Alarmierende Zahlen werden genannt, wenn es um die Jugendarbeitslosigkeit in Europa, vor allem in den südeuropäischen Mitgliedsländern der EU geht. Die Erwerbslosenquote für jüngere Personen unter 25 Jahren lag nach dem Konzept der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in der europäischen Union im Mai 2015 bei 20,6 Prozent. Mit 7,1 Prozent hat Deutschland derzeit die niedrigste Erwerbslosenquote von allen Ländern. Im Vergleich dazu liegt die höchste Quote bei Griechenland mit 49,7 Prozent.
Einen wesentlichen Faktor für die im europäischen Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit sehen Expertinnen und Experten in dem System der dualen Berufsausbildung. Das System vermittelt durch die Verbindung von Theorie und Praxis hochwertige berufliche Qualifikationen, erleichtert den Einstieg in einen Beruf und mindert die Jugendarbeitslosigkeit.
Ausgehend von der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit in Europa und der vergleichbar niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland stellt sich die Frage: „Inwiefern kann das deutsche duale Berufsausbildungssystem in europäische Länder transferiert werden, um die Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren?"
Der Einstieg in die Thematik beginnt mit einer kurzen Erläuterung des dualen Systems der Berufsausbildung in Deutschland um diese anschließend im selben Kapitel in den Kontext von Jugendarbeitslosigkeit zu setzen. Der Hauptteil dieser Arbeit setzt sich dann mit dem Transfer des deutschen Berufsausbildungssystems in andere europäische Länder auseinander. Dabei werden die Herausforderungen sowie die Voraussetzungen für einen gelungenen Transfer herausgearbeitet. Es wird dabei deutlich werden, dass es beim Transfer nicht um einen exakten Kopiervorgang eines Berufsbildungssystems gehen kann. Stattdessen geht es bei einem klugen Transfer um adaptierte Elemente eines Ansatzes, welche nach Dieter Euler vorgestellt werden. In der Schlussbetrachtung werden die gewonnenen Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln zusammen getragen, um auf die eingangs erwähnte Fragestellung gemäß antworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland im Kontext der Jugendarbeitslosigkeit
3 Transfer von Elementen des deutschen Berufsausbildungssystems in Europäische Länder
3.1 Berufsbildungskooperationen
3.2 Herausforderungen beim Transfer von Berufsbildungssystemen
3.3 Voraussetzungen für einen gelungenen Transfer
3.4 Transfer praktikabler Elemente nach Dieter Euler
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des deutschen dualen Berufsausbildungssystems auf andere europäische Länder, um dort langfristig die Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren. Dabei wird analysiert, inwieweit Elemente des deutschen Modells adaptiert werden können, ohne von einem direkten 1:1-Kopiervorgang auszugehen.
- Analyse des deutschen dualen Systems im Kontext von Jugendarbeitslosigkeit
- Untersuchung von Berufsbildungskooperationen auf europäischer Ebene
- Identifikation von Transferhindernissen und notwendigen Voraussetzungen
- Erläuterung konstitutiver Elemente nach Dieter Euler für einen modifizierten Transfer
Auszug aus dem Buch
Konstitutive Elemente eines dualen Berufsausbildungssystems
Im Kontext der deutschen Berufsausbildung sind auf der Zielebene drei Dimensionen miteinander verbunden, welche als Ziel – Trias verstanden werden, welche die Interessen von Gesellschaft, Wirtschaft und Individuen miteinander verzahnen. Euler (2013 A:21) konkretisiert die Zieldimensionen bezogen auf die Berufsausbildung folgendermaßen:
Breite Zielausrichtung: Berufsausbildung als Mittel zur Erreichung ökonomischer, sozialer und individueller Ziele
Die wirtschaftliche Dimension zielt auf den Beitrag der Berufsausbildung zur Sicherung der volks- und betriebswirtschaftlichen sowie individuellen Leistungsfähigkeit. Volkswirtschaftlich steht das Ziel der Entwicklung von Humanressourcen im Sinne einer Sicherstellung und Weiterentwicklung des quantitativen und qualitativen Arbeitskräftevolumens im Vordergrund. Betriebswirtschaftlich konkretisiert sich dieses Ziel als die Versorgung der Unternehmen mit qualifizierten Fachkräften. Individualwirtschaftlich akzentuiert sich das Ziel in Form einer Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit und der materiellen Existenzgrundlage. Die wirtschaftliche Dimension erfasst zudem die Effizienz des Systems der Berufsausbildung selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas Jugendarbeitslosigkeit in Europa und der zentralen Forschungsfrage zur Übertragbarkeit des dualen Systems.
2 Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland im Kontext der Jugendarbeitslosigkeit: Erläuterung der Struktur des dualen Systems und dessen Rolle als Faktor für die vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland.
3 Transfer von Elementen des deutschen Berufsausbildungssystems in Europäische Länder: Analyse der internationalen Kooperationen, der Herausforderungen bei einem Systemtransfer und der theoretischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Adaption.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass kein vollständiger Import möglich ist, sondern nur ein Transfer adaptierter Elemente.
Schlüsselwörter
Duale Berufsausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Systemtransfer, Berufsbildungspolitik, Konstitutive Elemente, Dieter Euler, Arbeitsmarktintegration, Berufsbildungskooperation, Fachkräftemangel, Ausbildungssystem, Europäische Union, Adaption, Duales Prinzip, Bildungsstandards, Beschäftigungsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wie das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung als Lösungsansatz für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in anderen europäischen Ländern dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Funktionsweise des dualen Systems, die Analyse von Transferhindernissen sowie die Identifikation konstitutiver Elemente, die eine Übertragung auf andere nationale Kontexte ermöglichen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern kann das deutsche duale Berufsausbildungssystem in europäische Länder importiert werden, um die Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur, Berichten der Bundesagentur für Arbeit und den Ansätzen von Experten wie Dieter Euler basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung des dualen Systems, die Darstellung internationaler Kooperationen, die Analyse von Herausforderungen beim Transfer und die Vorstellung konstitutiver Elemente nach Euler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Duale Berufsausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Systemtransfer, Konstitutive Elemente und Arbeitsmarktintegration sind die prägenden Begriffe.
Warum ist ein 1:1-Transfer des Systems laut den Autoren nicht sinnvoll?
Die Autoren argumentieren, dass Bildungssysteme historisch gewachsen sind und eng mit den jeweiligen nationalen Wirtschaftsstrukturen und sozialen Normen verknüpft sind, weshalb sie nicht einfach eins zu eins kopiert werden können.
Welche Rolle spielt die „breite Zielausrichtung“ bei einem Transfer?
Die breite Zielausrichtung, die wirtschaftliche, soziale und individuelle Aspekte verzahnt, wird als ein zentrales, konstitutives Element identifiziert, das eine wichtige Grundlage für eine qualitativ hochwertige Ausbildung bietet.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Die duale Berufsausbildung in Deutschland. Ein Vorbild für Europa im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314650