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Der Heimatbegriff in Oskar Maria Grafs Roman "Unruhe um einen Friedfertigen"

Title: Der Heimatbegriff in Oskar Maria Grafs Roman "Unruhe um einen Friedfertigen"

Term Paper , 2010 , 25 Pages

Autor:in: Olaf Breithecker (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In meiner Hausarbeit über „Unruhe um einen Friedfertigen" möchte ich zunächst kurz das Stilideal Oskar Maria Grafs herausarbeiten. Indem er sich für sehr realistische Darstellungsformen bemüht, unterscheidet er sich von einer Volkstümelei, die gerade in der 1920 und 1930er Jahren sehr beliebt war. Da sich unser Hauptseminar mit Heimatliteratur befasst hat, möchte ich die Besonderheiten des Heimatkonzepts bei Oskar Maria Graf vorstellen. Die Besonderheit der Heimat soll einmal für die Darstellung der Heimat im Allgemeinen und später am Beispiel des Schusterhauses untersucht werden.

Im nächsten Schritt möchte ich zeigen, wie sehr sich die Heimat in „Unruhe um einen Friedfertigen“ wandelt. Dabei möchte ich vor allem auf die historischen Krisensituationen Erster Weltkrieg, Inflation und die Infiltration des Dorfes durch die Nationalsozialisten eingehen. Dabei soll ebenfalls ausgezeigt werden, wie sehr die Staatsmacht, das „A-bopa“, in die Lebenswelt der Landbewohner eingreift und wie eng sie mit der Stadt konnotiert ist.

Im weiteren Verlauf der Hausarbeit möchte ich den Gegensatz zwischen den Revolutionären und den Nationalsozialisten an den Personen von Ludwig Allberger, Peter Lochner und Silvan Lochner beleuchten. In diesen Kontext möchte ich die jüdische Vergangenheit des Schusters Kraus als Teil der deutschen Geschichte interpretieren. Des Weiteren soll das Besondere an Oskar Maria Grafs Erzähltechnik und die Parallelen von „Unruhe um einen Friedfertigen“ und dem Leben des Autors behandelt werden. Dabei sollen u.A. das Exil und die Figur des Schusters als typisches Kennzeichen für Grafs Erzählmethode untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Die Beschreibung der Heimat – Heimat als Teil der Exilliteratur

1.2 Das Schusterhaus als Heimat und Rückzugsort

2. Das Dorf als natürlicher Mikrokosmos und das „A-bopa“ als Gegenspieler

2.1 Der Krieg als Teil des „A-bopa“

2.2 Die Beschreibung der Stadt und das Problem der Kriegsheimkehrer

2.3 Die Darstellung der Revolution

2.4 Die Darstellung der Revolutionäre Ludwig Allberger und Peter Lochner

2.5 Die Bedrohung der Idylle durch die Nationalsozialisten

2.6 Die jüdischen Wurzeln des Schusters Kraus und die Bedrohung durch die Nazis

3. Die besondere Erzähltechnik von Oskar Maria Graf

3.1 Die Unzuverlässigkeit der Idylle

3.2 Das Beispiel des Schusters als Teil der deutschen Geschichte

3.3 Parallelen mit Grafs Leben

3.4 Unruhe um einen Friedfertigen als Teil der Exilliteratur

Zielsetzung und Themen

Diese Hausarbeit untersucht die Besonderheiten des Heimatkonzepts in Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“. Das primäre Ziel ist es, die Transformation der Heimat unter dem Einfluss historischer Krisen wie dem Ersten Weltkrieg, der Inflation und der Infiltration durch den Nationalsozialismus aufzuzeigen, wobei die Figur des Schusters Kraus als zentrales Beispiel für die Dekonstruktion von Identität und Sicherheit im dörflichen Raum dient.

  • Analyse des realistischen Stilideals von Oskar Maria Graf
  • Untersuchung des Gegensatzes zwischen dem „A-bopa“ (Staatsmacht) und dem dörflichen Mikrokosmos
  • Interpretation der jüdischen Vergangenheit des Schusters Kraus vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte
  • Reflexion der Erzähltechnik und der autobiografischen Parallelen in Grafs Werk

Auszug aus dem Buch

1.2 Das Schusterhaus als Heimat und Rückzugsort

Bausinger sieht Heimat prinzipiell mit der Identität eines Menschen verwachsen. Für ihn ist Heimat mehr als die Basis für Identität, nämlich das „Wesen der Heimat“. So sucht er Heimat nicht nur im Räumlichen, sondern vor allem im Inneren eines Individuums. Übertragen wir diese Konzeption nun auf die Situation des Schusters, so hat er das Problem, dass er sich nirgendwo aufgrund seiner jüdischen Vergangenheit einer Heimat zugehörig fühlen kann: Für ihn ist Heimat keine Lebensmöglichkeit, sondern ein Herkunftsnachweis. Deshalb möchte er sein Haus als „Festung“ ausbauen, die ihn vor der Neugierde der Anderen schützen kann. Als Silvan und sein Vater eine Intrige gegen ihn spinnen, verschließt er sich zum ersten Mal in seinem Leben nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich: „Er trat in den Gang und tat etwas, was er – wenn er daheim war – noch nie getan hatte. Er sperrte die Türe zu.“ Ein anderes Mal möchte er nur noch „heim, bloß heim.“

Sogar Peter bemerkt die Gemütlichkeit, die vom Haus des Schusters ausgeht: „Herrgott, Kraus! Bei dir gefällt’s mir besser wie überall!... Bei dir bin ich richtig daheim!“ Sein Haus ist für den Schuster viel eher Heimat als das Dorf, von dem er nichts als Gefahr wahrnimmt. Sein „Wesen der Heimat“ besteht in seiner Zurückgezogenheit, die ohne sein Haus nicht möglich wäre. Damit unterscheidet er sich von allen anderen Dorfbewohnern, die aufgrund ihrer Arbeit als Bauern ständig in Bewegung sind, während sich der Schuster in seinem Haus „verstecken“ kann. Heimat ist nach Bausinger ein Symbol für „intakte Beziehungen“. Gerade weil Kraus nicht über eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Mitmenschen verfügt, reduziert sich sein Heimatbegriff auf sein Haus: „Der Mann musste unter Berufung auf einige alteingesessene, angesehene Bürger um Aufnahme in die Gemeinde nachsuchen. Um all das hatte sich der Kraus nie bekümmert, nie beworben, kurzum, er war kein Bürger der Gemeine Auffing.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Stilideal von Oskar Maria Graf ein und umreißt die Untersuchung des Heimatkonzepts anhand des Romans „Unruhe um einen Friedfertigen“ unter Berücksichtigung historischer Krisen.

1.1 Die Beschreibung der Heimat – Heimat als Teil der Exilliteratur: Hier wird der Heimatbegriff als emotional aufgeladenes Schlüsselwort der deutschen Nachkriegsliteratur im Kontext der Idylle und bäuerlichen Arbeit diskutiert.

1.2 Das Schusterhaus als Heimat und Rückzugsort: Das Kapitel beleuchtet, wie der Schuster Kraus sein Haus als Festung gegen die Außenwelt und als Ersatz für eine nicht mehr vorhandene Identität nutzt.

2. Das Dorf als natürlicher Mikrokosmos und das „A-bopa“ als Gegenspieler: Es wird der Gegensatz zwischen dem natürlichen Arbeitsrhythmus der Bauern und der zerstörerischen, als städtisch wahrgenommenen Staatsmacht „A-bopa“ analysiert.

2.1 Der Krieg als Teil des „A-bopa“: Dieses Kapitel zeigt die Zerstörung der bäuerlichen Idylle durch den Ersten Weltkrieg und die zunehmende Entfremdung der Soldaten von ihrer Heimat auf.

2.2 Die Beschreibung der Stadt und das Problem der Kriegsheimkehrer: Die Untersuchung des entfremdenden Einflusses der Stadt und der Schwierigkeiten der Kriegsheimkehrer, sich in das ursprüngliche Dorfleben wiedereinzugliedern.

2.3 Die Darstellung der Revolution: Beschreibung des anfänglichen Hoffnungsschimmers der Dorfbewohner durch die Revolution, der angesichts der folgenden Unruhen und Gewalt schnell in Ernüchterung umschlägt.

2.4 Die Darstellung der Revolutionäre Ludwig Allberger und Peter Lochner: Eine Charakterisierung der beiden Protagonisten, die sich durch kritisches Denken und individuelles Handeln auszeichnen.

2.5 Die Bedrohung der Idylle durch die Nationalsozialisten: Die Analyse der Zerstörung der dörflichen Gemeinschaft durch die paramilitärische Gewalt der Nazis, die jedes natürliche Leben auslöscht.

2.6 Die jüdischen Wurzeln des Schusters Kraus und die Bedrohung durch die Nazis: Die Thematisierung der jüdischen Vergangenheit des Schusters als entscheidendes Merkmal, das ihn isoliert und ihn letztlich zum Opfer der Nationalsozialisten werden lässt.

3. Die besondere Erzähltechnik von Oskar Maria Graf: Untersuchung der realistischen Erzählweise, des Humors und der Verwendung von Dialekt, die Grafs Werke für den Leser erfahrbar machen.

3.1 Die Unzuverlässigkeit der Idylle: Darlegung, wie Graf die vertrauenserweckende Fassade des Dorfes durch die Handlungen seiner Protagonisten dekonstruiert.

3.2 Das Beispiel des Schusters als Teil der deutschen Geschichte: Betrachtung des Schicksals von Kraus als Versinnbildlichung der deutschen Katastrophe und der zerstörten Illusion politischer Neutralität.

3.3 Parallelen mit Grafs Leben: Analyse der autobiografischen Elemente in der Darstellung des Widerstands gegen paramilitärische Stimmungen und Kriege.

3.4 Unruhe um einen Friedfertigen als Teil der Exilliteratur: Einordnung des Romans als im US-Exil entstandenes Werk, das einen distanzierten Blick auf die deutsche Realität ermöglicht.

Schlüsselwörter

Oskar Maria Graf, Unruhe um einen Friedfertigen, Heimat, Exilliteratur, Schusterhaus, A-bopa, Nationalsozialismus, Bauernleben, Identität, Realismus, Dorfgeschichte, politischer Widerstand, deutsche Geschichte, Entfremdung, Fatalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Heimatbild in Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ und untersucht, wie dieses durch historische Ereignisse und den Nationalsozialismus dekonstruiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Heimatliteratur, das Spannungsfeld zwischen ländlichem Mikrokosmos und staatlicher Macht, die Rolle des Exils sowie die Auswirkungen von Krieg und politischem Extremismus auf das Individuum.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Graf die Idylle des Dorflebens durch eine realistische Darstellung dekonstruiert und die Identitätssuche seiner Protagonisten vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte beleuchtet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu Grafs Werk und allgemeinen Konzepten wie Heimat und Identität.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden das Dorf als Mikrokosmos, die zerstörerische Wirkung des „A-bopa“, die Rolle der Revolutionäre, die jüdischen Wurzeln des Schusters Kraus sowie Grafs spezifische Erzähltechnik und autobiografische Bezüge diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Heimat, Identität, Exilliteratur, Schuster Kraus, Nationalsozialismus und der dörfliche Mikrokosmos.

Warum spielt die Figur des Schusters Kraus eine so zentrale Rolle für die Argumentation?

Kraus fungiert als Sinnbild für das Schicksal der Juden in Deutschland und zeigt durch seine passive Haltung und das spätere Scheitern seiner Neutralität die Unausweichlichkeit der politischen Katastrophe auf.

Inwiefern beeinflusste das Exil die Entstehung des Romans?

Das Exil in den USA ermöglichte Graf einen distanzierten Blick von außen, der ihn dazu befähigte, die Vorgänge in Deutschland während der Nazizeit lebensnah und realistisch zu reflektieren.

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Details

Title
Der Heimatbegriff in Oskar Maria Grafs Roman "Unruhe um einen Friedfertigen"
Author
Olaf Breithecker (Author)
Publication Year
2010
Pages
25
Catalog Number
V314472
ISBN (eBook)
9783668130555
ISBN (Book)
9783668130562
Language
German
Tags
Oskar Maria Graf Unruhe um einen Friedfertigen Nationalsozialismus Judenverfolgung Heimat Exilliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Olaf Breithecker (Author), 2010, Der Heimatbegriff in Oskar Maria Grafs Roman "Unruhe um einen Friedfertigen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314472
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