Empowerment in der stationären Behindertenhilfe. Möglichkeiten und Grenzen


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Begriffsbestimmung

2. Geschichte des Empowerments
2.1 Ursprünge in den USA
2.2 Implementierung von Empowerment als Prinzip Sozialer Arbeit

3. Grundprinzipen des Empowermentkonzeptes
3.1 Das ‚empowerte‘ Menschenbild
3.2 Partizipation und Ressourcenaktivierung
3.3 Ebenen der Empowermentpraxis

4. Empowerment konkret: stationäre Behindertenhilfe
4.1 Ressourcen und Selbstkonzept geistig behinderter Menschen
4.2 Bedingungen und Strukturen der Lebenswelt behinderter Menschen

Fazit

Literaturverzeichnis

„Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“(A. Lincoln)

Einführung

Das Leben selbst in die Hand nehmen, Herausforderungen und Krisen meistern, Veränderungen selbstbestimmt gestalten, eigene Möglichkeiten ausschöpfen - so oder so ähnlich würde sicher die Mehrheit der Menschen in der modernen Welt heute die eigenverantwortliche Gestaltung ihres Lebens beschreiben.

Und um genau dieses Phänomen von Macht und Einflussnahme auf die Umstände des eigenen Lebens geht es beim Thema Empowerment. Empowerment ist ein Ansatz der Sozialen Arbeit, der darauf abzielt, die Potenziale und Ressourcen eines Menschen im Sinne einer „Selbstbemächtigung“ zur Lösung von Problemen einzusetzen.

Dem sozialpsychologischen Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ folgend fand das Konzept des Empowerments schnell Verbreitung. Keine Frage, dass es schließlich auch in der Behindertenarbeit Einzug hielt. Deckten sich doch die Grundgedanken 1:1 mit dem gerade eingeleiteten Paradigmenwechsel von der defizitorientierten hin zur ressourcenorientierten Sichtweise. Seit Anfang der 1990er Jahre geht es in Einrichtungen der Behindertenhilfe nicht mehr um Normalisierung und Integration, sondern um Selbstbestimmung und Teilhabe. Heute ist von der Anerkennung behinderter Menschen als Bürger unserer Gesellschaft die Rede und Inklusion ist durch die UN-Behindertenrechts­konvention ein verbrieftes Recht. Empowerment steht dabei für ein Handlungskonzept, das Menschen mit Behinderungen als „Experten in eigener Sache“ (vgl. THEUNISSEN/PLAUTE 1995, S. 11) ansieht und den professionell Tätigen die Aufgabe zuweist, die Klienten partnerschaftlich bei einer selbstbestimmten Lebensführung zu unterstützen.

Was so einleuchtend als Patentrezept zur Unterstützung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen daher kommt, birgt bei genauerer Betrachtung auch etliche Stolpersteine. So legt das Empowermentkonzept den Fokus auf das Handeln der Professionellen und vernachlässigt den Blick auf die Umstände, in denen es seine Wirkung entfalten soll.

Die damit verbundenen Ambivalenzen für Helfer und Klienten stehen im Zentrum der vorliegenden Arbeit und werden am Beispiel von Empowerment in der stationären Behindertenhilfe herausgearbeitet.

In Kapitel 1 wird eine Begriffsbestimmung vorgenommen und Definitionen vorgestellt, bevor im 2. Kapitel eine kurze historische Einordnung folgt. Eingegangen wird sowohl auf die Ursprünge in den Bürgerrechtsbewegungen der USA sowie auf die Implementierung des Ansatzes in der Sozialen Arbeit. Spätestens hier wird deutlich, dass sich der Empowermentansatz auf Menschen bezieht, die bisher noch keine Macht über die Umstände ihres Lebens verspüren.

Das Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Grundprinzipien des Empowermentkonzeptes, beschreibt das „empowerte“ Menschenbild und die grundlegenden Handlungsstrategien.

Am Beispiel stationärer Einrichtungen der Behindertenhilfe folgt im vierten Kapitel schließlich eine beispielhafte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Empowermentansatzes. Um die Ambivalenzen für Helfer und Klienten besonders deutlich herausarbeiten zu können, beziehen sich die Ausführungen auf den Personenkreis der Menschen mit geistigen Behinderungen. In den Blick genommen werden die

Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen des Empowermentansatzes im Sinne eines Fazites zusammengefasst.

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff Empowerment kommt aus dem anglo–amerikanischen Sprachraum. Empowerment wird als „Wegweiser für die Praxis der sozialen Arbeit und der psychosozialen Hilfe“ (THEUNISSEN/PLAUTE 1995, S. 11) verstanden und hat damit normativen Charakter (vgl. HERRIGER 2014, S. 13). Eine einheitliche Definition sucht man in der Fachliteratur vergeblich. Der Empowermentansatz ist vielmehr Richtschnur und Maßstab für sozialarbeiterisches Handeln.

‚Empowerment‘ ist eine Wortschöpfung; das Oxford-Dictionary nennt dieses Substantiv nicht. Die Bestandteile des Wortes aber übersetzt es wie folgt: ‘empower’ = „give power or authority to act“ (HORNBY, 1986, S. 282) und ‘power’ = „ability to do or act“ (HORNBY, 1986, S. 653).

Das Suffix ‚-ment‘ wandelt das Verb in ein Substantiv und weist von der Bedeutung her auf eine Handlung, einen Prozess, ein Ergebnis hin. Das Wortbildungsmorphem ‚Empowerment‘ kann damit mit „Befähigung zur Selbstbefähigung“ (vgl. RÖH, 2009, S. 273), mit „Stärkung von Eigenmacht und Autonomie“ (vgl. HERRIGER, 2014, S. 13) oder mit „Selbst–Bemächtigung Betroffener“ (vgl. THEUNISSEN/PLAUTE 1995, S. 8) übersetzt werden.

Die Definitionen von THEUNISSEN/PLAUTE (1995) und HERRIGER (2014) erklären den Begriff schließlich in Bezug auf „Gruppen in gesellschaftlich marginaler Position“ (SCHWALB/THEUNISSEN 2012, S. 26):

„Empowerment steht für einen Prozess, in dem Betroffene ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, sich dabei ihren Fähigkeiten bewusst werden, eigene Kräfte entwickeln und Ressourcen nutzen. Leitperspektive ist die selbstbestimmte Bewältigung und Gestaltung des eigenen Lebens.“ (THEUNISSEN/PLAUTE 1995, S. 12).

„Empowerment – auf eine kurze Formel gebracht – ist das Anstiften zur (Wieder-)aneignung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Lebens“ (HERRIGER, 2014, S. 8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Empowerment in der stationären Behindertenhilfe. Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V314601
ISBN (eBook)
9783668141445
ISBN (Buch)
9783668141452
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empowerment, behindertenhilfe, möglichkeiten, grenzen
Arbeit zitieren
Maciej Libert (Autor), 2015, Empowerment in der stationären Behindertenhilfe. Möglichkeiten und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314601

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