Der Blick in den Spiegel. Der Einfluss von "Body Checking" auf das Körperbild und die Stimmung bei Frauen


Masterarbeit, 2015

67 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Abstract

Einleitung

Methoden
Stichprobe
Messinstrumente
Spiegelbedingung
Kontrollbedingung
Versuchsablauf
Statistische Analysen

Ergebnisse

Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang A
Anhang B
Anhang C
Anhang D
Anhang E
Anhang F
Anhang G.

Zusammenfassung

Theoretischer Hintergrund: Body Checking ist ein weit verbreitetes Phänomen und stellt eine behaviorale Manifestation eines negativen Körperbildes dar. Diese Studie befasst sich mit den Auswirkungen von induziertem Body Checking bei nicht-klinischen Frauen.

Fragestellung: Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von Body Checking auf das Körperbild und die Stimmung zu untersuchen, sowie einen möglichen moderierenden Effekt der spezifischen Essstörungspathologie und der Körperzufriedenheit zu überprüfen. Methode: 40 Frauen inspizierten sowohl ihre negativ als auch ihre positiv bewerteten Körperareale anhand verschiedener Body Checking-Varianten. Ergebnisse: Nach dem Body Checking wiesen die Frauen ein negativeres Körperbild auf, jedoch keine bedeutsame Veränderung hinsichtlich der Stimmung. Nur die Essstörungspathologie erwies sich als Moderatorvariable in Bezug auf die Stimmung. Es zeigten sich keine weiteren Moderatoreffekte. Schlussfolgerungen: Body Checking scheint insbesondere einen Einfluss auf das Körperbild zu haben. Allerdings scheinen Essstörungspathologie und Körperzufriedenheit als Moderatoren bezüglich des Body Checking-Einflusses bei nicht-klinischen Frauen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen.

Schlüsselwörter: Body Checking, Spiegelexposition, Essstörungen, Körperbild, Stimmung

Abstract

Background: Body checking is a widespread phenomenon and a behavioral manifestation of a negative body image. This study explores the impact of induced body checking in non-clinical women. Objective: The purpose of this study was to examine the impact of body checking on body image and mood as well as to investigate a possible moderating effect of eating disorder psychopathology and body satisfaction. Methods: 40 women inspected their negatively and positively rated body parts using several body checking variations. Results: After body checking, women showed a more negative body image but no significant change in mood. Only eating disorder psychopathology proved to be a moderator variable with regard to mood. No other moderator effects were found. Conclusions: Body checking seems to have especially an impact on body image. However, eating disorder psychopathology and body satisfaction appear to play a minor role as moderators concerning the effect of body checking among non-clinical women.

Keywords: Body Checking, mirror exposure, eating disorders, body image, mood

Einleitung

Körperbezogenes Kontrollverhalten – auch als „Body Checking“ bezeichnet – ist ein weit verbreitetes Phänomen, das besonders häufig unter jungen Frauen auftritt (Farrell, Shafran & Fairburn, 2004; Haase, Mountford & Waller, 2011) und zudem ein häufiges Merkmal von Essstörungen darstellt (Fairburn, Shafran & Cooper, 1999). Es beinhaltet eine kritische, meist ritualisierte Überprüfung des eigenen Körpers in Bezug auf Form, Figur und Gewicht und äußert sich beispielsweise durch häufiges Betrachten des eigenen Spiegelbildes, regelmäßiges Wiegen sowie das Abmessen oder Abtasten von Körperteilen (Shafran, Fairburn, Robinson & Lask, 2004). Auch das Einholen von Rückversicherung bei anderen Personen über die eigene Figur sowie der Vergleich der eigenen Figur mit der von anderen Personen stellen Formen des Body Checkings dar (Rosen, 1997; Shafran et al., 2004; Vocks, Moswald & Legenbauer, 2008). Die am häufigsten verwendete Methode ist dabei das Betrachten des eigenen Körpers im Spiegel (Kachani, Brasiliano, Cordás & Hochgraf, 2012 ; Kraus, Lindenberg, Zeeck, Kosfelder & Vocks, 2015), wenngleich meist nicht nur eine, sondern verschiedene Methoden angewendet werden, um die eigene Figur und das Gewicht zu überprüfen (Shafran et al., 2004). Studienergebnisse legen zudem einen positiven Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des Body Checkings und einer Überbewertung von Figur und Gewicht nahe (Fairburn, Cooper & Shafran, 2003; Grilo et al., 2005; Reas, White & Grilo, 2006; Shafran et al., 2004). Ferner scheint sich das Body Checking häufig auf Körperbereiche zu beziehen, mit denen die betreffende Person unzufrieden ist, und ist demzufolge auch als eine behaviorale Manifestation eines negativen Körperbildes anzusehen (Vocks & Legenbauer, 2010). Ein negatives Körperbild stellt wiederum einen bedeutsamen Faktor im Hinblick auf die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Essstörungen dar (Fairburn et al., 2003; Reas, Whisenhut, Netemeyer & Williamson, 2002; Rosen, 1997). Dementsprechend wurde das Body Checking-Verhalten bei Personen mit Essstörungen ausgiebig erforscht (Amin, Strauss & Waller, 2014; Mountford, Haase & Waller, 2007; Shafran et al., 2004; Vocks, Kosfelder, Wucherer & Wächter, 2008) und dabei ein positiver Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von Body Checking und der Schwere der Essstörungspathologie festgestellt (Amin et al., 2014; Meyer, McPartlan, Rawlinson, Bunting & Waller, 2011; Mountford, Haase & Waller, 2006; Shafran et al., 2004). Zudem konnte eine unterschiedliche Häufigkeit von Body Checking zwischen den verschiedenen Essstörungsformen gezeigt werden: Beispielsweise betreiben Frauen mit einer Bulimia Nervosa häufigeres Body Checking als Frauen mit einer Anorexia Nervosa (Kachani et al., 2012). Doch auch Frauen mit einer Binge Eating Störung (Reas et al., 2006) zeigen Body Checking-Verhalten auf, wenn auch seltener als Frauen mit anderen Essstörungen (Neubauer, Bender, Tuschen-Caffier, Svaldi & Blechert, 2010). Ein besonders hohes Ausmaß von Body Checking wurde in einer Studie von Mountford et al. (2007) bei Personen mit einer Nicht Näher Bezeichneten Essstörung festgestellt.

Hinsichtlich der Häufigkeit von durchgeführtem Body Checking scheint jedoch nicht nur das Ausmaß der Essstörungspathologie eine entscheidende Rolle zu spielen, sondern auch die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. So konnte an Patienten mit einer Binge Eating Störung gezeigt werden, dass Personen mit einer höheren körperbezogenen Unzufriedenheit häufiger Body Checking durchführten als Personen mit einer geringeren körperbezogenen Unzufriedenheit (Reas et al., 2006). Ähnliches wurde auch bei einer nicht-klinischen Stichprobe beobachtet, in der Frauen mit vergleichsweise stärkeren Figursorgen häufigeres Kontrollverhalten vor einem Spiegel durchführten als Frauen mit geringeren Figursorgen (Farrell et al., 2004). Ebenso berichteten nicht-klinische Frauen, die eine Diät hielten, häufigeres Body Checking als jene, die keine Diät hielten (Reas et al., 2002). Body Checking tritt somit auch unter gesunden Frauen auf, obgleich dieses Verhalten geringer ausgeprägt ist als bei Frauen, die unter einer Essstörung leiden (Amin et al., 2014; Reas et al., 2002; Shafran et al., 2004; Vocks, Moswald et al., 2008).

Hierbei scheinen neben individuellen Faktoren allerdings auch kulturelle Aspekte eine Rolle zu spielen. So deuten verschiedene Studienergebnisse auf ein häufigeres Vorkommen des Body Checkings bei Frauen in westlichen Ländern hin, was vor allem auf das dortige Vorherrschen eines schlankeren Körperideals und einer größeren körperbezogenen Unzufriedenheit im Vergleich zu beispielsweise afrikanischen Kulturen zurückgeführt wird (Lydecker, Cotter & Mazzeo, 2014; White & Warren, 2013). Dennoch scheint Body Checking über alle ethnischen Gruppen hinweg prädiktiv für eine Essstörungssymptomatik zu sein (White & Warren, 2013).

Ein weiterer bedeutsamer Faktor in Bezug auf das Body Checking ist die gegenwärtige Stimmung der betreffenden Person. In diesem Zusammenhang konnte aufgezeigt werden, dass eine negative Stimmung besonders ausschlaggebend für eine selektive Prozessverarbeitung von figur- und gewichtsbezogenen Stimuli ist (Smith & Rieger, 2010) und dass zudem negative Emotionen zur Aufrechterhaltung einer Essstörungssymptomatik beitragen (Engel et al., 2013; Goldschmidt et al., 2014; Hilbert & Tuschen-Caffier, 2007).

Doch scheinen eine negative Stimmung und ein negatives Körperbild nicht nur Ursache, sondern auch Folge von Body Checking zu sein: Dementsprechend wurde in einer Studie von Shafran, Lee, Payne und Fairburn (2007) nach experimentell induziertem Body Checking bei nicht-klinischen Frauen eine Zunahme der körperbezogenen Unzufriedenheit und des Gefühls, zu dick zu sein, festgestellt. Dies zeigte sich jedoch insbesondere bei Frauen, die sich auf ihre negativ bewerteten Körperareale konzentrierten, während die Frauen, die jedes ihrer Körperteile auf „neutrale“ Weise betrachten sollten, keine Verschlechterung in der Körperzufriedenheit und sogar einen Rückgang bezüglich der Figursorgen erkennen ließen. Hierbei zeigt sich also auch, dass die Konstrukte Körperbild und Körperzufriedenheit nicht nur überdauernde Merkmale (Traits) darstellen, sondern ebenso situativen Schwankungen unterliegen und somit einen gegenwärtigen Zustand (State) abbilden können.

Darüber hinaus konnte während des Body Checkings ein Anstieg von negativen Emotionen und Kognitionen sowie eine Aufmerksamkeitslenkung in Richtung unattraktive Körperbereiche aufgezeigt werden, wobei auch hier Frauen mit höheren Figursorgen stärker betroffen waren als jene mit geringeren Figursorgen (Farrell et al., 2004). Gleichzeitig existieren im Hinblick auf die Stimmung jedoch auch Befunde, die auf eine temporäre Reduktion des negativen Affekts durch Body Checking hindeuten. So berichteten Frauen mit einer Anorexia Nervosa, mithilfe dieses Kontrollverhaltens Angstgefühle bezüglich einer Gewichtszunahme zu unterdrücken und dadurch eine Abschwächung des negativen Affekts zu erfahren (Espeset, Gulliksen, Nordbø, Skårderud & Holte, 2012). Hierbei fungiert das Body Checking als eine Form des Sicherheitsverhaltens und kann somit zunächst einen positiven Einfluss auf die Stimmung haben (Espeset et al., 2012; Williamson, White, York-Crowe & Stewart, 2004).

Diese Befunde gehen mit kognitiv-behavioralen Modellen einher, die für die Aufrechterhaltung des Body Checkings einen negativen Verstärkungsprozess durch eine kurzfristige Reduktion von negativem Affekt und Unsicherheit hinsichtlich der Figur postulieren (Williamson et al., 2004). Langfristig führt das Body Checking demnach allerdings zu einer Erhöhung von Angst und Unzufriedenheit sowie zu noch stärker verzerrten figurbezogenen Wahrnehmungen und Kognitionen, die wiederum weiteres Body Checking bewirken (Fairburn et al., 1999; Haase et al., 2011; Meyer et al., 2011; Williamson et al., 2004). Im Gegensatz dazu gibt es jedoch Hinweise, die der Theorie einer negativen Verstärkung als aufrechterhaltendem Faktor widersprechen, da an einer Stichprobe von Frauen mit Essstörungen keine unmittelbare Reduktion des negativen Affekts nach durchgeführtem Body Checking festzustellen war, sondern vielmehr eine Erhöhung desselben (Kraus et al., 2015). Die Art des Einflusses von Body Checking auf den negativen Affekt scheint somit noch nicht eindeutig geklärt.

Doch befassen sich einzelne Studien auch mit der Wirkung von Body Checking auf den positiven Affekt sowie mit der Exposition positiver Körperareale und deren Einfluss auf die Stimmung und das Körperbild (Jansen et al., in press). Dies ist insbesondere im therapeutischen Kontext bei der Behandlung von Patientinnen mit Ess- und Körperbildstörungen relevant, bei der das Body Checking durch Expositionsübungen reduziert werden soll (Rosen, 1997), aber auch bei nicht-klinischen Frauen. So deuten einige Befunde darauf hin, dass die Exposition von positiven Körperbereichen die gegenwärtige Körperzufriedenheit erhöht, während die Aufmerksamkeitslenkung auf negative Areale eine körperbezogene Unzufriedenheit bewirkt (Smeets, Jansen & Roefs, 2011). Gleichzeitig wurde jedoch festgestellt, dass – über einen längeren Zeitraum betrachtet – sowohl die Exposition von positiv als auch von negativ bewerteten Körperarealen eine Verbesserung der Körperzufriedenheit und der Stimmung sowie eine Verringerung des Body Checking-Ausmaßes bewirken können (Jansen et al., in press).

Insgesamt lässt die Betrachtung der aktuellen Studienlage nicht nur bei Frauen mit Essstörungen, sondern auch bei gesunden Frauen auf eine große Bedeutung des Body Checkings im Hinblick auf das Körperbild und die Stimmung schließen. Allerdings ist die Befundlage hinsichtlich der genauen Wirkung von Body Checking teilweise unklar und widersprüchlich, weshalb es einer näheren Betrachtung dieses Phänomens bedarf. Auch wird in den bisherigen Studien beim Vergleich von positiv und negativ bewerteten Körperarealen der jeweilige Effekt meist in getrennten Gruppen und nicht innerhalb einer Gruppe untersucht. Dementsprechend existieren bislang kaum Studien, in denen für jede Probandin sowohl negativ als auch positiv bewertete Körperareale individuell erfasst und diesbezüglich unterschiedliche Methoden des Body Checkings induziert werden.

Ein weiterer Kritikpunkt bezüglich der Methodik bisheriger Studien ist die Anwesenheit des Versuchsleiters während der Body Checking-Induktion, um die Probandinnen zu instruieren. Hierbei ist fraglich, inwieweit nicht bereits die Anwesenheit einer zweiten Person während des Body Checkings einen zusätzlichen Effekt auf das gegenwärtige Körperbild und die Stimmung hat.

Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, den Einfluss verschiedener Body Checking-Varianten in Bezug auf negativ und positiv bewertete Körperareale auf das State- Körperbild und die Stimmung bei nicht-klinischen Frauen zu untersuchen, wobei der Versuchsleiter während der experimentellen Induktion nicht anwesend ist. Alle Versuchspersonen durchlaufen hierbei eine „Positiv-Bedingung“ (mit Fokus auf die positiv bewerteten Körperbereiche), eine „Negativ-Bedingung“ (mit Fokus auf die negativ bewerteten Areale) und eine Kontrollbedingung (ohne induziertes Body Checking), um einen direkten Vergleich zwischen den Bedingungen zu ermöglichen. Diese Studie ist Teil eines größeren Projektes der Universität Osnabrück und schließt auch Männer in die Datenerhebung mit ein, wobei sich die vorliegende Arbeit ausschließlich auf die erhobenen Daten der Frauen bezieht.

Darüber hinaus sollen mögliche Unterschiede des Body Checking-Einflusses in Abhängigkeit der Trait -Variablen Essstörungspathologie und Körperzufriedenheit näher betrachtet werden. Somit ist ein weiteres Ziel der Studie die Überprüfung, ob das Ausmaß von Essstörungspathologie und von Körperzufriedenheit einen moderierenden Effekt auf den Einfluss des Body Checkings hat. Auf Grundlage der oben genannten Studienergebnisse wird erwartet, dass alle Probandinnen nach der Negativ-Bedingung ein negativeres Körperbild und eine negativere Stimmung aufweisen als nach der Positiv- und der Kontrollbedingung. In Bezug auf das Ausmaß von Essstörungspathologie wird, aufgrund einer vermutlich stärkeren Überbewertung von Figur und Gewicht, erwartet, dass Frauen mit einer höheren Essstörungspathologie nach beiden Spiegelbedingungen ein negativeres Körperbild sowie eine negativere Stimmung aufweisen als Frauen mit niedrigerer Essstörungspathologie. Ferner wird vermutet, dass Frauen mit einer höheren Körperzufriedenheit nach beiden Spiegelbedingungen ein positiveres Körperbild und eine positivere Stimmung aufweisen als Frauen mit einer niedrigeren Körperzufriedenheit.

Methoden

Stichprobe

Es wurden insgesamt N = 40 nicht-klinische Frauen in die Untersuchung eingeschlossen. Die Stichprobencharakteristika sind in Tabelle 1 dargestellt. Von der Studie ausgeschlossen wurden Frauen mit einem Alter von unter 18 Jahren und mit einem Body Mass Index (BMI) von unter 17,5 kg/m[2] oder über 30 kg/m[2]. Frauen, die laut Selbsteinschätzung depressiv oder suizidal waren, selbstverletzendes Verhalten aufwiesen oder häufig (d.h. öfter als einmal in der Woche) an Essanfällen mit anschließendem Erbrechen litten, wurden ebenfalls von der Studie ausgeschlossen. Die Rekrutierung erfolgte mittels Aushängen an öffentlichen Orten (v.a. der Universität Osnabrück und lokalen Fitnessstudios) oder Ausschreibungen im Internet (z.B. über studentische E-Mailverteiler). Dementsprechend handelte es sich um eine überwiegend studentische Stichprobe. Als Vergütung für eine vollständige Studienteilnahme erhielten die Probandinnen 20 Euro. Studierenden des Bachelorstudiengangs Psychologie wurden alternativ vier Versuchspersonenstunden gutgeschrieben.

Messinstrumente

Für die Untersuchung wurden verschiedene Fragebögen zur Erfassung der Trait -Maße (EDE-Q-2 und BESAA, siehe Anhang A) und der State -Maße (BISS und PANAS-X, siehe Anhang B) eingesetzt, die im Folgenden näher erläutert werden:

Eating Disorder Examination-Questionnaire 2 (EDE-Q-2). Der EDE-Q-2 (Fairburn & Beglin, 1994; dt. Übersetzung: Hilbert, Tuschen-Caffier, Karwautz, Niederhofer & Munsch, 2007) erfasst Symptome einer spezifischen Essstörungspathologie bezogen auf die vorausgegangen 28 Tage. Der EDE-Q-2 beinhaltet 22 Items auf vier Subskalen („Gezügeltes Essen“, „Essensbezogene Sorgen“, „Gewichtssorgen“ und „Figursorgen“), die anhand eines siebenstufigen Antwortformats von „ kein Tag “ bzw. „ überhaupt nicht “ (0) bis „ jeden Tag “ bzw. „ deutlich “ (6) dargeboten werden (z.B. Figursorgen: „Hat Ihre Figur einen Einfluss darauf gehabt, wie Sie über sich selbst als Person denken (urteilen)?“). Ein hoher Wert deutet auf eine hohe Ausprägung von Essstörungspathologie hin. Durch sechs weitere Items werden zusätzlich diagnostisch relevante Kernverhaltensweisen erfragt, welche jedoch nicht in die Analysen der vorliegenden Arbeit mit eingehen. Für die deutschsprachige Übersetzung des EDE-Q-2 zeigten sich an einer Gesamtstichprobe von 706 Personen sowohl mit als auch ohne Essstörungsdiagnose hohe interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) für die vier Subskalen von α =.85 (Gewichtssorgen) bis α = .93 (Figursorgen). Die interne Konsistenz für den Gesamtwert lag bei α = .97 (Hilbert et al., 2007).

In der vorliegenden Studie ergaben sich interne Konsistenzen für die vier Subskalen von α = .41 („Essensbezogene Sorgen“) bis α = .85 („Figursogen“). Die interne Konsistenz für den Gesamtwert betrug α = .90.

Body Esteem Scale for Adolescents and Adults (BESAA). Die Subskala „Erscheinung“ der BESAA (Mendelson, Mendelson & White, 2001) erfasst die allgemeine Zufriedenheit mit der eigenen körperlichen Erscheinung anhand von zehn Items (z.B. „Ich sehe so gut aus, wie ich es mir wünsche“), die mittels einer fünfstufigen Likert-Skala von „ nie “ (0) bis „ immer “ (4) zu bewerten sind. Einige Items sind von negativ zu positiv codiert, andere wiederum von positiv zu negativ. In der vorliegenden Studie bedeutet ein hoher Score eine hohe Körperzufriedenheit. An einer Stichprobe von 763 Frauen zeigte sich eine interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) von α = .93 (Mendelson et al., 2001), während sich für die vorliegende Stichprobe eine interne Konsistenz von α = .85 ergab.

Body Image State Scale (BISS). Die BISS (Cash, Fleming, Alindogan, Steadman & Whitehead, 2002) erfasst das gegenwärtige Körperbild. Die sechs Items erfassen dabei mit einem neunstufigen Antwortformat von „ äußerst unzufrieden “ (1) bis „ äußerst zufrieden “ (9) die folgenden sechs Bereiche: „Unzufriedenheit – Zufriedenheit mit der eigenen Erscheinung“, „Unzufriedenheit – Zufriedenheit mit dem eigenen Körperumfang und der Körperform“, „Unzufriedenheit – Zufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht“, „aktuelles Gefühl der körperlichen Attraktivität – Unattraktivität“, „aktuelles Gefühl in Bezug auf das eigene Aussehen im Vergleich zum gewöhnlichen Gefühl“ und „Bewertung des eigenen Aussehens im Vergleich zu dem einer Durchschnittsperson“. Die Probandinnen werden dabei mit dem Hinweis „genau in diesem Moment“ dazu angeleitet, die Items entsprechend ihres gegenwärtigen Befindens zu beantworten. Einige Items sind von negativ zu positiv codiert, während andere Items von positiv zu negativ codiert sind. In der vorliegenden Studie weist ein hoher Wert auf ein positives Körperbild hin. Statistische Untersuchungen für die deutsche Version der BISS ergaben an einer Stichprobe von 80 nicht-klinischen Frauen eine sehr gute innere Konsistenz (Cronbachs Alpha) von α = .91 (Vollstedt, 2013). Für die aktuelle Stichprobe resultierten über alle Bedingungen und Messzeitpunkte hinweg hohe interne Konsistenzen von α = .82 bis α = .90.

Positive and Negative Affect Schedule Expanded Form (PANAS-X). Die Subskalen „Negative Affect“ und „Positive Affect“ der PANAS-X (Watson & Clark, 1994; dt. Übersetzung: Grühn, Kotter-Grühn & Röcke, 2010) messen verschiedene emotionale Zustände und werden jeweils anhand von 10 Items (Negative Affect: z.B. „verärgert“, „feindselig“; Positive Affect: z.B. „begeistert“, „freudig erregt“) mit einem fünfstufigen Antwortformat von „gar nicht“ (1) bis „äußerst“ (5) bewertet. Gemessen an einer Gesamtstichprobe von 948 erwachsenen Personen berichteten Grün et al. (2010) eine gute interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) sowohl für die Skala „Negative Affect“ (α = .86) als auch für die Skala „Positive Affect“ (α = .86). Für die vorliegende Stichprobe ergaben sich für die Skala „Negative Affect“ über alle Bedingungen und Messzeitpunkte hinweg interne Konsistenzen von α = .66 bis α = .84. Für die Skala „Positive Affect“ zeigten sich hierbei interne Konsistenzen von α = .86 bis α =.91.

Spiegelbedingung

Für die beiden Spiegelbedingungen (positiv und negativ) wurden die Probandinnen gebeten, sich ein standardisiertes Unterwäsche-Set anzuziehen und sich vor einen dreiteiligen Spiegel zu stellen. Die Höhe jedes Spiegelabschnitts betrug jeweils ohne Rahmen 1,95 m und mit Rahmen 2,12 m. Die Spiegelbreite betrug jeweils 0,80 m ohne Rahmen und 0,92 m mit Rahmen. Die beiden Seitenspiegel standen im rechten Winkel zum mittleren Spiegel, sodass eine Art Spiegelkabine entstand, in der sich die Probandinnen von allen Seiten betrachten konnten. Dabei wurden die Probandinnen angewiesen, sich innerhalb dieser Spiegelkabine auf einen fixierten, durch ein Kreuz gekennzeichneten, Punkt zu stellen. Die Kennzeichnung war 0,55 m vom Vorderspiegel und jeweils 0,46 m von den beiden Seitenspiegeln entfernt.

Anschließend wurden die Body Checking-Instruktionen (siehe Anhang C) durch eine Audiodatei von einem Computer abgespielt. Diese bestand immer aus einer Einleitung, den entsprechenden Body Checking-Instruktionen zu vier entweder negativ oder positiv bewerteten Körperbereichen und einem Abschlussteil. Die Reihenfolge der Körperareale innerhalb einer Bedingung wurde zuvor für jede einzelne Versuchsperson zugelost.

Inhaltlich waren die Instruktionen an Items des Body Checking Questionnaires (BCQ; Reas et al., 2002), des Male Body Checking Questionnaires (MBCQ; Hildebrandt, Walker, Alfano, Delinsky & Bannon, 2010) und an Anweisungen zur Progressiven Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson (Bernstein & Borkovec, 1995) angelehnt und leiteten die Versuchspersonen an, die entsprechenden Körperareale im Spiegel zu betrachten und u.a. durch Hineinkneifen, Anspannen und Abmessen genau zu überprüfen.

Während der gesamten Spiegelexposition waren die Probandinnen allein im Raum und somit unbeobachtet. Die Audioinstruktionen wurden über einen Computer abgespielt und durch die Versuchspersonen selbstständig gestartet. Für jede Spiegelsequenz waren – abzüglich der benötigten Zeit für das Umziehen – ca. 15 Minuten veranschlagt.

Kontrollbedingung

Für die dritte, jedoch nicht standardisierte Bedingung, die als Kontrollbedingung fungierte, spielten die Probandinnen das Computerspiel „Froggit“ (Froggit Collectors Edition: Underground, Link und Abbildung siehe Anhang D), eine Variante des populären Computerspiels „Frogger“. Dieses Spiel wurde für die Kontrollbedingung gewählt, um durch den Ausschluss menschlicher Stimuli zusätzliche körperbezogene Einflüsse auf die Probandinnen möglichst gering zu halten. Für die Kontrollbedingung waren 15 Minuten vorgesehen, was etwa der Länge einer Spiegelbedingung entsprach.

Versuchsablauf

Die Teilnehmerinnen wurden zunächst über den allgemeinen Ablauf der Studie aufgeklärt und gaben ihr Einverständnis. Vor Beginn der experimentellen Induktion, die im Institut für Psychologie der Universität Osnabrück stattfand, beantwortete jede Probandin einige Tage zuvor die Online-Fragebögen, die dazu dienten, demographische Daten sowie die spezifische Essstörungspathologie und die Körperzufriedenheit als Trait -Maße zu erfassen (siehe Anhang A). Zudem bildeten die Probandinnen hierbei eine Rangreihe hinsichtlich ihrer Zufriedenheit mit 14 vorgegebenen Körperarealen (siehe Anhang E), auf deren Grundlage die jeweiligen Audiodateien für die beiden Spiegelbedingungen zusammengestellt wurden. Hierbei bildeten die ersten vier aufgelisteten Körperareale die Positiv-Bedingung und die letzten vier die Negativ-Bedingung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Der Blick in den Spiegel. Der Einfluss von "Body Checking" auf das Körperbild und die Stimmung bei Frauen
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
67
Katalognummer
V310316
ISBN (eBook)
9783668088030
ISBN (Buch)
9783668088047
Dateigröße
2154 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Body Checking, Spiegelexposition, Essstörungen, Körperbild, Stimmung
Arbeit zitieren
Katharina Jenner (Autor), 2015, Der Blick in den Spiegel. Der Einfluss von "Body Checking" auf das Körperbild und die Stimmung bei Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310316

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