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Theodor Fontanes realistisches und gesellschaftskritisches Literaturkonzept

Title: Theodor Fontanes realistisches und gesellschaftskritisches Literaturkonzept

Seminar Paper , 2016 , 24 Pages , Grade: 2

Autor:in: Siawasch Aeenechi (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Diese Arbeit untersucht im ersten Teil Theodor Fontanes realistisches Literaturkonzept, welches vor allem durch eine eindeutige Abgrenzung von der romantischen Literatur gekennzeichnet ist. Die Literatur der Romantiker, so Fontanes Kritik, ginge auf die gesellschaftlichen Probleme seiner Ära nicht adäquat ein; an ihre Stelle müsse die realistische Literatur treten, die sich mit tatsächlichen Problemen der Zeit befasst. Im zweiten Teil wird Fontanes Gesellschaftskritik allgemein beleuchtet und schließlich wird im dritten Teil auf Fontanes Beschäftigung mit Frauenproblematiken eingegangen.

Theodor Fontane gilt zweifellos als der bedeutendste deutschsprachige Vertreter des Realismus, oder genauer, des poetischen Realismus, der mit seinen meist im Bildungsbürgertum spielenden Werken wohl die einzigen deutschsprachigen Werke des Realismus von Weltrang schuf. Keinem anderen deutschen Autor dieser literarischen Richtung ist es gelungen, eine derartige Weltgeltung durch vergleichsweise regionale Schauplätze, meist im brandenburgischen gelegen, zu erlangen. In den meisten seiner Werke vereinen sich Gesellschaftskritik in Form der z.B. Frauenproblematik mit literaturästhetischen Qualitäten, die mit ein Grund für den bleibenden und zeitgenössischen Erfolg seines Schaffens sind; dies gilt im besondernen für seine beiden späten Meisterwerke „Effi Briest“ und „Der Stechlin“.

Der literarische Realismus kann als Antwort auf zutage tretende, wissenschaftliche Erkenntnisse des 19. Jahrhunderts im Bereich der Medizin, Philosophie, Psychiatrie sowie ab der zweiten Hälfte der Soziologie verstanden werden, die enorme Auswirkungen auf das „Bild“ des Menschen hatten. Psychische Leiden wurden nicht mehr salopp als Wahn beschrieben und abgetan, sondern als ernstzunehmende psychische Störungen eines Individuums mit vielfältigen Ursachen gesehen. Mit der Auflösung des freien Willens durch Schopenhauer büßte der Mensch einen großen Teil sowohl seiner inneren als auch äußeren Freiheit ein und es galt nun, die Folgen dieser Auflösung zu untersuchen. An die Stelle des freien Willens tritt das psychologisch Unbewusste hervor. „Zu dem Zeitpunkt, als Fontane an seinen Gesellschaftsromanen arbeitete, war der Glaube an den selbstbestimmenden freien Willen des Individuums bereits dermaßen problematisch geworden, dass Fontane […] neue literarische Kunstgriffe ersinnen musste, um seinen Romanfiguren einen Rest an individueller Freiheit zu gewährleisten.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Fontanes Realismus

II. Fontanes literarische Gesellschaftskritik

III. Fontanes voremanzipatorische Gesellschaftskritik

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert das literarische Konzept und die gesellschaftskritischen Aspekte im Werk von Theodor Fontane. Ziel ist es, Fontanes Verständnis des Realismus in Abgrenzung zur Romantik und zum Naturalismus darzulegen und aufzuzeigen, wie er soziale Diskurse, insbesondere die Frauenproblematik seiner Zeit, in seinen Romanen künstlerisch verarbeitet und kritisch beleuchtet.

  • Literarische Theorie und Ästhetik des poetischen Realismus bei Fontane
  • Die Rolle der Gesellschaftskritik und der Konflikt zwischen Individuum und bürgerlicher Ordnung
  • Einfluss historischer Ereignisse, wie der Revolution von 1848, auf Fontanes Schaffen
  • Darstellung der Frauenproblematik und weibliche Emanzipationsansätze im 19. Jahrhundert
  • Die Funktion der "Verklärung" als literarisches Gestaltungsmittel

Auszug aus dem Buch

I. Fontanes Realismus

Fontanes Realismus ist in erster Linie ein Realismus weg von romantischer Innerlichkeit hin zu dem Versuch einer sachlichen, authentischen, an manchen Stellen gar dokumentarischen Widerspiegelung der Wirklichkeit. Er hat in seinem literarischen Werk den Versuch unternommen, eine Verschmelzung von Wirklichkeit und Fiktion herbeizuführen; und zwar letztendlich dergestalt, dass Leser zwischen dem tatsächlich erlebten und dem gelesenen keinen Unterschied mehr machen können.

Also noch einmal: darauf kommt es an, dass wir in den Stunden, die wir einem Buche widmen, das Gefühl haben, unser wirkliches Leben fortzusetzen, und dass zwischen dem erlebten und erdichteten Leben kein Unterschied ist, als der jener Intensität, Klarheit, Übersichtlichkeit und Abrundung und infolge davon jener Gefühlsintensität, die die verklärenden Aufgabe der Kunst ist.2 Mit dem angesprochenen Verlust des freien Willens ging für Fontane auch der Verlust des wissenschaftlichen Spekulierens einher, so „dass kein Zweifel bleibt: die Welt ist des Spekulierens müde und verlangt nach jener ‚frischen grünen Weide‘, die so nach liegt und doch so fern.“3 Diese „frische grüne Weise“ ist der Realismus, die realistische Literatur.

Fontane hielt wenig von allem Romantischen, so dass er das Aufkommen des Realismus als „Wiedergenesung eines Kranken [von der Romantik; Anm.]“4 bezeichnete. Er propagierte die Fortführung der realistischen literarischen Tradition Lessings5 und ein Ende alles sentimental Romantischen. Für ihn waren selbst Goethe und Schiller „entschiedene Vertreter des Realismus, solange sie ‚ungekränkelt von der Blässe des Gedankens‘, lediglich aus einem vollen Dichterherzen heraus ihre Werke schufen“6. Er war damit, wie auch der alte Goethe, ein erklärter Gegner der Überschwänglichkeit der Romantiker. Er macht aber gleichzeitig klar, dass der Realismus sich nicht auf Schilderungen des Elends und der Schattenseiten des Daseins beschränken sollte, „dass man […] Misere mit Realismus verwechselte und bei Darstellung eines sterbenden Proletariers, den hungernde Kinder umstehen, oder gar bei Produktionen jener sogenannten Tendenzbilder (schlesische Weber, das Jagdrecht u. dgl. m.) sich einbildete, der Kunst eine glänzende Richtung vorgezeichnet zu haben“7.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung verortet Theodor Fontane als bedeutendsten Vertreter des poetischen Realismus und führt in die zentralen Untersuchungsgegenstände der Arbeit ein, insbesondere die Verbindung von Literatur und Gesellschaftskritik.

I. Fontanes Realismus: Dieses Kapitel erläutert Fontanes Verständnis von Realismus als Abgrenzung zur romantischen Innerlichkeit und zum naturalistischen Dokumentarismus unter Verwendung des Begriffs der „Verklärung“.

II. Fontanes literarische Gesellschaftskritik: Hier wird untersucht, wie Fontane das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und der bürgerlichen Gesellschaft thematisiert, wobei er den Menschen als durch soziale Faktoren determiniert darstellt.

III. Fontanes voremanzipatorische Gesellschaftskritik: Das letzte Kapitel fokussiert auf die Darstellung weiblicher Figuren und deren Leidensweg in einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die kaum Raum für individuelle Selbstbestimmung lässt.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Poetischer Realismus, Gesellschaftskritik, Romantik, Naturalismus, Verklärung, Effi Briest, Frauenproblematik, bürgerliche Gesellschaft, Individuum, Determinismus, Literaturtheorie, 19. Jahrhundert, Emanzipation, Humanität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Analyse des Werks von Theodor Fontane, wobei der Fokus auf seinem realistischen Literaturverständnis und seiner spezifischen Art der Gesellschaftskritik liegt.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Poetologie des Realismus, dem Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft sowie der literarischen Gestaltung von Frauenschicksalen im Preußen des 19. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Methode der literarischen "Verklärung" komplexe soziale Realitäten abbildet und dabei eine kritische Haltung zu den bürgerlichen Werten seiner Zeit einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung primärer literarischer Texte Fontanes sowie der Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Epoche des Realismus basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Fontanes Realismusbegriff, seine allgemeine Gesellschaftskritik und die spezielle Analyse seiner Darstellung voremanzipatorischer Frauenbilder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Poetischer Realismus, Gesellschaftskritik, Verklärung, Determinismus und Frauenrolle.

Wie bewertet Fontane in seinen Romanen das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft?

Fontane zeichnet das Verhältnis als spannungsgeladen; das Individuum ist bei ihm meist den gesellschaftlichen Normen und der herrschenden Ordnung unterworfen, was für die Charaktere häufig in einer persönlichen Katastrophe endet.

Warum spielt die Frauenproblematik in Fontanes Romanen eine so zentrale Rolle?

Fontane nutzt die Schicksale weiblicher Figuren, um die Widersprüche des damaligen patriarchal-autoritären Preußens aufzuzeigen, da diese Figuren besonders stark unter den gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen und der rigiden Sexualmoral litten.

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Details

Title
Theodor Fontanes realistisches und gesellschaftskritisches Literaturkonzept
College
University of Vienna  (Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Literatur und Gesellschaft
Grade
2
Author
Siawasch Aeenechi (Author)
Publication Year
2016
Pages
24
Catalog Number
V317291
ISBN (eBook)
9783668163201
ISBN (Book)
9783668163218
Language
German
Tags
Theodor Fontane Realismus Emanzipation Gesellschaftskritik Wirklichkeit Gesellschaft Deutsche Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Siawasch Aeenechi (Author), 2016, Theodor Fontanes realistisches und gesellschaftskritisches Literaturkonzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317291
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