Analyse der Figuren und Leitmotive in Bertholt Brechts "Leben des Galilei"

Buchbesprechung


Facharbeit (Schule), 2014

22 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Aufgabenstellungen zu Bertolt Brecht „Leben des Galilei“

1. INHALTSANGABE

2. CHARAKTERISTIK DES GALILEI
Personenkonstellation

3a. BEGRIFF LEITMOTIV
3b+c. DIE VIER LEITMOTIVE MILCH, SEHEN, STEIN und FERNROHR
SEHEN
STEIN
FERNROHR

4. DIE DRAMATISCHE UND DIE EPISCHE FORM DES THEATERS

5. MERKMALE DES EPISCHEN THEATERS IN „LEBEN DES GALILEI“

6. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

Italien im 17. Jahrhundert

Die historische Figur des Galileo Galilei

7. Quellen

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Aufgabenstellungen zu Bertolt Brecht „Leben des Galilei“

1. Fasse den Inhalt des Werkes kurz zusammen.

2. Charakterisiere Galilei und erstelle mittels Mindmap eine Personenkonstellation.

3. Im Dramen kommen vier Leitmotive vor: die Milch, das Sehen, der Stein und das Fernrohr.

a. Was versteht man unter dem Begriff Leitmotiv?

b. In welchen Szenen/Bildern kommen die vier Leitmotive im Drama vor?

c. Erläutere, welche Bedeutung die Leitmotive habe und welche Relevanz sie haben.

4. Erkläre den Unterschied zwischen der „dramatischen Form und der epischen Form“ des Theaters.

5. Setze die Merkmale des epischen Theaters von Bert Brecht mit seinem Stück in Beziehung und arbeite sie heraus.

6. Arbeite den geschichtlichen Hintergrund des Werkes heraus.

1. INHALTSANGABE

Das Schauspiel „Leben des Galilei“ ist in 15 Bilder unterteilt und spielt in Italien in der Stadt Padua, obwohl die italienischen Handlungsorte fast mit jedem Bild wechseln. Der Handlungsspielraum umfasst die Zeit von 1609 bis 1637 im 17.Jahrhundert, einer Epoche des Umbruchs und der Erneuerung.

Bertolt Brecht thematisiert in seinem Drama die zentralen Aspekte der Wissenschaft und der Verantwortung der Wissenschaftler und stellt sie den Aspekten der Kirche gegenüber. Ebenso werden der innere Konflikt des Menschen und auch der Konflikt mit Obrigkeiten deutlich gemacht. Brecht spricht sich nicht gegen die Kirche aus, vielmehr stellt er die Kirche als Vertreter für die Obrigkeit dar.

Hauptperson des Schauspiels ist der Astronom, Mathematiker und Physiker Galileo Galilei. Galilei, 46 Jahre alt, lebt mit seiner Tochter Virginia, seiner Haushälterin Frau Sarti und deren Sohn Andrea Sarti in Padua. Galilei hat eine Arbeit als schlechtbezahlter Lehrer an der Universität Padua und versucht, sich seinen Lebensunterhalt mit Erfindungen aufzubessern. Er leidet unter notorischem Geldmangel, sodass er auf Druck seiner Haushälterin Privatschüler annehmen muss. Das tut er allerdings nur widerwillig, weil er seiner Meinung nach dadurch Zeit für seine Forschungen verliert. Dennoch nimmt er den reichen jungen Mann Ludovico Marsili als Schüler auf. Ludovico, der gerade aus Amsterdam kommt, beschreibt seinem Lehrer eine neue Erfindung aus Holland, das Fernrohr. Galilei ist davon begeistert und baut mit Hilfe eines Linsenschleifers das Fernrohr nach. Für viel Geld verkauft er es als eigene Erfindung an die Stadt Venedig, welche neue Entdeckungen, die für die Seefahrt nützlich sind, reichlich belohnt. Für Galilei ist das Fernrohr wichtig, weil er damit den Beweis für das kopernikanische Weltbild liefern kann. Dieses besagt, dass sich die Planeten um die Sonne drehen und die Sonne nicht der Mittelpunkt des Alls ist. Das bisher geltende ptolemäische Weltbild wird durch Galileis Forschung entkräftet.

Galilei löst damit eine Diskussion zwischen der Kirche und der Wissenschaft aus. Die Kirche hält an der aristotelischen Lehrmeinung fest, dass der Mittelpunkt der Weltordnung die Erde ist. Sogar die Jupitermonde, die Galilei mit seinem Fernrohr entdeckt, dürfen nicht existieren, auch wenn sie real sind. Die katholische Kirche wirft Galilei ketzerisches Verhalten vor und verbietet ihm, seine Forschungsergebnisse zu verbreiten. Die Kirche schätzt die Veränderungen, die durch Galileis Entdeckungen hervorgerufen werden, und den Umsturz der Gesellschaft, der dadurch bevorsteht, als besorgniserregend ein und will das alles abwenden.

Das Leben Galileis nimmt eine dramatische Wende, als ihn die Inquisition der katholischen Kirche inhaftiert. Die Inquisitoren fordern, dass der Wissenschaftler seine Forschungs-ergebnisse widerruft. Aus Angst vor der Folter folgt er den Weisungen der Kirche. Dafür gewährt ihm die Kirche einen friedlichen Lebensabend, wenn auch unter Aufsicht der Inquisition. Galileis Schüler verzweifeln an dem Selbstverrat ihres Lehrers, weil dieser die Wahrheit leugnet, obwohl er es besser weiß.

Galilei erblindet, aber er forscht immer weiter. Andrea Sarti begleitet ihn dabei. Der bereits vom Tod gezeichnete Galilei benutzt schlussendlich Andrea, um das letzte Exemplar seiner verbotenen Schrift, der Discorsi, nach Amsterdam zu schmuggeln. Galilei möchte dies nicht selbst tun, weil er der auf ihm lastenden Verantwortung entgehen möchte. Andrea erklärt sich sofort zu Galileis Plan bereit. Er glaubt, dass Galilei die Lehre und Forschung erneut aufgreifen will. Doch Galilei muss ihn enttäuschen. Er beschuldigt sich selbst des Verrates an der Wissenschaft, da er seine eigene Lehre aus Angst vor der Inquisition und der Folter widerrufen hat. Andrea will das nicht akzeptieren und schafft Galileis verbotene Schrift schließlich außer Landes.

2. CHARAKTERISTIK DES GALILEI

Galileo Galilei ist die Hauptfigur des Stückes. Der historische Galileo Galilei war ein italienischer Mathematiker, Philosoph und Physiker und gilt als Begründer der modernen Naturwissenschaften. Galilei wollte mit Hilfe von Experimenten das kopernikanische Weltbild beweisen. Auf der Suche nach der Wahrheit ging er vorsichtig vor und stand den alten Vorstellungen und Strukturen mit Kritik und Zweifel gegenüber.

Brechts Hauptfigur des Galilei ist fiktiv. Sie ist zwiespältig und hat einen mehrschichtigen Charakter und eine widersprüchliche Persönlichkeit. Das spiegelt aber auch wider, dass die Gesellschaft im 17. Jahrhundert in Vertreter der alten Zeit und Vertreter der neuen Zeit gespalten war.

Zu Beginn ist Galilei eine positive Figur. Er ist ein sinnesfroher und genussfreudiger Mensch, der mit großer Begeisterung seine Forschungen betreibt. Bei seiner Wissenschaft und Forschung ist Galilei vernünftig, vorsichtig und prüfend und er überdenkt seine Forschungen mit Methode. Er durchschaut die gesellschaftliche Hierarchie, die durch das geozentrische Weltbild geprägt ist. Er erkennt auch die sozialen Folgen, die sich aus dem heliozentrischen Weltbild ergeben.

Im Gegensatz dazu steht aber seine Naivität. Sobald Galilei das Verhalten der Mächtigen einschätzen muss, ist er naiv und unvernünftig. Er vertraut blind auf die menschliche Vernunft und seine Überzeugungskraft, wenn er Beweise anführt. Deshalb unterschätzt er auch den Widerstand von Adel und Klerus, was ihn dann aber in Gefahr bringt. Sagredo: „So mißtrauisch in deiner Wissenschaft, bist du leichtgläubig wie ein Kind in allem, was dir ihr Betreiben zu erleichtern scheint“ (Brecht, Bertolt, Leben des Galilei, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1962, edition suhrkamp).

Galileis Zwiespältigkeit zeigt sich in mehreren Dingen: Auf der einen Seite verachtet Galilei die Republik Venedig, auf der anderen Seite übergibt er aber sein Fernrohr mit Freude und Demut. Er erkennt einerseits den wahren Charakter des machtgierigen Klerus, schweigt aber andererseits acht Jahre lang darüber. Er weiß, dass seine Forschung revolutionär ist und verbreitet sie auch, indem er in der Volkssprache und nicht in der Sprach der Gelehrten, Latein, schreibt. Dennoch verleugnet er seine Schriften, als ihm Gefahr von der Inquisition droht. Vor der Pest hat er keine Angst und bleibt, damit er seine Forschungen weiter betreiben kann. Vor der Inquisition aber fürchtet er sich und widerruft die Wahrheit seiner Lehren und Schriften und setzt dadurch dem Angriff seiner Feinde aus.

Am Anfang des Stückes ist Galilei davon überzeugt, dass seine Forschungen Nutzen bringen. Später jedoch, als er in Gefahr gerät, weist er die sozialen Folgen seiner Lehren und Erkenntnisse zurück.

Galileis widersprüchliche Persönlichkeit zeigt sich auch in seinem Verhalten der Welt und seiner Familie gegenüber. Der Welt zeigt er sich als gesellschaftlicher Erneuerer und als revolutionärer Wissenschaftler. In seiner Rolle als Familienvater ist er aber seiner Tochter Virginia gegenüber der traditionelle machthaberische Vater. Er schließt sie von seinen Forschungen und dem Wissensdurst aus und weiht sie nicht in seine Erkenntnisse ein.

Galilei zeigt auch heldenhafte und ehrlose Charakterzüge. Er setzt sich dafür ein, dass seine Forschungen und Erkenntnisse allgemein verständlich sind, führt Gespräche mit Gelehrten in der Umgangssprache und veröffentlicht Schriften nicht nur in Latein, der Sprache der Gelehrten.

Letztendlich unterwirft sich Galilei aber der Macht der Kirche. Damit will er eigentlich Ruhe für seine Arbeit und seine Forschung haben. Auch will er ein ziemlich angenehmes Leben führen. Er widerruft seine Lehre, um der Folter und dem Tod zu entgehen. So steht Galilei am Ende des Stückes eigentlich als negative Person da.

Zusammenfassend kann man Galilei als Verbrecher an der Menschheit und Held der Wissenschaft bezeichnen.

Personenkonstellation

Im klassischen Drama wird großer Wert darauf gelegt, dass der Leser/Zuschauer den Charakter der Figuren durch deren Handeln und Verhalten erkennen kann. Dadurch nimmt der Konflikt zwischen den Figuren Gestalt an und der Leser/Zuschauer kann sich mit den Figuren und vor allem mit dem Held identifizieren. Für Brecht ist es in seinem epischen Theater aber wichtiger, dass die Zuschauer Distanz zu den Figuren haben und dass keine Sympathien oder Ablehnungen entstehen. Dennoch hat er bei „Leben des Galilei“ den Hauptfiguren Persönlichkeiten gegeben. Bei den anderen Figuren war es ihm aber wichtiger, dass der Leser/Zuschauer diese als Vertreter von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen oder von bestimmten Positionen sieht, als dass er deren Charaktere beschrieben hätte.

Die Figuren sind Vertreter der weltanschaulichen, gesellschaftlichen und politischen Positionen. Auf der einen Seite sind die Repräsentanten der alten Zeit (die Vertreter der Kirche, die Gelehrten am Florentiner Hof, der adelige Großgrundbesitzer Ludovico) und auf der anderen Seite die Repräsentanten der neuen Zeit (Galilei, Andrea Sarti, der Linsenschleifer Federzoni, der Eisengießer Vanni, später auch der kleine Mönch).

Großgrundbesitzer und Kirchenvertreter waren im 17. Jahrhundert einflussreich und wohlhabend. Sie hatten nicht das Bedürfnis, dass sich irgendetwas ändern sollte, sondern sie hielten an den alten Strukturen fest und waren für Neues nicht offen. Den Kaufleuten und Bürgern ging es schlechter. Somit strebten sie nach Veränderung.

Mit der Aufteilung der Figuren in Vertreter des neuen und Vertreter des alten Zeitalters zeigt Brecht, dass eine Neuordnung der Gesellschaft damals absolut notwendig war. Die Kaufleute und die Bürger hatten jahrelang unter der Herrschaft des Adels und der Kirche gelitten. Sie stimmten den neuen Erkenntnissen und Vorstellungen zu, gefährdeten damit aber die politische und gesellschaftliche Stellung des Adels und der Kirche. Durch das neue und aufgeklärte Denken der Menschen wurde die Position des Adels und vor allem der Kirche bedroht.

Mindmap 1: Personen als Vertreter des neuen und des alten Zeitalters

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zentralfigur des Schauspiels ist Galilei. Alle anderen Personen sind um ihn herum angeordnet.

Die Personen des Schauspiels kann man in drei unterschiedliche Gruppen einteilen:

1) Personen, die durch einen Namen erkannt werden: Galilei, seine Tochter Virginia, seine Haushälterin Frau Sarti, deren Sohn Andrea Sarti, Galileis Schüler und Virginias Verlobter Ludovico Marsili, Galileis Freund Sagredo, der Linsenschleifer Ferderzoni, der Eisengießer Vanni

2) Personen, die mit ihrem Beruf oder mit ihrer Funktion benannt sind: der Doge, der Kardinal Inquisitor, der Theologe, der Philosoph, der Mathematiker, der kleine Mönch

3) Personen, die eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe darstellen: Mönche, Gelehrte, Ratsherren

Mindmap 2: Personen des Schauspiel, die um Galilei herum angeordnet sind

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3a. BEGRIFF LEITMOTIV

Ein Leitmotiv ist ein künstlerisches Mittel, das in einem Werk immer wieder zu finden ist. Je nach Kunstrichtung, Musik, Malerei, Architektur, Literatur, werden verschieden Motive verwendet: Farben, Stimmungen, Symbole, Personen, Tonfolgen, Sätze usw. Diese Stilmittel werden dann innerhalb des Werkes nur mehr mit der Bedeutung des Leitmotivs verwendet.

In der Literatur ist ein Leitmotiv in der Regel eine besonders einprägsame Aussage, Handlung oder Situation, die im Verlaufe des Geschehens mehrere Male im gleichen Wortlaut vorkommt und für den Inhalt entscheidend ist.

Die häufigsten Arten von Leitmotiven sind:

- wiederkehrende Handlungselemente
- wiederholt verwendete sprachliche Bilder
- sich wiederholende Redewendungen, Gesten usw.
- Dingsymbole wie Gegenstände oder Lebewesen, die an einer bedeutenden Stelle wiederkehren

Das Leitmotiv dient dazu, die Handlung zu gliedern und auch Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Abschnitten herzustellen. Dabei weist das Leitmotiv auf die umfassende Problematik, die hinter diesem Leitmotiv steht und die sich der Leser selber erschließen muss. Man kann sagen, dass das Leitmotiv die „Spitze eines Eisberges“ ist und der „Eisberg“ die dahinter steckende Problematik ist, die sich der Leser durchs Erkennen und Verstehen des Leitmotivs erarbeiten muss.

Das Leitmotiv in der Literatur ist oft gekoppelt mit stilistischen Mitteln wie Rhythmus, Reim, Alliterationen, Anaphern usw.

Das Leitmotiv ist wie ein Leitfaden, der sich durch ein komplettes Werk zieht und damit einen starken Einfluss auf den Text hat. Es kommt immer an den Stellen vor, an denen der Autor auf die hinter dem Leitmotiv steckende Aussage oder Problematik hinweisen will.

In dem Stück „Leben des Galilei“ verwendet die Hauptfigur Galilei immer wieder in seinen Erklärungen Motive, um seine Meinung und sein Weltbild zu verdeutlichen. Die Leitmotive stellen einen bildlichen Vergleich dar. Leitmotive sind zum Beispiel die Milch gegenüber dem Brot, die Schifffahrt, das Sehen, das Fernrohr, der Stein usw.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Analyse der Figuren und Leitmotive in Bertholt Brechts "Leben des Galilei"
Untertitel
Buchbesprechung
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V310471
ISBN (eBook)
9783668091474
ISBN (Buch)
9783668091481
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bertolt Brecht, Das Leben des Galilei, Inhaltsangabe "Leben des Galilei", Charakteristik des Galilei, Personenkonstellation in "Leben des Galilei", Leitmotiv, Bedeutung und Relevanz der Leitmotive in "Leben des Galilei, Dramatische und epische Form des Theaters, Brechts episches Theater, Verfremdungseffekt, Unterscheidung Klassisches und Episches Theater, Merkmale des epischen Theatersin "Leben des Galilei", geschichtlicher Hintergrund zu Brechts "Leben des Galilei, Italien im 17.Jahrhundert, Die historische Figur des Galilei
Arbeit zitieren
Dominik Hösl (Autor), 2014, Analyse der Figuren und Leitmotive in Bertholt Brechts "Leben des Galilei", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310471

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