vieldiskutiertes Werk? Nach den Zahlen zufolge besaß ein Großteil der Gesamtbevölkerung dieses Buch, da das Werk einen erheblichen Anteil an der Propaganda besaß. Wir werden später auf die Schuldfrage eingehen und diesen nicht unwichtigen Aspekt näher beleuchten.

In diesem Buch werden folgende Ideen präsentiert: die Forderung nach Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, die Forderung nach einem neuen Lebensraum für das Deutsche Volk und eine ausführliche Darstellung seiner antisemitischen Weltanschauung. Über eine genaue Auflistung soll aus verständlichen Gründen verzichtet werden.

[...]


[1] Vgl. Bettelheim, S.15ff.

[2] Vgl. Bettelheim, S.39.

[3] Vgl. Bettelheim, S.219.

[4] Siehe ebd. , S220 f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zwangsarbeit bei der Firma Krupp während des Nationalsozialismus. Personalpolitik und Verhältnis zur Ideologie
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie/Abteilung Geschichte)
Veranstaltung
Die Wirtschaft im Nationalsozialismus
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V309924
ISBN (eBook)
9783668082588
ISBN (Buch)
9783668082595
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krupp - Nationalsozialismus - Deutschland - Wirtschaft - Geschichte - Zwangsarbeit - Macht - Industrie - Stahl - Firma
Arbeit zitieren
Stephan Lasser (Autor), 2014, Zwangsarbeit bei der Firma Krupp während des Nationalsozialismus. Personalpolitik und Verhältnis zur Ideologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309924

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