Das Leben selbst in die Hand nehmen, Herausforderungen und Krisen meistern, Veränderungen selbstbestimmt gestalten, eigene Möglichkeiten ausschöpfen - so oder so ähnlich würde sicher die Mehrheit der Menschen in der modernen Welt heute die eigenverantwortliche Gestaltung ihres Lebens beschreiben.
Und um genau dieses Phänomen von Macht und Einflussnahme auf die Umstände des eigenen Lebens geht es beim Thema Empowerment. Empowerment ist ein Ansatz der Sozialen Arbeit, der darauf abzielt, die Potenziale und Ressourcen eines Menschen im Sinne einer „Selbstbemächtigung“ zur Lösung von Problemen einzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Begriffsbestimmung
2. Geschichte des Empowerments
2.1 Ursprünge in den USA
2.2 Implementierung von Empowerment als Prinzip Sozialer Arbeit
3. Grundprinzipen des Empowermentkonzeptes
3.1 Das ‚empowerte‘ Menschenbild
3.2 Partizipation und Ressourcenaktivierung
3.3 Ebenen der Empowermentpraxis
4. Empowerment konkret: stationäre Behindertenhilfe
4.1 Ressourcen und Selbstkonzept geistig behinderter Menschen
4.2 Bedingungen und Strukturen der Lebenswelt behinderter Menschen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Empowerment-Konzepts im Kontext der stationären Behindertenhilfe, um die Ambivalenzen zwischen dem Anspruch auf Selbstbestimmung und den institutionellen Rahmenbedingungen aufzuzeigen.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Empowerment-Ansatzes
- Empowerment als Handlungskonzept der Sozialen Arbeit
- Die Philosophie der Menschenstärken und Ressourcenaktivierung
- Herausforderungen der Umsetzung bei geistig behinderten Menschen
- Spannungsfeld zwischen institutioneller Fürsorge und individueller Autonomie
Auszug aus dem Buch
4.1 Ressourcen und Selbstkonzept geistig behinderter Menschen
„Die Empowerment-Philosophie betrachtet […] den behinderten Menschen als kompetenten Experten in eigener Sache, als Akteur der eigenen Entwicklung. […] Alle Maßnahmen sind deshalb an der Betroffenenperspektive, Interessenlage und speziellen Bedürftigkeit der behinderten Menschen zu orientieren“ (THEUNISSEN/PLAUTE 1995, S. 18).
Die zentralen Fragen lauten also: Wie schätzt der behinderte Mensch seine Situation ein, von welchen Voraussetzungen geht er aus und auf welche Ressourcen kann er zurückgreifen? Bei der Annäherung an die Subjektperspektive der Klienten spielt das durch die geistige Behinderung beeinflusste intraindividuelle Erleben sowie die eingeschränkten kognitiven Möglichkeiten eine zentrale Rolle.
Das Identitätserleben von geistig behinderten Menschen ist häufig durch Stigmatisierung belastet und durch Zuschreibungen von außen geprägt (vgl. HOPPE 2012, S. 38 ff). Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass das Selbstkonzept geistig behinderter Menschen durch Misserfolgserlebnisse und dem Umgang mit dem erlebten ‚Anderssein‘ ungünstig beeinflusst ist. Eltern und soziales Umfeld reduzieren geistig behinderte Menschen häufig auf eine Kinderrolle: So ist die Bezugnahme zu kindlichen Altersstufen an der Tagesordnung, offensichtlich behinderte Menschen werden in der Öffentlichkeit immer noch wie selbstverständlich geduzt und Grundbedürfnisse - wie das nach Sexualität - werden negiert (vgl. HOPPE 2012, S. 57).
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung führt in das Konzept des Empowerments ein und erläutert den Paradigmenwechsel von der Defizitorientierung hin zur Stärkung der Eigenmacht und Selbstbestimmung.
1. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel nähert sich dem aus dem anglo-amerikanischen Raum stammenden Begriff des Empowerments an und definiert ihn als Prozess der Selbstbefähigung.
2. Geschichte des Empowerments: Hier werden die Wurzeln in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sowie die Übertragung auf die Soziale Arbeit durch Theoretiker wie Julian Rappaport beleuchtet.
3. Grundprinzipen des Empowermentkonzeptes: Das Kapitel erläutert das Menschenbild der Stärkenorientierung sowie die Kernstrategien der Partizipation und Ressourcenaktivierung.
4. Empowerment konkret: stationäre Behindertenhilfe: Die Anwendung auf die stationäre Behindertenhilfe verdeutlicht die Hürden bei der Umsetzung des Konzepts aufgrund institutioneller Gegebenheiten.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Empowerment zwar wegweisende Impulse geliefert hat, aber unter prekären gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Gefahr läuft, zur bloßen Forderung nach Eigenverantwortung zu verkommen.
Schlüsselwörter
Empowerment, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Selbstbestimmung, Ressourcenorientierung, Teilhabe, Inklusion, Partizipation, Selbsthilfe, Lebenswelt, Stigmatisierung, Beratung, Menschenstärken, Eingliederungshilfe, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Empowerment-Konzept und analysiert kritisch, wie dieses in der stationären Behindertenhilfe angewendet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Empowerments, die Prinzipien der Ressourcenaktivierung sowie die spezifischen Lebensbedingungen von Menschen mit geistiger Behinderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des Empowerment-Ansatzes unter Berücksichtigung institutioneller und individueller Stolpersteine aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Fachliteratur sowie Konzepte der Sozialen Arbeit analysiert und auf ein konkretes Praxisfeld bezieht.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konzepts und die anschließende kritische Reflexion anhand der stationären Behindertenhilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Empowerment, Partizipation, Selbstbestimmung und Ressourcenorientierung.
Warum ist Empowerment in der Behindertenhilfe so schwierig umzusetzen?
Die institutionellen Rahmenbedingungen, wie etwa feste Tagesabläufe in stationären Heimen, stehen häufig im Widerspruch zum Ziel der individuellen Lebenssouveränität.
Was bedeutet das Zitat von Rappaport für die Praxis?
Es verdeutlicht, dass Empowerment ohne reale Ressourcen und Dienstleistungen eine leere Worthülse bleibt und somit das Ziel der Selbstbemächtigung verfehlt.
- Quote paper
- Maciej Libert (Author), 2015, Empowerment in der stationären Behindertenhilfe. Möglichkeiten und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314601