Die Behandlung von Kriegsgefangenen durch die Irokesen


Seminararbeit, 2001

26 Seiten, Note: 1 (sehr gut)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historisch-politischer Hintergrund

3. Elemente der Kriegführung der Irokesen

4. Die Behandlung der Feinde
4.1. Trophäen
4.2. Adoption
4.3. Folter und Tod
4.4. Kannibalismus

Quellen

Literatur

1. Einleitung

Die Geschichte der im Nordosten der Neuen Welt gegründeten europäischen Kolonien und ihrer Rechtsnachfolger wurde zumindest bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts von einer äußerst einflussreichen politischen Schöpfung der Ureinwohner mitgeprägt, der Liga der Irokesen.

Dieser Zusammenschluss der anfänglich fünf Stämme der Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga und Senaca beherrschte durch die Lage der Stammesterritorien nicht nur die für die Region bedeutsamsten Ost-West-Verbindungen über den Ontariosee sowie durch das Mohawktal[1] sondern übte auch einen maßgeblichen Einfluss auf die zwischen Richelieu River und Hudson River verlaufende Nord-Süd-Transitlinie[2] aus. Diese günstige strategische Position sowie eine über Generationen hinweg mit beachtlicher Zielstrebigkeit betriebene Politik machte die Liga zu einem Faktor ersten Ranges im nordöstlichen Waldland des Kontinents. Indizien für ihren Erfolg waren zahlreiche, v. a. von ihren Bewunderern um sie kreierten Mythen, nicht zuletzt derjenige, der ihre Verfassung als eines der Vorbilder für die Verfassung der Vereinigten Staaten sehen will.

Eine der Konstanten in dieser Politik der Fünf (später Sechs) Nationen bildete die Bereitschaft, als Mittel den Krieg einzusetzen. Manche der dabei zur Anwendung gekommenen Kriegsbräuche bewog einen Großteil der kulturell in Europa wurzelnden Augenzeugen zu Unverständnis und Ablehnung. Dies galt beispielsweise für die gegenüber Gefangenen angewandte Folter. So bezeichnete Pierre Espirit Radisson, ein courier de bois, dessen Bericht insgesamt in Bezug auf das Thema dieser Untersuchung als äußerst wertvoll zu beurteilen ist, die Ligairokesen als „ an enemy the cruelest that ever was upon the face of ye earth[3]. Das Verhalten der Weißen den ungewohnten Kriegsgebräuchen gegenüber differierte jedoch: Obwohl in Schriften der Zeitgenossen ebenfalls als barbarisch bewertet, wurde das Skalpieren, das auch von den Stämmen der Liga eingesetzt wurde, von der weißen Grenzbevölkerung selbst später häufig ausgeübt.

Im Rahmen dieser Semesterarbeit sollte der Umgang der Ligairokesen mit dem „Feind“ und, soweit möglich, die Ursachen und Hintergründe der entsprechenden Verhaltensweisen herausgearbeitet werden. Schwerpunkt hierbei bildete ihre Behandlung von Gefangenen, Kombattanten wie Nichtkombattanten. Da es hier bei den einzelnen Stämmen wenige Unterschiede gab, musste eine diesbezügliche Differenzierung nicht vorgenommen werden. Aufgrund der nahen kulturellen Verwandtschaft der benachbarten Huronen konnten auch Beispiele aus deren Bereich herangezogen werden. Die Bezeichnung „Irokesen“ bezog sich im folgenden Text im allgemeinen auf Mitglieder der Liga. Falls dieser Begriff auf Angehörige außerhalb davon befindlicher, ebenfalls der irokesischen Sprachfamilie angehörende indigene Stämme abzielt, wurde dies ausdrücklich hervorgehoben.

Was den Zeitraum der Untersuchung betraf, so kam vor allem das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert in Betracht. Zum einen lag für frühere Zeiträume kein ausreichendes Quellenmaterial vor, zum anderen wurde seit etwa Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Kriegskultur der Irokesen zunehmend von Einflüssen der Weißen überlagert, worauf unter Pkt. 4.4. detaillierter eingegangen wurde.

2. Historisch-politischer Hintergrund

Für die Gründung der Liga wurde aufgrund verschiedener Berechnungen ein Datum in einem zeitlichen Rahmen ungefähr zwischen den Jahren 1390-1600 n. Chr. angesetzt. Eine der schlüssigsten Aussagen in diesem Zusammenhang datierte die Entstehung des Zusammenschlusses aufgrund einer als gleichzeitig tradierten totalen Sonnenfinsternis auf den 28. Juni 1451.[4]

Der Anlass der Vereinigung war in einer dadurch beabsichtigten Verhinderung der fortgesetzten blutigen Fehden zwischen Mitgliedern der Gründungsstämme zu sehen. Ihr Anspruch ging jedoch weit über ein Durchbrechen des Blutracheprinzips hinaus:

Die Liga, deren Eigenbezeichnung mit „Großem Frieden“ übersetzt wurde,[5] sah die Möglichkeit ihrer Erweiterung auch auf andere Ethnien vor und verstand sich selbst als „ an institution for the extension and preservation of peace and equity and righteousness among all men“[6]

Der aus den 50 bzw. 49 s achems (Ligahäuptlinge) zusammengesetzten Ligarat bildete das Beratungs- und Entscheidungsgremium. In ihm blieb die ungleiche Verteilung der Positionen auf die einzelnen Stämme von geringer praktischer Bedeutung, da die Beschlussfassung im Konsens, also ohne Überstimmung der eine Mindermeinung vertretenden Mitglieder, zu erfolgen hatte. Der Konsens bildete generell die Grundlage der Willensbildung dieser Gesellschaft, auch auf ihren anderen politischen Ebenen, d. h. den Einzelstämmen, deren moieties, Klane und ohwachiras. Eine strikte Über- und Unterordnung, wie es das hoheitliche Handeln europäischer Staaten kennzeichnete, war den Mitgliedern der Ligastämme weitgehend unbekannt.

Ein weiteres Charakteristikum der matrilinearen Irokesenstämme bildete die starke gesellschaftliche Stellung der Frauen, deren Ackerbau, insbesondere der Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis die wirtschaftliche Grundlage der Familien darstellte. Politischer Einfluss wurde von den weiblichen Stammesmitgliedern nicht nur in Person der „Matrone“, die den Großfamilien, den ohwachiras vorstand, wahrgenommen, sondern auch auf die Ernennung der Häuptlinge ausgeübt. Im Rahmen eines festgelegten Verfahrens hatten die Frauen gleichfalls die Möglichkeit, bereits ernannte Häuptlinge abzusetzen.

Seit den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts fanden die folgenreichen Kontakte der Stämme des nordöstlichen Waldlandes mit den Weißen statt: Nachdem die Indianer die überlegene Effektivität der von letzteren hergestellten und eingesetzten Werkstoffe, Gebrauchsgegenstände und Waffen erkannt hatten, die Weißen ihrerseits großes Interesse am Pelzreichtum der Region bekundeten, führte dies zu einem ausgedehnten Tauschhandel.

Der Bericht des Jesuitenordens für das Jahr 1633 beschrieb beispielsweise ein entsprechendes Geschäft zwischen Huronen und Franzosen: „ le troisiesme & quatriesme (jour, d. Verf.) ils traittent, ils vendent, ils acheptent, ils troquent leurs pelleteriers & leur petun contre des couuertures, des haches, des chaudieres, des capots, des fers de fleches, des petits canons de verre, des chemises & choses semblables[7]

Die Einwurzelung und Ausdehnung dieses Handels, wobei die Angebotsseite aus Sicht der autochthonen Stämme v. a. durch Biberpelze bestritten wurde, führte –bei allen Ausnahmen, Unterbrechungen und Querverbindungen, die es zwischen diesen gab- zur Herausbildung zwei verschiedener, konkurrierender Systeme in der Großregion, die teils auf bereits vor Eintreffen der Europäer bestehenden politischen Sympathien bzw. Feindschaften beruhten:

Im Norden wurde der Handel der Huronen und verschiedener Algonkinstämme mit den am St. Lorenz-Strom ansässigen Franzosen abgewickelt, südlicher der der Liga -sie hatte seit Beginn des 17. Jahrhunderts Kontakte zu Europäern- vorzugsweise mit den Niederländern in Fort Orange. Die Eroberung der Neuen Niederlande durch die Engländer im Jahre 1664 (bei dieser Gelegenheit wurde Fort Orange in Albany umbenannt) störte den Weiterbestand dieser Verbindung nicht.[8]

Die Erschöpfung der Biberbestände auf ihrem eigenen Territorium sowie die Einsicht in die Möglichkeit, dadurch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten zu erweitern, ließen die Irokesen mit zunehmendem Erfolg die Rolle des Mittelsmannes im Handel zwischen den Weißen und den westlichen Stämmen des Ohio-Tales anstreben und übernehmen.[9] In den Huronen, sowie deren Verbündeten, die durch ähnliche Aktivitäten die Pelzwarenströme des Westens über die nördliche, die St.-Lorenz-Route abzulenken versuchten,[10] mussten die Ligastämme daher Konkurrenten erblicken. Diese Konstellation führte zu den „ Beaver Wars[11] der Liga, während derer die Huronen 1648/50, die Petun 1649, die Neutralen 1651/52 und die Erie 1654/56 entscheidend geschlagen wurden und als politische Gebilde größtenteils verschwanden.[12]

Das Verhältnis der Ligairokesen zu den Franzosen gestaltete sich generell problematischer als zu anderen Kolonialmächten: Seit den ersten Zusammenstößen Samuel de Champlains an der Seite seiner indianischen Verbündeten in den Jahren 1609-1615 mit irokesischen Streitmächten[13] war es bis zur Ausschaltung Frankreichs als Kolonialmacht in der Region als Ergebnis des Siebenjährigen Krieges immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Franzosen und der Liga gekommen. Friedensschlüsse, von denen insbesondere die von 1667 und 1701 von Bedeutung waren, unterbrachen nur zeitweise die feindliche Haltung der Kontrahenten gegeneinander.

Während der Friedensphasen versuchten die Jesuiten wiederholt, Missionen in den Siedlungen der Irokesen aufzubauen (so in den Jahren 1654-58 in Gannentaha und ca.1667-1687 und 1701-1709 in Onondaga, dem Sitz des Ligarats[14] ). Diesen Bestrebungen war insgesamt kein nachhaltiger Erfolg in Bezug auf die gesamte Liga beschert; es gelang jedoch, eine bedeutende Anzahl von Konvertiten zu gewinnen, die sich später größtenteils im damaligen französischen Machtbereich in Kanada ansiedelten.[15]

Mit den Engländern, die als Kolonialmacht die Niederlande beerbt hatten, herrschte grundsätzlich größeres Einvernehmen. Grund hierfür war die aus Sicht der Irokesen überragende wirtschaftliche Bedeutung Albanys, wo sie Pelze gegen Waren von höherer Qualität zu günstigeren Preisen eintauschen konnten als dies beispielsweise im Handel mit den konkurrierenden Franzosen der Fall war.[16]

Der Zeitraum zwischen 1701, als die Liga in Montreal mit Frankreich Frieden schloss, und dem Ausbruch des French an Indian War Mitte der Fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts, der parallel zu den Auseinandersetzungen des Siebenjährigen Krieges in Europa geführt wurde,

war durch eine Politik der Neutralität zwischen den beiden großen Kolonialmächten gekennzeichnet. Die in diesem Zusammenhang aufgestellte These, der Liga sei es in dieser Ära durch eine meisterhafte Diplomatie gelungen, Engländer und Franzosen gegeneinander auszuspielen und dadurch nicht nur wirtschaftliche Prosperität, sondern auch ein großes Maß an politischer Handlungsfreiheit zu bewahren,[17] ist in jüngerer Zeit relativiert worden:

Die Position der Irokesen sei nicht nur durch innere Probleme wie dem erwähnten Ausweichen eines Teils besonders der Mohawk aus konfessionellen Gründen nach Kanada sowie zunehmendem Alkoholkonsum geschwächt worden, sondern auch durch ein zunehmendes Vorschieben von Stützpunkten der Kolonialmächte auf Ligaterritorium.[18]

Als Erfolge waren die zahlreichen, mehr oder weniger festen Verbindungen zu anderen Indianerstämmen, die im genannten Zeitabschnitt verstärkt geknüpft werden konnten, zu sehen. Ein bedeutendes Beispiel in diesem Zusammenhang stellte die Aufnahme der Tuscarora dar. Diese waren ein ebenfalls irokesischer Stamm, der nach militärischen Niederlagen gegen die Weißen in North Carolina 1711-13 in das Gebiet der Liga geflüchtet war und von dieser 1722/23 als Sechste Nation aufgenommen wurde.[19]

Verheerende Auswirkungen hatte der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg für die Sechs Nationen: Nachdem es diesen nicht gelungen war, eine einheitliche Entscheidung für eine der beiden Kriegsparteien oder für die Neutralität zu treffen, überließ der Ligarat 1777 die Beschlussfassung in dieser Sache den einzelnen Stämmen. Die Mehrheit trat schließlich auf britischer Seite in den Krieg ein, während v. a. Oneida und Tuscarora auf Seiten der Kolonien kämpften.

Nachdem es den Irokesen gelungen war, durch Überfälle an der Peripherie der Kolonien diesen Schaden zuzufügen, wirkte sich der Feldzug der Generäle John Sullivan und James Clinton des Jahres 1779 militärisch entscheidend im Krieg zwischen der Liga und den Kolonien aus: Dieser führte tief in das Territorium der Onondaga, Cayuga, Seneca und schließlich Mohawk hinein.

Selbst wenn die personellen Verluste auf irokesischer Seite sich in Grenzen hielten, so wurde durch die umfangreichen Verwüstungen –nach Angaben der ausführenden Truppen wurden u.a. 160.000 acres mit Getreide bebautes Land zerstört[20] - die wirtschaftliche Basis dieser auf den Ackerbau angewiesenen Stämme empfindlich getroffen. Es handelte sich hierbei um eine ähnliche Aktion wie die von französischen Truppen u. a. in den Jahren 1666 gegen die Mohawk sowie 1696 ins Territorium der Onondaga und Oneida[21] vorgenommenen Feldzüge. Die anschließende Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Franzosen dürfte als Indiz für die Auswirkungen derartiger Unternehmungen zu werten sein.

Selbst wenn in der Forschung über die Bedeutung der Kampagne des Jahres 1779 keine einheitliche Meinung besteht,[22] so verleitet die von Abler und Tooker getroffene, auf Parkman[23] basierende Feststellung „ Sullivan had only overturned the wasp`s nest leaving the wasps alive[24] zu einer Unterschätzung derartiger Angriffe. Deren Wirksamkeit wurde durch die Flucht zahlreicher Irokesen vor der von dem durch den Mangel v. a. an Nahrungsmittel im betroffenen Gebiet ausgehenden existenziellen Bedrohung[25] eindrucksvoll belegt.

Die Tatsache, dass die Angriffe dieser britischen Verbündeten auf die Siedlungen der Kolonisten auch nach der erwähnten Aktion fortgeführt wurden, hing besonders von deren durch die Flucht nach Fort Niagara noch gewachsenen Abhängigkeit von ihrem großen Bündnispartner zusammen.[26]

Mit dem Ausgang des Revolutionskrieges, der für die Sechs Nationen mit dem Friedensvertrag von Fort Stanwix 1784 beendet wurde,[27] verloren diese nicht nur ihre überregionale Machtstellung, sondern auch größtenteils ihre politische Selbstständigkeit. Ihre Mitglieder lebten in ihnen im britischen Kanada sowie in den Vereinigten Staaten zugewiesenen Reservationen, die während des 19. Jahrhunderts einem ständigen Schrumpfungsprozess unterworfen sein sollten. Kennzeichnend für die geteilte Unterordnung der Ligairokesen unter die Souveränität der beiden Mächte –wogegen sich v. a. im 20. Jahrhundert abermals Widerstand äußern sollte- war die Tatsache, dass nach dem Unabhängigkeitskrieg sowohl in der Six Nations Reserve in Kanada als auch in der Buffalo Creek Reservation im Bundesstaat New York das Ligafeuer, bei dem die Ligahäuptlinge tagten, entzündet wurde.[28]

Diese durch die Amerikanische Revolution herbeigeführten Verhältnisse konnten jedoch auch als Höhepunkt einer Entwicklung, die die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts prägte, interpretiert werden: Mit dem Ende des French and Indian War, der das Hinausdrängen Frankreichs als Kolonialmacht aus der Region zur Folge hatte, hatten die Irokesen ihre Mittlerpositionen zwischen den beiden Großmächten verloren. Dementsprechend hatte sich nun die Rücksichtnahme der dominierenden Engländer den Interessen der Liga gegenüber minimiert.[29] Das daraufhin erfolgte Zurückdrängen der Konföderation bereitete, im nachhinein betrachtet, ihren endgültigen Verlust an politischer Bedeutung vor.

3. Elemente der Kriegführung der Irokesen

Ein Kriegsbeschluss konnte nicht nur auf der Ebene der Liga oder des Stammes, sondern auch schon von wesentlich kleineren Elementen der Gesellschaft getroffen werden: „ the maternal family, at least, was often in effect the social unit which declared war and made peace.[30]

Zuständig für deren Interessenvertretung war die bereits erwähnte Institution der Matrone, in deren Verantwortung die Obhut über die ohwachira lag. Die bedeutende Rolle dieser Frauen bei Kriegsentscheidungen wurde von Lafitau hervorgehoben:

„Die Familien erhalten sich, wie ich bereits angemerkt, durch die Anzahl der Personen, woraus sie bestehen, es mögen nun Manns- oder Weibspersonen seyn. In dieser Anzahl besteht ihre Stärke und hauptsächlicher Reichtum. Der Verlust einer einzigen Person ist bey ihnen ein wichtiger und ein solcher Abgang, der notwendig durch eine oder mehrere Personen, nachdem die Wichtigkeit der verlornen gering oder erheblich gewesen, wieder ersetzet werden mus.

Die Leute der Cabane dürfen diesen Verlust nicht wieder ersetzen, sondern alle ihre Bundesgenossen, oder ihre Athonni, wie sie sprechen, sind dazu verbunden. Und hierin besteht der Vortheil einer Cabane, verschiedene Personen zu haben, die daraus entsprossen sind. Denn wenn ihre niemanden zugehörige, und in sich selbst eingeschränkte Manspersonen, sich in fremde Cabanen verheiraten; so sind die aus dieser Ehe gezeugten Kinder der Cabanen ihrer Väter, worin sie Fremdlinge sind, verpflichtet, und haben eine Verbindlichkeit auf sich, den darin sich ereignenden Abgang wieder zu ersetzen; dergestalt, dass die Matrone, welche in dieser Cabane das hauptsächliche Ansehen hat, diese Kinder nach ihrem Gutdünken nötigen kann, entweder in den Krieg zu ziehen, oder wenn diese einen Krieg angefangen haben, der ihr nicht gefällt, sie zurück zu halten.

Wenn also diese Matrone es Zeit zu seyn erachtet, den Stambaum zu erheben, oder jemand aus der Familie, der ihnen durch den Tod geraubet, wieder auf den Teppich zu bringen; so wendet sie sich zu einem derjenigen, der sich in ihrer Athonni aufhält, und welchen sie zu Ausführung ihrer Commißion am tüchtigsten hält. Mit diesem spricht sie durch eine Porcellainschnur, und eröfnet ihm die Meinung, eine Partey zusammen zu bringen; welchem auch sogleich nachgelebet wird.[31]

[...]


[1] Tooker, The League, S. 418

[2] Bei Jennings, The Ambiguous, S. 31f. als „Mahican Channel”; bei MacLeod, The Canadian, z. B. S. 65, als

„Lake Champlain Corridor“ bezeichnet

[3] Radisson, Voyages, S. 4

[4] Übersicht über die Diskussion bei Tooker, The League, S. 418f.

[5] Hale, A Lawgiver, S. 337

[6] Hewitt, A Constitutional, S. 528

[7] Ertler, Von Schwarzröcken, S. 167

[8] Jennings, The Ambiguous, S. 130f.

[9] Tooker, The League, S. 430ff.

[10] Jennings, The Ambiguous, S. 86

[11] Ebenda, S. 84 sowie Kap. 6

[12] Fenton, Problems, S. 177ff.

[13] Goldstein, French-Iroqois, S. 27f.

[14] Blau, Tooker, Engelbrecht; Onondaga, S. 292f.

[15] Sie bildeten dabei folgende Ansiedlungen: das v.a. von Mohawk begründete Kansetake und Kahnawake, sowie die Mitte des 18.Jh. begründeten Oswegatchie (v.a. Onondaga) und Akwesasne (Mohawk), n. MacLeod, The Canadian, S. X-XI

[16] Tooker, The League, S. 432

[17] Wallace, The Origins, S. 223ff.

[18] Haan, The Problems, S. 317ff.

[19] Landy, Tuscarora, S. 518ff.

[20] etwa 64.777 ha; Fischer, A Well-Executed, S. VII

[21] Goldstein, French-Iroquois, S.93f. und S. 185f.

[22] Zusammenstellung bei Fischer, A Well-Executed, S. 4-7

[23] Parkman, France and England, S. 118

[24] Abler, Tooker; Seneca, S. 507 u. 508

[25] Ebenda, S. 508

[26] Fischer, A Well-Executed, S. VII

[27] Abler, Tooker; Seneca, S. 508

[28] Tooker, The League, S. 435f.

[29] Ebenda, S. 434

[30] Snyderman, Behind the Tree, S. 12

[31] Lafitau, Die Sitten, S. 353

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung von Kriegsgefangenen durch die Irokesen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1 (sehr gut)
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V31070
ISBN (eBook)
9783638321822
ISBN (Buch)
9783638682954
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Behandlung, Kriegsgefangenen, Irokesen, Proseminar
Arbeit zitieren
Herwig Baum (Autor), 2001, Die Behandlung von Kriegsgefangenen durch die Irokesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31070

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Behandlung von Kriegsgefangenen durch die Irokesen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden