Zur Aktualität von Adornos Kulturindustrie. Sind Adornos Thesen auf die gegenwärtige Kulturlandschaft übertragbar?


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Hintergrund: Adorno und die Kritische Theorie
2.2 Kulturindustrie: Zentrale Thesen und Begriffe

3. Aktualitätsdebatte
3.1 Beispiele der Übertragbarkeit
3.2 Kritik an Adornos Thesen

4. Fazit

Bibliografie

1. Einleitung

„Nicht an allem, was in dem Buch gesagt ist, halten wir unverändert fest. Das wäre unvereinbar mit einer Theorie, welche der Wahrheit einen Zeitkern zuspricht, anstatt sie als Unveränderliches der geschichtlichen Bewegung entgegenzusetzen.“

Horkheimer, Adorno im Vorwort zu einer Neuausgabe der Dialektik der Aufklärung[1] 1947 veröffentlichten Max Horkheimer und Theodor W. Adorno die Dialektik der Aufklärung, ein Buch, das hohen Bekanntheitsgrad erlangen und Kernstück der Denktradition der sogenannten Kritischen Theorie werden sollte. Das wohl berühmteste Kapitel des Werks wurde von Adorno verfasst: Unter dem Titel Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug kritisierte er das Eingreifen der Ökonomie in die Kunstsphäre und attestierte eine Verkommerzialisierung der Kultur, die Kunst zu bedeutungslosen Konsumgütern verkommen lasse und zudem negativen Einfluss auf Menschen und Gesellschaft übe. In weiteren Aufsätzen setzte er seine Gedanken zu diesem Thema fort. Insgesamt entstand so eine komplexe Theorie über die Kulturindustrie, die von nachfolgenden Generationen immer wieder diskutiert wurde.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einige zentrale Thesen hinsichtlich ihrer Aktualität zu untersuchen. Die Forschungsfrage also lautet: Inwieweit ist Adornos Kritik an der Kulturindustrie auf unsere gegenwärtige Kulturlandschaft übertragbar?

Um diese Frage zu beantworten, ist die Arbeit in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit der theoretischen Basis. Hier soll zunächst Hintergrundwissen geliefert werden, dass zu einem bessern Verständnis von Adornos Denken beiträgt, bevor daraufhin zentrale Begriffe und Thesen aus Adornos Theorie herausgearbeitet werden. In diesem Rahmen kann keine vollständige Darstellung der Theorie erfolgen, wohl aber eine Zusammenstellung und Erklärung der für diese Arbeit relevanten Thesen.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich daraufhin mit der Frage nach der Aktualität. Zunächst soll am Beispiel des Fernsehens die Übertragbarkeit Adornos auf unserer Gegenwart demonstriert werden. In einem darauffolgenden Schritt soll aber auch begründete Kritik an Adornos Thesen dargestellt werden. Insgesamt soll durch dieses Vorgehen ein ausgewogener Überblick zur Aktualitätsdebatte geliefert werden. Die Erkenntnisse der Arbeit werden abschließend im Fazit zusammengefasst.

2. Theorie

2.1 Hintergrund: Adorno und die Kritische Theorie

Bevor die Thesen zu Adornos Kulturindustrie herausgearbeitet werden, ist es zunächst wichtig, einen Überblick zum Entstehungshintergrund und den Leitgedanken der Kritischen Theorie zu liefern, da Adornos Thesen vor dem Hintergrund dieser Denktradition zu lesen und zu deuten sind. Eine vollständige Einführung kann hier nicht geleistet werden, jedoch soll ein Überblick jener Informationen geliefert werden, die in Zusammenhang mit dieser Arbeit relevant sind und zum besseren Verständnis der Kulturindustriethesen beitragen.

Adorno lernte während seiner Zeit als Student Max Horkheimer kennen, der ihn erstmals an die marxistische Lektüre heranführte und langjähriger Freund und geschätzter Kollege werden sollte. Als Horkheimer 1931 die Leitung des Institut für Sozialforschung (IfS) übernahm, folgte ihm Adorno nach Frankfurt.[2] Das Institut knüpfte an den Marxismus an und wollte von dieser Grundlage ausgehend eine erweiterte Gesellschaftstheorie ableiten, die (vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und Armut) vor allem die Frage stellt, warum die Menschen nicht rebellieren und wie es kam und wem es nütze, „dass die Welt ist, wie sie ist“.[3] Diese Frage umreist bereits grob die Forschungsinteressen dessen, was sich später zur Kritischen Theorie entwickeln sollte.

Die drohende Gefahr durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland zwang Adorno und Horkheimer wenig später in die Emigration. Sie versuchten in den USA das Institut neu aufzubauen, aber da die Forschungsarbeit des Instituts in Amerika nicht sonderlich erfolgreich war, löste Horkheimer es 1941 wieder auf.[4] Mittlerweile waren Nachrichten über die Judenvernichtung nach Amerika gedrungen und die Frage, wie es in einer Gesellschaft zu Faschismus und Holocaust kommen konnte, veranlasste Horkheimer und Adorno zu dem Werk Dialektik der Aufklärung (DA).[5] Primäres Vorhaben der Autoren war es, die gesellschaftlichen Umstände und Funktionsweisen im kapitalistischen System zu analysieren und die Problematiken aufzuzeigen die dieses mit sich bringt:

"Philosophische Kritik, Auseinandersetzungen mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen [in der DA] zu einer Theorie der modernen Massenkultur. Mit äußerster gedanklicher Schärfe beleuchten die Autoren die Kehrseite technischen und sozialen Fortschritts."[6]

Angelehnt an marxistische Theorien sahen sie das Problem vor allem in der ökonomisierten und industrialisierten Welt, die den Menschen beherrsche und ihn unfähig mache, zu denken und sich daraus zu befreien.[7]

Nach Ende des Krieges gingen Adorno und Horkheimer nach Frankfurt zurück und bauten das Institut für Sozialforschung erneut auf - mit dem Ziel „die in der >Dialektik< formulierte Konzeption weiterzutreiben.“[8] Viele bekannte Theoretiker schlossen sich dem Institut an und lehrten hier ihre Thesen und Anschauungen, die zusammen jedes Konstrukt bilden, was seitdem als Kritische Theorie bezeichnet wird.[9] Unter den Lehrenden, die heute unter dem Begriff der Frankfurter Schule zusammengefasst werden, befanden sich auch Walter Benjamin, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas und Leo Löwenthal.[10] Das gemeinsame Interesse aller Vertreter der Kritischen Theorie bestand darin, zu zeigen, „wie sich gesellschaftliche Verhältnisse in kulturellen Phänomenen ausdrücken und wie sich jene Verhältnisse mittels dieser Phänomene reproduzieren.“ [11] Leo Löwenthal beschrieb dies folgendermaßen:

„Wir suchten, wie wir es damals nannten, nach dem „Kitt“ der Gesellschaft, d.h. der Reproduktion und Legitimation ihrer Autorität. Einbeschlossen in diese Suche war das Bemühen um die kritische Gegenposition, die sich an der Möglichkeit der Veränderung der gesellschaftlichen Misere orientierte und die für die meisten von uns sich emblematisch in den nonkonformistischen Sprechweisen der Literatur und der Künste bezeugte.[12]

Das Institut wurde zu einer hochgeschätzten Einrichtung und die Lehrenden fanden immense Anerkennung.[13] Horkheimer und Adornos Dialektik blieb einer der wichtigsten Texte, wenn nicht sogar das Kernstück, der Frankfurter Schule und insbesondere auf Adornos Kapitel Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug (oder kurz: Kulturindustrie) beruht ein Großteil der Rezeption und Fortschreibung der Kritischen Theorie. Auf die Theorie der Kulturindustrie nach Adorno konzentriert sich auch die vorliegende Arbeit und wird im Folgenden die zentralen Thesen genauer herausarbeiten.

2.2 Kulturindustrie: Zentrale Thesen und Begriffe

Die Thesen die Adorno in dem Kapitel Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug (1947) aufstellt, finden eine Ausdifferenzierung und Fortsetzung in nachfolgenden Aufsätzen wie Résumé über Kulturindustrie (1963), Prolog zum Fernsehen (1953), Kann das Publikum wollen (1963) oder Fernsehen und Bildung (1963).[14] In diesem Kapitel sollen unter Rückgriff auf einige dieser Werke und ausgewählte Sekundärliteratur die Kernthesen Adornos zur Kulturindustrie dargestellt werden. Im Wesentlichen sind dies die zwei Folgenden:

1. Die veränderte Kultur: Durch die aus dem kapitalistischen System hervorgegangene Kulturindustrie untersteht Kunst nun ökonomischen Zwängen und wird zu einer kommerziellen Ware ohne intellektuellen Wert. Die Waren der Kulturindustrie spiegeln außerdem die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse anstatt sie zu kritisieren und tragen somit dazu bei, diese zu festigen.
2. Die Auswirkung: Die Menschen verlieren durch die Indoktrination der herrschenden Werte durch die von der Kulturindustrie geprägten Produkte ihre Fähigkeit zur Reflexion und zum Widerstand. Das Resultat sind angepasst und unmündige Bürger.

Die Thesen sind in mehrere komplexe Unterthesen aufzuteilen die alle miteinander verwoben sind. Außerdem sind die Thesen eng an die von Adorno verwendeten Begriffe und Konzepte geknüpft. Daher sollen Thesen und Begriffe nicht gesondert, sondern in einem fortlaufenden Text erklärt werden, der auch die Zusammenhänge deutlich werden lässt. Es ließen sich natürlich noch weitere Aspekte herausstellen, hier soll sich aber im Wesentlichen auf die oben Genannten konzentriert werden, die im späteren Verlauf der Arbeit eine gute Basis für einen Abgleich mit der Gegenwart liefern.

Insgesamt ist Adornos Theorie über die Kulturindustrie einzuordnen in den kapitalismuskritischen Gesamtzusammenhang der im vorigen Kapitel vorgestellten Kritischen Theorie. Das System, welches laut Horkheimer/Adorno primär die Anhäufung von Kapital und die Verfestigung von Machtverhältnissen zum Ziel hat weitet sich auch auf den Kulturbereich aus.[15] Adorno liefert mit seinen Thesen eine kritische Analyse über diese Entwicklung und prägte dabei den Begriff der Kulturindustrie. Dieser Begriff steht für ein bestimmtes Konzept und deutet bereits an, dass die massenmedial verbreitete Kultur eine industriell erzeugte Ware ist:

Das Wort Kulturindustrie dürfte zum ersten Mal in dem Buch ‚Dialektik der Aufklärung’ verwendet worden sein [...]. In unseren Entwürfen war von Massenkultur die Rede. Wir ersetzten den Ausdruck durch „Kulturindustrie“, um von vornherein die Deutung auszuschalten, die den Anwälten der Sache genehm ist: dass es sich um spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele, um die gegenwärtige Gestalt von Volkskunst. Von einer solchen unterscheidet Kulturindustrie sich aufs äußerste. Sie fügt Altgewohntes zu einer neuen Qualität zusammen. In all ihren Sparten werden Produkte mehr oder minder planvoll hergestellt, die auf den Konsum durch Massen zugeschnitten sind und in weitem Maße diesen Konsum von sich aus bestimmen.“[16]

Laut Adorno ist die Kulturindustrie ein Instrument des Kapitalismus, das Kunst und Kultur in ein konsumierbares Produkt verwandelt. Kunst untersteht in diesem System dem totalen Anspruch der Verwertbarkeit und wird zu einer Angelegenheit von Großkonzernen und Bürokratien.[17] Es geht nicht mehr um Gehalt oder stimmige Gestaltung, stattdessen überträgt „die gesamte Praxis der Kulturindustrie [...] das Profitmotiv blank auf die geistigen Gebilde.“[18] Adorno zieht den berühmten Schluss: „Geistige Gebilde kulturindustriellen Stils sind nicht länger auch Waren, sie sind es durch und durch.“[19]

In dieser Entwicklung sieht Adorno das Ende von autonomer Kunst und Kultur, die sich dadurch auszeichnete, dass ihr ein widerständiges und emanzipatorisches Potenzial innewohnte, die sich ökonomischer Zweckrationalität zu entziehen vermochte und deren primäres Ziel es vielmehr war, die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und Widersprüche und Ungerechtigkeiten zum Ausdruck zu bringen („Was überhaupt ohne Phrase Kultur konnte genannt werden, wollte als Ausdruck von Leiden und Widerspruch die Idee eines richtigen Lebens festhalten“).[20] Der Wert authentischer Kunst nach Adornos Verständnis konstituierte sich stets durch den intellektuellen Wert („Gebrauchswert“) anstatt durch den Geldwert (“Tauschwert“).[21] Unter der Herrschaft der Kulturindustrie wird diese Art der Kunst jedoch vollständig verdrängt und die Produkte, die sie ersetzen, sind platte Konsumgüter ohne jegliche Aussagekraft oder Bedeutung.[22]

Der Begriff der Kulturindustrie umschließt dabei zum einen das, was wir heute als Massenmedien bezeichnen würden, also Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Musik, Film und Fernsehen und zum anderen auch Institutionen und Netzwerke der Kulturvermittlung wie beispielsweise Theater, Museen, Freizeit- und Unterhaltungsindustrie, Populärkultur, Sportveranstaltungen und ähnliches.[23] Adorno fasst all dieses als eine Art Medienverbund auf, also „als unterschiedliche Teile eines Systems, nämlich der (Medien)Kulturindustrie“.[24]

Die Verkommerzialisierung der Kultursphäre hat laut Adorno negative politische und gesellschaftliche Auswirkungen. Da nämlich die Produkte der Kulturindustrie die gegebene Ordnung nachahmen, anstatt sie infrage zu stellen, so wie es autonome Kunst leisten könnte, verfestigen sie das bestehende System: „Was die Kulturindustrie ausheckt, sind keine Anweisungen zum seligen Leben und auch keine neue Kunst moralischer Verantwortung, sondern Ermahnungen, dem zu parieren, wohinter die mächtigsten Interessen stehen.“[25] Die kulturindustriellen Waren zeigen keine Alternativen, keinen Fortschritt, keine Verbesserung auf, sondern spiegeln nur das Gegenwärtige, weswegen diese Produkte auch alle gleich erscheinen:

„Was an der Kulturindustrie sich als Fortschritt auftritt, das unablässig Neue, das sie offeriert, bleibt die Umkleidung eines Immergleichen; überall verhüllt die Abwechslung ein Skelett, an dem so wenig sich änderte wie am Profitmotiv selber, seit es über Kultur die Vorherrschaft gewann.“[26]

Diese Uniformität zeige sich beispielsweise in den immergleichen Themen, standardisierten Handlungsabläufe und stereotypischen Charakteren im Fernsehen.[27] Es gebe zwar unterschiedliche Programme, jedoch dienen diese alle dem System: „Für alle ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert.“[28] Auch kritisiert Adorno, dass durch diesen Uniformierungsprozess Hochkultur und Populärkultur zusammengezwungen werden - „zu ihrer beider Schaden“. Die Populärkultur wir gebändigt und verliert ihr subversives Potenzial und die Hochkultur wird durch Effekthascherei um ihren Ernst gebracht.[29] Überhaupt geht in der Kulturindustrie die Ernsthaftigkeit verloren und wird durch Ablenkung und Unterhaltung ersetzt. Unterhaltung ist laut Adorno „die Verlängerung der Arbeit unterm Spätkapitalismus. Es wird von dem gesucht, der dem mechanisierten Arbeitsprozess ausweichen will, um ihm von neuem gewachsen zu sein.“[30] Unterhaltung ist laut Adorno ein besonders wirksames Instrument, um den Konsumenten unter Kontrolle zu halten. „Vergnügtsein heißt Einverstandensein.“[31]

Die Uniformität der Waren und die Überstimmung mit der gegebenen Ordnung hat wiederum Einfluss auf die Konsumenten, denn die Kulturwaren sind von großer Bedeutung „für den Prozess sozialer Wirklichkeitskonstruktion und Sinnvermittlung sowie für die Bewusstseinsbildung der Menschen“.[32] Indem der Erfahrungshorizont auf das Bestehende beschränkt wird, verkümmert die Vorstellung von Veränderung und somit das Bedürfnis nach Widerstand. Die Menschen fügen sich ein in die herrschende Ordnung und tragen zum Erhalt des Machtsystems bei.[33] Das Gebot der Kulturindustrie lautet: „Du sollst dich fügen, ohne Angabe worein; fügen in das, was ohnehin ist, und in das, was, als Reflex auf dessen Macht und Allgegenwart, ohnehin alle denken. Anpassung tritt [...] anstelle von Bewusstsein.“[34]

Den Einwand, das Publikum verlange nach diesen Waren, die Nachfrage rechtfertige also die Produktion, weißt Adorno zurück. Er ist der Meinung, die Kulturindustrie selbst erzeuge diese Wünsche und es handele sich um einen „Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis.“[35] Das Verlangen nach diesen Waren sei also künstlich und entspräche nicht den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen:

„Die Nachfrage gründet nicht auf den spontanen Bedürfnissen der Massen, sondern wird [...] von den Agenturen der Medienkulturindustrie selbst erzeugt und sind daher wesentlich fiktiv. [...] Die vermeintlichen Informationen über die Sache, führen zur Konditionierung der Rezipienten, denn sie sollen nicht agieren und reflektieren, sondern reagieren und akzeptieren. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Schemata der Medienkulturindustrie soll damit entgegengewirkt, ein konformer Konsument, dem das selbstständige Denken, Phantasie und Spontaneität weitgehend abhanden gekommen sind, erzeugt werden.“[36]

Resultat dieses gesamten Gefüges sei also nicht nur Uniformität, gesellschaftlicher Stillstand und ein unausgewogenes Machtverhältnis sondern eben auch unmündige Bürger und damit letztendlich eine Gefährdung der Demokratie:

„Die Ersatzbefriedigung, die die Kulturindustrie den Menschen bereitet, indem sie das Wohlgefühl erweckt, die Welt sei in eben der Ordnung, die sie ihnen suggerieren will, betrügt sie um das Glück, das sie ihnen vorschwindelt. Der Gesamteffekt der Kulturindustrie ist der einer Anti-Aufklärung [...] zum Massenbetrug, zum Mittel der Fesselung des Bewusstseins. Sie verhindert die Bildung autonomer, selbstständiger, bewusst urteilender und sich entscheidender Individuen. Die aber wären die Voraussetzung einer demokratischen Gesellschaft, die nur in Mündigen sich erhalten und entfalten kann.“[37]

3. Aktualitätsdebatte

In diesem Kapitel geht es darum, zu prüfen, inwieweit Adornos Theorie auf die Gegenwart übertragbar ist. Dies soll in zwei Schritten geschehen: In Kapitel 3.1 werden Beispiele für die Kommerzialisierung und einhergehende Standardisierung der Kultur aufgezeigt. Hierbei wird sich die Arbeit vor allem auf Beispiele aus dem TV-Bereich konzentrieren. In Kapitel 3.2 soll daraufhin die an Adornos Thesen geübte Kritik dargestellt werden. Insgesamt soll so ein ausgewogener Überblick zur Frage der Aktualität der Kulturindustrie gegeben werden.

[...]


[1] Horkheimer, Max/ Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main 192010

[2] Vgl. Arte-/3Sat-Dokumentation: Theodor W. Adorno. Der Bürger als Revolutionär. 2003, TC 11.30

[3] Ebd., TC 20.50

[4] Vgl. ebd., TC 40.50

[5] Vgl. ebd., TC 51.20

[6] Vorwort des Verlags zur Neuauflage der DA (Horkheimer/Adorno 2010, S. 1)

[7] Vgl. Arte-/3Sat 2003, TC 48.40

[8] Horkheimer/Adorno im Vorwort zur Neuausgabe der DA (Horkheimer/Adorno, 2010, S. X)

[9] Vgl. ebd., TC 01.20.03

[10] Vgl. URL: http://www.philolex.de/frankfur.htm Wer und wer nicht zum Kreise der Frankfurter Schule gerechnet werden darf ist ebenso strittig wie die genaue Definition der Kritischen Theorie. Sofern die Begriffe im Folgenden verwendet werden, so geschieht dies in dem Wissen darüber, „dass man sich mancher einmal etablierter Begriffe nur schwer erwehren kann.“

[11] Kausch, Michael: Kulturindustrie und Populärkultur. Kritische Theorie der Massenmedien, Frankfurt am Main 1988

[12] Leo Löwenthal im Vorwort zu Kausch 1988

[13] Vgl. Arte-/3Sat 2003, TC 01.05.40

[14] Vgl. Kleiner, Marcus S.: Medienkulturindustrie und mediale Informierungen, in: Grundlagentexte zur sozialwissenschaftlichen Medienkritik, hrsg. v. Marcus S. Kleiner, Wiesbaden 2010, S. 238-255

[15] Vgl. ebd., S. 239

[16] Adorno, Theodor W.: Résumé über Kulturindustrie, in: Grundlagentexte zur sozialwissenschaftlichen Medienkritik, hrsg. v. Marcus S. Kleiner, Wiesbaden 2010, S. 255-261

[17] Vgl. Kleiner 2010, S. 239

[18] Adorno 2010, S. 255

[19] Ebd., S. 256

[20] Kleiner 2010, S. 238

[21] Die Begriffe sind in Anlehnung an Marx gewählt. (Vgl. Horkheimer/Adorno 2010, S. 167)

[22] Vgl. Horkheimer/Adorno 2010, S. 166

[23] Vgl. Kleiner 2010, S. 239

[24] Ebd., S. 248

[25] Adorno 2010, S. 259

[26] Ebd., S. 256

[27] Vgl. Kleiner 2010, S. 241

[28] Horkheimer/Adorno 2010, S. 131

[29] Adorno 2010, S. 255

[30] Horkheimer/Adorno 2010, S. 145

[31] Ebd., S. 153

[32] Kleiner 2010, S. 239

[33] Vgl. ebd.

[34] Adorno 2010, S. 258

[35] Horkheimer/Adorno 2010, S. 129

[36] Kleiner 2010, S. 242

[37] Adorno 2010, S. 260

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zur Aktualität von Adornos Kulturindustrie. Sind Adornos Thesen auf die gegenwärtige Kulturlandschaft übertragbar?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Kulturphilosophie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V314492
ISBN (eBook)
9783668130517
ISBN (Buch)
9783668130524
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Adorno, Kulturwissenschaften, Kulturkritik, Gegenwartsbezug
Arbeit zitieren
Natalja Fischer (Autor), 2014, Zur Aktualität von Adornos Kulturindustrie. Sind Adornos Thesen auf die gegenwärtige Kulturlandschaft übertragbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314492

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Aktualität von Adornos Kulturindustrie. Sind Adornos Thesen auf die gegenwärtige Kulturlandschaft übertragbar?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden