Immer wieder erscheinen in den Medien Nachrichten über Gewaltangriffe in der Schule. Die Jugend von heute sei wesentlich aggressiver und gewaltbereiter. Egal welche Art von Gewalt; alle Formen sind für die Opfer unerträglich. Vor allem Lehrer sind in ihren Klassen sichtlich überfordert und ratlos, wie sie gegen die Aggressionen der Schülerinnen und Schüler ankommen. Eine Art der Pädagogik, die sich mit dem Umgang von aggressiven Kindern und Jugendlichen beschäftigt, ist die Konfrontative Pädagogik. Durch intensive Konfrontation mit der Gewalttat, soll der Täter nachhaltig und erfolgreich lernen, mit seinen Aggressionen um-zugehen und sie nicht in Form von Gewalt an anderen auszulassen. Die Konfrontative Pädagogik nutzt dazu unterschiedliche Methoden wie z.B. Bootcamps. Diese Camps sind insbesondere in den USA weitverbreitet. Dort soll vor allem mehrfachauffälligen Straftätern aus der Kriminalität und Gewalt herausgeholfen werden. Das Konzept der Camps findet mittlerweile auch in Schulen Anwendung. Ein Beispiel ist die Glen Mills School in Pennsylvania. Diese Schule versucht junge Nachwuchskriminelle bereits seit Jahren mit Bootcamps auf den richtigen Weg zu bringen. Auch in Deutschland gibt es vermehrt ähnliche Einrichtungen wie z.B. die Akademie Lothar Kannenberg oder andere Erziehungscamps. Da bisher die pädagogisch-didaktische Methode in Form von Bootcamps bzw. Erziehungsschulen so noch nicht an Grundschulen erprobt wurde, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit daher mit Konfrontativer Pädagogik und Bootcamps als Handlungsperspektive im Kontext der Grundschule. Diesem Thema soll im Folgenden nachgegangen werden, indem zuerst ein Überblick über Bootcamps und deren Anwendungsfälle gegeben wird. Daran anschließend wird die Konfrontative Pädagogik genauer anhand von Handlungskonzepten und Zielen betrachtet. Weiterhin werden die Arten der Konfrontativen Pädagogik in der Schule näher beleuchtet. Anschließend wird ein Modell zur Aggressionstherapie in der Grundschule aufgestellt. Hierbei sollen der Schulalltag wie auch Unterrichtsprinzipien und Organisatorisches bedacht werden. Letztlich werden am Ende der Arbeit die Erkenntnisse in einem abschließenden Ausblick zusammengefasst sowie ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bootcamps
2.1 Begriffsdefinition und allgemeine Merkmale
2.2 Einrichtungsbeispiel: Die Glen Mills School
2.3 Modell- und Beispieleinrichtungen in Deutschland
3 Konfrontative Pädagogik und Schule
3.1 Begriffsdefinition und allgemeine Merkmale
3.2 Grundsätzliche Handlungskonzepte und Ziele
3.3 Konfrontative Pädagogik in der Schule
4 Modellprojekte für die Grundschule
4.1 Projekt: Konfrontative Pädagogik in Kooperation
4.2 Projekt: Boxenstopp - Wir für uns
4.3 Systematische Präventionsarbeit in der Grundschule
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konfrontative Pädagogik als Handlungsperspektive im Kontext der Grundschule, um dem zunehmenden Aggressionspotential und der Gewaltbereitschaft bei Schülern durch präventive und intervenierende Ansätze entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Eignung und praktische Implementierung konfrontativer Methoden zur Förderung von sozialem Verhalten und zur Konfliktlösung in Grundschulen.
- Grundlagen der Konfrontativen Pädagogik und des Bootcamp-Konzepts
- Analyse deutscher Erziehungseinrichtungen und Modellprojekte (z.B. Projekt Chance, Seehaus Leonberg)
- Einsatzmöglichkeiten konfrontativer Methoden wie Trainingsraum-Methode und Anti-Aggressivitäts-Training in der Schule
- Konzeptuelle Verknüpfung von Gewaltprävention, Schulentwicklung und Elternarbeit
- Darstellung spezifischer Modellprojekte an Grundschulen zur Stärkung der Konfliktfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsdefinition und allgemeine Merkmale
Der Begriff „Bootcamp“ setzt sich aus dem englischen Verb „to boot“ zu Deutsch „einen Fußtritt geben“ (vgl.: Hornby / Wehmeier 2005, S. 167) und „camp“, zu Deutsch „Lager“ (vgl.: Hornby / Wehmeier 2005, S. 214) zusammen. Sinngemäß bilden beide Silben den Begriff Erziehungslager. Ein Bootcamp kann beispielsweise im Sinne eines Gesundheitscoachings für übergewichtige Menschen stattfinden oder aber auch als Synonym der Grundausbildung des amerikanischen Militärs stehen. Bekannt geworden sind Bootcamps jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem durch „jail Bootcamps“ und „juvenile Bootcamps“.
Diese Erziehungslager versuchen durch strengen und militärischen Drill, mehrfach auffällige junge Straftäter zu resozialisieren. Die ersten juvenilen Bootcamps wurden in den amerikanischen Staaten Oklahoma und Georgia im Jahr 1983 eröffnet (vgl.: Gescher 1998, S. 45). In den USA haben straffällig gewordene Jugendliche die Möglichkeit, ihre Haftstrafe für zirka drei bis sechs Monate in einem Bootcamp zu absolvieren, anstatt sie in einem Gefängnis absitzen zu müssen. Voraussetzung dafür ist, dass die Straftäter jung und zum ersten Mal straffällig geworden sind. Straftäter, die Gewaltdelikte wie Vergewaltigungen oder bewaffnete Raubüberfälle begangen haben, dürfen meist nicht an einem Bootcamp teilnehmen (vgl.: Gescher 1998, S. 131).
Im Alltag wird der Begriff Gewalt meist mit physischen Verletzungen wie Schlägen verbunden, jedoch kann Gewalt auch psychisch angewendet werden, zum Beispiel in Form von Demütigung. Außerdem gibt es noch die verbale Gewalt die bei Beleidigungen oder Erniedrigungen ausgeübt wird. Bisher zeigt sich kein einheitliches Modellkonzept zu Bootcamps, jedoch gibt es einige gemeinsame Grundauffassungen, die alle Bootcamp Programme verfolgen. Allen Bootcamps liegt eine militärische Grundstruktur zugrunde, die unter anderem auch hartes Arbeiten vorsieht. Die Jugendlichen sind aufgrund des jungen Alters besonders gut zu beeinflussen und besitzen außerdem ein Defizit in sozialen Fertigkeiten, Disziplin wie auch „Selbsteinschätzung und Verantwortungsbewußtsein“ (Gescher 1998, S. 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Problematik von Gewalt an Schulen und führt in das Konzept der Konfrontativen Pädagogik als mögliche Interventionsstrategie ein.
2 Bootcamps: Dieses Kapitel definiert den Begriff Bootcamp, analysiert dessen Ursprünge in den USA und stellt verschiedene deutsche Einrichtungen vor, die ähnliche erzieherische Ansätze verfolgen.
3 Konfrontative Pädagogik und Schule: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Konfrontativen Pädagogik dargelegt und deren Anwendungsmöglichkeiten sowie Methoden für den schulischen Kontext kritisch untersucht.
4 Modellprojekte für die Grundschule: In diesem Kapitel werden praxisnahe Modellprojekte an Grundschulen zur Gewaltprävention, wie das KoPädiKo-Konzept und das Projekt „Boxenstopp“, detailliert analysiert.
5 Ausblick: Der Ausblick fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Kooperation zwischen Schule, Eltern und Jugendhilfe zur effektiven Gewaltprävention.
Schlüsselwörter
Konfrontative Pädagogik, Gewaltprävention, Grundschule, Bootcamps, Resozialisierung, Schulalltag, Konfliktlösung, Trainingsraum-Methode, Erziehungshilfe, Sozialkompetenz, Verhaltensauffälligkeit, Projekt Chance, Boxenstopp, Schulgesetz, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Konfrontativen Pädagogik und entsprechenden Interventionsmethoden, um aggressives Verhalten und Gewalt bei Kindern im Grundschulalter zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Resozialisierung straffälliger Jugendlicher durch Bootcamps, die theoretische Fundierung der Konfrontativen Pädagogik sowie praktische Ansätze der Gewaltprävention und Konfliktbewältigung an Grundschulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, zu untersuchen, inwieweit konfrontative pädagogische Konzepte als sinnvolle Handlungsperspektive zur Förderung von sozialem Verhalten und zur Gewaltprävention in Grundschulen eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse sowie die Auswertung von Modellprojekten und Begleitforschungen, um Konzepte der Konfrontativen Pädagogik und der schulischen Gewaltprävention darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition und Praxis von Bootcamps, die Theorie und Anwendung der Konfrontativen Pädagogik, spezielle Interventionsmodelle für Schulen sowie konkrete Präventionsprojekte wie das „Boxenstopp“-Programm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konfrontative Pädagogik, Gewaltprävention, Grundschule, Resozialisierung und Sozialkompetenz charakterisiert.
Was ist der Kern des „Seven Levels of Confrontation“ Modells?
Es handelt sich um ein stufenweises Verfahren zur direkten Konfrontation bei Regelverstößen, das von einem sanften Hinweis bis hin zur physischen Ruhigstellung reicht, um Einsicht und Verhaltensänderung beim Täter zu bewirken.
Wie unterscheidet sich das Projekt „Wir für uns“ von anderen Ansätzen?
Es fokussiert sich gezielt auf die Grundschule, lehnt ein rein induktives Vorgehen ab und setzt auf ein schulinternes Konfrontatives Konfliktmanagement sowie partizipative Strukturen wie einen Schülerclub.
- Arbeit zitieren
- Gina Monis (Autor:in), 2016, Konfrontative Pädagogik und Bootcamps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314779