Epochen der Wirtschafts-und Sozialgeschichte. Der Einfluss der Hugenotten auf die wirtschaftliche Entwicklung Berlins


Hausarbeit, 2003

16 Seiten

Christian Kuntze (Autor)


Leseprobe

Literaturverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Grundlagen ... 2
2.1. Zum Begriff „Hugenotten“ ... 2
2.2. Die Lehre von der Vorbestimmtheit des Menschen - Der Calvinismus ... 2
2.3. Der Glaubenskrieg in Frankreich und seine Folgen für die Hugenotten ... 3

3. Die Toleranzpolitik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm ... 4
3.1. Demographische und wirtschaftliche Situation in Berlin um 1685 ... 4
3.2. Das Edikt von Potsdam ... 5
3.3. Machtpolitische Motive ... 6

4. Die wirtschaftspolitische Privilegierung und Subventionierung der hugenottischen Unternehmen ... 7
4.1. Staatliche Förderung der Hugenotten am Beispiel der Berliner Seidenindustrie ... 8
4.2. Probleme bei der staatlichen Förderung ... 9

5. Der wirtschaftliche Nutzen der Hugenotten für Berlin ... 9
5.1. Positive Auswirkungen auf das Gewerbe ... 9
5.2. Positive Auswirkungen auf den Handel ... 10

6. Probleme bei der Integration der Réfugiés in die Berliner Zünfte ... 11

7. Schlussbetrachtung ... 12

8. Literatur ... 14

1. Einleitung

Als eines der Hauptkampfgebiete war Brandenburg-Preußen am Ende des Dreißigjährigen Krieges sowohl wirtschaftlich als auch bevölkerungspolitisch in einem desolaten Zustand. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, sah als wichtigste Voraussetzung für die Wiederbelebung der Wirtschaft vor allem eine Vermehrung der Bevölkerung. Mit dem Edikt von Potsdam schuf er schließlich die Voraussetzungen für die Ansiedlung fremder Bevölkerungsgruppen in Brandenburg-Preußen. Adressaten des Ediktes waren vor allem die französischen Glaubensflüchtlinge, die aufgrund der Verfolgungen im eigenen Land auf der Flucht waren. Zahlreiche Privilegien und Vergünstigungen sollten den Glaubensflüchtlingen ein Leben im absolutistischen Staat schmackhaft machen. Die Ursachen und Gründe für diese tolerante Bevölkerungspolitik sowie deren Auswirkung auf das wirtschaftliche Leben - vor allem in der Residenzstadt Berlin - sollen Inhalt dieser Arbeit sein.

Zunächst werde ich kurz eine begriffliche und konfessionelle Einordnung der Hugenotten vornehmen. Zum besseren Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge werde ich im Anschluss daran einen knappen Überblick über die Glaubenskriege während des 16. Jahrhunderts bis zur Flucht der Hugenotten in die protestantischen Nachbargebiete Frankreichs im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts geben. Im Hauptteil wird es dann um die Toleranzpolitik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm gehen. Mit dem Edikt von Potsdam ebnete der Große Kurfürst den Weg für die Zuwanderung der französischen Glaubensflüchtlinge nach Brandenburg-Preußen und in die Residenzstadt Berlin. Neben dem Inhalt und den mit dem Erlass des Edikts verfolgten Zielen werde ich mich vor allem mit den Folgen der Integration auf wirtschaftlicher Ebene beschäftigen. Die zentralen Fragen sollen hierbei lauten: Aus welchen Motiven wurde von dem absolutistischen Herrscher Friedrich Wilhelm im 17. und 18. Jahrhundert gegenüber den in Berlin eingewanderten Hugenotten eine ausgedehnte Toleranzpolitik betrieben? Wie sah in diesem Zusammenhang die wirtschaftliche Situation in Berlin vor Aufnahme der französischen Glaubensflüchtlinge aus und welche wirtschaftlichen Auswirkungen hatten die umfangreichen Privilegien und Zugeständnisse an die Hugenotten auf die Residenzstadt?

In einer kurzen Schlussbetrachtung werde ich schließlich noch einmal die wesentlichen Ergebnisse zusammenfassen.

2. Grundlagen

2.1. Zum Begriff „Hugenotten“

In der Literatur ist die Herkunft des Begriffs „Hugenotten“ umstritten.1 Aufgrund seiner phonetischen Ähnlichkeit leiten einige den Begriff aus dem Wort „Eidgenossen“ – französisch „eguenet“ oder „aideguenot“ ab. Andere verweisen auf eine Legende über den Geist des Königs Hugo Capet, der die Protestanten genarrt haben und denen der Volksmund daraufhin den Spottnamen „huguenots“ (von „Hugo“) angehängt haben soll. Immerhin gilt als historische Tatsache, „dass sich die Hugenotten weder selbst als Hugenotten bezeichneten, noch jemals in offiziellen Verlautbarungen so genannt wurden.“2 Die Hugenotten selbst bezeichneten sich meist als „Réformés“ oder „Protestants“, selten als „Calvinistes“. Als „Francais Réfugiés“ oder einfach nur „Réfugiés“3 bezeichneten sich all diejenigen, die nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes4 Zuflucht in den Ländern der protestantischen Fürsten in Europa fanden.

Durchgesetzt hat sich im deutschen Sprachgebrauch die Sammelbezeichnung „Hugenotten“ für all die „Flüchtlinge französischer Sprache und französisch reformierter Glaubenszugehörigkeit, die in den protestantischen Ländern Europas ein dauerhaftes Asyl gesucht und gefunden hatten.“5

2.2. Die Lehre von der Vorbestimmtheit des Menschen - Der Calvinismus

Im Zuge der Reformation (Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts) wendeten sich in Frankreich viele Christen vom Katholizismus ab und bekannten sich zu dem von dem Franzosen Jean Calvin begründeten Calvinismus.6

Diese Lehre basiert auf der Überzeugung der Prädestination des Menschen zum Heil oder zur Verdammnis, wobei „der Gläubige (...) im Sinne der göttlichen Gnadenwahl die Möglichkeit (habe), durch eine genaue Erfüllung seiner irdischen Pflichten der über ihn verhängten Verdammnis zu entgehen und zum ewigen Leben auserwählt zu werden.“7

Mit anderen Worten: „Tun wir gute Werke, so hat das nicht zur Folge, dass Gott uns für die Seligkeit erwählt, sondern umgekehrt: nur, weil Gott uns zuvor erwählt hat, vermögen wir Gutes zu tun.“8 Diesem Glaubenssatz folgend errichteten die Hugenotten „ein Gemeinwesen aus sparsamen, fleißigen Arbeitern, deren materieller Wohlstand und beruflicher Erfolg als ein untrügliches Zeichen und als ein Beweis ihrer göttlichen Erwählung dienten.“9

2.3. Der Glaubenskrieg in Frankreich und seine Folgen für die Hugenotten

Aufgrund der Abwendung der Hugenotten von dem in Frankreich vorherrschenden katholischen Glauben, kam es während des 16. Jahrhunderts immer wieder zu Verfolgungen und Bürgerkriegen. Eine Entspannung der Lage wurde erst durch das sogenannte Toleranzedikt von Nantes im Jahre 1568 erreicht.10 Damit sicherte Heinrich IV. den Hugenotten eine begrenzte Religionsfreiheit und gleiche Bürgerrechte zu.

Unter der absolutistischen Herrschaft Ludwig XIV. (1661 – 1715), der eine Einheit seines Reiches auch auf konfessioneller Ebene durchsetzen wollte und den Katholizismus zur Staatskirche ernannte, wurde das Toleranzedikt von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau im Jahre 1685 widerrufen.11 Darin wurde u.a. verfügt, dass sämtliche protestantische Gotteshäuser zerstört, die Schulen der Reformierten geschlossen und alle reformierten Priester vertrieben werden sollten. Den Hugenotten wurde die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Allen Reformierten, die Frankreich verlassen wollten, wurden zudem drakonische Strafen angedroht. Von den ca. 800.00012 zur damaligen Zeit in Frankreich lebenden Protestanten unterwarfen sich die meisten den katholischen Riten, praktizierten aber zu Hause weiterhin ihren reformierten Glauben. um in Frankreich bleiben zu können.13

[…]


1 Vgl. zu den folgenden Ausführungen Birnstiel, Eckart; Reinke, Andreas: Hugenotten in Berlin, in: Jersch-Wenzel u.a. (Hrsg): Von Zuwanderern zu Einheimischen – Hugenotten, Juden, Böhmen, Polen in Berlin, Berlin, 1990, S. 16.
2 Ebenda.
3 Asyl- oder zufluchtsuchende Franzosen.
4 Darauf werde ich später noch näher eingehen.
5 Birnstiel, Reinke, a.a.O., S. 16.
6 Vgl. Wilke, Jürgen: Berlin zur Zeit des Edikts von Potsdam. Das Edikt und seine Bedeutung, in: Bregulla, Gottfried (Hrsg.): Hugenotten in Berlin, Berlin, 1988, S. 14. Es handelte sich hierbei um eine konfessionelle Minderheit (ca. 8% der damaligen Bevölkerung), die permanent der Bedrängung durch die katholischen Kirche und der Krone ausgesetzt war.
7 Birnstiel Reinke, a.a.O., S. 18.
8 Schreiber, Hermann: Auf den Spuren der Hugenotten, München, 1983, S. 18.
9 Birnstil; Reinke, a.a.O., S. 18.
10 Vgl. ebenda, S. 21.
11 Ebenda, S. 24.
12 In der Literatur gibt es unterschiedliche Angaben – manche Autoren sprechen auch von bis zu 900.000 in Frankreich lebenden Protestanten (Vgl. Birnstiel; Reinke, a.a.O., S. 25 f.).
13 Ebenda, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Epochen der Wirtschafts-und Sozialgeschichte. Der Einfluss der Hugenotten auf die wirtschaftliche Entwicklung Berlins
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Veranstaltung
Epochen der Wirtschafts-und Sozialgeschichte
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V316545
ISBN (eBook)
9783668156524
ISBN (Buch)
9783668156531
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschafts-und Sozialgeschichte, Hugenotten, Calvinismus, wirtschaftlicher Einfluss, Berlin, Glaubenskrieg Frankreich, Großer Kurfürst, Der Große Kurfürst, Kurfürst Friedrich Wilhelm, 1685, Edikt von Potsdam, Berliner Seidenindustrie, Réfugiés, Berliner Zünfte, Ulrich Jähner
Arbeit zitieren
Christian Kuntze (Autor), 2003, Epochen der Wirtschafts-und Sozialgeschichte. Der Einfluss der Hugenotten auf die wirtschaftliche Entwicklung Berlins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316545

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