Tonio Kröger: Symbolfigur des Konflikts zwischen Künstlertum und Bürgertum


Hausarbeit, 2011

28 Seiten, Note: 2,30


Leseprobe

Inhalt

Tonio Kröger:

Symbolfigur des Konflikts zwischen Künstlertum und Bürgertum

Einleitung

Kapitel 1: Tonio Kröger
1.1 Erscheinungsb
1.2 Charakterisieru
1.3 Soziales Umf
1.3.1 Allgem
1.3.2 Die Elte
1.3.3 Ingeborg Ho
1.3.4 Lisaweta Iwanow

Kapitel 2: Hans Hansen
2.1 Erscheinungsb
2.2 Charakterist.k
2.3 Die Beziehung von Hans und To

Kapitel 3: Der Konflikt zwischen Künstlertum und Bürgertum
3.1 Definitionen von Künstlertum und Bürgert
3.1.1 Künstlert
3.1.2 Verschiedene Bürgerbegri
3.2 Die Rolle und die Vertreter des Bürgertu
3.3 Tonio Kröger als Vertreter des Künstlertu
3.3.1 Analyse der Szene in Lisawetas Atelier Tei
3.3.1.1 Trennung vom Bürgert
3.3.1.2 Tonio und die Dekade
3.3.1.3 Die apollinische Komponen
3.4 Tonio Kröger als Symbolfigur des Konfli
3.4.1 Analyse der Szene in Lisawetas Atelier Teil II: Die Selbstbeich
3.4.1.1 Erkenntnisek
3.4.1.2 Künstlertum versus Leb
3.4.1.3 Tonio Krögers Persönlichkeitsentwicklu
3.4.1.4. 9. Kapitel: Der Brief an Lisaweta - Ein Bekennerschreib

Kapitel 4: Psychoanalyse der Bürger-Kunst-Problematik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Künstler und „normale“ Bürger stehen sich seit jeher Gegenüber. Auf der einen Seite die leidenschaftlichen, unkonventionellen, intellektuellen Kreativen, die mit ihren Werken auch zur kulturellen Unterhaltung der Bürger beitragen. Auf der anderen Seite die ordinären, fleißigen, normierten Bürger, die den Werten ihrer Gesellschaft treu konservativ erhaben sind.

Thomas Manns Novelle „Tonio Kröger“ fand schon kurz nach ihrem Erscheinen im Jahre 1903 eine besondere Betrachtung in der deutschen Literaturwissenschaft, die bis heute währt.

Mann beschreibt detailliert die sich entwickelnde Persönlichkeit eines Künstlerstyps. Seit seiner Jugend ist er hin- und hergerissen zwischen bürgerlichen und künstlerischen Einflüssen, ohne sich einer Seite vollständig zugehörig zu fühlen, da er nicht nur von beiden Einflüssen umgeben ist, sondern auch beides in sich trägt. Der Autor beschreibt mit autobiografischem Hintergrund die Orientierungsversuche in der Adoleszenz des Protagonisten und welche weiteren Personen dabei eine Rolle spielen.

Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, die verschiedenen Personen innerhalb dieser Novelle und ihre Wirkung auf die weitere Entwicklung Tonio Krögers zu analysieren, um die Titelthese als Resultat festzustellen. Die Überzeugung, dass der Protagonist die Symbolfigur des o.g. Konflikts darstellt, wurde auch deshalb als Thematik gewählt, weil sie den Autor persönlich anspricht und gezeigt werden soll, wie dies in der Literatur umgesetzt wurde.

Im Fokus liegt der Konflikt zwischen dem Bürger- und dem Künstlertum. Im ersten Kapitel wird der Protagonist inklusive seines Umfelds zunächst vorgestellt. Das zweite Kapitel dreht sich um Hans Hansen und die Beantwortung der Fragen wer er ist und welche Rolle er für Kröger spielt. Da Mann bekannt dafür ist, das äußere Erscheinungsbild seiner Charaktere bewusst als Pendant zur entsprechenden Persönlichkeit zu zeichnen, wird bei den jeweiligen Figurenvorstellungen zunächst das Erscheinungsbild analysiert. Nach den Erkenntnissen der ersten beiden Kapitel wird im dritten Kapitel erklärt, was unter dem Bürger- und Künstlertum zu verstehen ist, um schließlich die Relevanz für Manns Novelle zu verdeutlichen. Die Szene in Lisawetas Atelier wurde, hinsichtlich verschiedener Betrachtungsweisen (Kröger als Künstler, Tonios Konflikt mit dem Bürgertum), in zwei Teilen analysiert. Dem Titel entsprechend wird hermeneutisch analysiert, dass und warum Tonio Kröger die Symbolfigur des Konflikts zwischen beiden Typen darstellt. Im vierten Kapitel wird der Konflikt von Bürgern und Künstlern psychoanalytisch anhand der Mutter betrachtet. Nach den genannten Untersuchungsschwerpunkten werden im Fazit noch einmal die wichtigsten Ergebnisse kurz dar dargestellt, um final die These der Hausarbeit festzustellen. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat sich dem Thema des Konflikts in breiter Form gewidmet. So bietet die Sekundärliteratur (Hermes, Brinkmann) einfache Analysen bezogen auf die Soziologie dahinter bis hin zu ausführlichen Einblicken in den philosophischen Hintergrund hinsichtlich Auffassungen zu Kunst und Existentialismus basierend auf Schopenhauer und Nietzsche. Letzterer ist für die Einführung des Begriffspaares apollinisch-dionysisch bekannt. Im letzten Kapitel erfährt dieser Punkt eine (kurze) Anwendung. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich primär mit dem Konfliktthema aus gesellschaftlicher Sicht.

Kapitel 1: Tonio Kröger

1.1 Erscheinungsbild

Tonio Kröger ist brünett und hat ein südländisches, scharf geschnittenes Gesicht. Dazu dunkle, zart umschattete Augen, die von zu schweren Liedern geschlossen werden. Seine Physiognomie lässt bereits erste Schlüsse auf seinen Charakter zu: sie ist gekennzeichnet durch eine ungewöhnlich weiche Mund und Kinnpartie. Kröger trägt in der Anfangsszene einen grauen Gurt-Paletot (eine Art Parka mit Gürtel) und eine runde Pelzmütze. Seine Kleidung lässt ihn klassisch erscheinen, ohne modische Auffälligkeiten. Auch die Körpersprache spiegelt seinen innere Verfassung wieder: So ist sein Gang nachlässig und ungleichmäßig - genau so wie seine schwankenden Emotionen und der Mangel an Gradlinigkeit in seinem Handeln. Der oft seitwärts geneigte Kopf mit Blick in die Ferne zeigt, dass er voller Gefühle im Moment versinken kann und dabei seine Umgebung vergisst. Generell denkt er in solchen Situationen viel über seine Zukunft nach.1

Als erwachsener Mann besucht er seine Freundin Lisaweta Iwanowna. Dort wird er als Mann mit braunem Schnurrbart beschrieben, der sorgfältig in einem reserviert geschnittenem Anzug aus ruhigem grau auftritt. Tonio trägt einen korrekten Scheitel und fällt durch nervöses Zucken auf. Er ist ein (erwachsener) Mann geworden, der innerlich mehr Orientierung gefunden hat. Gleichzeitig hat er nicht den Drang, nach außen hin aufzufallen, sondern möchte innerhalb seiner persönlichen Ordnung für sich sein. Gewissermaßen hat er einen Teil der Bürgerlichkeit für sich übernommen.

1.2 Charakterisierung

Tonio Kröger ist der sensible, künstlerische Protagonist der Erzählung. Bereits in seiner Jugend (das erste konkret genannte Alter ist 14 Jahre2 ) ist er ein eher introvertierter, sehr sensibler Junge, der lieber für sich oder allenfalls in Umgebung ihm sehr vertrauter Menschen ist. So wartet er am Anfang der Erzählung auf seinen Freund Hans Hansen, mit welchem Tonio zum Spazierengehen verabredet ist und fürchtet bereits nach einer kurzen Verspätung seines besten Freundes mit plötzlich getrübten Augen um dessen Zuverlässigkeit.3 Mann beschreibt ihn als träumerischen und zaghaften Jungen, der oft in Gedanken verfällt. Seine Gedanken drehen sich meistens um sein eigenes Dasein und das Dasein an sich. Er fühlt seine Emotionen sehr intensiv, besonders solche, die schmerzvoll sind. Seine Gefühle spielen für ihn eine große Rolle - Kröger hat Freude an emotionalen Erfahrungen. Er setzt sie mit Lebendigkeit gleich, weil er sich dadurch fühlen kann. Der Großteil seines Selbstbewusstseins besteht aus der Beschäftigung mit der eigenen Gemütslage. Allerdings hat dies für ihn keinen praktischen Nutzen, bis auf den Einfluss auf seine künstlerische Ader.4 Durch seine stark ausgeprägte Sensibilität ist er auch in der Lage, die Verfassung anderer Menschen besser zu fühlen, bzw. deren Persönlichkeit rapide einzuordnen und hinsichtlich Schwächen zu ergründen. Durch die feinfühlige Wahrnehmung seines Lebens und seiner Umwelt bewertet er diese auch gleichzeitig. Der Protagonist hat kein großes Interesse für den schulischen Unterricht, sondern ist mental vorzugsweise abwesend dadurch, dass er in seine eigene Gedankenwelt driftet. Zumal Tonio die Entwicklung und Lehre der Persönlichkeit eines Menschen für wichtiger hält als für den Inhalt, den ihm die Schule übermitteln will.5 So wird beschrieben, dass der Hauptdarsteller „erbärmlichste Zensuren“6 schreibt.7 Dies schafft eine Konfliktgrundlage mit seinem Vater.8 Eine nähere Betrachtung erfolgt unter Punkt 1.3.2 im Abschnitt „Die Eltern“. Tonio investiert viel Zeit in das Schreiben von Versen. Diese hält er in einem Heft fest, was ihm an seiner Schule zum Nachteil wird (nähere Beschreibung auch hier unter Punkt 1.3.2). Durch Selbstreflexion und die Reaktion seiner Mitmenschen auf ihn, erkennt er seine sonderliche, andersartige Stellung. Die Titelfigur hinterfragt dies und spekuliert über zukünftige Erwartungen. Tonio ist dennoch mit seiner Andersartigkeit zufrieden.9

Als er in Kapitel II erkennt, dass er wegen der Begegnung mit Ingeborg Holm beim Tanzunterricht nicht einschlafen kann, erkennt er dies als Liebe, bzw. verliebt sein. Beim Tanzunterricht zitiert er den Schriftsteller Theodor Storm in Gedanken, was seine Affinität zur Bildung zeigt. Im Zeitraum des Todes seines Vaters denkt Tonio über darüber nach, was er werden soll und kommt zum Schluss, dass er das Potential zu mannigfaltigen Möglichkeiten hat. Kröger erkennt sich selbst als vielfältige Person mit breit gefächerter Persönlichkeit. Nachdem der Protagonist seine Vaterstadt verlässt und gen Süden fährt, stellt er fest, dass sein Herz tot und ohne Liebe ist, es klafft ein Loch innerer Leere, worunter Kröger sehr leidet.10 Sein Leben findet zwischen den Extremen von Geist und Sinnen statt. Auf der einen Seite gibt es die rationale, vernünftige, intellektuelle Person. Auf der anderen Seite, die fühlende, leidenschaftliche, die mit gefühlskalter Nüchternheit nicht zufrieden ist. Die Hauptfigur lebt ein außerordentliches Leben, dass er im Grunde verabscheut, traut sich aber nicht, exzentrische Abenteuer voller Freude und Leidenschaften zu leben, weil Kröger dies abwertet als Lebensweise für Zigeuner, was seinen bürgerlichen konservativen Charakter zeigt11, den er bis zum Erwachsenenalter als Teil von sich ablehnt. Durch reflektierende Gespräche mit Lisa und Reisen in den Süden und in den Norden (Reise zu sich selbst) wird er sich selbst gegenüber ehrlicher und lockerer, die Verkrampftheit bezüglich seiner Identität löst sich mehr und mehr mit Anerkennung der Vielfalt seiner Persönlichkeit.

1.3 Soziales Umfeld

Tonio Kröger wächst in einer norddeutschen Stadt auf.12 Krögers soziales Umfeld ist durch die bürgerliche Gesellschaft gekennzeichnet, von der er sich differenziert. Er umgibt sich nur mit wenigen, eng vertrauten Personen. Dazu gehören seine jeweiligen Elternteile, sein engster Freund Hans Hansen sowie Lisa Iwanowna und Ingeborg Holm. Im Folgenden wird sein Bezug auf seine Mitmenschen analysiert, um danach das Verhältnis zu den einzelnen Personen genauer zu betrachten. Bei allen vorkommenden Personen handelt es sich nicht um Individuen, sondern um austauschbare Typen, die eine bestimmte Einstellung zu den Themen Leben und Kunst verkörpern.13

[...]


1 Mann, Thomas: Tonio Kröger, Mario und der Zauberer, Frankfurt a.M.: Fischer 2008, Vgl. S.8.

2 Ebd. Vgl. S. 8.

3 Mann, T.: Tonio Kröger. Vgl. S. 7.

4 Ebd. Vgl. S.9-10.

5 Ebd. Vgl. S.9

6 Ebd. S. 9.

7 Ebd. Vgl. S. 9f.

8 Ebd. Vgl. S. 10

9 Große, Wilhelm: Königserläuterungen. Tonio Kröger, Hollfeld: C. Bange Verlag, 1999, S. 15

10 Große, W.: Königserläuterungen. Vgl. S. 26.

11 Ebd. Vgl. S. 26.

12 Ebd. Vgl. S. 15.

13 Hermes, Beate: Klett Lektürehilfe: Thomas Mann-Tonio Kröger. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1989, Vgl. S. 17.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Tonio Kröger: Symbolfigur des Konflikts zwischen Künstlertum und Bürgertum
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Thomas Mann
Note
2,30
Autor
Jahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V309965
ISBN (eBook)
9783668122666
ISBN (Buch)
9783668122673
Dateigröße
1177 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tonio, kröger, symbolfigur, konflikts, künstlertum, bürgertum
Arbeit zitieren
Aaron Linnerth (Autor), 2011, Tonio Kröger: Symbolfigur des Konflikts zwischen Künstlertum und Bürgertum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309965

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