Noch vor dreißig Jahren hörte man in norddeutschen Schulbussen Kinder und Jugendliche Niederdeutsch sprechen. Auch in den Klassenzimmern gehörte das Plattdeutsche, gerade in ländlichen Gebieten, zum Alltag. Doch heutzutage ist es stiller um die ehemalige Hansesprache geworden. Seit einigen Jahren wird nun versucht, der fast toten Sprache in den Schulen Norddeutschlands wieder Leben einzuhauchen.
Es stellt sich somit die Frage, ob neben anderen Lehrmaterialien ein niederdeutsches Wörterbuch für die Grundschule notwendig ist.
Diese Arbeit wird sich zunächst mit der Analyse vorhandener Wörterbücher für die Grundschule beschäftigen. Hierbei werden zunächst muttersprachliche und dann fremdsprachliche Wörterbücher unter den Aspekten Gestaltung und Inhalt untersucht. Schließlich liegt das Niederdeutsche irgendwo zwischen einer Fremd- und einer Muttersprache für die meisten Kinder.
Diesen pädagogisch-didaktischen Betrachtungen wird sich ein Vergleich mit dem populärsten niederdeutschen Alltags-Wörterbuch, dem Sass, anschließen. Welche Elemente könnten für ein niederdeutsches Kinderwörterbuch übernommen, was müsste verändert werden? Zum Abschluss sollen die Analyseergebnisse in theoretischen Überlegungen zur Erstellung eines niederdeutschen Grundschulwörterbuchs münden, bevor ein Fazit gezogen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Niederdeutsch in den Grundschulen Schleswig-Holsteins und Hamburgs
2. Analyse bereits existierender Grundschulwörterbücher
2.1. für Hochdeutsch
2.2. für ersten Fremdsprachenunterricht (Englisch)
3. Analyse eines niederdeutschen Wörterbuchs für den Alltagsgebrauch
4. Überlegungen zur Erstellung eines niederdeutschen Grundschulwörterbuchs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die pädagogischen und didaktischen Anforderungen an ein niederdeutsches Grundschulwörterbuch im Kontext der Schullandschaften von Hamburg und Schleswig-Holstein. Dabei wird analysiert, wie bestehende Wörterbücher für Deutsch und Englisch strukturiert sind, um daraus Empfehlungen für eine kindgerechte und lernförderliche Gestaltung eines niederdeutschen Lexikons abzuleiten, das den Erhalt der Regionalsprache unterstützt.
- Pädagogische Relevanz von Wörterbucharbeit in der Grundschule
- Strukturanalysen existierender Diktionäre (Deutsch/Englisch)
- Kognitionspsychologische Grundlagen des mentalen Lexikons
- Entwurfskonzepte für ein niederdeutsches Grundschulwörterbuch
Auszug aus dem Buch
4. Überlegungen zur Erstellung eines niederdeutschen Grundschulwörterbuchs
Die hier vorgestellten Lexika sind fast alle in ihrem Hauptteil alphabetisch sortiert und haben alle zumindest ein alphabetisches Teillexikon. Doch in unseren Köpfen werden Wörter nicht nach dem ABC sortiert, sondern nach anderen Schemata (vgl. AITCHISON 2003, S. 10f). Dieses mentale Lexikon zu verstehen, ist wesentlich, um ein Grundschullexikon in Buchform erstellen zu können. Wenn wir Wörter lernen, werden diese immer in Verbindung mit anderen Wörtern in Wortlisten gespeichert. Um deren Aufbau zu erkennen, helfen Versprecher im mündlichen Sprachgebrauch oder die erste Assoziation zu einem Wort. Nach AITCHISON gibt es vier Möglichkeiten des mentalen Lexikons, Wörter zu speichern und zu kategorisieren. In absteigender Reihenfolge sind diese: Koordination, Kollokation, Superordination und Synonyme (vgl. 2003, S. 86ff). Mit Koordination ist gemeint, dass die Wörter auf demselben Level der Bedeutung angesiedelt sind, also beispielsweise Salz, Pfeffer und Muskat oder alle Begriffe für Farben (ebd.). Die Wörter gehören einer Oberkategorie an und werden deshalb gemeinsam abgerufen.
Zu dieser Art Wörter zu speichern gehören auch Antonyme, also Gegenteile. Wenn es nur zwei Wörter in einer Kategorie gibt, dann werden diese auch gemeinsam gespeichert und abgerufen, zum Beispiel rechts und links (ebd.). Von Kollokation spricht man, wenn Wörter üblicherweise zusammen gefunden werden, beispielsweise Wasser zu dem Wort Salz, weil die Komposition Salzwasser häufig ist (ebd.). Bei der Superordination wird ein Oberbegriff abgerufen, also Insekt für Schmetterling oder Farbe für rot (ebd.). Am seltensten tritt der Fall auf, dass Synonyme gemeinsam gespeichert werden.
Diese Arten Wörter im Kopf zu speichern können auch auf ein Lexikon in Buchform übertragen werden. Mit Anwendung dieser einfachen Schemata ist es möglich, den SuS das Erlernen von Wörtern wesentlich zu vereinfachen. In der vorangegangenen Analyse vorhandener Grundschullexika konnte bereits gezeigt werden, dass diese Ordnungssysteme in Grundschuldiktionären Anwendung finden, zum Beispiel in Form von Registern zu Wortfamilien, Wortfeldern oder Synonymlisten. Auch in einem niederdeutschen Lexikon sollte man sich dieses Wissen über Sprachstrukturen im Gedächtnis zu Nutze machen. Denn eine Strukturierung nach dem Alphabet wie in den hochdeutschen Grundschulwörterbüchern ist für ein primäres Fremdsprachenlexikon nicht sinnvoll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Niederdeutsch in den Grundschulen Schleswig-Holsteins und Hamburgs: Das Kapitel beleuchtet die rechtliche Verankerung und aktuelle Situation des Niederdeutschunterrichts in den nördlichen Bundesländern.
2. Analyse bereits existierender Grundschulwörterbücher: Es werden didaktische Funktionen sowie der Aufbau bestehender Wörterbücher für Deutsch und Englisch untersucht.
3. Analyse eines niederdeutschen Wörterbuchs für den Alltagsgebrauch: Dieses Kapitel prüft die Eignung des „Sass“ als Referenzwerk für die Erstellung eines schultauglichen Wörterbuchs.
4. Überlegungen zur Erstellung eines niederdeutschen Grundschulwörterbuchs: Basierend auf lerntheoretischen Ansätzen werden Entwürfe für ein modernes, kindgerechtes niederdeutsches Lexikon entwickelt.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert die Notwendigkeit von Wörterbucharbeit und betont den Beitrag eines solchen Werks zum Erhalt des Niederdeutschen.
Schlüsselwörter
Niederdeutsch, Grundschule, Wörterbucharbeit, Grundwortschatz, Sprachdidaktik, Mentales Lexikon, Regionalsprache, Lernmaterialien, Sass, Fremdsprachenunterricht, Bildungsplan, Hamburg, Schleswig-Holstein, Alphabetisierung, Sprachpflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines niederdeutschen Wörterbuchs speziell für Grundschüler in Hamburg und Schleswig-Holstein unter Berücksichtigung didaktischer und linguistischer Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Analyse vorhandener Grundschullexika (Deutsch und Englisch), die Untersuchung des „Sass“ als Alltags-Wörterbuch sowie die Übertragung mentaler Speichermodelle von Wörtern auf die Gestaltung eines neuen Lexikons.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie ein niederdeutsches Grundschulwörterbuch aufgebaut sein muss, um den Spracherwerb und den Spaß am Niederdeutschen bei Kindern effektiv zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse von vorhandenen Lehrplänen und Wörterbüchern sowie eine Stichprobenanalyse der Wortarten-Verteilung in verschiedenen Wörterbuchteilen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung bestehender Materialien, die Analyse des „Sass“ und die theoretische Herleitung eines Gestaltungskonzepts auf Basis kognitionspsychologischer Theorien (mentales Lexikon).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Niederdeutsch, Grundschuldidaktik, Wörterbucharbeit, mentale Lexika und Sprachförderung geprägt.
Warum wird im Niederdeutschen von einem „Reduzierten Wörterbuch“ gesprochen?
Da es sich an Kinder richtet, muss der Umfang im Vergleich zu Standard-Wörterbüchern stark reduziert werden, um die Lernenden nicht zu überfordern und den Fokus auf den elementaren Grundwortschatz zu legen.
Welche Rolle spielt das „mentale Lexikon“ bei der Erstellung des Wörterbuchs?
Es dient als Vorbild für die Strukturierung, da Menschen Wörter im Gedächtnis eher nach Themenfeldern, Kollokationen oder Wortfamilien vernetzen als starr alphabetisch.
Wird im Entwurf für das Wörterbuch eine alphabetische Sortierung empfohlen?
Nein, die Autorin rät davon ab, da dies für einen Fremdsprachenerwerb in der Grundschule weniger förderlich ist als eine thematische Gliederung, wie sie dem mentalen Speicher entspricht.
Welchen Einfluss haben die Bundesländer auf die Sprachvermittlung?
Die Lehr- und Bildungspläne von Hamburg und Schleswig-Holstein bilden den Rahmen; während Hamburg Niederdeutsch als Schulfach etabliert, gibt es in Schleswig-Holstein eher projektbasierte Ansätze.
- Quote paper
- Dorothee Salewski (Author), 2013, Wo heet dat nochmal? Überlegungen zu einem niederdeutschen Wörterbuch für die Grundschulen in Hamburg und Schleswig-Holstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310980