Mehrsprachigkeit. Förderer von interkultureller Kompetenz?


Hausarbeit, 2015
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Mehrsprachigkeit

3. Fakten über Mehrsprachigkeit

4. Kommunikation
4.1 Grundlagen der Kommunikation
4.2 Alltägliche Kommunikationspraxis in Deutschland

5. Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union

6 Interkulturelle Kompetenz durch Mehrsprachigkeit

7. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Sprache ist das umfassendste und differenzierteste Ausdrucksmittel des Menschen, zugleich die höchste Erscheinungsform sowohl des subjektiven, wie auch des objektiven Geistes. Die Sprache hat sich aus Naturlauten entwickelt. Jeder Schrei ist schon eine Art Sprache. An der Verbesserung dieses wichtigen, wenn auch noch primitiven Verständigungsmittels arbeitete der Mensch, indem er den Schrei zu gestalten suchte“ (Kühnle 2006, S. 29).

Die Sprachen sind die Tore zur Welt und die Basis für die Kommunikation der verschiedenen Kulturen untereinander. Sehr deutlich bringt dies die georgische Weisheit „Die Grenze Deiner Sprache ist die Grenze Deiner Welt“ (Bernardo / Bernardo 2008, S.3) zum Ausdruck. Vor dem Hintergrund der ständig zunehmenden Globalisierung und auch wachsender Multikulturalität der deutschen Gesellschaft infolge von Migrationsbewegungen ist diese Aussage aktueller denn je. Inzwischen wird auch von der Politik und der Gesellschaft die Wichtigkeit von Spracherwerben erkannt und gefördert. Sprache gilt hierbei als Notwendigkeit für ein Leben in der Wissensgesellschaft. Sie hilft dabei andere Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen und fördert die interkulturelle Toleranz. Multilingualität ermöglicht zudem ein einfacheres Arbeiten oder Studieren in anderen Ländern als dem Heimatland oder erleichtert nur das Reisen in andere Regionen der Erde (vgl. ebd., S.3).

Spätestens mit der immer mehr an Bedeutung gewinnenden Globalisierung ist ein Handeln außerhalb des eigenen Kulturkreises notwendig geworden. Beim Interagieren in der globalisierten Welt müssen die Grenzen der Muttersprache, der kulturellen Herkunft und des nationalen Zugehörigkeitsgefühls überschritten werden. Interkulturalität ist somit bereits ein Bestandteil unseres täglichen Lebens. Auch die sich infolge von Migrationsbewegungen ändernde Bevölkerungsstruktur in Deutschland erfordert die Bereitschaft weitere Sprachen zu erwerben und sich mit anderen bisher unbekannten kulturellen Gegebenheiten vertraut zu machen. Die Gesellschaft ist hierdurch aufgefordert auf diese aus der Zuwanderung beruhenden Herausforderungen geeignete und innovative Antworten zu finden. Menschen die gewillt und geeignet sind in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft zu agieren und somit über eine interkulturelle Kompetenz verfügen, werden eine in Zukunft stark gefragte Gruppe sein (vgl. Kunz / Puhl 2011, S. 9f.)

In der heutigen Zeit ist die große Mehrheit der Menschen mehrsprachig. Diese Mehrsprachigkeit kann einfach nur darin bestehen eine Hauptsprache, zum Beispiel die Landessprache und lokale Dialekte zu sprechen. Tracy vertritt darüber hinaus sogar die Ansicht, dass alle Menschen zumindest über regionale oder soziale Varietäten der Erstsprache verfügen und infolge dessen der monolinguale Mensch, der seine Erstsprache abgeschirmt von allen anderen sprachlichen Einflüssen perfekt beherrscht, nicht existiert (vgl. Tracy 2008, S. 49).

Die europäische Integration ist ohne Mehrsprachigkeit undenkbar. Multilingualen europäischen Bürgern fällt es leichter, sich in ein anderes Land zu integrieren und einen emotionalen Zugang zu den dort ansässigen Menschen und deren Kultur herzustellen. Die Sprachkompetenz beinhaltet stets auch eine interkulturelle Kommunikationsfähigkeit, die im Rahmen des Sprachunterrichts berücksichtigt werden muss. Das Beherrschen mehrerer Sprachen durch die Beschäftigten von Unternehmen trägt zum Geschäftserfolg bei, der sich in einem positiven Geschäftsergebnis wiederspiegelt. Allein schon zur Wahrung der pecuniären Interessen sollten die Firmen die Förderung der Sprach- und Kulturkompetenzen der Mitarbeiter fördern und die Integration unterstützen (vgl. Nardon-Schmid 2010, S.4).

Insgesamt betrachtet stellt sich somit die Frage, inwieweit Mehrsprachigkeit zur Förderung der sozialen Kompetenz beträgt.

Diese Hausarbeit beginnt im ersten Kapitel mit der Einleitung. Anschließend wird der Begriff der Mehrsprachigkeit dargestellt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Fakten über die Mehrsprachigkeit. Im Weiteren wird grundsätzliches über Kommunikation sowie über die Art des Kommunizierens in Deutschland beschrieben. Die Bedeutung der Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union und für die Entwicklung interkultureller Kompetenz bilden die nächsten Kapitel. Das Fazit beschließt diese Arbeit.

Soweit in diesem Text aus sprachlichen Gründen nur die männliche Form verwendet wird, gelten die Aussagen für Personen beiderlei Geschlechts.

2. Der Begriff Mehrsprachigkeit

In der Wissenschaft und der Forschung existiert keine einheitliche Definition des Begriffs Mehrsprachigkeit. Demzufolge besteht in der Fachliteratur auch keine universell gültige Beschreibung dessen, wer oder was als mehrsprachig gilt. Die Quellen betrachten den Begriff aus verschiedenen Perspektiven und Ansätzen, welches zwangsläufig zu unterschiedlichen Beschreibungen führt, die sich zudem in Teilen widersprechen. Insgesamt gesehen kann Mehrsprachigkeit als Oberbegriff, unter dem sich die verschiedenen Kompetenzen in mehr als einer Sprache zu kommunizieren bündeln, betrachtet werden.

Die Festlegung, ob eine Person als zwei- oder mehrsprachig bezeichnet werden kann, hängt von der angewandten Definition ab. In zwei Sprachen sowohl lesen und schreiben als auch in ihnen verbal kommunizieren zu können, kann als Indiz der Mehrsprachigkeit bezeichnet werden (vgl. Küpelikilinc / Ringler 2004, S 29 ff.).

Für Zellerhoff ist der Mensch bereits mehrsprachig, wenn er neben seiner Muttersprache Kontakt zu einer weiteren Sprache hat. Nach ihrem Verständnis handelt es sich auch bei Dialekten, ausgenommen die dialektische Sprachumgebung eines Kindes, um eine eigene Sprache (vgl. Zellerhoff 2009, S. 35).

Eine viel restriktivere Meinung vertritt Blocher. Nach seiner Auffassung ist „die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Sprachgemeinschaften in dem Grade, dass Zweifel darüber bestehen können, zu welcher der beiden Sprachen das Verhältnis enger ist, oder welche als Muttersprache zu bezeichnen ist, oder welche mit größerer Leichtigkeit gehandhabt wird, oder in welcher man denkt“ eine notwendige Voraussetzung der Mehrsprachigkeit (Blocher 1909, zit. in Swift 1982, S. 17 ff.).

Eine Darstellung von weit abweichenden Definitionen von Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft erfolgt von Triarchi-Hermann. Nach einer sehr stringenten Sichtweise gilt nur der als mehrsprachig, der sich auf muttersprachlichem Niveau unterhalten kann. In der Konsequenz bedeutet dies, dass nur sehr wenige Menschen mehrsprachig wären. Im Gegensatz dazu wird auch die sehr weit gefasste Meinung nach der bereits jemand, der nur wenige Worte in der Zweitsprache versteht, vorgestellt. Wird dieser Meinung gefolgt, dürften nahezu alle Bewohner der Erde mehrsprachig sein (vgl. Triarchi-Hermann 2012, S. 15).

Einen gänzlich anderen Ansatz wählen Bickes und Pauli. Für sie ist der funktionale Einsatz von Sprache maßgebend. Ihnen zufolge besteht Mehrsprachigkeit immer dann, wenn regelmäßig Gebrauch von mehr als einer Sprache zu kommunikativen Zwecken gemacht wird. (vgl. Bickes / Pauli 2009, S. 103).

3. Fakten über Mehrsprachigkeit

Im Jahr 2006 lebten circa 6 Milliarden Menschen auf der Erde, die in geschätzten sechs- bis siebentausend Sprachen kommunizierten. Hieraus lässt sich schließen, dass Mehrsprachigkeit weit verbreitet ist. Insbesondere die Menschen in den afrikanischen Staaten, weiten Teilen Asiens oder des pazifischen Raums können sich in mehreren Sprachen untereinander verständigen. In der Forschung ist es inzwischen anerkannt, dass Mehrsprachigkeit die Regel und Einsprachigkeit die Ausnahme ist (vgl. Riehl 2006, S. 3 f.).

Nach Riehl werden in Asien insgesamt 2165 Sprachen gesprochen, welches einem Anteil von 33 % aller auf der Welt gesprochenen Sprachen entspricht. Nur etwas geringer ist die Zahl der in Afrika gesprochenen Sprachen mit 1302. Im pazifischen Raum sprechen die Menschen 1302 Sprachen, welches einem 19-prozentigen Anteil entspricht. Nahezu alle Sprachen werden seit vielen Generationen gesprochen und von den Eltern an die Kinder mündlich weitergegeben. Schriftliche Aufzeichnungen existieren demgegenüber jedoch nur in wenigen Sprachen (vgl. Carroll 2009, S. 2).

Auch in Deutschland wächst die Zahl der mehrsprachigen Menschen stetig. Als Folge von Migrationsbewegungen erhöht sich auch der Anteil von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die demnach zwei- oder mehrsprachig aufwachsen. Aus den vom statistischen Bundesamt für das Jahr 2011 veröffentlichen Zahlen geht hervor, dass circa 14 % der neugeboren Kinder von binationalen Eltern abstammen und circa 10 % der Kinder Eltern ohne deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Ungefähr ein Viertel der Kinder im Vorschulalter wächst in Deutschland mehrsprachig auf und mehr als 20 % der Heranwachsenden entstammen aus Familien mit Migrationshintergrund (vgl. Statistisches Bundesamt, online).

Alleine in der im Jahr 2008 auf inzwischen 27 Staaten angewachsenen Europäischen Union werden 25 verschiedene offizielle Sprachen gesprochen. Die Summe aller in diesem Gebiet gesprochenen Sprachen beträgt 438 (vgl. Hufeisen 2008, online, S. 4).

4. Kommunikation

4.1 Grundlagen der Kommunikation

Kommunikation stellt einen Prozess dar, bei welchem ein Sender eine Nachricht aussendet, die der Empfänger aufnimmt. Innerhalb eines Gespräches nutzt der Sprechende neben seiner Sprache auch seine Mimik, Gestik, den Blick oder nutzt als zusätzliches Mittel seiner Kommunikation bewusst eingesetzte Berührungen oder das Gegenteil hiervon, die gewollte Nichtberührung. Der Sender kann zudem seiner Stimme durch den Tonfall oder die Lautstärke des Gesprochenen zusätzliches Gewicht verleihen (vgl. Zacharaki 2009, S. 110).

Voraussetzung für eine funktionierende Kommunikation ist hierbei jedoch, dass sowohl der Versender als auch der Empfänger der Nachricht dasselbe unter ihr verstehen. Neben dem Verständnis der durch Worte ausgedrückten inhaltlichen Informationen spielen auch die durch die Gesten und Mimik im nonverbalen Bereich hervorgerufenen menschlichen Emotionen eine entscheidende Rolle darin, was der Sender vom Empfänger und umgekehrt der Empfänger vom Sender voneinander hält und wie die übermittelte Botschaft aufgenommen wird. Zacharaki beschreibt dies folgendermaßen: „Kommunikation ist eine Wechselbeziehung, ein zirkulärer Prozess, in dem sich die Kommunikationspartner gegenseitig in ihren Aussagen und Wahrnehmungen beeinflussen“ (ebd.).

In allen Fällen von interkultureller Kommunikation ist es unabdingbar, dass die kulturelle Einbettung des Gegenübers in seinen Kulturkreis beachtet und die Informationsweitergabe daran ausgerichtet ist. Es ist beispielsweise in der westlichen Welt üblich sich während des Gespräches in die Augen oder sich zumindest anzuschauen, wohingegen ein solches Verhalten bei einigen anderen Kulturen, insbesondere bei der Kommunikation zwischen Mann und Frau, missverstanden und zu nicht beabsichtigten Reaktionen führen kann. Der Gesprächseinstieg ist ein nicht zu vernachlässigender Einflussfaktor auf eine gelungene Kommunikation, weil durch ihn der Verlauf des Gespräches maßgeblich beeinflusst wird. Entscheidend für eine gelungene Kommunikation ist jedoch die Einstellung und innere Haltung der Kommunikationsteilnehmer zueinander. Bei einer positiven Grundeinstellung werden die Gesten des Gegenübers eher freundlich wahrgenommen und es besteht eine größere Bereitschaft die eigenen Wertvorstellungen und Maßstäbe zugunsten des Kommunikationserfolges zurück zu stellen (vgl. ebd., S. 112 ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mehrsprachigkeit. Förderer von interkultureller Kompetenz?
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Soziales und globales Lernen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V316486
ISBN (eBook)
9783668161245
ISBN (Buch)
9783668161252
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Kompetenz
Arbeit zitieren
Yelena Rörig (Autor), 2015, Mehrsprachigkeit. Förderer von interkultureller Kompetenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316486

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