Die Studie "Doing Gender im heutigen Schulalltag" von Faulstich-Wieland, Weber und Willems. Vorstellung und kritische Diskussion


Seminararbeit, 2014
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Vorstellung der Studie

2. Fragebogen

3. Gruppenarbeit Teil I

4. Gruppenarbeit Teil II

Literaturverzeichnis:

1. Vorstellung der Studie

Die Studie, die den Titel „Doing Gender im heutigen Schulalltag“ trägt, ist eine empirische Studie, die die soziale Konstruktion von Geschlecht in schulischen Interaktionen untersucht und 2004 ihre Ergebnisse veröffentlichte. Durchgeführt wurde sie von Hannelore Faulstich-Wieland, Martina Weber und Katharina Willems und erfuhr eine Unterstützung durch die Max-Träger Stiftung. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden 3 Schulklassen des Edith-Benderoth Gymnasiums beobachtet, die sich durch eine zahlenmäßig variierende Zusammensetzung von Jungen und Mädchen kennzeichnen.[1] Das Vorgehen ist als ethnographisch zu klassifizieren. Die Leiter der Studien wohnten dem Unterricht bei, fertigten Protokolle an, die das Verhalten der Schülerinnen und Schüler sowohl im Unterricht als auch in den Pausen dokumentierte. Ebenso wurden Videoaufzeichnungen von Unterrichtssequenzen durchgeführt, um die Protokolle mit Bildmaterial zu vervollständigen. Die Lehrpersonen wurden regelmäßig interviewt. In diesen Interviews konnten die Lehrerinnen und Lehrer ihre Diagnosen bezüglich des Leistungstandes und des Klassenklimas artikulieren. Diese Interviews stehen komplementär zu den Antworten des standardisierten Fragebogens, den die Lernenden zu jedem Halbjahreswechsel beantworten mussten.[2]

Im Folgenden werde ich auf die Zusammensetzung der beobachtenden Klassen genauer eingehen.

Klasse A befand sich zu Beginn der Beobachtung in der 8. Klasse des Schuljahres 1998/99. Hier herrschte ein dominanter Jungenanteil von 16 Junge zu 5 Mädchen. Als besonderes Merkmal muss hier folgender Punkt erwähnt werden. Das Edith-Benderoth Gymnasium zeichnet sich durch eine bilinguale Klassenführung aus.[3] Die Schülerinnen und Schüler, die das erforderliche Sprachniveau nicht vorweisen können, werden in Klasse A unterrichtet, da diese Klasse monolingual unterrichtet wird. Die Einschätzung der Lehrkraft ist eher als negativ zu klassifizieren. Der Leistungsstandard der Lerngemeinschaft ist eher leistungsschwach. Das Klassenklima leidet unter einer ständigen Neuzusammensetzung, da den Schülerinnen und Schüler, die sich in ihrem Sprachniveau verbessern, ein Klassenwechsel in eine bilingual geführte Klasse möglich ist.[4] Die Antworten des Fragebogens korrelieren mit den Einschätzungen der Lehrpersonen. Die Jungen empfinden ihren Leistungstand als ausreichend und durchaus positiv. Gerade den Mädchen, die der gendertypischen Auffassung noch zustimmen, dass Mädchen sprachlich talentierter seien, leiden darunter, Teil einer Klasse zu sein, die das erforderliche sprachliche Niveau nicht aufweisen kann. Anteile von Jungen und Mädchen haben auch Auswirkungen auf das Klassenklima. Klasse A hat einen dominierenden Jungenanteil. Gerade hier wurden Inklusion und Exklusion über die Konstruktion von Männlichkeit definiert. Hier hat der Aspekt „doing gender“ einen größeren Stellenwert als „doing student“. Das Konkurrenzdenken fördert eine übersteigerte Inszenierung von Männlichkeit.[5]

Klasse B befand sich zum Zeitpunkt des Studienbeginns im 7. Schuljahr und wurde bis zum 9. Schuljahr begleitet. Hier herrschte ein dominierender Mädchenanteil, da die Lerngemeinschaft sich aus 15 Mädchen und 9 Jungen zusammensetzte. Die Einschätzungen der Lehrkraft waren sehr positiv, da laut ihnen die Schülerinnen und Schüler von Klasse B sehr leistungsstark sind. Dennoch sind die Leistungseinschätzungen durch geschlechterspezifisches Denken beeinflusst. Mädchen seien eher zurückhaltend und fleißig während die Jungen eher durch Äußerungen den Unterricht stören, aber sich durch „Pfiffigkeit“ von den Mädchen abheben.[6]

Diese Einschätzungen korrelieren ebenfalls mit dem aufgenommenen Bildmaterial und den protokolierten Situationen aus dem Schulalltag. Dieses Material zeigt in dieser Klasse ein zunehmend aggressives Verhalten der Mädchen gegenüber der Jungs, das allerdings von den Lehrpersonen akzeptiert wurde. Das veränderte Frauenbild führt zu einer Mädchenparteilichkeit, die die Funktion des Schutzes der Mädchen innehat.[7]

Der Anteil von Mädchen und Jungen in Klasse C ist als ausgewogen zu definieren. Auf 10 Mädchen kommen hier 9 Jungen. Nach einem Jahr der Beobachtung wurde diese Klasse allerdings auf Grund von Klassenzusammenlegung geteilt werden. Die Klasse C wurde bis zum 9. Schuljahr weiter beobachtet, jedoch herrschte hier jetzt ein dominierender Mädchenanteil (15 Mädchen und 10 Jungen).[8] Klasse D setzte sich wiederum aus 16 Jungen und 14 Mädchen zusammen. Diese Veränderung ist als Teil der Komplexität des Lebensraumes Schule zu verstehen, was dennoch Auswirkungen auf das Schülerverhalten aufweist. Die Lehrkräfte verorten diese Klasse leistungstechnisch im oberen Mittelfeld. Betont wird allerdings die gute Klassengemeinschaft, in der teamfördernde Methoden sehr gut aufgenommen und umgesetzt werden. Diese Einschätzung wird auch durch die Schülerantworten des Fragebogens unterstützt. Die Veränderung der Klassensituation im 8. Schuljahr führt zu einer negativen Verhaltensänderung. Die Klassengemeinschaft, die sich vorher gemeinschaftlich von den Parallelklassen abgegrenzt hat, findet nun innerhalb der Gemeinschaft statt. Die Studienteilnehmer beobachten eine verstärkte Cliquenbildung.[9] Das „doing adult“ fungiert als Inklusionsindikator. Verstärkt Mädchen, die noch kindliche Verhaltensweisen an den Tag legen, werden ausgeschlossen. Dieses Verhalten normalisiert sich allerdings wieder im 9. Schuljahr.[10]

Nun welche Auswirkungen auf die Lehrerpersönlichkeit können wir aus diesen Beobachtungen ableiten?

Allgemein herrscht eine Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler. Dies erfolgt unter anderem darauf, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer unbewusst oder bewusst an Geschlechterbilder orientieren und diese somit verfestigen. Gerade Mädchen leiden unter diesen geschlechterstereotypen Zuschreibungen, da ihr Selbstbild negativ beeinflusst wird. Jungs können dieser negative Zuschreibungen eher selbstverdienlich umsetzen.[11]

Als Lehrperson sollte man darauf achten, seinen Blick zu erweitern und gegebenenfalls zu entdramatisieren, das heißt, auch Verhaltensweisen beobachten, die nicht zentral durch das Geschlecht definiert sind. Dies wären unter anderem das Schülerverhalten und das Erwachsenenverhalten.

Ebenso kann das Geschlecht als „ruhende Ressource“ aktiv für den Unterricht genutzt werden. Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Lernenden als geschlechtslos betrachten, kommen oft nicht zu den gleichen Ergebnissen. Mädchen und Jungen weisen geschlechtsspezifische Unterschiede auf und sind sich diesen auch bewusst. Wenn es sich anbietet, geschlechterspezifisch zu arbeiten, beispielsweise einen Wettbewerb zwischen Jungen und Mädchen auszurufen, ist dies nicht verwerflich, so lange man eine Balance zwischen Entdramatisierung und Dramatisierung von Geschlecht findet.[12]

2. Fragebogen

Die Studie „Doing Gender im heutigen Schulalltag. Empirische Studien zur sozialen Konstruktion von Geschlecht in schulischen Interaktionen“ ist eine empirische Studie, welche den Einfluss von Geschlechterrollen um Schulalltag untersucht. Sie wurde 2004 veröffentlicht.

[...]


[1] Faulstich-Wieland, Hannelore et. al.: Doing Gender im heutigen Schulalltag: Empirische Studien zur sozialen Konstruktion von Geschlecht in schulischen Interaktionen. Weinheim u.a. 2004, S. 5.

[2] Ebd., S. 45.

[3] Ebd., S. 51.

[4] Ebd., S. 52-53.

[5] Ebd., S. 55-56.

[6] Ebd., S. 57.

[7] Ebd., S. 58-59.

[8] Ebd., S. 60.

[9] Ebd., S. 193.

[10] Ebd., S. 182.

[11] Ebd., S. 183-184.

[12] Ebd., S. 215-216.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Studie "Doing Gender im heutigen Schulalltag" von Faulstich-Wieland, Weber und Willems. Vorstellung und kritische Diskussion
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V317210
ISBN (eBook)
9783668168831
ISBN (Buch)
9783668168848
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
studie, doing, gender, schulalltag, faulstich-wieland, vorstellung, diskussion
Arbeit zitieren
Julia Wagner (Autor), 2014, Die Studie "Doing Gender im heutigen Schulalltag" von Faulstich-Wieland, Weber und Willems. Vorstellung und kritische Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317210

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