Erweitertes Koordinationstraining im Fußball. Notwendigkeit und Trainingmethoden


Seminararbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Die Notwendigkeit Koordinationstraining im Fußball zu fördern

2. Der moderne Fußball mit seinen Anforderungen an die Spieler

3. Koordination im fußballerischen Kontext

4. Koordinative Grundfähigkeiten im fußballerischen Bezug

5. Koordinationstraining im Fußball

6. Auswirkungen des Koordinationstrainings auf den Fußballspieler

7. Neurophysiologische Grundlagen

8. Erweitertes Koordinationstraining: Life Kinetik ®

9. Erweitertes Koordinationstraining im Fußballtraining

10. Zusammenfassung der Effekte durch erweitertes Koordinationstraining im Fußball

11. Literaturverzeichnis

Vorwort

Die Grundlage dieser Seminararbeit ist das Referat „Neuartige Trainingsmethoden im Fußball: (Mehrdimensionales) Koordinationstraining“, welches ich im Sommersemester 2015 im Rahmen des Seminars „Vertiefung der Trainingswissenschaften“ halten durfte.Das Ziel dieser schriftlichen Ausarbeitung besteht darin, dem Leser einen Eindruck über zum Teil neuartige, koordinationsfördernde Trainingsmethoden im Fußball zu vermitteln.Zunächst erläutere ich die dahinter liegenden Gründe für die Entwicklung neuer Trainingskonzepte seit der Jahrtausendwende und befasse mich mit der Koordination und den koordinativen Fähigkeiten im fußballerischen Kontext.Dazu möchte ich Gründe aufzeigen, warum es gerade in Deutschland um die Jahrtausendwende besonders wichtig war, das Fußballtraining grundlegend zu überarbeiten und an die Anforderungen des modernen Fußballs anzupassen.In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt das klassische Koordinationstraining in europäischen Fußballschulen Einzug, vor allem in Frankreich und den Niederlanden, und legte so den Grundstein für das moderne Fußballspiel, in dem die koordinativ-technischen Fähigkeiten der Spieler immer wichtiger wurden. Um die theoretische Grundlage der dahinterstehenden Fähigkeiten zu beleuchten, befasse ich mich mit der motorischen Grundfähigkeit der Koordination und den koordinativen Fähigkeiten im fußballerischen Kontext.Im Verlauf dieser Seminararbeit gehe ich auf das vom Diplomsportlehrer Horst Lutz entwickelte Modell der „Life Kinetik®“ ein. Da es sich hierbei um einen rechtlich geschützten Markennamen handelt und es mir nicht möglich war, einen von der Sportwissenschaft anerkannten und treffenden Begriff für diese Art des Trainings zu finden, verwendete ich im Referat den Begriff des „mehrdimensionalen Koordinationstrainings“. Dieser Begriff bezieht sich jedoch zum großen Teil auf neurowissenschaftliche Grundlagen, die wissenschaftlich nicht belegt sind und auch mir persönlich nicht plausibel erscheinen (vgl. 2008, 30 f.).Aus diesem Grund verwende ich in dieser Seminararbeit nach der Erläuterung des Modells der Life Kinetik den weit gefassten Begriff des „erweitertes Koordinationstrainings“

1. Die Notwendigkeit Koordinationstraining im Fußball zu fördern

Zu Beginn der 2000er Jahre war der deutsche Fußball in einer Krise. Auch wenn der letzte große Titel, der Sieg der Europameisterschaft 1996 und das Finalspiel gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2002 in Yokohama als große Erfolge zu werten sind, zeichnete sich spätestens mit der Europameisterschaft 2004 eine problematische Entwicklung ab: Die deutsche Nationalmannschaft schied in der Vorrunde aus und der Vorsprung anderer Fußballnationen auf koordinativ-technischer Ebene war deutlich zu sehen. Es ging die Angst um, Deutschland wäre in der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land chancenlos.Um diesem Schicksal zu entgehen, engagierte man als Trainerteam den ehemaligen Weltmeister Jürgen Klinsmann sowie Joachim Löw. Das Gespann um Klinsmann und Löw vergrößerte nicht nur den Trainerstab mit speziellen Fitness-Coaches, es führte auch diverse fußballunspezifische Übungen in das Training ein. In Fußballdeutschland war das für viele unverständlich, für andere revolutionär (vgl. [1]).Was andere Nationen schon vor langer Zeit einführten, bekam nun Einzug in das Bewusstsein des deutschen Fußballs: das erweiterte Koordinationstraining. Das Spiel der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Deutschland wusste die Masse zu begeistern. Die positiven Auswirkungen auf die Spieler waren klar zu erkennen und so erweiterte sich diese Art des Trainings zunehmend.

2. Der moderne Fußball mit seinen Anforderungen an die Spieler

Schon immer ist der Fußball ein sehr vielseitiger Mannschaftssport, der dementsprechend eine Vielzahl an Anforderungen an die Spieler stellt. Aufgrund des großen und von der Fläche her variierenden Spielfeldes, der großen Anzahl von Spielern und weil der Ball mit den feinmotorisch vergleichsweise schwer zu steuernden Füßen gespielt werden muss, gilt Fußball für einige sogar als die komplexeste Ballsportart der Welt (vgl. 53).

Vergleicht man den heutigen Profifußball mit dem aus , so fällt auf, dass er viel schneller geworden ist (vgl. 2013, 21).Dadurch resultieren aufgrund des stetig steigenden Gegnerdrucks immer engere Räume und immer weniger Zeit, die den Spielern für eine Aktion zur Verfügung steht. Um diese Situation dennoch präzise meistern zu können, steigen die koordinativ-technischen Anforderungen und Fähigkeiten der einzelnen Spieler.Aufgrund dessen ist das Fußballspiel heutzutage anspruchsvoller und attraktiver denn je (vgl. et al. 2012, 13).

Da der Anforderungskatalog an moderne Fußballerspieler sehr umfangreich ist, sollen im Folgenden lediglich auf die für diese Arbeit relevanten Anforderungen im Detail eingegangen werden.Dennoch seien zumindest die zu jeder Zeit schon benötigten konditionellen Grundfähigkeiten, Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit genannt, die zum großen Teil durch konstitutionelle Faktoren, wie zum Beispiel dem Körperbau der Athleten, begrenzt werden. Diese physischen Leistungsfaktoren stellen auch heute noch die Grundlage für den leistungsfähigen Fußballspieler dar. Nicht minder wichtig sind außerdem das taktische Verständnis, soziale Fähigkeiten sowie die psychische Belastbarkeit und die Koordinationsfähigkeit der Sportler (vgl. et al. 2002,9).

Darüber hinaus benötigt ein Fußballspieler eine ausgeprägte visuelle Wahrnehmung, die mit vielen koordinativen Fähigkeiten eng verknüpft ist. Diese ist von großer Bedeutung, weil Fußballspieler in der Lage sein müssen, die Spielsituation, also andere Spieler, den Ball und die Distanz auf dem Spielfeld jederzeit möglichst schnell erfassen zu können. Die Wahrnehmungsfähigkeit des Fußballspielers ist die Grundlage für die Reaktionsschnelligkeit. Je schneller ein Spieler die Spielsituation erfassen und verarbeiten kann, desto schneller kann er auf diese angemessen reagieren. Die Reaktionsschnelligkeit ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung für den modernen Tempofußball (vgl. 36).Außerdem wird die Handlungsgeschwindigkeit des Fußballspielers durch seine analysatorischen Fähigkeiten beeinflusst. Denn bevor eine Aktion ausgeführt werden kann, muss die erfasste Spielsituation in kürzester Zeit mit dem im Kleinhirn gespeicherten Bewegungserfahrungen abgeglichen werden. Je schneller die neurophysiologischen Prozesse arbeiten und je größer der technische Bewegungsschatz des Fußballspielers ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen einer Aktion vgl. et al. 2012, 29).

Die Fähigkeit bekannte Techniken auch in Spielsituationen unter Gegnerdruck präzise ausführen zu können, ist von der flexiblen Körperbeherrschung der Spieler abhängig. Ausgeprägte koordinativ-technische Fähigkeiten sind somit die Voraussetzung dafür, dass Spieler im Stande sind, erlernte Bewegungen dem Spiel entsprechend anzupassen (vgl. 16 f.).

3. Koordination im fußballerischen Kontext

Nach Meinel/Schnabel, bezeichnet Koordination „das harmonische Zusammenwirken von Sinnesorganen, peripherem und zentralem Nervensystem (ZNS) sowie der Skelettmuskulatur“ [2]. Diese allgemeine Definition der Koordination ist besonders zutreffend, da sie nicht nur das Zusammenspiel von Muskeln und ZNS umfasst, sondern gleichermaßen die Wahrnehmung der Sinnesorgane, also die sensomotorische Ebene mit einbezieht (vgl. Buschmann et al. 2002, 9).Speziell auf den Fußball bezogen definiert Bisanz/Gerisch Koordination „als die Fähigkeit, technische Handlungen mit und ohne Ball zielgerichtet, schnell, präzise und ökonomisch durchzuführen“ (Bisanz, Gerisch 2008, 237).Diese Definition lässt erkennen, dass die Koordination die Grundlage für die Aktionsschnelligkeit und die flexible Körperbeherrschung des Fußballerspielers ist und deshalb maßgeblich an seiner Leistungsfähigkeit beteiligt ist.

4. Koordinative Grundfähigkeiten im fußballerischen Bezug

Die sieben koordinativen Fähigkeiten: Orientierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit, Kopplungsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit sowie Umstellungsfähigkeit, spielen im Fußball eine große Rolle (vgl. Weineck et al. 2012, 20).Anhand des folgenden Beispiels der fußballtypischen Bewegung des Sprungkopfballs, lassen sich alle einzelnen Fähigkeiten auf das Fußballspiel bezogen erklären und es soll verdeutlicht werden, wie wichtig alle koordinativen Grundfähigkeiten im Fußball sind.Bevor ein Fußballspieler zum Sprungkopfball ansetzt, muss er sich sich einen Überblick über seine Position auf dem Spielfeld verschaffen. Das schließt das Erfassen der Abstände zu den Mit- und Gegenspielern, die Berechnung der Flugkurve des Balles und das Spielgeschehen im Allgemeinen mit ein. Eine gute Orientierung ist Voraussetzung für eine schnelle und angemessene Reaktion auf die davorliegende Spielsituation und somit auch entscheidend für die Durchführung eines gelingenden Sprungkopfballs.Das alleinige Erfassen der notwendigen Informationen ist allerdings nur dann von Nutzen, wenn der Spieler unmittelbar die richtigen Schlüsse aus der Spielsituation zieht und auf die neue Situation schnell reagieren kann.Fast immer hat der Spieler bis zum Absprung eine Distanz zwischen sich und dem Ball.Den Absprungpunkt erreicht er in der Regel mit den rhythmisierten letzten drei Schritten, die die optimale Sprungkraft ermöglichen.Anschließend muss der Fußballspieler verschiedene voneinander abhängige Bewegungen miteinander kombinieren, folglich koppeln. In diesem Falle zunächst die Einleitungsphase und die Hauptphase, also den Lauf und Sprung zum Ball und die eigentliche Kopfballbewegung.In der Endphase, nämlich der abschließenden Landung, ist ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn besonders wichtig, da ohne diesen Verletzungen unvermeidlich wären.Ohne die Differenzierungsfähigkeit wäre die nötige Feinabstimmung in den zwei Bewegungsphasen Sprung und Kopfball nicht möglich. Sie ist Grundlage für das Erreichen der gewünschten Sprunghöhe und für die angemessene Stärke des Kopfballs.Sollte der Fußballspieler während des Sprungkopfballversuchs behindert werden und sich dementsprechend seine Umgebungsbedingung unmittelbar verändern, kann der Fußballer dank seiner Umstellungsfähigkeit die ursprünglich geplante Bewegung abbrechen und sich unverzüglich, der Situation entsprechend, auf eine neue einstellen.Viele Aspekte dieses Beispiels können in abgewandelter Form auf andere fußballspezifische Bewegungen bezogen werden. Damit soll veranschaulicht werden, dass an den Sprungkopfball, den Torschuss aus einem Tempodribbling heraus, die Glanzparade des Torwarts, den Fallrückzieher oder auch an jede andere fußballerische Aktion, ob mit oder auch ohne Ball ausgeführt, ohne ausgeprägte koordinative Fähigkeiten nicht zu denken wäre (vgl. Buschmann et al. 2002, 12 f.).

5. Koordinationstraining im Fußball

Im Jahre 2002 stellte Buschmann et al. fest, dass “die Bedeutung der Koordination für den Fußballspieler in den letzten Jahren immer stärker in den Blickpunkt des Interesses rückt”.Im Vergleich zu anderen Sportarten begann die Fokussierung im Fußballtraining auf die koordinativen Fähigkeiten relativ spät. Spätestens seit der Jahrtausendwende gewinnt das Koordinationstraining im Fußball zunehmend an Bedeutung (vgl. Buschmann et al. 2002, 7).Die Koordination als Grundlage optimaler Körper- und Ballbeherrschung wurde als entscheidender Faktor erkannt, um Spitzenleistungen im Fußball erbringen zu können.Seit vielen Jahren versuchen nun Trainer auf der ganzen Welt die besten Voraussetzungen zu schaffen, die koordinativen Fähigkeiten ihrer Sportler optimal zu entwickeln, um eine höhere Leistungsfähigkeit zu erreichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Erweitertes Koordinationstraining im Fußball. Notwendigkeit und Trainingmethoden
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Sport)
Veranstaltung
Seminar Trainingswissenschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V316882
ISBN (eBook)
9783668160248
ISBN (Buch)
9783668160255
Dateigröße
1238 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koordinationstraining, Mehrdimensionales Koordinationstraining, Koordinative Grundfähigkeiten im fußballerischen Bezug, Neurophysiologische Auswirkungen des Koordinationstrainings, Life Kinetik, Erweitertes Koordinationstraining
Arbeit zitieren
Fabian Dietrich (Autor), 2015, Erweitertes Koordinationstraining im Fußball. Notwendigkeit und Trainingmethoden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316882

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erweitertes Koordinationstraining im Fußball. Notwendigkeit und Trainingmethoden



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden