Die Katastrophen und Schrecken des Zweiten Weltkriegs führten zu der Erkenntnis, dass zukünftig die Sicherung des Friedens in Europa an erster Stelle stehen soll. Durch die Ereignisse zwischen 1939 und 1945 fassten die europäischen Völker den Entschluss, zukünftig zusammenzurücken und eine gemeinsame Politik zu betreiben. Der europäische Binnenmarkt stellt heute einen wesentlichen Bestandteil der Europäischen Union dar. Im Jahr 1985 beschlossen die europäischen Staats- und Regierungschefs die Einführung eines gemeinsamen europäischen Binnenmarktes, der am 1.1.1993 ohne die vorherigen Handelshemmnisse in Kraft trat.
Ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt sollte damit Vorteile für alle Europäer bringen. Doch was ist heute aus dem gemeinsamen Markt geworden? Gut 60 Jahre nach Kriegsende und mehr als 20 Jahren eines einheitlichen europäischen Wirtschaftsraumes sucht man vergeblich nach stolzen Rückblicken oder positiven Meldungen. Viele Menschen haben heute das Vertrauen in einen gemeinsamen Markt verloren. Dazu haben sicherlich Finanzkrisen, Eurokrise und die Griechenlandkrise beigetragen. Die Zahlungsunfähigkeit eines einzelnen Staates könnte zum Zusammenbruch des gesamten Finanzmarktes führen und die gemeinsame Währung gefährden. Somit steht der europäische Binnenmarkt heute vor neuen Herausforderungen als zu seiner Einführungszeit.
In der vorliegenden Arbeit soll nun erläutert werden, welche Vor- und Nachteile sich durch den gemeinsamen Binnenmarkt ergeben. Insbesondere am Fallbeispiel Italien soll erläutert werden, wie neben den wirtschaftlichen auch die geographische Gegebenheiten Einfluss auf ein EU-Land nehmen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Europäische Binnenmarkt
2.1 Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR)
2.1.1 Freier Personenverkehr
2.1.2 Freier Warenverkehr
2.1.3 Freier Dienstleistungsverkehr
2.1.4 Freier Kapitalverkehr
2.2 Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
3 Fallbeispiel Italien
3.1 Italien allgemein
3.2 Klima in Italien
3.3 Disparitäten zwischen Nord- und Süditalien
3.3.1 Der reiche Norden
3.3.2 Der arme Süden
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktionsweise und Herausforderungen des europäischen Binnenmarktes und analysiert anhand des Fallbeispiels Italien, wie sich ökonomische und geographische Rahmenbedingungen auf die Entwicklung eines EU-Mitgliedsstaates auswirken können.
- Grundlagen und rechtlicher Rahmen des Europäischen Binnenmarktes
- Die vier Grundfreiheiten als Säulen der europäischen Integration
- Die Rolle der Wirtschafts- und Währungsunion
- Strukturwandel und regionale Disparitäten innerhalb Italiens
- Herausforderungen durch Korruption und infrastrukturelle Defizite
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Der arme Süden
Süditalien wird auch als sogenannter „Mezzogiorno“ bezeichnet und meint damit den strukturschwachen Raum Italiens, in dem eine Industrialisierung sehr schwierig ist. In den Gebieten, die südlich von Rom liegen dominiert die unproduktive Landwirtschaft, die sich alleine auf Basis der oben genannten klimatischen Bedingungen als grundsätzlich schwierig erweist.42 Italien ist wirtschaftlich zweigeteilt, wobei dem reichen Norden, ein Süden gegenübersteht, in dem teilweise ähnliche bedrohliche Lebensstandards erreicht werden, wie sie in Ländern der Dritten Welt herrschen. Bereits der Arbeitsmarkt weist große Defizite auf. Während im Norden eine Arbeitslosenquote von 4 % herrscht, liegt sie im Süden bei 23%.43
Im Vergleich zur Arbeitslosenquote in Süditalien liegt die Arbeitslosenquote von Südafrika mit rund 26% nur geringfügig höher.44 Gibt es also eine Art „Entwicklungsland“ mitten in Europa? Wirtschaftlich und auch geographisch gesehen befindet sich der der Süden auf der Schattenseite Italiens. Viele Gebiete im Süden sind auch heute noch ohne fließend Wasser und ohne Strom. Technische Geräte wie Fernseher oder Radios sind immer noch Mangelware und es herrscht eine akute Wohnungsnot. Ein Viertel der Süditaliener befindet sich auf Wohnungssuche. Sollte sie eine Wohnung finden, müssen sie auf eine angemessene Miete hoffen, um diese überhaupt bezahlen zu können.45
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Genese der europäischen Integration nach dem Zweiten Weltkrieg und führt in die aktuelle Problematik des Binnenmarktes im Kontext von Finanzkrisen ein.
2 Der Europäische Binnenmarkt: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, insbesondere den EWR und die vier Grundfreiheiten, sowie die ökonomischen Mechanismen der Währungsunion.
3 Fallbeispiel Italien: Hier wird Italien als Untersuchungsobjekt genutzt, um die Disparitäten zwischen dem wirtschaftsstarken Norden und dem strukturschwachen Süden aufzuzeigen.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass regionale Ungleichgewichte innerhalb der EU eine erhebliche Herausforderung für die Vision eines einheitlichen Wirtschaftsraumes darstellen.
Schlüsselwörter
Europäischer Binnenmarkt, EWR, Grundfreiheiten, Wirtschafts- und Währungsunion, Euro, Italien, Nord-Süd-Gefälle, Mezzogiorno, Disparitäten, Strukturwandel, Korruption, EU-Förderung, Infrastruktur, Landwirtschaft, Europäische Zentralbank
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktionsweise des europäischen Binnenmarktes und untersucht, inwieweit dieser zur ökonomischen Angleichung der EU-Mitgliedsstaaten beiträgt oder ob regionale Unterschiede bestehen bleiben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Rechtsrahmen des Binnenmarktes (EWR), der Funktionsweise der europäischen Währungsunion und einer detaillierten Fallstudie über das Nord-Süd-Gefälle in Italien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Chancen und Risiken des Binnenmarktes aufzuzeigen und zu erörtern, warum trotz gemeinsamer wirtschaftlicher Regeln signifikante Entwicklungsunterschiede innerhalb eines EU-Landes fortbestehen.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und wirtschaftshistorischer Daten, die durch eine Fallbeispielanalyse (Italien) illustriert werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die vier Grundfreiheiten, die Kriterien der Wirtschafts- und Währungsunion sowie die geographischen und sozioökonomischen Faktoren, die den wirtschaftlichen Wohlstand Norditaliens im Vergleich zum armen Süden erklären.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Binnenmarkt, EU-Integration, Nord-Süd-Gefälle, Mezzogiorno und wirtschaftliche Disparitäten charakterisiert.
Warum wird speziell Italien als Fallbeispiel gewählt?
Italien dient als Beispiel, da es als eine der größten Volkswirtschaften der EU ein extrem ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle aufweist, das verdeutlicht, wie nationale oder regionale Besonderheiten die Wirkung des Binnenmarktes beeinflussen können.
Welchen Einfluss haben historische Faktoren auf die wirtschaftliche Lage Süditaliens?
Laut der Arbeit spielt das Verharren in alten feudalen Strukturen und die verspätete Industrialisierung eine entscheidende Rolle für den wirtschaftlichen Rückstand des Südens.
Inwiefern spielen Korruption und Mafia eine Rolle im analysierten Kontext?
Die Arbeit identifiziert Korruption und mafiose Strukturen als wesentliche Hindernisse für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung Süditaliens, da sie Investitionen behindern und öffentliche Gelder ineffizient nutzen.
- Quote paper
- Ricardo Gregorio (Author), 2016, Vor- und Nachteile des Europäischen Binnenmarktes am Fallbeispiel Italien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315750