Adverb versus Adverbiale. Eine Abgrenzung zwischen Wortart und syntaktischer Funktion


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Adverb versus Adverbiale – Probleme der Unterscheidung

2. Das Adverb – eine Wortart
2.1 Definition
2.2 Einordnung
2.3 Sonderformen und Schwierigkeiten

3. Die Adverbiale – eine syntaktische Funktion
3.1 Definition
3.2 Einteilung

4. Unterscheidung zwischen Wortart Adverb
und syntaktischer Funktion Adverbiale

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Adverb versus Adverbiale – Probleme der Unterscheidung

„Ich halte es nicht für übertrieben zu behaupten, daß das Kapitel Adverb zu den unbefriedigendsten Grammatikkapiteln gehört und daß die Wortart Adverb einem Mülleimer gleicht, in den man alles wirft, was bei seiner grammatischen Einordnung Schwierigkeiten macht.“[1]

Beschäftigt man sich nach dieser negativen Bewertung genauer mit der Wortart Adverb, so gewinnt man während der Erarbeitung dieser Kategorie die Erkenntnis, dass eine eindeutige Definition beziehungsweise eine klare Aufstellung ihres Gebrauchs mit Schwierigkeiten verbunden ist. Versucht man, die Wortart Adverb innerhalb des deutschen Sprachgebrauchs einzuordnen, stößt man bereits zu Beginn auf einige Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten. Ursachen dieser Ungereimtheiten sind unter anderem die Unterscheidung zwischen Adverb und Adjektiv innerhalb der Einteilung der Wortarten, aber auch die Abgrenzung zwischen dem Adverb als Wortart und der Adverbiale als syntaktischer Funktion kann hier als Beispiel genannt werden. Hierbei handelt es sich zwar um zwei grundsätzlich verschiedene Ebenen – Wortart und syntaktische Funktion –, jedoch weißt die Verwechslung von Adverb und adverbialer Bestimmung auf das vorliegende Problem einer mangelnden Trennung hin. Schon aufgrund der Wortähnlichkeit führt es im deutschen Sprachgebrauch und auch in der deutschen Grammatik oftmals zu Verwechslungen oder gar Identitätsverlusten, so dass der Plural von Adverb gerne mit dem Plural der adverbialen Bestimmung – Adverbiale – gleichgesetzt wird. Gleichzeitig darf man aber nicht außer Acht lassen, dass syntaktische Kriterien oftmals eine bedeutende Rolle bei der Klassifikation von Wortarten spielen und somit nicht gänzlich getrennt, sondern mehr ergänzend betrachtet werden müssen. Wortarten begründen sich oftmals auf spezielle syntaktische Funktionen und können sich erst durch sie als eigenständige Kategorie beweisen und eindeutig bestimmt werden.

Am Beispiel Adverb – Adverbiale soll in der vorliegenden Arbeit diesem Problem auf den Grund gegangen werden: Zu Beginn wird die Wortart Adverb dargestellt, um anschließend der syntaktischen Funktion Adverbiale gegenübergestellt werden zu können. Darauffolgend soll versucht werden, eine möglichst genaue Unterscheidung zwischen Adverb und Adverbiale herauszuarbeiten. Abschließend soll das Ergebnis zusammengefasst und kommentiert werden.

2. Das Adverb – eine Wortart

Die eingangs zitierte Aussage Herwig Krenns bezüglich der Wortart Adverb verdeutlicht, dass es nahezu unmöglich ist, eine vollständig zufriedenstellende und detaillierte Definition des Adverbs zu liefern. In verschiedenen deutschen Grammatiken sowie in einem Großteil der Sekundärliteratur findet man immer wieder sich unterscheidende Definitionen, so dass es keine einheitliche Kategorisierung nach Bedeutung und/oder syntaktischer Funktion gibt. Beispielhaft für diese differenzierten Betrachtungsweisen kann man verschiedene Grammatiken betrachten, die ihren Schwerpunkt auf unterschiedliche Kriterien setzen. Um die Anschaulichkeit beizubehalten, behandelt diese Arbeit vor allem die Definitionen des Duden, des Handbuchs der deutschen Wortarten und dem Metzler Lexikon Sprache.[2]

2.1 Definition

Versucht man anhand deutscher Grammatiken die Wortart Adverb genauer zu definieren, stößt man auf unterschiedliche Haltungen. Im Handbuch der deutschen Wortarten heißt es, dass

(d)ie deutsche Bezeichnung Adverb (…) auf die lateinische 'adverbium' zurückzuführen (…) [ist]. Als sprechende Termini bezeichnen sie etwas, das einem Gesagten zugefügt ist. (…) Adverbien sind im Deutschen unflektierbar, sie kongruieren nicht. Sie regieren keinen Kasus (wie die Präpositionen), verbinden nicht funktionsäquivalente Ausdrücke, schließen keine Teilsätze an.[3]

Der Duden bestimmt die Kategorie der Adverbien als „Beiwort zum Verb“ oder auch als „Umstandswort“[4], so dass sie nicht nur Verben, sondern auch Adjektive, andere Adverbien und Substantive modifizieren kann.

Eine gänzliche zufriedenstellende Definition, die alle Fragen beantwortet und eine einheitliche Kategorie darstellt gibt es aufgrund unterschiedlicher Behandlungen in deutschen Grammatiken nicht. In einigen deutschen Grammatiken findet nämlich keine Differenzierung statt, so dass das Adverb lediglich als Teilgruppe der Partikel angesehen wird, wobei diese Überkategorie laut Definitionen alle nichtflektierbaren Wortarten vereint.[5]

In der aktuellen Sprachwissenschaft gilt diese Einordnung jedoch als veraltet und in der modernen Linguistik orientiert man sich vor allem am Wortartenbaum nach Altmann und Hahnemann[6], welcher auch in dieser Arbeit als Grundlage dienen soll.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass mitunter gängige Grammatiken des deutschen Sprachgebrauchs und ein Großteil der Sekundärliteratur unterschiedliche syntaktische und morphologische Kriterien in den Vordergrund stellen. Daraus kann man folgern, dass das Adverb eine heterogene Unterkategorie der unflektierbaren Wortarten ist, was an folgender Abbildung verdeutlicht wird:

Abbildung 1[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Arbeit macht es sich nicht zur Aufgabe, selbst einen Grammatikauszug über das Adverb zu verfassen, sondern wird lediglich die angesprochenen Definitionen auf die relevanten Kriterien zusammenzufassen, um im Folgenden darauf zurückgreifen. Es stellt sich natürlich die Frage nach den Klassifikationskriterien des Adverbs im Speziellen. Aber auch hier gibt es Unterschiede und Schwierigkeiten. Um ein Adverb als solches zu klassifizieren, muss das Hauptaugenmerk auf der jeweiligen Funktion des Wortes liegen. Hierbei spielen die syntaktischen Kriterien eine bedeutende Rolle. So können Adverbien beispielsweise andere Adverbien modifizieren:

Beispiel 1: Der Briefträger kommt schon (Adverb 1) morgens (Adverb 2).

Eine weitere Funktion der Adverbien kann die Bezugnahme auf Substantive sein, wodurch es als Attribut im Satz fungiert.

Beispiel 2: Der Ausflug gestern war schön.

Aber auch Verben können durch Adverbien näher bestimmt werden,

Beispiel 3: Dort wird gefeiert. / Sie wohnt dort.

oder adjektivisch gebraucht werden.[8]

Beispiel 4: die probeweise Einführung

Oberflächlich sollen hier die sogenannten Kommentaradverbien Erwähnung finden, die sich in ihrer Funktion auf den gesamten Satz beziehen.

Beispiel 5: Natürlich haben sie gewonnen.

Derartige Sonderformen sollen aber später noch genauer dargestellt werden.

Betrachtet man nun diese Kriterien genauer, so erkennt man eine der bereits erwähnten Schwierigkeiten des Adverbs, die Homonymien. In diesem Fall übernehmen einzelne Wörter unterschiedliche Funktionen und lassen sich folglich in unterschiedliche Klassen einteilen.[9] (Duden, S. 573)

Beispiel 6:

a) Damit ist sie zufrieden – damit sie zufrieden ist
b) Schon am frühen Morgen – Was hast du schon zu sagen?
c) Sie arbeitet außerhalb der Stadt. – Sie arbeitet außerhalb.

Während im ersten Satz des Beispiels 1a damit am Satzanfang steht und ein Adverb bildet, übt das damit im zweiten Satz die Funktion einer Subjunktion aus. Auch im Beispiel 1b werden die Homonymien zwischen schon als Adverb und schon als Abtönungspartikel deutlich und im dritten Beispiel wird das Ausmaß der Mehrwertigkeit eines Adverbs – in diesem Fall ist außerhalb erst eine Präposition, dann ein Adverb – noch einmal betont.

Nachdem man nun der Bestimmung des Adverbs näher gekommen ist, kann man zusammenfassend sagen, dass eine allgemeingültige Definition besagter Wortart nur schwer möglich ist. Die Wortart ist voller Komplexität. Um diese Komplexität durchschaubarer zu machen, kann man die Wortart Adverb in vier große Unterkategorien einordnen: Temporal-, Lokal-, Modal- und Kausaladverbien.

2.2 Einordnung

Temporaladverbien situieren ein Geschehen, ein Objekt oder Ähnliches in der Zeit und beschreiben eine temporale Beziehung hinsichtlich des Zeitpunkts (jetzt, nun, morgens, heute, gestern), der Dauer (immer, stets, bisher, tagsüber) und der Wiederkehr beziehungsweise der Wiederholung (werktags, manchmal, mehrmals, nochmals). Im Regelfall lässt sich danach mit wann?, wie lange? und wie oft? fragen.

Beispiel 7:

a) Er kommt übermorgen zu Besuch.
b) Tagsüber arbeite ich im Büro.
c) Ich habe mehrmals versucht dich zu erreichen.

Lokaladverbien beschreiben eine Geschehen, ein Objekt oder eine Situation im Raum, können aber auch eine lokale Beziehung darstellen. Innerhalb der Lokaladverbien kann man zusätzlich zwischen statischen Ortsadverbien und direktionalen Richtungsadverbien unterscheiden. Erkennen kann man die Richtungsadverbien oft am Element -hin oder -her. Um Adverbien des Ortes zu bestimmen, kann man die Fragen wo?, woher? oder wohin? stellen.

Beispiel 8:

a) die Bücher stehen oben im Regal. → statisch
b) du musst dorthin gehen. → direktional

Als dritte Kategorie sollen die Modaladverbien erläutert werden. Sie geben Auskunft über die Art und Weise beziehungsweise die Qualität (a) sowie über den Grad beziehungsweise die Quantität oder Intensität (b) eines beschriebenen Geschehens.

Beispiel 8:

a) Ich habe mich vergebens bemüht.
b) Er war zutiefst erschüttert.

Die letzte Unterkategorie, die hier Erwähnung finden soll, sind die Kausaladverbien. Sie begründen meist eine Bedingung, eine Folge oder einen (nicht hinreichenden) Zweck. Adverbien des Grundes erkennt man oftmals an den Endungen -(et)wegen oder -halber und sie können mit Hilfe der Fragen warum?, weshalb? oder weswegen? b estimmt werden.

Beispiel 9:

a) Deinetwegen habe ich mich verletzt.
b) Wozu rufst du mich an?
c) Ich rufe dich deshalb an.

Die semantische Klassifikation der Adverbien nach Ludger Hoffmann ergänzt diese Wortart durch noch spezifischere Kategorien: Frequentativ-. Durativ-, Final-, und Instrumentaladverbien. Bei genauerer Betrachtung kann man diese weiteren Unterteilungen aber meist wieder zurück auf die vier näher behandelten Unterkategorien schließen, sodass die Unterteilung in Temporal-, Lokal-, Modal- und Kausaladverbien für den deutschen Sprachgebrauch ausreicht.[10]

[...]


[1] Krenn, Herwig: Vom lateinischen zum romanischen Adverb. Vorschläge für eine synchron und diachron orientierte Beschreibung, In: Schmitt, Christian (Hrsg): Grammatikographie der romanischen Sprachen, Bonn 1993, 302-318, hier S. 318.

[2] Die genauen bibliographischen Angaben finden sich im Literaturverzeichnis.

[3] Hoffmann, Ludger: Handbuch der deutschen Wortarten, Berlin 2007, S. 223.

[4] Glück, Helmut (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler: Stuttgart, Weimar 2010, S.12.

[5] Vgl. Dudenredaktion (Hrsg.): Der Duden in zwölf Bänden. Bd. 4. Duden - Die Grammatik. 7., völlig neu erarb. Und erw. Aufl. Mannheim [u.a.] 2005, S. 133.

[6] Vgl. Altmann, Hans/Hahnemann, Suzan.: Syntax fürs Examen. Studien- und Arbeitsbuch, dritte Auflage, Wiesbaden 2005, S. 33.

[7] Diese vereinfachte Darstellung orientiert sich am Wortklassifikationsschema aus Altmann, Hans/ Hahnemann, Suzan.: Syntax fürs Examen. Studien- und Arbeitsbuch, dritte Auflage, Wiesbaden 2005, S. 33.

[8] Vgl. Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache (Bd. 4). 6., neu bearb. Aufl. Bearb. von Peter Eisenberg u.a. Mannheim 1998.

[9] Duden, S.573.

[10] Hoffmann, Ludger (Hrsg.): Deutsche Wortarten, Berlin 2007, S.224f

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Adverb versus Adverbiale. Eine Abgrenzung zwischen Wortart und syntaktischer Funktion
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Wortarten
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V317458
ISBN (eBook)
9783668168589
ISBN (Buch)
9783668168596
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adverb, Adverbiale, Wortarten, syntaktische Funktion
Arbeit zitieren
Eva Sailer (Autor), 2012, Adverb versus Adverbiale. Eine Abgrenzung zwischen Wortart und syntaktischer Funktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317458

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