Die Auswanderung nach Amerika in den vergangenen Jahrhunderten ist ein immer besser erforschtes Phänomen. Doch die damit einhergehende Rückwanderung wurde lange Zeit vernachlässigt. Karen Schniedewind zum Beispiel sieht hier die schlechte Quellenlage, aber auch die Vorstellung von Amerika als Land der unbegrenzten Möglichkeiten als Ursache.
Ich möchte in der folgenden Arbeit deshalb versuchen, das Phänomen der Rückwanderung anhand einzelner regionaler Befunde zu erklären. Hierbei muss auch die Auswanderung in ihren Grundzügen in den Fokus rücken, kann man doch davon ausgehen, dass die für die meisten Auswanderer die Reise über den Atlantik eine definitive Entscheidung war und keine Absicht bestand, dauerhaft zurückzukehren.
Vor allem deshalb ist aus wissenschaftlicher Sicht interessant herauszufinden, was die Menschen dazu bewog, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Waren es wirtschaftliche oder emotionale Gründe? Oder schlug schlicht die Akkulturation im fremden Land fehl? Nacheinander werde ich diese Motive anhand verschiedener Arbeiten untersuchen und aufschlüsseln. Abschließend werde ich in einem Fazit das Erfahrene reflektieren und einen Ausblick auf Notwendigkeiten der Forschung geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die deutsche Amerika-Auswanderung
3. Die Rückwanderung aus Amerika nach Deutschland
3.1 Forschungsstand
3.2 Ausmaß der Rückwanderung
3.3 Motive für Rückwanderung
3.3.1 Gescheiterte Akkulturation
3.3.2 Wirtschaftliche Motive
3.3.3 Emotionale Motive
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die häufig vernachlässigte Rückwanderung deutscher Auswanderer aus den USA zwischen dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ziel ist es, die vielfältigen Beweggründe für die Rückkehr in die alte Heimat anhand regionaler Fallstudien zu analysieren und ein tieferes Verständnis für diesen Migrationszyklus zu entwickeln.
- Analyse der Beweggründe für die transatlantische Rückwanderung
- Untersuchung von wirtschaftlichen Faktoren und Konjunkturschwankungen
- Einfluss der Akkulturation und des kulturellen Umfelds auf die Entscheidung zur Heimkehr
- Die Rolle emotionaler Faktoren wie Heimweh und psychosomatischer Leiden
- Methodische Herausforderungen der historischen Erforschung von Remigration
Auszug aus dem Buch
Wirtschaftliche Motive
Um den Einfluss wirtschaftlicher Gründe auf die Rückwanderung zu verstehen, muss man sich zunächst vor Augen führen, dass für manche Auswanderer die Rückkehr in die Heimat von Beginn an das Ziel war. Karen Schniedewind bezeichnet diese Auswanderer als „konservativ“, sie suchten Erfolg nach heimatlichen Kriterien und zielten daran, mit neu erworbenem Wohlstand wieder zurückzukehren.
Winfried Folz hat für die pfälzischen Rückwanderer drei Hauptursachen herausgearbeitet: Zunächst gab es einen harten Kampf um Arbeitsstellen. Nicht nur schwankte die amerikanische Konjunktur viel stärker als es die Auswanderer in ihrer Heimat gewöhnt waren. Noch dazu kam die Masseneinwanderung aus Europa, die den Druck auf die Immigranten noch erhöhte und deutlich mehr Flexibilität im Wettbewerb um Arbeit nötig machte. Zweitens gab es diverse Gründe für Arbeitslosigkeit und schlechte Erträge in der Landwirtschaft. Das Klima machte für die Landwirte eine effektive Bewirtschaftung schwierig. Ebenso Krankheiten und Betrügereien beim Landerwerb nennt Folz als Probleme der Farmer in Amerika. Drittens seien die Pfälzer, welche 1848 nach Kalifornien aufbrachen, um auf Goldsuche zu gehen, zum größten Teil verarmt und erfolglos wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die oft unterschätzte Rückwanderung aus Amerika und skizziert das methodische Vorgehen anhand regionaler Befunde.
Die deutsche Amerika-Auswanderung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Massenauswanderung aus Deutschland in die USA zwischen 1816 und 1914.
Die Rückwanderung aus Amerika nach Deutschland: Hier wird der Forschungsstand beleuchtet, das Ausmaß der Remigration quantifiziert und die spezifischen Motive (Akkulturation, Wirtschaft, Emotionen) detailliert analysiert.
Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Notwendigkeit für weitere wissenschaftliche Forschung zur Rückwanderung betont.
Schlüsselwörter
Rückwanderung, Amerika-Auswanderung, Remigration, Akkulturation, Wirtschaftliche Motive, Heimweh, Migration, 19. Jahrhundert, Deutschland, USA, Integrationsprobleme, Arbeitsmarkt, Bevölkerungsbewegung, Historische Forschung, Konservative Auswanderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Phänomen der Rückwanderung deutscher Auswanderer aus den USA nach Deutschland, ein Thema, das in der Forschung lange Zeit gegenüber der Hinwanderung vernachlässigt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Beweggründe der Rückkehrer, unterteilt in wirtschaftliche Ursachen, Aspekte der gescheiterten oder schwierigen Akkulturation sowie emotionale Faktoren wie Heimweh.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die verschiedenen Motive für die Rückkehr anhand regionaler Fallstudien (wie etwa aus Schleswig-Holstein oder der Pfalz) zu systematisieren und die Komplexität des Migrationszyklus aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte historische Analyse, die verschiedene regionale Fallstudien und historisches Datenmaterial synthetisiert.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Auswanderung, die Definition der Rückwanderung sowie die detaillierte Untersuchung der drei Motivgruppen: Akkulturation, Wirtschaft und Emotionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Remigration, transatlantische Migration, Akkulturation und historischer Kontext der Amerikawanderung maßgeblich bestimmt.
Welche Rolle spielt die "gescheiterte Akkulturation" bei der Rückkehr?
Obwohl Akkulturation ein wichtiger Prozess ist, zeigt die Untersuchung, dass ein tatsächliches Scheitern der kulturellen Anpassung seltener der alleinige Grund für die Rückkehr war als vermutet; oft dienten Vereine sogar als Puffer.
Warum war es für Historiker lange schwierig, das Ausmaß der Rückwanderung zu erfassen?
Es mangelte an verlässlichen Statistiken und Quellen, da die Bedeutung der Remigration quantitativ unterschätzt wurde und der Zusammenhang zwischen Auswanderung und Rückkehr oft erst spät erforscht wurde.
- Arbeit zitieren
- Timo Piller (Autor:in), 2015, Rückwanderung aus Amerika nach Deutschland. Motive und Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313846