Die Geschichte der „Hexenprozesse“ bringt man oftmals nicht unweigerlich mit Männern in der Rolle der Opfer in Verbindung, da diese zur Zeit der Verfolgungen einerseits in der Minderheit waren und andererseits weniger von ihnen überliefert ist als von solchermaßen verfolgten Frauen. Diese Arbeit thematisiert die Hexenverfolgungen in Österreich von ihren Anfängen in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zu ihrem Höhepunkt im 17. Jahrhundert.
Besonders werden dabei die Unterschiede hinsichtlich der Behandlung und Anklage, des Prozesses und der Hinrichtung zwischen Männern und Frauen untersucht. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, ob Männer und Frauen im Zuge der Hexenprozesse unterschiedlich bestraft beziehungsweise grundsätzlich verschieden behandelt wurden. Da sich die Hexenverfolgungen aus den Ketzerverfolgungen entwickelten, wird zuerst kurz die Begriffsentwicklung der „Hexe“ näher erläutert, um sie vom Ketzer abzugrenzen.
Anhand von einigen Fallbeispielen verschiedener Anklagen, Prozesse und Hinrichtungen von Männern und Frauen, wobei der Fokus auf den männlichen Opfern liegt, werden Unterschiede gesucht. Mittels dieser Fallbeispiele ist festzustellen, ob man bei Männern im Vergleich zu Frauen größere Milde walten ließ oder zu noch härteren Maßnahmen griff. Weiters wird untersucht, ob Männer derselben Taten bezichtigt wurden wie Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WAS IST EINE HEXE? KULTURGESCHICHTLICHE BEGRIFFSBESTIMMUNG
3 HEXEREI UND DER HEXENHAMMER
3.1 KETZEREI & DER PAPST
3.2 „MALLEUS MALEFICARUM“ ODER DER „HEXENHAMMER“
4 HEXENPROZESSE IN AUSGEWÄHLTEN ÖSTERREICHISCHEN LÄNDERN
4.1 HEXENVERFOLGUNGEN IN DER STEIERMARK
4.2 HEXENVERFOLGUNGEN IN SALZBURG ODER DIE „ZAUBERER-JACKL-PROZESSE“
4.3 HEXENVERFOLGUNGEN IN KÄRNTEN
5 SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den genderspezifischen Kontext von Hexenverfolgungen im Raum des heutigen Österreichs mit einem besonderen Fokus auf der Rolle männlicher Opfer. Es soll eruiert werden, ob sich bei der strafrechtlichen Behandlung und den zugeschriebenen Delikten signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen lassen.
- Kulturgeschichtliche Entwicklung und Definition des Hexenbegriffs
- Bedeutung und Einfluss des "Hexenhammers" auf die Rechtsprechung
- Regionale Unterschiede der Hexenverfolgung in Österreich (Steiermark, Salzburg, Kärnten)
- Die Rolle von Randgruppen und männlichen Bettlern in Hexenprozessen
- Vergleich der Behandlung von Männern und Frauen im Kontext von Teufelsbündnissen und Magievorwürfen
Auszug aus dem Buch
3.2 „Malleus maleficarum“ oder der „Hexenhammer“
Relativ bald nach der Publikation der „Hexenbulle“ veröffentlichte der Inquisitor Heinrich Kramer im Winter 1486/87 den „Hexenhammer“, mit dem er die endgültige und umfassende Definition der Hexerei vorlegte. Das Werk wurde von kirchlichen Richtern bei Fragen zur Hexerei herangezogen und somit zum Handbuch der Hexenprozesse.
Das Werk ist in drei Teile gegliedert. Der erste und zweite Teil erörtern das gesamte Wesen und Wirken der Hexen und auf welche Art sowie mit welchen Mitteln man diese bekämpfen solle. Die Vielgestaltigkeit dieser Zauber wird ebenfalls dargestellt, wobei die geschlechtliche Beziehung zwischen Mann und Frau besonders hervorgehoben wird. Kramer vertritt im Hexenhammer die These, dass die geschlechtliche Betätigung beim Mann leichter verhindert werden könne, sprich Männer leichter zu behexen seien, also müsse es sich bei Hexen vornehmlich um weibliche Personen handeln. In weiterer Folge postulierte er, dass die Hexen mit dem Teufel im Bunde seien, und sprach von den Inkuben und Sukkuben, männlichen und weiblichen „Verführungsdämonen“. Daraus leitete er ab, dass sich vorzugsweise das weibliche Geschlecht dem Verderben hingebe, während die „Hexenbulle“ explizit von beiden Geschlechtern sprach. Das zuvor erwähnte Sabbattreiben erfordert zwar eine zahlenmäßige Übereinstimmung von Männern und Frauen, spielt aber im Hexenhammer eine untergeordnete bis kaum vorhandene Rolle. Demnach wird die Beteiligung von Männern an ketzerischen Akten fast vollständig außer Acht gelassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Männer in Hexenverfolgungen eine oft unterschätzte Rolle als Opfer einnahmen und legt das Ziel fest, genderspezifische Unterschiede in der Behandlung dieser Prozesse in Österreich zu untersuchen.
2 WAS IST EINE HEXE? KULTURGESCHICHTLICHE BEGRIFFSBESTIMMUNG: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Begriffs der Hexe von antiken Überlieferungen und biblischen Bezügen bis hin zur Verankerung im Volksglauben des Mittelalters.
3 HEXEREI UND DER HEXENHAMMER: Dieses Kapitel erläutert die dogmatische Festlegung der Hexerei als Ketzerei durch die Kirche und die zentrale Rolle des „Hexenhammers“ als theoretisches Fundament und Handbuch für die Hexenprozesse.
4 HEXENPROZESSE IN AUSGEWÄHLTEN ÖSTERREICHISCHEN LÄNDERN: Hier werden die Hexenverfolgungen in der Steiermark, Salzburg und Kärnten analysiert, wobei besonders die Verfolgung männlicher Bettler und regional unterschiedliche Vorgehensweisen hervorgehoben werden.
5 SCHLUSSWORT: Das Fazit stellt fest, dass die Verfolgung von Männern regional und zeitlich stark variierte und oft spezifische Randgruppen betraf, wobei der Vergleich mit Frauen keine einheitliche Antwort auf eine unterschiedliche Bestrafung zulässt.
Schlüsselwörter
Hexenverfolgung, Österreich, Hexenhammer, Männliche Opfer, Genderforschung, Ketzerei, Teufelspakt, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Zauberer-Jackl-Prozesse, Schadenszauber, Inquisitor, Mittelalter, Frühe Neuzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Geschichte der Hexenverfolgungen in Österreich mit Fokus auf den Unterschieden in der Behandlung und Anklage von Männern und Frauen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische Begriffsbestimmung der "Hexe", der Einfluss des Hexenhammers auf die Justiz sowie die Analyse spezifischer Hexenprozesse in den österreichischen Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis historischer Fallbeispiele zu prüfen, ob es tatsächliche Unterschiede in der Behandlung von männlichen und weiblichen Opfern im Zuge der Hexenprozesse gab.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die Fachliteratur sowie historische Dokumente und Gerichtsakten miteinbezieht.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Hexenbegriffs, der Rolle des Hexenhammers sowie detaillierten Fallstudien aus der Steiermark, Salzburg und Kärnten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Hexenverfolgung, genderspezifische Unterschiede, österreichische Landesgeschichte, Teufelspakt und Hexenhammer.
Wie unterscheidet sich die Situation männlicher Hexer von weiblichen?
Männer wurden häufiger als Teil von Randgruppen wie Bettlern oder Vagabunden verfolgt, während bei Frauen oft die Sexualität und Körperlichkeit stärker in den Fokus der Anklage rückten.
Was waren die sogenannten Zauberer-Jackl-Prozesse?
Dies war eine spezifische Folge von Prozessen im Erzbistum Salzburg zwischen 1675 und 1690, bei denen überwiegend männliche Jugendliche und Männer wegen angeblicher Verbindung zum "Schinderjackl" hingerichtet wurden.
- Arbeit zitieren
- Nathalie Altrichter (Autor:in), 2014, Hexenprozesse gegen Männer. Die Hexenverfolgungen im genderspezifischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312036