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Das Bildungssystem der DDR

Alles aufgezwungen? Schülerbiografien in der DDR

Title: Das Bildungssystem der DDR

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Annegret Jahn (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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In der Bundesrepublik Deutschland ist laut der Kulturhoheit der Länder das Ressort der Bildungspolitik eben diesen unterstellt. Ein übergeordnetes Organ – die Kultusministerkonferenz – beschränkt ihre Arbeit eher auf organisatorische denn auf inhaltliche Aspekte der Gestaltung einer deutschen Bildungslandschaft. Auch wenn sich aufgrund dieses Umstandes die Bildungssysteme in den unterschiedlichen Ländern teilweise erheblich voneinander unter-scheiden, doktort und schustert jedoch ein Großteil der Länder an seinem jeweiligen Bildungssystem ständig herum.

Hier sind einheitlichen Tendenzen der Umgestaltung zu erkennen: Zum einen wird konsequent daran gearbeitet, das gemeinsame Lernen der Schülerinnen und Schüler von teilweise nur vier oder sechs Jahren in der Primarstufe auf möglichst zehn Jahre zu verlängern. Als Vorbild dienen hier die skandinavischen Nachbarländer. Zum anderen wird in Ländern, in denen dies noch nicht der Fall ist, eine Verkürzung der Oberstufe von drei auf zwei Jahre angestrebt.

Gerade in den sogenannten neuen Bundesländern können diese teilweise radikalen Änderungen des Bildungssystems bei den Menschen, die zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in die Schule gegangen sind, nur Verwunderung hervorrufen. Während beispielsweise im Bundesland Brandenburg die eigenen Kinder dreizehn Jahre für die Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife benötigten, werden die Enkelkinder nur noch zwölf Jahre benötigen. “Das hatten wir doch alles schon mal“, denkt sich der ein oder andere. Aber ist das wirklich der Fall? Tendiert das Bildungssystem der einzelnen Bundesländer durch die vielen Reformen tatsächlich dazu, dass Bildungssystem der DDR wiederaufleben zu lassen? Oder waren die Bildungspolitiker der DDR einfach nur schneller und haben das Schulsystem bereits in den 1950er Jahren den Bedingungen der Zeit angepasst, was die Bildungspolitiker der Bundesrepublik Deutschland (BRD) heute erst tun?

Das Bildungs- und Erziehungssystem der DDR ist seit jeher einer der am besten erforschten Bereiche in der Wissenschaft um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte. In nur wenigen Bereichen offenbart sich die Ideologie und Struktur des Staates so offensichtlich wie in dem des Bildungs- und Erziehungswesens.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Aspekte des Bildungssystems der DDR

2.1 Die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit

2.2 Aufbau und Differenzierung des Schulsystems

3 Das Prinzip der Gegenprivilegierung in der DDR

3.1 Gegenprivilegierung unter Walter Ulbricht

3.2 Gegenprivilegierung unter Erich Honecker

4 Erfolgreiches Überschreiten von Ideologieschwellen – Studenten in der DDR

5 Benachteiligte des Bildungssystems der DDR

6 Schluss

7 Literatur

7.1 Bibliografien

7.2 Internetquellen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildungs- und Erziehungssystem der DDR vor dem Hintergrund der Frage, ob eine Reaktivierung seiner Strukturen für heutige Debatten sinnvoll erscheint. Dabei wird analysiert, inwiefern ideologische Vorgaben, das Prinzip der Gegenprivilegierung und die systemische Auslese die Bildungsbiografien von Schülern und Studenten beeinflussten und zu einer Spaltung zwischen Systemloyalität und individueller Benachteiligung führten.

  • Ideologische Ausrichtung und Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit
  • Strukturwandel und Differenzierung des DDR-Schulsystems
  • Das Prinzip der Gegenprivilegierung zur Förderung der neuen Machtelite
  • Selektionsmechanismen und deren Auswirkungen auf die Bildungsbiografien
  • Die Rolle von Studenten als kritische Akteure innerhalb des Systems
  • Benachteiligung von Jugendlichen durch politische und religiöse Repression

Auszug aus dem Buch

3 Das Prinzip der Gegenprivilegierung in der DDR

Ein wichtiges Charakteristikum des Bildungssystems der DDR ist das der Gegenprivilegierung. Unterschiedliche Absichten standen hinter diesem Vorhaben: 1946 noch ging es um das Brechen von Bildungsprivilegien und eine Unterbindung der Reproduktion von Eliten, die – laut Regierung – bis dahin versagt hätten.20 Mit der Formulierung der Herstellung einer proportionalen Chancengleichheit wurde ab 1949 genauer ausdefiniert, welche Bevölkerungsschicht von nun an verstärkt gefördert werden soll: Die sogenannten Arbeiter- und Bauernkinder. Hinter dieser Gegenprivilegierung verbarg sich aber nicht nur die Absicht, altes Unrecht gut zu machen. Vor allen Dingen vor dem Mauerbau 1961 nutzten viele gut ausgebildete Fachkräfte die Möglichkeit, in der Bundesrepublik zu arbeiten und sich gegebenenfalls dauerhaft dort niederzulassen. Diesen Fachkräftemangel galt es in der DDR aufzufangen und die abwandernden Fachkräfte durch gut ausgebildete, neue Fachkräfte zu ersetzen. Des Weiteren wurde der Aufbau einer neuen Elite angestrebt, die die Führungspositionen besetzen konnte und sich dem System gegenüber loyal verhielt.21 Dafür sollte die bildungspolitisch bisher benachteiligte Bevölkerungsschicht der Arbeiter und Bauern gefördert werden. Die SED legitimierte diese gegenprivilegierende Bildungspolitik, indem sie davon sprach, altes Unrecht wiedergutzumachen: die schlechteren Leistungen der Arbeiter- und Bauernkinder seien begründet durch eine sozial bedingte ungünstige Förderung in der Vergangenheit.22

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle bildungspolitische Debatte in Deutschland und kontrastiert diese mit dem historischen Erziehungsmodell der DDR.

2 Allgemeine Aspekte des Bildungssystems der DDR: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen der sozialistischen Erziehung und den Aufbau des zentralistisch gesteuerten Schulsystems.

3 Das Prinzip der Gegenprivilegierung in der DDR: Hier wird die gezielte Förderung von Arbeiter- und Bauernkindern analysiert, um eine neue, systemloyale Elite unter Ulbricht und Honecker zu schaffen.

4 Erfolgreiches Überschreiten von Ideologieschwellen – Studenten in der DDR: Das Kapitel untersucht die ambivalente Rolle der Studierenden, die sich zwischen ideologischer Anpassung und kritischem Hinterfragen bewegten.

5 Benachteiligte des Bildungssystems der DDR: Es wird dargelegt, wie Jugendliche aufgrund mangelnder politischer Systemloyalität oder religiöser Bindungen systematisch benachteiligt und von Bildungswegen ausgeschlossen wurden.

6 Schluss: Das Schlusskapitel verneint die Tauglichkeit einer Reaktivierung des DDR-Schulsystems für moderne Herausforderungen aufgrund der inherenten sozialen Ungerechtigkeiten.

7 Literatur: Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und Internetquellen.

Schlüsselwörter

DDR, Bildungssystem, Erziehung, Sozialistische Persönlichkeit, Gegenprivilegierung, Arbeiter- und Bauernkinder, SED, Chancengleichheit, Bildungsgeschichte, Ideologie, Studenten, Systemloyalität, Benachteiligung, Schulwesen, DDR-Geschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch das Bildungs- und Erziehungssystem der DDR, insbesondere dessen Strukturen, Ideologie und die Auswirkungen auf die Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit, das Konzept der Gegenprivilegierung, die Rolle der Studenten sowie die systematische Benachteiligung nicht-systemkonformer Herkunftsgruppen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, ob das Bildungssystem der DDR angesichts heutiger bildungspolitischer Diskussionen als Vorbild taugt oder ob dessen Strukturen für moderne Anforderungen ungeeignet sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse von Primär- und Sekundärquellen der DDR-Geschichtsforschung sowie pädagogischer Studien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des strukturellen Aufbaus, des Elitenwechsels durch Gegenprivilegierung, der studentischen Lebenswirklichkeit und der Ausgrenzungsmechanismen gegenüber benachteiligten Gruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

DDR-Bildungspolitik, ideologische Selektion, Arbeiter- und Bauernkinder, politische Loyalität, Bildungsungerechtigkeit und zentrale Steuerung.

Welche Rolle spielte die Jugendweihe für die politische Selektion?

Die Teilnahme an der Jugendweihe fungierte als obligatorisches Bekenntnis zum Staat; eine Verweigerung aus religiösen oder privaten Gründen führte häufig zu direkten Nachteilen bei der schulischen und beruflichen Laufbahn.

Wie unterscheidet sich die Gegenprivilegierung unter Ulbricht und Honecker?

Während unter Ulbricht die ideologische Elitenbildung und der Ausgleich sozialer Nachteile im Vordergrund standen, verlagerte sich der Fokus unter Honecker stärker auf eine pragmatische, wirtschaftsorientierte Ausbildung und die Konsolidierung der Machtelite.

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Details

Title
Das Bildungssystem der DDR
Subtitle
Alles aufgezwungen? Schülerbiografien in der DDR
Course
Wie schmeckte die DDR?
Grade
1,3
Author
Annegret Jahn (Author)
Publication Year
2013
Pages
19
Catalog Number
V310405
ISBN (eBook)
9783668090378
ISBN (Book)
9783668090385
Language
German
Tags
bildungssystem alles schülerbiografien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annegret Jahn (Author), 2013, Das Bildungssystem der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310405
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